Festivalbericht – Rockharz Festival 2017

Rockharz Flyer

Das Rockharz Open Air nimmt mittlerweile einen festen Platz im Festivalkalender ein. Und das völlig zu Recht. Das mittelgroße Festival überzeugt alljährlich mit seiner familiären Atmosphäre, der guten Organisation und dem wunderschön gelegenen Festivalgelände. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass das Festival mittlerweile zum vierten Mal in Folge ausverkauft ist. Und so startet das Heavy Stage Force Team auch in diesem Jahr zusammen mit rund 15.000 Gästen in ein durchweg positives und entspanntes Festivalwochenende.

Mittwoch

Die Anreise am Mittwoch verläuft weitestgehend problemlos. Aufgrund der Tatsache, dass sehr viele Besucher bereits am Dienstag angereist sind, hält sich die Wartezeit am Eingang in Grenzen. Einziges Problem ist, dass sich die am Dienstag angereisten Gäste auf dem Campground teilweise sehr breit gemacht haben und es nun für die Nachzügler schwierig wird, einen geeigneten Platz zu finden. Hier könnte eine bessere Einweisung durch die Ordner sicherlich helfen.

Nachdem dann das Camp eingerichtet und das erste Bier geleert ist, geht es auch schon zum Gelände, wo der Bandreigen durch die indischen Thrasher Kryptos eröffnet wird. Die Jungs können sich bereits jetzt über ein relativ gut gefülltes und komplett geöffnetes Gelände freuen. Im vergangen Jahr war am Mittwoch ja nur das halbe Infield geöffnet. Davon angespornt zocken Kryptos einen soliden Gig runter, der für gut Stimmung vor der Bühne sorgt. Am besten kommt natürlich „Mask Of Anubis“ an, zu welchem schon die ersten Matten geschüttelt werden. Richtig gut kommen dann Bloodbound an. Bereits beim sehr epischen Intro und dem Opener „Stand And Fight“ werden den Schweden reichlich Pommesgabeln entgegen gestreckt. Auch Bandklassiker wie „Stormbound“ oder „Moria“ werden von den Fans ordentlich abgefeiert. Die Band indes ist auch richtig gut drauf und legt eine enorme Spielfreude an den Tag. Und spätestens als Frontmann Patrick Johansson dann „In The Name Of Metal“ anstimmt, hat er das Publikum eh vollends gewonnen.

Während Serious Black und Stahlmann auf der Bühne für Begeisterung sorgen, nehmen wir schon einmal die Foodmeile ins Visier. Wieder einmal wird hier für jeden Geschmack etwas geboten. Von Nudeln über Burger und Brathähnchen bis hin zu so ausgefallenen Gerichten wie gebratener Leber ist für so gut wie jeden Gaumen das Passende dabei. Das Highlight ist aber wie in jedem Jahr der Zyklopenspieß aus der Fleischbräterei. Alle Gerichte werden zu festivalüblichen Preisen angeboten und die Wartezeit hält sich zumeist auch in Grenzen. Außerdem gibt es auch wieder eine ausgedehnte Händlermeile auf der man sich mit T-Shirts, CDs, Patches usw. eindecken kann. Ein weiteres Novum auf dem diesjährigen Festival sind die wassergespülten Toilettenkabinen, die rot und grün leuchten, je nachdem ob sie frei oder besetzt sind.

Aber zurück zur Bühne, wo gegen 21.00 Uhr Orden Ogan in einen energiegeladenen Gig starten. Passend zum neuen Album „Gunmen“ wurde die Bühne in ein Wildwestszenario verwandelt, was insgesamt sehr gelungen wirkt. Auch bei der Setlist lassen die Arnsberger nichts anbrennen. Nach „To New Shores Of Sadness“ wird sofort der All-Time-Klassiker „Pirates” rausgehauen. Das kommt beim Publikum natürlich bestens an, und es wird bis zum Mischturm begeistert mitgeklatscht. Für zusätzliche Erheiterung sorgt die Konfettikanone, die am Ende von „Gunman“ schwarzes Lametta in die Menge schießt. Leider ist die Party nach einer Stunde schon wieder vorbei.

Den krönenden Abschluss des ersten Festivaltages bildet dann der Auftritt von Mr. Reibeisenstimme Udo Dirkschneider, der mit einem speziellen Accept-Set unterwegs ist. Kein Wunder also, dass es vor der Bühne richtig voll wird, als die ersten Töne von „Starlight“ vom 1981er Album „Breaker“ aus den Boxen knallen. Es folgt ein neunzigminütiger Gig, der alle Hits von „London Leatherboys“ über „Midnight Mover“ bis hin zu „Princess Of The Dawn“ enthält. Dabei versteht es Dirkschneider immer wieder, das Publikum mitzunehmen und zu animieren. Und auch wenn man zwischenzeitlich mal das Gefühl bekommen könnte, dass bei Orden Ogan mehr Stimmung gewesen sein könnte, reißt einen Dirkschneiders markante Gesangsstimme sofort wieder mit. Dazu kommt eine imposante Bühnenshow mit Rauch, Feuersäulen und ordentlich Pyrotechnik, die den Gig abrunden. Zum Ende verlangt der Altmeister seinen Fans mit „Metal Heart“, „Fast As A Shark“ und dem obligatorischen „Balls To The Walls“ noch einmal alles ab, bevor die Masse entlassen wird. Ein würdiger Abschluss für den Eröffnungstag.

Donnerstag

Die Fans braten bereits in der prallen Mittagssonne, als Nachtblut das Gelände mit ihrem Dark Metal beschallen. Dabei geben Askeroth und seine Mannen wieder einmal alles und können auf ganzer Linie überzeugen. Besonders gut kommen die alten Klassiker wie „Kreuzigung“, „Kreuzritter“ und natürlich die Bandhymne „Antik“ an. Vor der Bühne ist richtig gut was los und die Leute klatschen begeistert mit. Außerdem präsentieren die Osnabrücker mit „Frauenausbeiner“ auch einen Song vom neuen Album „Apostasie“. Und als Überraschung am Ende hüpft dann noch Asenblut-Sänger Tetzel mit auf die Bühne und schmettert das Kollegah-Cover „Wat‘ Is Denn Los Mit Dir“, was noch einmal für Bewegung im Pit sorgt. Auch die Finnen Wolfheart machen dann ordentlich Stimmung und zaubern den geneigten Melodeathern das ein oder andere Lächeln ins Gesicht. Düster, kalt und schnell krachen die Songs aus den Boxen und sorgen vor der Bühne für Bewegung. Die Setlist ist geprägt vom neuen Album „Tyhjyys“, lässt am Ende aber auch noch Platz für „Zero Gravity“ und „Routa Pt. 2“, was beim Publikum sehr gut ankommt. Rage machen bei Sonne deutlich mehr Spaß als bei Regen. Und somit kommt der Auftritt, dessen Setlist identisch ist mit der vom Metal Frenzy vor knapp einer Woche noch einen Tick besser rüber. Peavy ist wieder einmal bestens aufgelegt und zockt sich souverän durch den Rage-Backkatalog, der wieder den größten Teil der Songs ausmacht. Dabei ist das Gelände gut gefüllt und auch die Fans haben reichlich Spaß. Da steigt natürlich auch die Vorfreude auf das neue Rage-Album „Seasons Of The Black“, welches am 28.07.2017 erscheinen wird.

Haggard sind für meinen Geschmack schon etwas anstrengend. Und das, obwohl es auf der Bühne hochprofessionell zugeht. Die elfköpfige Band inklusive eines fünfstimmigen Bläsersatzes zieht eine grundsolide Show durch, die vor allem von dem Wechselspiel zwischen klassischer Orchestermusik und teils gutturalem Metalgesang lebt. Somit wird die Band von ihren Die-Hard-Fans in den ersten Reihen auch kräftig abgefeiert. In den hinteren Reihen scheint der Funke aber nicht so richtig überspringen zu wollen. Auch Lacuna Coil liefern eine gute Vorstellung ab. Cristina ist sehr viel in Bewegung und bei bester Laune. Die gesamte Band sehr motiviert und spielfreudig. Fans der ersten Stunde werden allerdings etwas enttäuscht, da die Entwicklung auch bei den Liveauftritten weg aus dem Gothic-Bereich in Richtung Industrial geht. Der Mehrheit gefällt der Auftritt nichtsdestotrotz sehr gut. Bei Arch Enemy ist ebenfalls wieder Frauenpower angesagt. Frontfrau Alissa White-Gluz ist bestens aufgelegt, fegt voller Energie über die Bühne und heizt die Meute schon einmal ordentlich an. Dazu schnellen Feuersäulen in die Höhe, was für zusätzliche Begeisterung beim Publikum sorgt. Außerdem haben die Ordner im Graben richtig gut zu tun, um die Masse an Crowdsurfern sicher wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Weiterhin können sich die Fans über einen richtig geilen Sound freuen, der Songs wie „Ravenous“, „As The Pages Burn“ oder „My Apocalypse“ doppelt cool rüberkommen lässt. Und als dann das finale „Nemesis“ aus den Boxen ballert, geht das Publikum noch einmal richtig steil und beschert den Schweden damit einen standesgemäßen Abgang.

So eingestimmt ist das Rockharz-Publikum nun bereit für den Headliner In Extremo. Und die lassen sich, sowohl was die Musik, wie auch die Licht- und Feuershow angeht, nicht lumpen. Ganze zehn Songs müssen die Fotografen warten, bis sie in den Graben dürfen. Nach einem kurzen Geburtstagsständchen für Dr. Pymonte sorgt „Vollmond“ für Gänsehaut. Passenderweise ist eben selbiger auch gerade über der Teufelsmauer aufgegangen. Weiter geht es mit einer bunten Mischung aus vorwiegend neueren Songs, die gut ankommen, aber jetzt auch nicht für übermäßig viel Bewegung sorgen. Die meisten Zuschauer sind wohl zu geflasht von der wirklich überwältigenden Lichtshow und schauen lieber „nur“ zu. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung sehr gut und die Leute vor der Bühne sind zufrieden mit Michi Rhein und seinen Mannen. Bei „Mein Rasend Herz“ gibt es noch einmal ordentlich Pyro und bei „Sternhagelvoll“ wird geschunkelt und lautstark mitgesungen. Auch „Pikse Palve“ macht derbe Spaß und Fans der ersten Stunde bekommen zum Schluss mit dem „Spielmannsfluch“ noch den obligatorischen Klassiker. Insgesamt ein würdiger Headlinerauftritt. Als Rausschmeißer dürfen heute die Jungs von Fiddlers Green ran, die mit ihren Speed-Folk noch einmal eine mächtig fette Party feiern. Die Post geht so ab wie bei keinem anderen Gig dieses Festivals zuvor. Der Platz vor der Bühne ist rappelvoll und der Funken springt direkt auf die Masse über. Es wird gehüpft, getanzt, mit dem Shirt gewedelt und fleißig mitgesungen. Auch die obligatorische Wall Of Folk darf natürlich nicht fehlen. Das ist pure Energie, die den vorherigen Headliner in Sachen Stimmung und Spielfreude locker übertrifft. So beschließt man gerne einen insgesamt sehr gelungenen Festivaltag.

Freitag

Trotz der frühen Uhrzeit kann Ewigheim die bereits zahlreich anwesenden Fans durchweg zum Mitnicken animieren. Mit sehr gutem Sound und einem extrem ausdrucksstarken Gesang ist es ein richtig gelungener Auftritt. Lediglich „Negativ“, welcher bei einigen Ewigheim-Fans eine ähnliche Beliebtheit wie „Ich will brennen“ bei ASP hat, wird an diesem Mittag vermisst. Diese Nummer sollte eigentlich bei keinem Gig fehlen. Bei Firkin ist dann wieder Party angesagt. Die ungarischen Folk-Punker lassen nichts aus, um bei bestem Wetter gute Laune zu verbreiten. Beim Queen-Cover „We Will Rock You“ und dem traditionellen Shanty „What Shall We Do With The Drunken Sailor“ wird sogar noch an den Essensbuden gelacht und mitgesungen. Ganz starker Auftritt, der bei den meisten Anwesenden im Gedächtnis bleiben dürfte. Varg haben zu Anfang ein wenig mit dem Sound zu kämpfen. Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten aber behoben sind, geht es mit gewohnter Power und einen bunten Mix aus allen Alben ordentlich zur Sache. Sänger Freki animiert das Publikum, welches dieser Aufforderung nur allzu gerne nachkommt. Dabei kommen vor allem „Schwertzeit“, „Frei Wie Der Wind“ und das hymnenartige „Wir Sind Die Wölfe“ besonders gut an. Verglichen mit dem Auftritt von vor zwei Jahren geht es heute zwar nicht ganz so heftig zu, die 45 Minuten Spielzeit werden aber dennoch für eine energiegeladene Show genutzt.

Es ist etwas kühler geworden und die Sonne brät nicht mehr ganz so derbe als Beyond The Black die Bühne betreten. Allerdings ist es auch stimmungstechnisch etwas ruhiger geworden. Obwohl die Truppe um Sängerin Jennifer Haben ja nun schon eine Weile in der Szene unterwegs ist, kann sie ihre Fans heute nicht so richtig motivieren. Zum Teil mag das sicherlich auch am etwas latschigen Sound liegen. Der Bandhit „Songs Of Love And Death“ sowie das Motörhead-Cover „Love Me Forever” mit Jennifer am Keyboard werden dennoch ordentlich abgefeiert. Das war es dann aber auch. Ein sackstarkes Power-Metal-Brett liefern dann später Iced Earth ab. Das Gelände ist gut gefüllt und feiert einen gut gelaunten Stu Block, der das Publikum immer wieder anheizt und sich für das Erscheinen bedankt. Auch die Auswahl der Songs kann sich sehen lassen. Neben etwas Material vom neuen Album „Incorruptible“, wie zum Beispiel dem Kracher „Seven Headed Whore“, haben auch viele Klassiker den Weg auf die Setlist gefunden. Die Fans feiern das natürlich nach allen Regeln der Kunst. Gerade Songs, wie „Burning Times“, „Pure Evil“ oder „Vengeance Is Mine“, kommen besonders gut an. Dazu gleiten immer wieder Crowdsurfer über die Menge nach vorne. Dass Iced Earth auch die ruhigen Töne beherrschen, beweisen die Herren wieder einmal bei der sehr gefühlvoll vorgetragenen Ballade „I’d Die For You“ sowie beim abschließenden „Watching Over Me“.

Die heutigen Headliner Heaven Shall Burn kehren nach acht Jahren endlich wieder zum Rockharz zurück, was die Zuschauer, aber auch die Band extrem freut. Selbst Sänger Marcus Bischoff lässt sich, bezogen auf seinen Thüringer Akzent, gar zu Sprüchen wie „….endlich kann ich auch mal normal reden“ hinreißen und bekommt dafür ordentlich Applaus. Musikalisch, wie auch showtechnisch kann Heaven Shall Burn heute auf ganzer Linie überzeugen. Nach dem düster melancholischen Start geht es sofort in die Vollen und es wird Gas gegeben. Bereits beim zweiten Song „Voice Of The Voiceless“ schnellen Feuersäulen auf der Bühne hoch und eine erste Wall of Death wird gestartet. Hier geht es mal wieder richtig zur Sache, und die Meute vor der Bühne ist außer sich. Die Band – in allerbester Laune – hält das Tempo während der gesamten Show extrem hoch und zelebriert einen Abriss nach dem nächsten. Bei „Endzeit“, welches die Fans natürlich aus vollen Kehlen mitgrölen, wird dann die halbe Bühne abgefackelt, und beim abschließenden „Black Tears“ passt der Vollmond neben der Bühne einfach genial in das Gesamtkonzept. Ein echter Headliner. Im Anschluss an diesen gewaltigen Auftritt kommt das für tagsüber gemeldete Gewitter dann doch noch, und zwar für genau 45 Minuten in Form eines allerfeinsten Geknüppels von Belphegor. Hier kommen alle Death und Black Metaller definitiv auf ihre Kosten. Die Songs werden in höchster Geschwindigkeit chirurgisch exakt durchgeballert, was man aber leider nur direkt vor der Bühne differenziert wahrnehmen kann. Auf der Höhe des Mischpultes ist der Sound vermutlich auch windbedingt eher gewittrig. Technisch sehr anspruchsvoll.

Den endgültigen Abschluss des Tages bestreiten dann Mr. Hurley und die Pulveraffen aus dem karibischen Osnabrück. Dabei ist es erstaunlich voll dafür, dass es kein bisschen was mit Metal zu tun hat. Das scheint sogar die Band selbst zu überraschen, Frontmann Mr. Hurley wirkt jedenfalls einigermaßen überwältigt. Die Stimmung ist extrem gut und ausgelassen. Bereits der Opener „Tortuga“ vom neuen, gleichnamigen Album sorgt für Begeisterung. Es folgt ein bunt durchgemischtes Set mit vielen Klassikern, die allesamt abgefeiert und vielfach lautstark mitgesungen werden. Für besondere Erheiterung sorgen dann wieder die Achterdeck schüttelnden Damen und natürlich das Pöbel-Solo von Buckteeth Bannock in „Ach Ja“. Und so vergeht die Zeit mit den Lieblingspiraten wie im Fluge und alsbald ist es dann auch schon Zeit für das letzte Lied „Blau Wie Das Meer“, in welchem sowohl der Band als auch dem Publikum noch einmal alles abverlangt wird.

Samstag

Vor dem Eingang zum Infield hat sich bereits eine ordentliche Menschenmenge angesammelt, als die Tore mit etwa zwanzigminütiger Verspätung geöffnet werden. Dadurch verschiebt sich auch der Auftritt von Dawn Of Disease ein wenig. Die Jungs aus Osnabrück liefern dafür aber eine richtig gute Show ab. Sänger Tomasz und seine Mannen kommen mit ihrem bösen Death Metal richtig gut an und pusten so manchem Headbanger vor die Bühne die Gehörgänge frei. Allzu überschwängliche körperliche Betätigung ist zu dieser frühen Stunde zwar noch nicht drin, dafür strecken die Fans den Jungs aber nur zu gerne die Pommesgabeln entgegen und lassen die Matten fliegen. So kann man gut in den letzten Festivaltag starten. Moonspell feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Bandjubiläum und haben dafür ein paar Klassiker mit auf die Setlist gepackt. Nachdem der Auftritt bereits fulminant mit „Opium“ begonnen hat, begrüßt Sänger Fernando Ribeiro das Publikum dann auch freudestrahlend mit den Worten „…. Let’s go old school“ was erwartungsgemäß bestens ankommt. Leider hat die Band anfangs etwas mit dem Sound zu kämpfen, später wird das aber deutlich besser und so werden Songs wie „Mephisto“ oder „Vampiria“, bei welchem Fernando in einem etwas kitschigen lila Umhang auf die Bühne kommt, ordentlich abgefeiert. Beendet wird der durchaus ordentlich Gig mit dem Doppelschlag aus „Alma Matar“ und „Full Moon Madness“, was noch einmal für Begeisterung sorgt.

Auch Insomnium erwischen zu Anfang einen etwas miesen Sound. Ganz besonders, wenn man nicht direkt vor der Bühne steht, klingt es ziemlich matschig. Mal ist der Gesang zu leise, mal kommen die Gitarren nicht richtig durch. Das ist ziemlich schade, da die Band ansonsten alles gibt und sich richtig reinhängt. Auszüge aus dem letzten Album „Wintersgate“ kommen dabei ebenso gut an, wie Knaller der Marke „While We Sleep“, „Ephemeral“ oder „Change Of Heart“. Insgesamt liefern die Finnen also einen soliden und energetischen Auftritt ab, der bei einem besseren Sound sicher eines der Highlights werden könnte. So leider nur besserer Durchschnitt. Mit Grave Digger geht dann noch mal ein echtes Heavy-Metal-Urgestein ans Werk. Und das sorgt auf dem richtig gut gefüllten Gelände für Begeisterung. Scheinbar haben die Rockharz-Besucher Chris Boltendahl und seine Mannen schon vermisst. Der Empfang fällt jedenfalls sehr euphorisch aus und das rockige „Healed By Metal“ sorgt direkt für Bewegung im Pit. So richtig laut wird es aber erst, als die Band „Excalibur“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1999 anstimmt. Auch das folgende „Rebellion (The Clans Are Marching)“ wird von den Fans lautstark mitgegrölt und fast schon zelebriert. Leider sind die 45 Minuten Spielzeit dann auch schon mehr oder weniger vorbei und somit bleibt nur noch der „Heavy Metal Breakdown“, bevor die Show endgültig zu Ende ist. Fans und Band scheint es aber gefallen zu haben.

Nach dem Ausstieg von Anna Murhpy, Ivo Heinzi und Merlin Sutter Ende des vergangenen Jahres präsentieren sich Eluveitie heute mit ihrem neuen Line-Up auf dem Rockharz. Aber auch die neu aufgestellte Truppe weiß zu überzeugen, wirkt als Einheit und liefert eine tolle Show ab. Neu-Sängerin Fabienne Erni gibt sich bei Stücken wie „A Rose For Epona“ oder „Call Of The Mountains“ keine Blöße und bringt den Gesang kraftvoll und ausdrucksstark rüber. Auch die weiteren neuen Bandmitglieder fügen sich gut in das bestehende Gefüge ein, was die heutige Show authentisch und energiegeladen macht. Dabei kommt vor allem das neue akustische Material vom zweiten Teil der „Evocation“-Reihe gut an. Aber natürlich werden auch die Klassiker wie „Thousandfold“ oder „Helvetios“ von den Fans mit springen, klatschen und crowdsurfen derbe gefeiert. Zu Ende geht der Gig dann erwartungsgemäß mit der Bandhymne „Inis Mona“, zu welcher Band und Publikum noch einmal alles geben.

Das Beste hebt man sich bekanntlich ja gerne für den Schluss auf. Genauso machen das auch die Rockharz-Veranstalter, die den Headliner-Slot am Samstag mit niemand geringem als der deutschen Power-Metal-Institution Blind Guardian belegt haben. Wen wundert es da schon, dass es auf dem Gelände nun rappelvoll ist. Und die Menge wird auch nicht enttäuscht, denn die Krefelder haben heute ein ganz besonders Set am Start. Einige Fans ahnen wohl schon was auf sie zukommt, als sie das Backdrop auf der Bühne sehen und die ersten Töne von „Imaginations From The Other Side“ aus den Boxen kommen. Blind Guardian spielen heute tatsächlich das komplette Imaginations-Album durch. Die Fans feiern jeden Song ab und sind total aus dem Häuschen. Auch die Band ist gut drauf und liefert einmal mehr eine perfekte und bestens durchchoreografierte Show ab. Dabei ist nicht nur der Sound einwandfrei, auch die Lichtshow ist bestens auf die Musik abgestimmt. Und nachdem die letzten Klänge von „And The Story Ends“ verklungen sind, bleibt dann noch etwas Zeit für ein paar Gassenhauer, wie „Mirror Mirror“, „The Bards Song“ und das abschließende „Valhalla“, die noch einmal fett abgefeiert und mitgesungen werden. Blind Guardian beweisen heute wieder ihre Klasse und warum sie schon so lange in der ersten Liga des Heavy Metal mitspielen. Sehr stark. Das Einzige, was hier negativ in Erinnerung bleibt ist die Musik vom nahe gelegenen Ficken-Stand, die so laut ist, dass sie sich immer wieder störend unter die Blind Guardian-Songs mischt. Gerade bei ruhigeren Stücken ist das extrem störend.

„Blöde Frage, Saufgelage“ heißt es dann bei Feuerschwanz. Die Mittelaltertruppe aus Erlangen ist ja für ihre humoristischen Auftritte bekannt und lässt auch heute dahingehend nichts anbrennen. Von Anfang an hat die Truppe um Hauptmann Feuerschwanz das Publikum voll im Griff und feiert eine amtliche Party auf der Bühne. Auch bei den Zuschauern ist die Stimmung bestens. Wie bereits zwei Tage zuvor bei Fiddlers Green werden auch hier wieder fleißig die T-Shirts gewedelt. Dazu wird gesprungen, geklatscht und laut mitgesungen. Mit Ambient Black Metal von Alcest endet das Rockharz für dieses Jahr. Ein großer Kontrast zu Feuerschwanz, quasi von der Party direkt zum Träumen – vielleicht vom Rockharz des nächsten Jahres. Alcest spielen ihren Gig vor einem immer kleiner werdenden Publikum. Die Luft scheint den Besuchern nach diesem sehr gelungenen Festival, 4 Tagen und zahlreichen schönen Bands langsam auszugehen.

Das Rockharz Open Air war auch anno 2017 wieder eine Reise wert und konnte in allen Belangen überzeugen. Die Organisation war weitestgehend hervorragend, lediglich bei der An- und Abreise gab es vereinzelt kleinere Probleme. Die Dixis wurden, zumindest bei uns, regelmäßig gereinigt und auch auf dem Infield waren ausreichend sanitäre Anlagen vorhanden. Lediglich bei den Duschen schien es einen Engpass zu geben. Hier wäre für das nächste Jahr eventuell ein weiterer Container sinnvoll. Die Bandauswahl war wieder einmal vorbildlich und bot etwas für jeden Musikgeschmack. Interessant zu beobachten war der Vormarsch von Folk und „Blödelmetal“. Mindestens eine „Partyband“ gehörte zu jedem Festivaltag dazu und wurde mit großer Begeisterung von den Metalheads angenommen. Vor allem zum Abschluss eines langen Festivaltages scheint diese Musik noch ausreichend Kräfte zum Mitmachen und Hüpfen zu mobilisieren. Auch der Sound war, abgesehen von ein paar Ausnahmen weitestgehend in Ordnung. Und auch die Bands haben wieder einmal alles gegeben und tolle Shows abgeliefert. Fans des Festivals können sich übrigens schon auf die 2018er Ausgabe freuen, bei der dann Hammerfall, Eisbrecher, Knorkator, Paradise Lost, Equilibrium, Amorphis und viele weitere Bands mit Sicherheit wieder für ein fantastisches Festival sorgen werden.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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