Festivalbericht – Rockharz Festival 2016

Wie seit mittlerweile sieben Jahren, findet das Rockharz Festival auch in diesem Jahr wieder am Fuße der Teufelsmauer in Ballenstedt im wunderschönen Harz statt. Nach dem Umzug im Jahr 2009 hat sich das Festival auf diesem Gelände bestens weiterentwickelt und sich so eine große Fanbase erarbeitet. Darüber hinaus gehört es zu den schönsten und markantesten Festivals dieser Größenordnung in Deutschland. Kein Wunder also, dass das Festival schon Wochen vorher ausverkauft ist. Das übrigens bereits zum dritten Mal in Folge. Voller Erwartung machte sich also auch unser kleines Reporterteam auf den Weg.

Mittwoch

Die Anreise zum Festival verläuft einwandfrei. An der Einlasskontrolle geht es zügig und schnell hat man ein passendes Plätzchen gefunden. Hier zahlt sich aus, dass die Veranstalter die Öffnungszeiten erweitert haben und nun auch eine Dienstagsanreise möglich ist. Doch auch trotz Frühanreise, bekommt man auch am Mittwochvormittag noch passable Plätze ohne eine halbe Ewigkeit zur Bühne marschieren zu müssen.

Womit wir auch gleich zum Wesentlichen kommen, den Bands. Eröffnet wird das Festival in diesem Jahr von der Black Metal Truppe Mors Principium Est, die sich bereits über ein gut gefülltes Infield freuen dürfen. Bei ziemlich kräftigem Wind und Sonnenschein zocken die Jungs ein bretthartes Set durch und sorgen bereits jetzt für den ersten Circle Pit. Auch Kissin‘ Dynamite können mit ihrem irgendwie lustigen Glamrock überzeugen. Vor der Bühne wird jedenfalls ordentlich in die Hände geklatscht. Cool rüber kommt auch „I Will Be King“, bei welchem sich Sänger Hannes kurzerhand einen purpurnen Umhang umwirft.

Die Attraktion des Abends ist jedoch der Auftritt der fränkischen Blödelbarone von J.B.O. Das Gelände ist jetzt richtig gut gefüllt und die Leute, die wieder einmal mit allerlei Utensilien, wie Plastik- Einhörnern, Gummipuppen usw. vor der Bühne stehen, haben Bock zum Feiern. Und so wird die Band natürlich frenetisch empfangen und abgefeiert. Spätestens bei „Bolle“ bricht die Party dann vollends aus. Bei „Vier Finger für eine Halleluja“ fliegen ordentlich Hände in die Luft und auch sonst funktioniert der Zirkus wieder hervorragend. Als besonderes Schmankerl haben J.B.O. heute sogar zwei Stücke vom neuen Album mit am Start. Für totale Ekstase sorgt natürlich die Party Hymne „Wacken ist nur einmal im Jahr“. Aber auch die Eigenkomposition „Ich hätt gern mehr“ weiß zu überzeugen. Schade nur, dass es nicht noch ein paar mehr neue Stücke gibt. Und die Aktion, bei welcher ein großes Netz voller rosa Bälle von einem riesigen Kran abgeworfen wird, verweht im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde. Der Großteil der Bälle landet nämlich aufgrund des starken Windes nicht auf der freigesperrten Fläche vor der Bühne, sondern hinter der Absperrung. Naja, die Fans scheint es weniger zu stören und so wird bis zum Ende kräftig gefeiert. Es folgen noch Klassiker wie „Verteidiger des Blödsinns“ und natürlich „Ein guter Tag zum Sterben“, welches heute allerdings nicht bis zum Erbrechen in die Länge gezogen wird. Als Zugabe gibt es noch „Ein bisschen Frieden“ bevor sich die Band endgültig von der Bühne verabschiedet.

Donnerstag

Am Donnerstagmorgen lassen wir uns zum Frühstück von Hackneyed erst einmal gehörig den Schmalz aus den Ohren blasen. Die Jungs machen schon bereits jetzt ordentlich Dampf und können auf ganzer Linie überzeugen. Sänger Philipp Mazal grunzt gepflegt vor sich hin und auch die Gitarrenfraktion lässt sich nicht lumpen und zockt ein Riffgewitter nach dem anderen runter. Dazu knallt die Sonne schon wieder beinahe unbarmherzig hernieder. Wie kann man besser einen Festivaltag beginnen? Direkt im Anschluss daran werden die Melodeather von Deadlock bereits freudig erwartet und mit „Hey Hey“ Rufen begrüßt. Viele der Anwesenden sind sicher auf Neu-Sängerin Margie Gerlitz gespannt. Die macht ihre Sache aber bestens und fügt sich toll in das Gesamtkonzept aus tiefen Growls, filigranen Gitarrenparts und melodischen Hooklines ein. Das findet auch das Publikum toll und dankt es der Band mit Hüpfen, Klatschen und vereinzeltem Headbangen. Ein gänzlich anderes Publikum sprechen dann Grand Magus an, die zur besten Kaffeezeit auf der Bühne stehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten liefert die PA den gewünschten und gewohnten druckvollen Sound, der das Trio ausmacht. Ohne viel Schnick Schnack zelebrieren die Schweden ihre Stoner Doom Hymnen und zaubern damit so manche Pommesgabel in die Luft. Dabei kommen neue Songs wie „Varangian“ ebenso gut an, wie Klassiker der Marke „Iron Will“. Richtig klasse kommt heute auch „Like The Oar Strikes The Water“ an.

Wenn man bedenkt, dass man Annihilator in Deutschland zumindest gefühlt doch eher selten live zu Gesicht bekommt, ist es dafür eher mäßig gefüllt, als die Kanadier ihren Set mit „King Of The Kill“ beginnen. Davon lässt sich die Band jedoch nicht beirren und spielt routiniert ihr Set runter. Dabei brilliert Jeff Waters immer wieder mit seinen wilden Soli und pfeilschnellen Riffs, die eine enorme Energie freisetzen. Leider wird das vom Publikum nur bedingt gewürdigt. Selbst beim All-Time Hit „Alice in Hell“ gehen nur zwischendurch die Hände in die Luft. Und das, obwohl die Jungs ein ordentliches Thrash Gewitter abliefern. Einen richtig fetten Sound erwischen Soilwork, die vor einem gut gefüllten Infield spielen dürfen. Nachdem die Band in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal kurzfristig ihren Gig auf dem Rockharz absagen musste, hat es nun endlich geklappt. Und das nutzt die Band, um sich von ihrer besten Seite zu zeigen und kräftig mit ihren Fans zu rocken. Ganz besonders zeigt sich das bei „Follow The Hollow“ zu dem Sänger Bjørn „Speed“ Strid erst einmal gepflegt den bereits bestehenden Circle Pit beträchtlich vergrößern lässt. Würdig abgeschlossen wird dieser geniale Auftritt mit “Stabbing The Drama” vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2005. Und es geht hochkarätig weiter, denn auch Gamma Ray laufen heute zur Höchstform auf. Mit einer eher unkonventionellen, dafür aber sehr genialen Setlist, die unter anderem lange nicht gehörte Stücke wie „Last Before The Storm“ und „Dethrone Tyranny“ enthält, können die Altmetaller um Mastermind Kai Hansen überraschen und so manchen Metaller in ihren Bann ziehen. Dabei legen die Jungs eine ungemeine Spielfreude an den Tag, die sich in rumposen, witzeln und einer guten Publikumsinteraktion darstellen. Im Gesang zahlt es sich aus, dass Gamma Ray mittlerweise von Ray Frank Beck am zweiten Mikro unterstützt werden. Damit kommen die Stücke kraftvoll und melodisch rüber. Und so vergeht die Stunde Spielzeit wie im Fluge und manch einer hat es überhaupt nicht mitbekommen, dass in Marseille bereits der Ball in der Partie Deutschland – Frankreich rollt, als die Band ihren Auftritt mit einem Paukenschlag in Form von „Send Me A Sign“ beenden. Für mich, einer der besten Gigs des Festivals. Und während die Fußballfans im Biergarten mit ansehen müssen, wie Jogis Jungs trotz einer guten Leistung und vielen Chancen von den Franzosen aus dem Turnier geschmissen, stellt ASP auf der Darkstage einmal mehr seine Live Qualitäten unter Beweis. In der einsetzenden Dämmerung kommt jetzt auch die Lichtshow zum ersten Mal richtig gut zur Geltung. Die immer wieder vor der Bühne aufsteigenden Rauchsäulen sorgen zusätzlich für eine coole Stimmung. Und da der Platz vor der Darkstage trotz Fußballübertragung richtig gut gefüllt ist, funktionieren auch die Mitsingspielchen wunderbar und kommen gut an. Was die Setlist angeht, lassen die Mannen um Sänger Alexander „Asp“ Spreng nichts anbrennen. Natürlich hat man  neben einigen neuen Sachen aus dem „Verfallen“- Zyklus auch Klassiker und Dauerbrenner wie „Werben“, „Geisterfahrer“ und „Ich bin ein wahrer Satan“ mit im Gepäck, die allesamt abgefeiert werden. Den Abschluss bildet dann, wie sollte es auch anders sein, „Ich will brennen“.

Den Headliner Slot belegt heute das NWOBHM Urgestein Saxon. Und die alten Herren zeigen noch einmal allen, was eine Harke ist. Knaller Baller laut und mit bestem Sound spielen sich die Briten quer durch die Historie ihrer großen Hits. Biff ist bestens bei Stimme und rockt wie ein junger Stier, was natürlich auch das Publikum nicht unberührt lässt. Ganz egal ob „Motorcycle Man“, „Wheels Of Steel“ oder auch jüngere Stücke wie „Battalions Of Steel“, alles wird gnadenlos abgefeiert. Und als Biff Lemmy den Song „Heavy Metal Thunder“ widmet, läuft es einem irgendwie schon eiskalt den Rücken runter, als es plötzlich aus tausenden Kehlen dröhnt: „Lemmy, Lemmy, Lemmy….“ Auch die Lichtshow weiß wieder einmal zu überzeugen. Nicht nur der hell scheinende „Eagle“, auch der Rest der Lichtshow passt wie die Faust aufs Auge. Und als dann beim abschließenden „Princess Of The Night“ auf noch die Feuerwerfer vor der Bühne hochschnellen, ist wohl auch der letzte Fan befriedigt und kann eigentlich getrost ins Zelt wandern. Alle, die jetzt noch nicht genug haben, können sich bei Enslaved dann noch eine Portion tiefschwarzen norwegischen Viking Metal abholen. Die Gitarrenriffs scheppern bretthart daher und der Gesang klingt derbe nach Reibeisen. Aber so muss das wohl sein. Die teils überlangen Songs können erwartungsgemäß nicht mehr für allzuviel Bewegung sorgen. In Verbindung mit der Lichtshow schaffen es die Norweger jedoch, das Festivalgelände in eine düstere Melancholie zu hüllen und die verbliebenen Zuschauer zu bannen.

Freitag

Vor der Bühne ist schon schwer was los, als Twilight Force die Bühne entern. Mit ihrem Happy Power Metal sorgen die Schweden, die übrigens wie auch Sabaton aus Falun kommen, bereits jetzt für richtig gute Laune und ordentlich Stimmung auf dem Gelände. Was die Jungs dem Publikum auch vorwerfen, alles wird jubelnd aufgenommen und abgefeiert. Dabei sind Twilight Force auch spielerisch voll auf der Höhe und können mit einem tollen Stageacting überzeugen. Schade, dass der Auftritt nach nur einer halben Stunde schon wieder vorbei ist. Doch bevor endgültig Schluss ist, wird noch „The Power Of The Ancient Force“ vom 2014er Debut „Tales Of Ancient Prophecies“ zum Besten gegeben. Etwas weniger los ist dann bei den Suicidal Angels, die sich davon aber keineswegs beirren lassen und ihren knarzigen Thrash Metal mit aller Gewalt runterbrettern. Und diese Energie kommt auch beim Publikum an, welches schon wieder kräftig headbangt und mitgröhlt. Auch einige Circe Pits und eine Wall of Death sind zu beobachten. Dabei lässt sich die Meute von den Ansagen von Fronter Nick Melissourgos immer mehr anstacheln. Nach etwa einer halben Stunde geht die energiegeladene Show dann zu Ende und hinterlässt erschöpfte aber glückliche Metaller zurück.

Am Nachmittag steht dann Kammer-Core von Coppelius auf dem Programm. Die werten Herren, welche Ende letzten Jahres die erste Steampunk Oper aufführten und sich nun eine kleine Pause gönnen wollen, lassen auf dem Rockharz noch einmal die Puppen tanzen. Gut aufgelegt und mit gewohnt lustiger Show sorgen Coppelius für Kurzweil. Sei es nun der Buttler, der crowdsufenderweise Sekt ausschenkt, oder der Klarinettist, der kurzerhand die Bühne verlässt und sein Solo auf der Absperrung zum Bühnengraben spielt. Alles macht riesigen Spaß. Lustig ist auch der Crowdsufer, der komplett in Schrumpffolie eingewickelt über das Publikum hinweg getragen wird. Highlight des Auftritts ist aber sicher das Iron Maiden Cover „Phantom Of The Opera“. Axxis, eine Metal Band der alten Schule, ist in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Rockharz dabei. Und obwohl die Truppe bereits seit Ende der 1980er Jahre besteht, dürfte sie den meisten Metallern nur vom Hörensagen bekannt sein. Den großen Durchbruch konnte man nie erreichen. Das mag wohl vor allem daran liegen, dass man stets auf große Spezialeffekte und klischeehafte Lyrics verzichtet hat. Doch gerade das macht die Band auch so sympathisch. Einfach gute Musik ohne viel Drumherum. Zusätzliche Sympathiepunkte sammelt die Band heute durch ihre Aktion, eine Zuschauerin auf die Bühne zu holen, um sich von ihr an verschiedenen Instrumenten sowie zur Animation unterstützen zu lassen. Abgeschlossen wird der Gig mit dem wohl größten Hit der Band „Kingdom Of The Night“. Bei Satyricon wird schon nach den ersten Riffs eines klar. Es ist noch viel zu hell. So richtig Stimmung will einfach nicht aufkommen. Hinzu kommt noch, dass die Norweger heute vorwiegend altes Zeug vom wegweisenden, aber mittlerweile zwanzig Jahren altem Album „Nemesis Divina“ spielen. Damit scheint ein Großteil der Zuhörer wohl nicht so richtig klar zu kommen. Nichts desto trotz liefern die Jungs eine tolle, fehlerfreie Show ab, die schon irgendwie einen besonderen Charme hat. Sänger Sigurd „Satyr“ Wongraven grunzt wie nichts Gutes in sein, als Poseidon Gabel dekoriertes Mikro, die Gitarrenfraktion flankiert ihn mit einem fetten Riffteppich und das Schlagzeug sorgt für den nötigen Bums. Alles läuft schön gepflegt rhythmisch runter. Beim abschließenden “K.I.N.G.” ist dann auch das Publikum da und gibt ordentlich Applaus und zeigt die obligatorischen Pommesgabeln. Im Dunkeln wäre dieser Auftritt sicher noch einen ganzen Tacken cooler rüber gekommen. Knorkator scheinen irgendwie eine Rockharz Band zu sein, denn wie schon bei ihrem Auftritt im Jahr 2014 ist es auch heute wieder brechend voll vor der Bühne. Die Wolken lichten sich und bescheren den Besuchern einen richtig geilen Sonnenuntergang als Stumpen und Co. ihre Show mit „Alter Mann“ eröffnen. Vor der Bühne bekommt man davon aber wohl sehr wenig mit, denn man hat mehr mit Crowdsurfern und headbangenden Metallern zu tun. Was für eine Party. Die Menge eskaliert vollkommen und feiert Songs wie „Böse“, „31. Buchstabe“, oder „Ich hasse Musik“ heftigst ab. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, werden sogar zwei Rollstuhlfahrer über die Menge gegeben. Diese dürfen den Rest des Gigs dann sogar auf der Bühne verbringen. Eine tolle Geste der Band. Neben Gamma Ray eine der besten Shows des Festivals. Mit der einsetzenden Dunkelheit öffnet auch der „Zirkus Zeitgeist“ von Saltatio Mortis. Über die jüngeren Veröffentlichungen der Band mag man geteilter Meinung sein, doch mit ihren Klassikern können die Jungs um Sänger Alea immer noch begeistern. Doch zunächst kämpfen wir uns jedoch durch „Wo sind die Clowns“, „Willkommen in der Weihnachtszeit“ und „Wachstum über alles“. Danach gehen die Jungs mit „Prometheus“ aber endlich in die vollen und liefern auch die gewünschte Feuer- und Pyroshow. Alea wird langsam warm und beginnt mit dem Publikum in Interaktion zu treten. Spätestens bei „Idol“ ist dann das Eis gebrochen und die Meute feiert eine ausgelassene Mittelalter-Party. Für Gänsehaut sorgt die Ballade „Nachts weinen die Soldaten“ bei welchem Feuerzeuge von rechts nach links geschwenkt werden und somit eine ganz besondere Stimmung erzeugen. Zum Ende dürfen die Fans noch einmal mit „Eulenspiegel“ feiern bevor der Auftritt mit dem obligatorischen „Spielmannsschwur“ zu Ende geht. Dieses Mal übrigens mit Piano Intro. Ein versöhnlicher Auftritt, der sowohl Altfans, wie auch Freunde der neueren Sache begeistert haben dürfte.

Den längsten Slot des Festivals hat dann Tobias Sammets Avantasia. Satte 120 Minuten hat die All Star Truppe für ihre bombastische Show Zeit. Dabei hat der Mastermind Sammet mit Jorn Lande, Ronnie Atkins, Bob Catley, Eric Martin und natürlich Michael Kiske wieder alle Gastsänger mit an Bord. Auch die bezaubernde Amanda Sommerville ist wieder dabei. Lediglich Herbie Langhans ist heute nicht auf der Bühne auszumachen. Das ist schade, denn damit fällt heute auch die klasse Ballade „Draconian Love“ aus. Wobei das aber auch schon der einzige Wermutstropfen bei der heutigen Show ist, denn die Truppe lässt sowohl spieltechnisch, wie auch interaktionstechnisch nichts anbrennen und liefert ein Feuerwerk der guten Laune ab. Auch die Auswahl der Stücke macht heute richtig Spaß. Von „The Metal Opera“ bis hin zu „Ghostlights reicht die Spanne der Songs. Highlights des Sets sind auf jeden Fall „Avantasia“, „The Great Mystery“ und „Farewell“. Ein echter Ohrenschmaus ist aber auch das den Hauptteil abschließende „Let The Storm Descend Upon You“, welches von Bob Catley einmal mehr wunderbar intoniert wird. Kein Wunder also, dass die Jungs danach noch eine Zugabe geben. Und was sollte in der Zugabe anderes kommen als „Lost In Space“ und der „Sign Of The Cross/The Seven Angels“-Mix. Und damit geht wieder einmal ein klasse Avantasia Auftritt würdig zu Ende.

Samstag

Der Festivalsamstag hat es noch einmal in sich und startet für mich mit den für Draconian eingesprungenen Winterstorm. Passenderweise ist es heute Morgen auch ziemlich windig, als die Band die Bühne betritt. Mit ihren eingängigen Melodien und gutem Stageacting sorgen die Bayreuther für ordentlich Stimmung vor der Bühne. So läuft Sänger Alexander Schirmer immer wieder auf der Bühne auf und ab und animiert zur La Ola Welle. Bei „Windkeepers“ wird auch kräftig mitgeklatscht und gefeiert. Damit sind die Jungs auf jeden Fall ein würdiger Ersatz. Auch Harpiye haben mit starkem Wind zu kämpfen, was sich leider negativ auf den Gesamteindruck der Show auswirkt. Vieles vom Sound wird leider vom Wind weggetragen und irgendwie kommt nicht so recht Stimmung auf. Und das, obwohl sich die Ostwestfalen mächtig ins Zeug legen und wieder einmal mit ihrer tollen Choreographie punkten können. Hingucker schlechthin ist dabei natürlich Sänger Aello, der mit seiner Vogelmaske auf die Bühne kommt und später durch seine etwas freakige Schminke auffällt. Damit passt er aber auch bestens in das Bühnenkonzept, welches einmal mehr auf dem aktuellen Album „Freakshow“ basiert. Einen guten Job macht auch die neue Drehleierfrau Io, die die Sturmvögel seit einigen Monaten unterstützt. Witzig wird es dann noch einmal zum Ende, als die Truppe eine Coverversion des Eifel 65 Songs „Blue“ zum Besten gibt. Und als letzte Zugabe wird dann natürlich noch einmal der Bandklassiker „Sturmvögel“ zelebriert. Insgesamt ein solider, wenn auch nicht überragender Auftritt. Auf kleinen Bühnen kommt die Band aus meiner Sicht besser rüber.

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feiert das Frankfurter Thrash Metal Urgestein Tankard mit den Rockharz Besuchern gegen Abend dann eine bierseelige Metalparty. Die Band ist bestens aufgelegt und Gerre fegt mal wieder wie ein Flummi über die Bühne. Diese Energie überträgt sich auch sogleich auf das Publikum und so werden Hits wie „Zombie Attack“ „The Morning After“ oder „Rest In Beer“ gnadenlos abgefeiert. Was bleibt einem auch anderes übrig. Einen fulminanten Schlusspunkt setzt die Band dann mit, wie sollte es anders sein, „Empty Tankard“. Das hat wieder einmal Spaß gemacht. Spaß machen dann auch Gloryhammer, die den epischen Powermetal Hammer auspacken. Mit ihren Songs über den Helden „Angus Mc. Fife“, und den böseren Hexer Zargothrax versetzt die Truppe um Alestorm Mastermind Christopher Bowes das Publikum in Ekstase. Bewaffnet mit Plastikhämmern, aufblasbaren Einhörnen und sogar einer Plastikpalme huldigen die Fans ihren Helden. So wird nicht nur „Hail To Crail“ laut mitgesungen, sondern auch nach „Noch einem Bier“ verlangt. Dem kommen Sänger Thomas Winkler und Keyboarder Christopher Bowes natürlich nur allzu gerne nach und veranstalten auf der Bühne kurzerhand ein kleines Wetttrinken. Und mit „Hollywood Hootsman“, und „Universe On Fire“ haben die Jungs auch noch zwei klasse Songs am Start bevor der Gig mit „The Unicorn Invasion of Dundee“ grandios und majestätisch zu Ende geht. Ensiferum beginnen ihren Auftritt druckvoll und imposant mit „Axe Of Judgement“ vom aktuellen Album „One Man Army“. Sofort erhebt sich eine derbe Staubwolke über dem Publikum und die ersten Crowdsufer steigen auf. Die finnische Folk Metal Institution ist heute wieder super drauf und macht richtig Spaß. Nachdem man sich im ersten Teil des Sets zunächst auf jüngere Stücke beschränkt, kämpft man sich im Laufe des Sets bis in die Anfangstage der Band vor. Richtig ab geht es dabei vor allem bei „Token Of Time“. Den Abschluss des kurzweiligen Gigs bildet dann das überragend vorgetragene „Iron“. Auch die nächste Band kommt aus Finnland und dürfte für viele Besucher eines der Highlights des Festivals sein. Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als Children Of Bodom. Die Truppe um Frontman Alexi Laiho hat sich in den letzten Jahren gut weiterentwickelt und ihre Shows professionalisiert. So auch heute. Mit kräftigem Sound und diszipliniertem Spiel legt die Band die Messlatte bereits beim ersten Song „Follow The Reaper“ sehr hoch. So dauert es auch nicht lange, bis Bewegung in die Meute kommt und sich der erste Circle Pit dreht. Nach dem dritten Song „Morrigan“ folgt dann die erste Ansage von Alexi, die erstaunlich selten das sonst übliche „Fuck, Fuck, Fuck“ Gequatsche enthält. Weiter geht es in einem energiegeladenen Gig, der eine gute Mischung aus alten und neuen Songs enthält. Und auch wenn die Finnen in punkto Crowdsurferfrequenz nicht so ganz mit der von Knorkator mithalten können, so verlangt die Show dem Publikum doch so einiges ab. Bei „I Worship Chaos“ ruft Alexi dann zum „wildest, biggest and sickest Circle Pit“ auf, was vor der Bühne natürlich ohne Umschweife umgesetzt wird. Auch Hits wie „Needled 24/7“ oder „Lake Bodom“ kommen gut an und bringen die Fans zum Schwitzen. Auffallend ist außerdem, dass Children Of Bodom heute einen gut abgemischten Sound haben, der das Wechselspiel aus Alexis Gesang, den Gitarren sowie den Keyboardpassagen gut herausstellt. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer der Fall. Heute gibt es aber nichts zu meckern. Subway To Sally sind ja nicht nur auf dem Rockharz Festival alte Bekannte. Insgesamt hat sich die Mittelalter Truppe über die Jahre hinweg eine treue Fanbase aufgebaut, die auch heute wieder stark vor der Bühne vertreten ist und gespannt auf Eric Fish und seine Truppe wartet. Und die legt nach dem kurzen Intro auch sofort mit einem lauten Knall und dem Klassiker „Mephisto“ los. Doch danach widmet man sich zunächst dem jüngeren Material, was der Stimmung aber keinerlei Abbruch tut. Bei „Grausame Schwester“ streckt das Publikum die Hände in die Luft, bewegt sie von rechts nach links und wird so zum tosenden Meer. Es folgen, wieder von Pyros unterstützt, „Arme Ellen Schmitt“ und „Ad Mortem Festinamus“.  Im zweiten Teil des Auftritts kommen dann die zu erwartenden Klassiker wie „Henkersbraut“, „Kleid aus Rosen“ und natürlich „Sieben“, die von den Fans natürlich lautstark mitgesungen und beklatscht werden. Den letzten Refrain von „Kleid aus Rosen“ darf das Publikum zur Belohnung dann alleine singen. Dabei legt die gesamte Truppe und vor allem auch Eric eine tolle Performance hin. Auch die neue Geigerin Ally Storch, die heute Frau Schmitt ersetzt, fügt sich bestens in Bandgefüge ein. Ihr dominantes Spiel gibt den Stücken einen zusätzlichen Kick und lässt sie noch mal in einem etwas anderen Licht stehen.  Beim abschließenden „Veitstanz“ gehen auf der Bühne dann, sehr zum Wohlwollen der Fans, wieder ordentlich Pyros hoch. Und nach einer kurzen Pause bekommt die Meute natürlich auch noch „Julia und die Rüber“ serviert, was diesen Auftritt zu einem lohnenswerten Erlebnis macht.

Weiter geht es mit Powerwolf, die der versammelten Gemeinde dann die Power Metal Beichte abnehmen. Agil und wild wie immer starten die Mannen um Sänger Attila Dorn mit „Blessed and Possessed“ in ihren Gig. Die Greywolf Brüder zocken ein colles Riff nach dem nächsten runter, posieren dazu auf den dafür hergerichteten Podesten am Bühnenrand und auch Keyboarder Falk Maria Schlägel macht seiner Anheizerrolle wieder einmal alle Ehre. Im Hintergrund erhebt sich das mächtige Backdrop, welches an eine große Kathedrale erinnert. Dazu kommt eine sehr gut abgestimmte Lichtshow, die durch imposante Pyros, Feuer- und Rauchsäulen gekonnt unterstützt wird. Von Anfang an geht es voll ab und das prall gefüllte Infield kocht. Für Erheiterung sorgt Attilas Ansage zu „Resurrection By Errection“ in der er davon erzählt, wie ein Mitglied der Crew einmal einen Bienenstich in sein bestes Stück bekommen habe. Was die Kommunikation mit den Fans angeht, so ist Powerwolf heute über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur die Mitsingspielchen bei „Armata Strigoi“ funktionieren super, auch der Schlachtruf der Isländischen Fußballfans bei der EM wird eindrucksvoll adaptiert und zum Intro zu „Werewolfves Of Armenia“. Den Schlusspunkt setzt die Band dann, wie gewohnt, mit „Lupus Dei“, und beendet damit einen Auftritt, der einem Headliner würdig ist. Und damit neigt sich das diesjährige Rockharz Festival auch schon wieder dem Ende zu. Doch bevor es soweit ist, darf Tanzwut noch ihren Auftritt aus dem vergangenen Jahr nachholen. Und das verspricht noch einmal ein ganz großes Highlight zu werden. Mit ihrem neuen Album „Schreib es mit Blut“ im Gepäck und ohne Stromausfall ist die Mittelaltertruppe in diesem Jahr gut gerüstet. Bezeichnend dafür ist auch Teufels erste, etwas scherzhaft gemeinte Ansage „Heute haben wir auch Strom!“. Los geht es zunächst jedoch mit altbewährtem Material wie „Brot und Spiele“, „Ihr wolltet Spaß“ und „Meer“ zu dem das Publikum mit den Händen wieder anständige Wellenbewegungen macht. Es ist überhaupt erstaunlich, dass das Gelände zu dieser Zeit noch so gut gefüllt ist. Ganz bestimmt ein Anzeichen für den Status, den Tanzwut mittlerweile hat. Auch die neuen Sachen kommen gut an. Ein besonderes Schmankerl ist dann „Stille Wasser“ für das man Liv Kristine als Gastsängerin gewinnen konnte. Untermalt wird der klasse Auftritt von einer sehr gut choreographierten Licht und Feuershow, die für so manche „Oh“ und „Ah“ Momente sorgt.

Fazit: Ich bin in den letzten Jahren nun schon auf sehr vielen Festivals gewesen und nur sehr wenige, haben eine derartige Entwicklung, wie das Rockharz hingelegt. Nicht nur, dass man seine Fanbase stetig vergrößerte, auch die Organisation wurde von Jahr zu Jahr besser. Und das auch ohne monumentale Größenverhältnisse anzunehmen. Das Anreise-Chaos von 2015 klammere ich hier einmal aus. Anno 2016 wurde das besonders deutlich. Das Team hat hervorragende Arbeit geleistet. Anreise und Aufbau liefen reibungslos und auch beim Einlass auf das Gelände gab es keinerlei Probleme. Die sanitären Anlagen waren größtenteils bestens gepflegt und auch die Security, sowohl auf dem Gelände als auch gerade im Graben, war stets freundlich und hilfsbereit. Ein ganz besonderes Lob gibt es an dieser Stelle für die Duschen. Die waren echt Luxus. Das Einzige, was sich mir da nicht so ganz erklären will, ist der Abbau der Stehpissoirs nach den ersten zwei Festivaltagen. Ansonsten gab es wirklich nichts zu meckern. Es war wieder einmal ein tolles Festival bei bestem Wetter und in entspannter Atmosphäre. So darf es gerne nächstes Jahr wieder sein.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

1 Kommentar

  1. Ich war dieses Jahr das erste Mal beim Rockharz Festival, und es hat mir super gefallen. Gamma Ray, Sonata Arctica und Onslaught waren meine persönlichen Highlights. Avantasia und ASP waren auch sehr gut. Recht unspektakulär fand ich Ensiferum, Spiritual Beggars und Deadlock. Knorkator habe ich leider verpasst, weil ich da unter der Dusche stand. Die langen Schlangen vor den Duschen ( 1 Std. Wartezeit bis in den späten Nachmittag) waren der einzige Kritikpunkt an dem Festival.

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