J.B.O. – Elf Tour 2017

JBO

Passend zum 1. April wurde es in Osnabrück am vergangenen Samstag wieder einmal rosa. Wieso? Na, weil die Erlangener Spaßfraktion von J.B.O. den Rosenhof beehrte. Mit ihrem aktuellen Album „Elf“ und jeder Menge Klassiker im Gepäck, schickten sich die Mannen um Hannes und Vito an, ein Zeichen gegen Ernst und Langeweile zu setzen und als Verteidiger des wahren Blödsinns mit den Osnabrückern eine fette Party zu feiern.

Und diesem Aufruf sind nicht Wenige gefolgt. Bereits kurz nach Öffnung des Rosenhofs füllt sich der Saal relativ schnell, sodass die Vorband Stepfather Fred bereits vor einer ordentlichen Menge spielen kann. Und mit ihrem etwas eigenwilligen Heavy Rock bekommen die vier Allgäuer auch recht schnell Bewegung ins Publikum. Das liegt nicht zuletzt an ihrer guten Bühnenpräsenz und dem engagierten Auftreten. Immer wieder geht Sänger Basti auf das Publikum ein und animiert zum Mitmachen. Zwischenzeitlich ist die halbe Band sogar vor der Bühne inmitten der Gäste zu finden. Auch die zuvor am Eingang kostenlos verteilten Feuerzeuge finden bei den wenigen ruhigeren Songs Verwendung. Was vielleicht ein wenig fehlt, ist die klare musikalische Linie. Ich habe das Gefühl, dass die Band noch ein wenig auf der Suche nach dem eigenen Sound ist und nicht so recht auf den Punkt kommt. Dadurch klingt Stepfather Fred leider etwas beliebig. Nichtsdestotrotz liefern die Jungs eine engagierte Show ab, die von den Osnabrückern auch entsprechend mit Beifall belohnt wird.

Nach einem leicht abgewandelten „The Number Of The Beast“-Intro beginnen J.B.O. ihren Auftritt, wie zuletzt häufiger, mit dem „Glaubensbekenntnis“. Dabei werden die Musiker wieder tatkräftig von ihrer Crew unterstützt, die als Messdiener verkleidet sind und weihrauchschwenkenderweise über die Bühne springen, womit sie beim Publikum schon einmal für Erheiterung sorgen. Auch das dann folgende „Bolle“ kommt super an und wird teils lautstark mitgesungen. Nach der Begrüßung durch Vito widmet sich die Band dann zunächst dem Themenblock Liebe, Sex und Zärtlichkeit, den sie mit Songs wie „Im Verkehr“, „Ich liebe dir“ und natürlich dem Klassiker „Gänseblümchen“ eindrucksvoll bildlich darstellt. Nach diesem kurzen Aufklärungsunterricht geht es schwungvoll weiter. Mit dem an den Backstreet Boys-Song „Everybody“ angelehnten „Wir ham ne Party“ und dem provokativ, ulkigen „Panzer Dance“ sorgen J.B.O. dann im Nu für noch mehr Stimmung, in die Luft gestreckte Hände und einen lustig durcheinanderspringen Mob. Lediglich die hin und wieder auf die Bühne fliegenden halbvollen Bierbecher sorgen bei Hannes und Co. für Verstimmung. Man solle das Bier doch besser in den Hals kippen als auf die Bühne schmeißen, erklärt Hannes daraufhin.

Neben den Partyklassikern schaffen es heute aber auch eher weniger bekannte J.B.O.-Songs, wie „1001 Nacht“ und „Die Waldfee“, auf die Setlist. Das freut natürlich vor allem die Hardcorefans. Da sich heute aber auch ein großer Teil von Gelegenheitsfans im Rosenhof befindet, werden diese Stücke wohl nicht so derbe abgefeiert. Insgesamt wirkt die Setlist eh etwas eigenwillig, beinhaltet sie doch hauptsächlich Stücke von „Meister der Musik“ und „Nur die besten sterben alt“. Das aktuelle Album „Elf“ ist mit lediglich drei Stücken relativ schwach repräsentiert.

Aber die meisten Fans warten eh nur auf die alten Sachen und werden für ihr geduldiges Warten am Ende mit „Könige“ und „Gimme Doop Joanna“ vom „Explizite Lyrik“-Album belohnt. Und so wird auch das dann folgende Schlagzeug- und Basssolo von den Fans ordentlich abgefeiert. Zwischenzeitlich wird sogar die Party-Gröl-Hymne schlechthin „Seven Nations Army“ von den White Stripes angestimmt. Und als I-Tüpfelchen kommt dann Schlagzeuger Wolfram zum Ende des Solos noch, bepackt mit einer Bassdrum auf dem Rücken und zwei Toms mit Becken vor dem Bauch, an den vorderen Rand der Bühne und zockt zusammen mit den restlichen Jungs der Band den nächsten Song „Hose runter“. Dabei gibt er im Übrigen ein ziemliche gute Figur ab.

Von da an geht alles ganz schnell. Bei „Vier Finger für ein Halleluja“ können die Osnabrücker noch einmal richtig abrocken, bevor bei „Ein guter Tag zum Sterben“ wieder die Textsicherheit gefragt ist. Dabei gibt sich das Publikum aber ebenso keine Blöße wie beim neuesten J.B.O.-Sommerhit „Wacken ist nur einmal im Jahr. Den Schluss des regulären Sets bildet dann „Kuschelmetel“, bei welchem wieder einmal die obligatorischen Textschilder „Autobahn, bring mi ham…..“ und so weiter zum Einsatz kommen.

Auch die beiden Zugabenblöcke mit „Dr. Met“, „Geh mer halt zu Slayer“, „Verteidiger des Blödsinns“ und „Ein Fest“ können vollends überzeugen und zeigen die Band noch einmal von ihrer besten Seite. Das gefällt auch den Fans, und so verlässt die Band gegen kurz nach elf unter Jubelstürmen die Bühne.

Insgesamt war es wieder einmal ein feiner J.B.O.-Abend, auch wenn man hier und da manchmal das Gefühl hatte, die Jungs seien irgendwie mit angezogener Handbremse unterwegs. Natürlich lieferte die Band eine solide und routinierte Show ab, der letzte Kick fehlte aber. Die „Explizite Lyrik“-Tour von Weihachten 2015 bleibt da deutlich positiver im Gedächtnis. Nichtsdestotrotz hat sich der Besuch aber gelohnt.

Setlist J.B.O.

  1. Glaubensbekenntnis
  2. Bolle
  3. Rock Muzik
  4. Arschloch und Spaß dabei
  5. Im Verkehr
  6. Ich liebe dir
  7. 1001 Nacht
  8. Ich hätt gern mehr
  9. Gänseblümchen
  10. Wir ham ne Party
  11. Die Waldfee
  12. Panzer Dance
  13. Rammstein Reggae
  14. Bimber Bumber Dödel Dei
  15. Könige
  16. Gimme Doop Joanna
  17. Schlagzeug/Bass Solo
  18. Hose runter
  19. Vier Finger für ein Halleluja
  20. Ein guter Tag zum Sterben
  21. Wacken ist nur einmal im Jahr
  22. Kuschelmetal

Zugabe

  1. Met
  2. Geh mer halt zu Slayer

Zugabe 2

  1. Verteidiger des Blödsinns
  2. Ein Fest
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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