Equilibrium, Heidevolk, Finsterforst, Nothgard

Ein ordentliches Folk/Pagan Package verwandelte am vergangenen Samstag die Matrix in Bochum kurzerhand in so etwas wie ein Römisches Dampfbad. Bei schweißtreibenden Temperaturen feierten Nothgard, Finsterforst, Heidevolk und Equilibrium mit ihren Fans eine fette Sause. Da durfte natürlich auch Heavy Stage Force nicht fehlen.

Eröffnet wird der Abend von den bayrischen Melo Deathern Nothgard, die schon jetzt für gut Stimmung sorgen. Anscheinend haben einige Fans nicht mitbekommen, dass das Konzert bereits um 18:30 Uhr beginnt. So hat man zu Beginn des Sets noch gut Platz vor der Bühne. Im Laufe des Auftritts füllt sich die Tube aber zusehends. Bei ganz annehmbarem Sound und einer für diese frühe Uhrzeit schon recht guten Lichtshow prügeln sich die Jungs recht agil durch ein buntes Repertoire ihres bisherigen Schaffens. Teilweise klingt das Schlagzeug vorne zwar etwas blechern, die filigranen Gitarrenleads und der Gesang kommen aber gut durch. Sänger und Leadgitarrist Dom R. Crey erinnert dabei mit seinem Stageacting und seinem Gitarrenspiel gewaltig an einen gewissen Alexi Laiho. Dem Publikum gefällt es aber auf jeden Fall, und so wird jeder Song mit lautem Schreien und Klatschen abgefeiert. Bei „In Blood Remained“ wird sogar die erste Wall of Death des Abends gestartet. Damit liefern Nothgard einen Auftakt nach Maß ab, der Lust auf mehr macht.

Deutlich düsterer kommt dann das Intro zum Finsterforst Gig rüber. Lediglich Sänger Oliver Berlin wirkt mit seiner neongrünen Leuchtbrille zunächst etwas deplatziert. So folgt auch auf dem Fuße die Entschuldigung für das „Ach so lustige letzte Album“ („#YØLØ“), welches ja bei Fans kontrovers diskutiert wird. Spätestens aber als dann „Zeit Für Hass“ intoniert wird, haben Finsterforst die Bochumer Matrix voll auf ihrer Seite. Aus dem Publikum schallen laute Hey, Hey Rufe, die Temperatur steigt und der Platz vor der Bühne ist jetzt schon derbe voll. Auch Finsterforst können sich über einen für Matrix-Verhältnisse ganz ordentlichen Sound freuen, und so ist es auch kein Wunder, dass die Fans gut mitgehen. Beim Titeltrack des aktuellen Albums „#YØLØ“ veranstaltet die Band auf der Bühne mal eben einen kleinen Circle Pit und scheint dabei mächtig Spaß zu haben. Bei den Schwarzwald-Metallern darf der Black Forest Metal halt auch mal lustig sein. Zum Ende des Gigs vertraut man mit „Mach Dich Frei“ dann aber doch wieder auf Altbewährtes, was auch den gewünschten Anklang findet.

Weiter geht es mit Heidevolk. Die niederländische Gute-Laune-Fraktion ist unlängst für ihre ausgelassenen Konzerte bekannt. Und auch heute kann die Truppe um das Sängerduo Lars Nachtbraecker und Neu-Sänger Jacco De Wijs wieder ein kräftiges Partyfeuerwerk abfackeln. Zunächst wirkt es zwar etwas merkwürdig, da vorne auf der Bühne nicht Mark Splintervuyscht zu sehen ist, doch der Neue an den Vocals macht seine Sache sehr ordentlich und kann mit seiner tollen klaren Stimme überzeugen. Gleiches gilt im Übrigen auch für die anderen Bandmitglieder, die allesamt beste Laune versprühen. Und die gute Laune wird vom Publikum aufgesogen, wie von einem Schwamm. Bei „Saksenland“ tanzt dann die ganze Halle, und es wandern immer wieder Crowdsurfer nach vorne. Das habe ich selten so heftig erlebt. Aber auch neuere Sachen, wie „Drankgelag“ oder „Vinland“, finden Anklang. Bei letzterem betreibt die Band sogar ein cooles Mitsingspielchen, bei welchem die Fans immer wieder die Textzeile „Hail to Vinland“ singen müssen, was diese auch lautstark machen. Kurz vor dem Ende wird noch „Aushilfsgitarrist“ Danny dafür gedankt, dass er während der ersten zehn Shows der Tour eingesprungen ist. Als Dankeschön erhält er einen wackelnden Bayernhut, der ein wenig an den sprechenden Hut aus den Harry Potter Filmen erinnert. Die Band erntet dafür lautes Lachen und Klatschen. Abgeschlossen wird der fulminante Auftritt dann vom All-Time-Klassiker „Vulgaris Magistralis“, bei dem Band und Fans noch einmal alles geben.

Equilibrium lassen sich dann etwas bitten und kommen ca. 10 Minuten später als angekündigt auf die Bühne, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die Band wird frenetisch empfangen, als sie die in tief dunkelrotes Licht und Nebel gehüllte Bühne zu den Klängen des „Armageddon“ Openers „Sehnsucht“ betritt. Es folgen mit „Erwachen“ und „Katharsis“ zunächst zwei weitere Stücke vom aktuellen Album, die sofort deutlich machen, wer hier heute Abend der Headliner ist. Die Band ist sehr gut aufeinander eingespielt und man spürt, dass die neuen Stücke gut auf Robses Gesang abgestimmt sind. Auch der Sound ist, zumindest vorne, recht druckvoll. Weiter hinten sind Bass und Schlagzeug zwischenzeitlich etwas dünn, und der Gesang klingt etwas sehr gekrächzt. Außerdem ist die Bühne für meinen Geschmack etwas zu dunkel. Es ist schon echt blöd, wenn man teilweise nicht mal die Gesichter der Musiker erkennen kann, obwohl sie direkt vor einem stehen. Vom Fotografieren will ich da noch überhaupt nicht reden. Aber sei’s drum. Was mir deutlich mehr zu schaffen macht, ist die unglaubliche Hitze in der Bude. Spätestens als bei „Blut Im Auge“ die Party so richtig losgeht, kommt man sich vor als hätte jemand gerade einen Saunaaufguss gemacht. Selbst das Objektiv meiner Kamera beschlägt. Als sehr erfreulich ist hier zu bewerten, dass während des Gigs immer wieder Wasserflaschen von der Security an die in den ersten Reihen stehenden Fans verteilt werden.

Auch Sänger Robse ermutigt zur Flüssigkeitsaufnahme, um eine drohende Dehydrierung zu verhindern. Allerdings verrät sein breites Grinsen, dass er damit wohl eher andere Getränke als Wasser im Sinn hat. Sowieso ist der Frontmann heute sehr gut drauf und flachst auf seine gewohnt sympathische Art mit dem Publikum. Da ist es dann auch kein Wunder, dass wirklich jeder Song nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wird. Egal ob „Heimat“, „Prey“ oder das doch etwas stumpfsinnige Sauflied „Unsrer Flöten Klang“, alles wird bereitwillig aufgenommen. Selbst das etwas gewöhnungsbedürftige „Born To Be Epic“ sorgt für reichlich Bewegung im Pit. Abgeschlossen wird der reguläre Teil des Konzerts mit den zwei Equilibrium Perlen „Nordheim“ und „Unbesiegt“, die der Band und den Fans noch einmal alles abverlangen.

Doch noch ist nicht Schluss. In der Zugabe beweist das Bochumer Publikum dann noch einmal Stehvermögen. Selbst zum Arme Hin-und-Her-Schwenken bei „Freiflug“ reicht es noch. Und der Mitsingpart am Ende sorgt dann schon irgendwie für ein bisschen Gänsehautfeeling. Höhepunkt der Zugabe ist aber natürlich das Doppelpack aus „Der Sturm“ und „Heimwärts“ mit dem auch die „mehr-Altes-Fraktion“ voll und ganz befriedigt sein sollte. Nach „Eternal Destination“ ist dann aber endgültig Schluss.

Und damit geht ein insgesamt gelungener Konzertabend zu Ende. Man mag über die jüngere Entwicklung bei Equilibrium denken, was man will. Live funktioniert die Band bestens. Und auch das Vorprogramm war heute allererste Sahne und rundet den Abend damit bestens ab.

Setllist Nothgard

  1. Draining Veins
  2. Warhorns Of Midgard
  3. Age Of Pandora
  4. Sinner’s Sake
  5. Blackened Seed
  6. In Blood Remained
  7. Lex Talionis

 Setlist Finsterforst

  1. Bottle Gods
  2. Zeit Für Hass
  3. Auf Die Zwölf
  4. #YØLØ
  5. Mach Dich Frei

Setlist Heidevolk

Intro: Dageraad

  1. Winter Woede
  2. Opstand der Bataven
  3. De Toekomst Lonkt
  4. Saksenland
  5. Urth
  6. Drankgelag
  7. Nehalennia
  8. Vinland
  9. Velua
  10. Herboren In Vlammen
  11. Vulgaris Magistralis

Outro: Veleda

Equilibrium

Intro: Sehnsucht

  1. Erwachen
  2. Katharsis
  3. Waldschrein
  4. Heimat
  5. Karawane
  6. Blut Im Auge
  7. Prey
  8. Born To Be Epic
  9. Uns’rer Flöten Klang
  10. Himmelsrand (Skyrim Cover)
  11. Nordheim
  12. Unbesiegt

Zugabe

  1. Rise Again
  2. Freiflug
  3. Der Sturm
  4. Heimwärts
  5. Eternal Destination
« 1 von 2 »
Über Erle 114 Artikel
Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.