Amorphis + Long Distance Calling

Dienstag, 29.11.2016. Ein klarer, kalter Novembertag neigt sich dem Ende zu, und die untergehende Sonne zaubert ein beeindruckendes Farbspiel aus roten, orangen und blauen Tönen an den Horizont. Was gibt es Schöneres, als sich so auf dieses ganz besondere Amorphis Konzert einzustimmen. Anlässlich des zehnten Jubiläums von „Eclipse“ spielen die Finnen heute nämlich einen von sechs speziellen Auftritten zu eben jenem Album. Als Vorband ist heute Abend die Münsteraner Post-Rock Truppe Long Distance Calling mit dabei.

Leider ist das Herforder X noch recht mäßig gefüllt, als Long Distance Calling ihren Auftritt gegen 20:00 Uhr beginnen. Auch die Stimmung im Publikum hält sich zunächst doch einigermaßen in Grenzen. Aber der Vierer weiß zu überzeugen und kann die Anwesenden schnell auf seine Seite ziehen. Dabei profitiert die Band von einem echt guten Sound. Die komplett instrumentalen Songs kommen ziemlich groovig rüber und sorgen schon bald für das ein oder andere Kopfnicken. Und auch, wenn die Stücke doch recht komplex und anspruchsvoll sind, ernten Long Distance Calling für ihren gut vierzigminütigen Gig weit mehr als nur Anstandsapplaus. Respekt, so muss man das machen.

Nach diesem souveränen Auftritt überrascht es nicht nur mich, dass Amorphis zunächst einen ziemlich matschigen und unausgewogenen Sound haben und ihren Auftritt somit recht wackelig beginnen. Besonders ärgerlich ist, dass hierdurch natürlich Hits wie „House Of Sleep“ und „Leaves Scar“ dem miesen Sound zum Opfer fallen. Nach und nach bekommt der Soundman das Problem dann aber doch noch in den Griff und etwa ab dem vierten, fünften Song klingt es deutlich besser. Das ist aber auch bitter nötig, denn mit „Perkele“ steht schon der nächste Klassiker in den Startlöchern. Mit lautem Klatschen und Headbangen wird der Song vom mittlerweile ordentlich gefüllten X auch gut abgefeiert. Die Band wirkt heute sehr routiniert, vielleicht sogar etwas zu routiniert, und so kommen viele Songs für meinen Geschmack etwas zu lustlos rüber. Zwar interagiert Sänger Tomi Joutsen auch mit dem Publikum, hebt hin und wieder seine Arme oder streckt den Mikroständer in die Luft. Insgesamt hätte ich allerdings etwas mehr Action erwartet. Dass man dann nach dem „Eclipse“-Set zunächst mit Akustikversionen von „Enigma“ und „My Kantele“ wieder auf die Bühne kommt, trägt dann auch nicht unbedingt zur Feierstimmung bei.

Doch zum Ende bekommen die Finnen dann doch noch die Kurve und liefern mit „From The Heaven Of My Heart“ und dem grandiosen „Sampo“ ein furioses Finale ab. Und plötzlich ist auch das Herforder Publikum wieder voll da und singt und klatscht. Im letzten Zugabenblock kann Amorphis ebenfalls mit dem „Skyforger“-Material punkten. Während man zunächst den Titeltrack des Albums zum Besten gibt, wird das knapp 90-minütige Konzert dann mit „Silverbride“ würdig abgeschlossen. Nachdem der Applaus verklungen ist geben die Jungs noch ein paar Autogramme, und dann sind sie auch schon wieder verschwunden.

Irgendwie ging der heutige Konzertabend verdammt schnell rum. Amorphis haben eine ordentliche Show gespielt, wenn auch ohne große Highlights. Ob das nun an den „Eclipse“- Stücken, der Location, dem Termin oder vielleicht an einer Mischung aus allem liegt, lässt sich schwer sagen. Meine Konzertbegleiter und ich sind uns aber einig, dass wir Amorphis schon besser gesehen haben. Ich erinnere da nur gerne an das „Tales From The Thousand Lakes“- Jubiläumskonzert am 31.12.2014 in Essen. Aber gut, man kann nicht immer alles haben.

Setlist Long Distance Calling

  1. Into The Black Wide Open
  2. Black Paper Planes
  3. Trauma
  4. Momentum
  5. Arecibo
  6. Metulsky

Setlist Amorphis

  1. 2 Moons
  2. House Of Sleep
  3. Leaves Scar
  4. Born From Fire
  5. Under A Soil
  6. Perkele
  7. Smoke
  8. Same Flesh
  9. Brother Moon
  10. Empty Opening
  1. Enigma (Akustisch)
  2. My Kantele (Akustisch)
  3. From The Heaven Of My Heart
  4. Sampo

Zugabe

  1. Skyforger
  2. Silver Bride

 

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1 Kommentar

  1. Es war ein schöner Abend. Die beiden Akustiklieder hätte man aber auch gut und gerne durch etwas schnellere Lieder ersetzen können. Vielleicht war es auch dem Tourauftakt geschuldet, dass das Set insgesamt nicht so flott und perfekt rüberkam.
    Hingegen war es ein echtes Highlight, Long Distance Calling mal wieder ohne Sänger erleben zu dürfen.

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