Festivalbericht – Metal Embrace Festival 2017

Metal Embrace 2017

Mit dem kleinen aber feinen Metal Embrace Festival in Barleben bei Magdeburg beschließt das Heavy Stage Force Team die Open Air Festivalsaison 2017. Dabei ist das kultige Underground Festival ideal um bei einigen Kaltgetränken in gemütlicher Runde über große und kleine Festivals, die Leistung der auftretenden Bands und die Metal-Szene insgesamt zu philosophieren. Im Mittelpunkt stehen aber auch hier die zumeist kleinen Bands, die alle sorgsam ausgewählt werden und allesamt mit Spielfreude und Enthusiasmus zu überzeugen wissen.

Eröffnet wird das Festival am Freitag von Beatray aus Diesdorf bei Salzwedel. Die Jungs thrashen ordentlich los und können damit schon gut 20-30 Nasen vor die Bühne locken. Und auch wenn es insgesamt noch etwas dumpf klingt und der Gesang nicht so richtig durchkommt, werden vor der Bühne schon die Matten geschwungen und gefeiert. Ein Einstand nach Maß. Die dann folgenden Thorondir leben vor allem von ihrem charismatischen Sänger, der sowohl den guturalen Gesang wie auch hohe Screams fast perfekt beherrst. Ebenfalls gut abgestimmt ist das Instrumentalkonzept, das mit seinen aggressiven, aber auch melodischen Gitarren sowie den opulenten Keyboardsounds einen atmosphärischen Gesamtklang entwickeln. Das ist Pagan Metal ohne jeglichen Kitsch und Anbiederung, dafür aber mit viel Gefühl. Eradicator sorgen dann von Anfang an für richtig gute Laune und rufen schnell einige Headbanger auf den Plan, die zusammen mit der Band eine amtliche Thrash-Metal-Party feiern. Sänger Seba macht mit seiner wilden Haarpracht eine gute Figur und hält das Tempo mit seinen kurzen und knappen Ansagen hoch. Ganz besonders bei „Possesed By The Devil“ vom 2009er Output „The Atomic Blast“ geht es mächtig zur Sache. Von gleicher Güte ist das ziemlich fett groovende „Capital Punishment“, was den Gig eindrucksvoll abschließt.

Auch bei Traitor rollt die Thrash-Walze weiter. Mittlerweile hat sich die Halle auch schon ganz gut gefüllt und vom Publikum ertönen die ersten „Hey, Hey…“-Rufe und die Pommesgabeln werden in die Luft gestreckt. Schlagzeuger Andreas Mozer, der auch gleichzeitig für den Gesang zuständig ist, legt ein fetziges Tempo vor und heizt den Fans damit ordentlich ein. Und so wird es ein kurzweiliges Stelldichein, welches mit einem etwas räudigen Cover des Ramones-Klassikers „Blitzkrieg Bop“ garniert wird. Danach kommen wir auch schon zum ersten Höhepunkt des Abends, als die Haudegen von Macbeth die Bühne entern und den „Gotteskrieger“ auf das Metal-Embrace-Publikum loslassen. Sofort hat Frontmann Oliver Hippauf die Meute mit seinem charismatischen Auftreten und seiner kratzigen Stimme voll im Griff.  Auch „WN62“ kommt bestens an und wird lautstark bejubelt. Die weiteren Protagonisten auf der Bühne, allen voran Bassist Hanjo Pabst, machen ebenfalls eine sehr gute Figur und zeigen einmal mehr ihre Spielfreude. Und kaum hat der Gig begonnen, da biegen die Jungs schon auf die Zielgerade ein. Doch die hat es mit dem Klaus Doldinger-Cover „Das Boot“ und dem „Stalingrad“-Epos noch einmal so richtig in sich, sodass der gut 45-minütige Gig fulminant beschlossen wird.

Parasite Inc. liefern dann eine Stunde lang feinsten Melodic Death Metal ab, der bis ins Mark geht und beim Publikum für Begeisterung sorgt. Schon beim Opener „Back For War“ geht es gut zur Sache. Auch wenn die Band auf der Bühne zunächst etwas distanziert wirkt, schaffen es die Aaalener doch für Bewegung im Pit zu sorgen. Es wird gebangt, geklatscht und gesprungen. Der Sound ist, bis auf die fehlende Lead-Gitarre bei „Armageddon 16 To 9“ für Metal-Embrace-Verhältnisse sogar richtig gut. Außerdem wird die Show noch von Rauchsäulen und einer gut abgestimmten Lichtshow unterstützt. Die Songauswahl beschränkt sich erwartungsgemäß weitestgehend auf das einzige Album „Time Tears Down“ mit welchem die Band 2013 für mächtig Aufsehen in der Szene sorgte. Zwischendurch werden aber auch schon einmal zwei neue Songs eingestreut, die ebenfalls derbe abgefeiert werden. Zum Ende gibt es noch einige Moshpits, bevor die Band mit erhobenen Pommesgabeln in den Feierabend geschickt wird. Das fühlte sich schon nach Headliner an.

Nach diesem fulminanten Gig haben es die Headliner Disbelief spürbar schwer, Stimmung in die Hütte zu bekommen. Ein Großteil der Besucher scheint irgendwie müde zu sein. Außerdem ist gerade zu Beginn des Gigs nicht so viel los. Erst langsam pilgern noch ein paar Hartgesottene wieder vor die Bühne. Diejenigen, die da sind, haben dann aber noch eine ganze Menge Spaß. Die Hessen ballern sich bei gutem Sound durch ein buntes Set, das von vorne bis hinten gut ankommt. Sänger Karsten Jäger ist stimmlich gut aufgelegt, grunzt mal rotzig, mal keifend ins Mikro und wird dabei gekonnt von Gitarre, Bass und Schlagzeug flankiert. Insgesamt eine gute Leistung, wofür die Band dann zum Ende auch mit einer fetten Portion Beifall belohnt wird.

Samstag

Der Samstag beginnt derbe. Die Wolfsburger Death-Metal-Fraktion Kinnara lässt ordentlich die Sau raus und kann damit schon einmal für Stimmung sorgen. Sänger Andre Pennewitz grunzt so illustre Titel wie „Asshole Illumination“ oder „Jump Into My Asshole“ bitterböse und mit Inbrunst ins Mikro. Dazu gesellen sich die tiefgestimmte Gitarre, ein wummernder Bass und ein von Blastbeat-Attacken geprägtes Schlagzeug. Das geht mächtig auf die Rübe und begeistert den ein oder anderen bereits jetzt zu körperlicher Aktivität. Zum Ende gibt es sogar noch einen Mini-Circle-Pit. Düsteren, atmosphärischen Black Metal liefern dann Frigoris. Lange Instrumentalteile, die von Melodie und Tiefgang geprägt sind, entführen den geneigten Zuhörer in eine ganz eigene Welt voller Melancholie. Dabei ist der Sound insgesamt sehr ausgewogen und die Lautstärke nicht so derbe, wie am Freitag. Das kommt der Band zugute, die mit ihrem Auftritt einen nicht unerheblichen Teil der Besucher in die Halle locken können. Hier und da werden sogar einige Matten geschwungen. Das Kontrastprogramm folgt auf dem Fuße in Person der italienischen Band Alltheniko. Das Trio spielt schnellen, melodischen Power Metal ohne dabei allzu kitschig zu wirken. Von Anfang an geben die Jungs Vollgas und nehmen die Bühne komplett für sich ein. Und als wäre diese nicht groß genug, machen Sänger und Bassist Dave Nightfield sowie Gitarrist Luke the Idol immer wieder Ausflüge ins Publikum. Leider, muss man sagen, ist dafür vor der Bühne auch reichlich Platz. Nur etwa 20 Nasen geben sich dieses coole Schauspiel. Schade, die Jungs hätten für ihren Einsatz durchaus mehr Applaus verdient gehabt.

Bei Dvalin wird es dann voll auf der Bühne. Insgesamt sieben Musiker, darunter auch zwei Dudelsackspieler, bevölkern die Bühne. Und diese sieben schicken sich dann an, eine gewaltige Party mit dem Metal Embrace zu feiern. Mit „Hey, Hey“-Rufen wird dem Publikum eingeheizt und für Stimmung gesorgt. Sänger Nico weiß mit seinem abwechselnd grunzenden, keifenden und cleanen Gesang zu überzeugen. Dafür zollen ihm auch die Zuschauer, die nun wieder vermehrt vor die Bühne pilgern, Respekt. Als richtige Frontsau entpuppt er sich bei „Unter den Eichen“, zu welchem er gesangliche Unterstützung vom Publikum einfordert und natürlich auch bekommt. Doch neben bierseligen Mitsingliedern liefert Dvalin auch noch ein paar böse und knallharte Stücke, womit die Band noch einmal ihren Death-Metal-Einfluss unterstreicht. Insgesamt liefern die Jungs also einen energiegeladenen Gig ab, der Folk- und Pagan Metal noch einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Decembre Noir bedienen dann einmal mehr die düster melancholische Zielgruppe. Mit ihren ausgewogenen und sehr tiefgehenden Kompositionen klingt die Band ein wenig nach Paradise Lost in ihrer Frühphase. Im Mittelpunkt steht ganz klar der charismatische und ausdrucksstarke Gesang, der von einem doomig anmutenden Arrangement getragen wird. Das Tempo variiert zwischen langsamen, manchmal schleppenden sowie schnellen, springenden Teilen, die von filigranen Gitarrenriffs und einem treibenden Schlagzeug geprägt sind. Leider versaut der etwas matschige Sound den Jungs von Decembre Noir ein wenig die Tour.  Nichtsdestotrotz bekommen sie von der gut gefüllten Halle ordentlich Applaus.

Danach bekommt die Doublebass-Maschine dann richtig was zu tun, denn bei Krater, der einzigen waschechten Black Metal Band des Festivals, werden die Felle hier nämlich mal so richtig verdrescht. Und das scheint auch nach dem Geschmack des Barlebener Publikums zu sein. So nach und nach ziehen immer mehr Leute vor die Bühne und feiern das vor musikalischer Brutalität triefende Schwarzmetall des Fünfers aus Sachsen. Die Gitarren bereiten einen knatternden Klangteppich, auf den sich der zumeist böse keifende Gesang legt, womit die Band insgesamt sehr authentisch rüberkommt. Und mit ihren rot/schwarz/weißen Corpsepaints bedient die Band auch optisch jegliches Black-Metal-Klischee. Dragonsfire sorgen dann mit einer Mischung aus Speed-, Power-, und Thrashmetal für gute Laune. Leider ist aber auch hier mal wieder nicht so viel los. Insgesamt scheint das Metal Embrace kein Pflaster für Power-Metal-Bands zu sein. Doch davon lassen sich die Jungs nicht aus der Ruhe bringen und zocken ein energiegeladenes, abwechslungsreiches Set runter, welches sich quer durch die Bandgeschichte zieht. Neben Songs der beiden Full-length-Alben „Visions Of Fire“ und „Metal Service“ finden auch die EPs „Speed Demon“ und „Metal X“ Berücksichtigung. Richtig gut kommt auch das neue Stück „Back To Battle“ an, welches mit ein paar coolen Riffs aufwarten kann. Auch die zwischenzeitlichen technischen Schwierigkeiten werden von Sänger Tim Zahn gekonnt und lustig überbrückt. Bei „Cider Victims“ wird dann seitens der Band noch eine Runde Äppelwoi an die Anwesenden ausgeschenkt, was die Stimmung in der Halle noch einmal hochkochen lässt. Zum Schluss kommt der richtig coole Auftritt dann einige Songs später mit der bandeigenen Hymne „Dragsonsfire Rockxxx“. Bei Arroganz wird es dann wieder richtig düster. Das Trio aus Cottbus liefert ziemlich räudigen Black Metal mit Ambient- und Doom-Einflüssen ab. Die Halle ist gut gefüllt und die Zuschauer saugen die aggressiv-melancholische Stimmung förmlich in sich auf. Für laute Zustimmung sorgt dann auch die Ansage, dass man nun etwas mehr „Old School Shit“ spielen wolle. Im zweiten Teil des Auftritts wird es dann etwas rhythmischer und schneller. In manchen Passagen erinnert die Band ein wenig an Pro Pain, was natürlich ordentlich in die Luft gestreckte Fäuste und Mattenschwinger auf den Plan ruft. Und natürlich bekommen die Fans zum Ende auch die wohlverdiente Zugabe.

Den Slot des Co-Headliners belegt heute Kambrium. Der Fünfer aus Helmstedt hat richtig Bock und geht auf der Bühne voll ab. Mit „Abyssal Streams“ vom aktuellen Album „The Elder’s Realm“ wird der Reigen eröffnet und sofort feiert und klatscht die ganze Halle. Der anfangs etwas schlecht ausgesteuerte Sound verbessert sich im Laufe der Spieldauer zusehends, sodass man insgesamt sehr zufrieden sein kann. Zudem überzeugt Kambrium mit einer enormen Spielfreude, mitreißenden Ansagen und einer musikalisch sehr ansprechenden Show. Mit Granaten wie „Taken By The Storm“ oder dem genialen „Season Of The Sea Witch“ bringen die Jungs ordentlich Bewegung in den Pit und beweisen eindrucksvoll, dass in den nächsten Jahren auch auf größeren Bühnen mit Kambrium zu rechnen ist. Heute legt die Truppe jedenfalls den für mich besten Gig des gesamten Festivals hin. Nach so einem Bombengig hat es der nominelle Headliner Dew Scented natürlich schwer. Sänger Leif Jensen nimmt das aber gelassen und witzelt: „Wir erleben euch immer nur verkatert. Entweder morgens um elf oder nachts um zwei“. Und natürlich wird die Band von ihren Fans auch nicht hängengelassen, sondern ordentlich abgefeiert. Dabei thrashen sich die Niedersachsen munter durch ihr Set und können vor allem mit ihrer natürlichen Art überzeugen. Auch das Bass- und Schlagzeugsolo zum Ende des Gigs wird vom Publikum wohlwollend aufgenommen und beklatscht, bevor es zum großen Finale noch einmal heftig abgeht. Und weil ja nach dem regulären Set noch nicht Schluss sein darf, gibt es auch noch zwei Zugaben, die dann für einen würdigen Abschluss des Gigs und des Festivals sorgen.

Und damit ist auch das elfte Metal Embrace Geschichte. Abschließend lässt sich wieder einmal sagen, dass sich der Besuch voll und ganz gelohnt hat. Faire Preise, eine klasse Bandauswahl und die tolle, gemütliche Atmosphäre sprechen einfach für sich. Auch beim größten Kritikpunkt des letzten Jahres, dem Sound, hat sich einiges getan. Wenn auch noch nicht immer hundertprozentig, so war der Sound in diesem Jahr doch deutlich besser. Ebenfalls hat sich bezahlt gemacht, dass die Bühne in einer Halle stand. So konnte man den Bands lauschen ohne sich nass regnen zu lassen. RW und sein Team haben auch in diesem Jahr wieder ganze Arbeit geleistet und schon wieder Lust auf das nächste Metal Embrace gemacht. Die 2018er-Ausgabe findet im Übrigen vom 07.09. bis 08.09.2018 statt.

 

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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