Interview mit J.B.O.

Am Rande des diesjährigen Rockharz Festivals trafen wir Vito und Wolfram von J.B.O., die uns bereitwillig Auskunft über ihre Festivalerfahrungen, sowie Details zum neuen Album „Elf“ gaben. Lest hier, was sie zu erzählen hatten.

HSF: Wie gefällt es euch auf dem Rockharz Open Air? Ihr wart ja nun schon ein paar Mal hier. Wie bewertet ihr die Entwicklung des Festivals?

Vito: Sehr schön. Das Gelände ist sehr schön, sehr imposant und markant. Also mit dem Fels da oben. Und mir kommt das komischerweise jedes Jahr weiter weg vor. Kann es sein, dass die die Bühne immer weiter weg von dem Hangar bauen?

Wolfram: Nein. Die Bühne ist exakt am gleichen Ort. Die versetzen ja das Haus nicht. (er meint den Hangar, vor welchem die Bühnen aufgebaut sind)

Vito: Und die haben auch nicht irgendwie die Position verändert? Stand die Bühne vielleicht mal parallel?

Wolfram: Naja, vielleicht haben sie den Standort ein wenig verändert. Wir waren ja auch schon früher auf dem Rockharz. Da war es noch in Osterode. Es sah noch ganz anders aus und war ja auch noch viel kleiner.

Vito: Wir mögen das Festival einfach. Es hat sich toll entwickelt und sorgt für „Good Feeling“.

HSF: Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es bei euch eine bandinterne Hitparade zum Thema Festivalessen gibt.

Vito: Naja, eine Hitparade vielleicht nicht, aber es ist schon so, dass der eine etwas gut findet und der andere etwas anderes gut findet.

Wolfram: Also, es ist so. Bei den vielen Festivals, die wir in den letzten fünfzig Jahren (lacht) gespielt haben, gibt es natürlich immer verschiedene Catering Services. Und man merkt halt, dass die Festivals sich eventuell bei dem ein oder anderen etwas mehr oder etwas weniger Mühe geben. Auf jeden Fall gibt es natürlich ein paar Festivals, die besonders geil sind und es gibt ein paar, da ist es halt nicht so. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass man sogar als Co-Headliner von der Bühne kommt und dann ist das Catering Zelt geschlossen. Das haben wir auch schon erlebt. Da kann das Essen mittags um zwölf dann noch so gut sein, wenn du abends nichts mehr zu essen bekommst. Das ist dann einfach scheiße. Das ist schon eine gewaltige Fallhöhe. Und da habe ich dann noch gar nicht über das Essen an sich gesprochen. Festival Catering ist auf jeden Fall immer abenteuerlich.

Vito:  Wir waren ja beispielsweise auch schon 1998 in Wacken. Und da frage nicht nach naja…… also da war das Essen einfach unterirdisch. Die standen da alle wirklich in der Schlange mit ihrem Teller und dann gab es mit der Kelle so „schlop“ was auf den Teller, dass man dachte, ok?!?!

HSF: Wie im Schullandheim?

Vito: Ja, aber im Asi Schullandheim. (lacht)

Inzwischen hat sich das allerdings maßgeblich geändert. Mittlerweile ist das Catering auf dem Wacken Open Air im Artist Bereich absolut erste Sahne. Insgesamt ist beim Wacken Open Air mittlerweile alles erste Sahne. Da merkst du einfach, dass sich da jemand Mühe gibt, damit sich Künstler wohlfühlen. Das muss ich jetzt mal so ganz deutlich sagen. Das war früher nicht so, aber seitdem sie dieses Artist Village in diesem „Talkessel“ haben, wo die ganz frühen Festivals stattgefunden haben, ist das alles tip top.

HSF: Also seid ihr mittlerweile auch richtige Wacken Fans geworden?

Vito: Ja, absolut. Wacken macht immer echt Laune.

HSF: Daher auch die Lobeshymne „Wacken ist nur einmal im Jahr“?

Vito: Selbstverständlich.

HSF Lasst uns kurz auf eure 20 Jahre „Explizite Lyrik“ Tour eingehen. Wie bewertet ihr die Tour und das Album im Nachgang?

Vito: Ja, also der Wolfram war ja damals noch gar nicht dabei. Der kann ja überhautp nichts dazu sagen.

Wolfram: Doch, ich kann was dazu sagen. Ich war ja vielleicht mit einer der ersten, die es noch ungepresst hören durften. Damals wohnte der Vito ja in einer Erlanger WG mit anderen musikalischen Freunden zusammen. Unter anderem mit dem jetzigen Gitarristen von Feuerschwanz und dem späteren Tourleiter von J.B.O. Und J.B.O. sind damals halt explodiert. Und ich habe dann nur festgestellt, dass die Qualität und die Krassheit im Gegensatz zu den Aufnahmen, die ich vorher kannte, einfach dimensional zugenommen hatten und war schon ein bisschen angenehm schockiert, will ich mal sagen. (großes Gelächter)

Ja, ich habe das gar nicht geahnt, dass das so krass ist, aber auf dem Album ist ja so viel pubertärer Witz eingefangen, der uns ja historisch auch immer so begleitet hat.

Vito: Genau. Der Wolfram war ja auch schon mit mir zusammen in der Schule. Das heißt, ich kenne den Wolfram ja auch schon länger als beispielsweise den Hannes. Er ist aber erst später zur Band gestoßen.

Aber jetzt die Tour, die war echt sehr, sehr schön. Es hat uns einfach wahnsinnigen Spaß gemacht, diesen pubertären Witz als alte Säcke noch einmal auszupacken und auf die Bühne zu bringen. Man muss sich zwar darauf einlassen, aber dann macht es einfach Spaß. Und es waren ja auch wirklich erwachsene Menschen im Publikum, die fast den Tränen nah waren. Und dann ist es doch schön, wenn der pubertäre Witz offensichtlich solche Emotionen hervorrufen kann. Es war also eine richtig runde Sache. Und als wir dann die letzte Show gespielt haben, war es dann schon fast wieder ein bisschen schade.

HSF: Am Freitag erscheint euer neues Album „Elf“. Ein Song ist mir ganz besonders aufgefallen. Der „Panzer Dance“. Wie kam es dazu und steht ein politisches Statement dahinter?

Vito: Ja, so ein bisschen ist das natürlich auch ein politisches Statement. Der Idee ist ja so entstanden, dass uns der Song mal wieder unter gekommen ist und wir uns einfach nur gedacht haben, wie krass das eigentlich ist. Da macht einer aus Spaß einen Song einfach nur um darin Werbung für Fast Food zu machen, nur einen Song um über Fast Food zu singen. Was ist das für eine Idee? Und dann haben wir uns einfach gedacht, das drehen wir jetzt mal in eine ganz andere krasse Richtung.

HSF: Auf jeden Fall sehr gelungen. Ist mein persönliches Lieblingsstück auf dem Album.

Vito: Warst du auf der Tour im Winter anwesend?

HSF: Ja.

Vito: Dann hast du ja mitbekommen, dass wir genau für den „Panzer Dance“ dort das Publikum die Textpassagen „Thyssen Krupp“, „Krauss Maffei“ und „Heckler und Koch“ haben singen lassen. Und genau das ist auch auf dem neuen Album drauf. Das heißt also, wenn du da mitgemacht hast, bist du auch auf dem neuen Album.

HSF: Cool. Wie werden bei euch die Coversongs ausgesucht? Gibt es da bestimmte Kriterien?

Vito: Es gibt keine Kriterien. Das einzige Kriterium ist, dass dir halt eine Idee dazu kommen muss. Und wenn dann eine Idee dazu da ist und alle, oder fast alle die gut finden, dann machen wir den Song. Wenn nur einer das doof findet, dann hat der eh keine Chance. Demokratie ist halt nicht immer so ganz einfach.

Wolfram: Aber wenn drei gegen einen sind, dann ist das ja demokratisch.

Vito: Ja genau. Minderheitenschutz kommt da halt bei uns nicht so vor. Außer, die Argumente sind gut.

HSF: Bezugnehmend auf euren Song „Jetzt ist halt heut“, schwelgt ihr gerne in Erinnerungen? Gehört ihr zu der früher-war-alles-besser-Fraktion?

Wolfram: Besser war früher vielleicht nicht alles. Aber wir schwelgen schon gerne in Erinnerungen.

Vito: Da muss ich fragen, wer tut das nicht? Es gibt halt immer wieder lustige Sachen, an die man sich gerne erinnert.

HSF: In „Ich hätt gern mehr“ thematisiert ihr ja quasi ein Tabu Thema.

Vito: lacht

Wolfram: Bei euch vielleicht.

HSF: Steht der Song vielleicht auch ein wenig dafür, dass wir Menschen nie genug bekommen und wir unsere Gier nie befriedigen können?

Wolfram: Oh, willst du da jetzt eine ganz andere Ebene aufmachen? Das erlauben wir dir nicht. (lacht).

Vito: Ne ne, lass uns mal beim Thema bleiben. Es geht halt einfach ums Ficken. Verstehst du? Es gibt ja ein berühmtes Zitat von mir. Das heißt: „Wenn’s ums Ficken geht, geht’s ums Ficken“.

HSF: Auf Festivals werdet ihr von Fans anderer Bands wegen eurer Blödelmusik oft belächelt. Kam es euch jemals in den Sinn, J.B.O. aufzulösen und euch musikalisch anders zu orientieren?

Wolfram: Also die Hierarchie des Blödelns hat ja mehrere Stockwerke. Es gibt da stumpfes, ultra-doofes Geblödel und dann gibt es feine Abstufungen bis es irgendwann nur noch sehr fein selbstironisch ist. Und diese kleinste Stufe muss auch in ernsthafter Musik irgendwie durchscheinen. Sonst wird es nämlich Stumpf.

Vito: Also, was ich gar nicht ertrage sind Texte, die wirklich nur eindimensional pathetisch sind; die wirklich nur diese eine Ebene haben. Die finde ich wirklich stumpf, und so etwas möchte ich nie machen.

Wolfram: Ne, das werden wir nie machen. Und so etwas würde ich auch mit anderen Bands nie machen, denn dieses pathetische Selbstverständnis ohne es irgendwie leicht zu brechen, finde ich ganz fürchterlich. Das möchte ich nicht. Aber Blödeln ist ganz weit davon entfernt, obwohl es natürlich mal sein kann, dass sich die Masse des Blödeltums jahreszeitlich verändert.

HSF: Also zum Beispiel Anfang August im hohen Norden?

Vito: Genau. Übers Ficken reden.

HSF: Gibt es schon konkrete Ideen zur Gestaltung der „Elf“ Tour, die ab Mitte Oktober startet? Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Wolfram: Ja, wir stricken schon ein bisschen an der Setlist und ein paar Showeinlagen rum, und es schwirren gerade ganz viele Ideen durch den Raum, aber konkret kann man da noch nichts sagen. Da ist noch nichts final.

Vito: Und außerdem wollen wir es eh nicht vorher verraten.

HSF: Wenn ihr in einer anderen Zeit als der heutigen leben könntet, welche wäre das?

Vito: Das ist jetzt eine schwierige Frage. Gehen wir mal mehr als, sagen wir fünfzig Jahre in die Vergangenheit oder ins vorletzte Jahrhundert zurück. Wenn ich dann über die ganzen Zustände nachdenke, die damals herrschten, dann gefällt es mir heute ganz gut. Wenn ich aber direkt in die Zeit hinein geboren worden wäre, dann würde ich es ja nicht anders kennen. Aber wenn ich mit meinem heutigen Wissen sehr weit in die Vergangenheit gehen würde, dann würde ich bestimmt denken: „Oh, Scheiße, ich möchte mich duschen“ oder „hier stinken alle“. Aber wenn man das nicht anders kennt, ist es wahrscheinlich ok.

Wolfram:  Ja, also Mittelalterfans sind wir ja  beispielsweise auch nicht.

HSF: Also ihr lebt schon im Hier und Jetzt?

Vito: Ja. Ich bin schon ganz gerne da, wo ich bin.

HSF: Noch einmal kurz zurück zu „11“. In euren Song „Nürnberg Groove“ wird auch der 1.FC Nürnberg erwähnt. Seid ihr Fans?

Vito: Ja, schon.

Wolfram: Nein, ich bin nicht so der Fußballfan.

Vito: Ja, der Wolfram vielleicht nicht so. Aber wenn Fußball, dann halt der Club. Wir haben ja auch vor drei Jahren eine Sport EP veröffentlicht. Die nannte sich passenderweise „S.P.O.R.T.“ und da waren ja vor allem Songs für regionale Sportmannschaften drauf. Also für die Brose Baskets, die Nürnberg Ice Tigers und für’n Club. Und dann noch zwei Songs, die das Thema Sport eher aus einer etwas allgemeineren Sicht behandeln. Und der eine Song heißt „Jetzt isser drin“ und der funktioniert eigentlich immer und macht einfach Spaß.

HSF: Seid ihr denn eher Nürnberger oder eher Erlangener

Vito: Ja, also wir leben schon im Großraum. Nürnberg, Fürth, Erlangen, das ist alles nah beieinander.

HSF: Wollt ihr noch etwas loswerden oder unsere Leser grüßen

Vito: Freut euch des Lebens. Und des Fickens.

HSF: Ok. Danke für das Interview.

Vito: Ja, danke.

Wolfram: Danke.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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