Metal Assault 2016

Zum mittlerweile sechsten mal fand in der Posthalle im beschaulichen Würzburg das Metal Assault Festival statt. Das Veranstalter-Team hatte wieder einige Leckerbissen für das Keep It True-Affine Publikum organisiert, die das furchtbare Wetter draußen sehr schnell vergessen ließen.

Pünktlich betraten die Finnen Angel Sword die Bühne der bereits gut gefüllten Halle, vermochten allerdings mit ihrer hüftsteifen Performance und dem halbgaren, zwischen Hard Rock und Heavy Metal pendelndem Songmaterial nicht wirklich zu überzeugen. Stattdessen inspizierte der Großteil der Anwesenden den Merch-Stand, um sich mit den wirklich schick aussehenden Festival-Shirts einzudecken. Auch der Metalmarkt mit zahlreichen Raritäten auf Vinyl und CD erfreute sich wieder einmal größter Beliebtheit. Erfahrungsgemäß ist aber auf dem Metal Assault, neben dem Platz vor der Bühne, die Theke der Favorit der Anwesenden. Auf anderen Tagesfestivals sind längst nicht so viele alkhoholbedingte Ausfälle zu verzeichnen.

Zwischenzeitlich hatten Hypnos die Bühne übernommen und trafen mit ihrem „High Action Boogie Rock“, irgendwo zwischen Iron Maiden und 70er Psychedelic, zwar den Nerv des Publikums, aber nicht den des Verfassers. Vor allem die beim ersten Song eingesetzte Flöte ließ mich bis ins Mark erschauern. Nein danke, ich geh dann mal Bier trinken. Da traten die darauf folgenden Blizzen schon erheblich mehr Arsch. Neben dem bereits bekannten Material der EP „Time Machine“ gabs, neben den fettesten Gangshouts des Festivals, auch Material des hoffentlich bald erscheinenden Debütalbums auf die Ohren.

Das Septagon-Debüt „Deadhead Syndicate“ ist zwar erst seit wenigen Tage erhältlich, dennoch waren Teile des Publikums schon in der Lage mitzusingen. Das überrascht umso mehr, wenn man bedenkt, dass sich der melodische Thrash der Band eher break-lastig und anspruchsvoll präsentiert. Zudem hatte das sympathische bayerische Quintett mit dem schlechtesten Sound des Festivals zu kämpfen. Die Snare war während der ersten Songs nicht zu hören, da sich das Mikro gelöst hatte und die Backings gingen das komplette Konzert über unter. Dieser Umstand wurde aber vom superb dargebotenen Heathen-Cover „Goblin’s Blade“ wieder wettgemacht.

Mit Breaks und anspruchsvollen Songstrukturen haben Ambush rein gar nichts am Hut, hier gibts typisch schwedischen Heavy Metal klassischer Machart auf die Mütze, garniert mit eingängigen Refrains und massig Mitgröhlparts. Dazu post die Truppe wie die Großen und wird ordentlich abgefeiert. Nach ihrem Auftritt findet sich die Band noch für eine spontane Autogrammstunde am Merchandise-Stand ein, bevor sie ihre Suche nach Snoop Doggs Lieblingsrauchware (die vom Auftritt unterbrochen wurde) fortsetzt.

Evil Invaders pfeifen sich vor ihren Gigs vermutlich eher Speed als Gras rein, anders lässt sich das wahnsinnige Ausrasten der Jungs kaum erklären. Die vermutlich am härtesten arbeitende Band des Festivals schafft es trotz durchchoreographierter Show mit passender Lichtshow trotzdem böse, gefährlich und aggressiv zu wirken. Zudem kommen die vier Belgier auf der großen Bühne kaum weniger intensiv rüber als in kleinen Clubs. Mit dem grandios dargebotenen Exodus-Cover „Fabulous Disaster“ wird die Meute in die Umbaupause entlassen.

Als letzte Band der schwedischen Heavy Metal-Delegation betraten Ram die Bühne, die mit ihrem aktuellen Album „Svbversvm“ schon einige Erfolge feiern konnten und in diversen Jahrescharts vertreten waren. Unterstützt wurden sie dabei von zwei Gestalten, eine mit Loki-Helm inklusive rot leuchtenden Augen, die andere ein blutbeschmierter Metzger mit Kettensäge. Zudem wurden dem Publikum mithilfe von Schildern erbauliche Botschaften wie „Bang your head or you will lose it!“ mitgeteilt.

Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten um den Bandnamen tritt die Band von NWOBHM-Legende Steve Grimmett statt als Grim Reaper nun als Steve Grimmett’s Grim Reaper auf. Das Line-Up ist allerdings identisch mit dem der letzten Auftritte der Band unter dem Banner Grim Reaper. Eingerahmt wurde die Setlist von den Überhits „Rock You To Hell“ und „See You In Hell“, und auch sonst gab es eine Best Of-Setlist, die jeden Fan zufrieden gestellt haben sollte. Zudem präsentierte sich der Frontmann bei bester Stimme und zeigte auch beim Dio-Cover „Don’t Talk To Strangers“ keine Schwächen.

Beim letzten Keep It True hatte sich Abbadon M:Pire Of Evil angeschlossen, bei denen bereits Mantas und Demolition Man ihre Instrumente malträtierten. Seitdem heißt die Band Venom Inc.. Das Trio prügelte sich durch eine Setlist mit den größten Klassikern der Black Metal-Legenden. Interessanterweise fanden ausschließlich Songs aus der Bandphase mit Cronos an Bass und Gesang Eingang in die Setlist. Demolition Man scheint also kein Problem damit zu haben in seinem Schatten zu stehen. Nach Ansicht einiger Fans hätten es ruhig auch ein paar Songs aus der punkigeren Phase der Band ohne Cronos sein können. Zudem würden sich „Queen Of Death“ von Atomkraft gut im Set machen, falls man irgendwann mal mehr sein will als eine bloße Tribute-Veranstaltung. Für die meisten Anwesenden war dies dennoch das Highlight des Tages. Im Anschluss zeigte sich, dass Metaller und Teenies gar nicht so unterschiedlich sind, wenn es um ein Treffen mit den Vorbildern geht. Gerade Mantas und Abbadon wurden von Autogramm- und Fotojägern geradezu belagert, und auch einige der Mitglieder der anderen Bands (außer die meisten Skandinavier, die waren schon zu betrunken) freuten sich wie Kinder über ein Foto mit den Legenden.

Dementsprechend schwer hatten es dann Liege Lord, die dennoch eine überzeugende Show auf die Bretter brachten. Angeführt von Sänger Joe Comeau (früher u.A. mal bei Overkill und Annihilator tätig) spielte die Band sich durch eine Best Of-Setlist mit Fokus auf das letzte Album „Master Control“ von 1988, übrigens dem einzigen mit Comeau am Gesang. Aber auch die beiden anderen Alben „Burn To My Touch“ (1987) und „Freedom’s Rise“ (1985) wurden nicht vernachlässigt. Dennoch leerte sich die Halle immer mehr, da die Setlist in der Mitte einige Hänger hatte und durch das Drumsolo zu sehr in die Länge gezogen wurde. Die hart gesottenen zogen noch weiter zur Aftershowparty, die im hinteren Teil der Halle stattfand.

Auch das sechste Metal Assault war ein voller Erfolg mit vielen handverlesenen Bands und einem geschmackssicheren Publikum. Nur die Situation auf den Toiletten war mehr als widerlich. Es muss nun wirklich nicht sein, dass man den Geruch noch auf der anderen Seite der Halle in der Nase hat. Dafür erreichte die Zahl der Schnapsleichen fast das Vorjahresniveau.

Bis nächstes Jahr, Würzburg!

 

Setlist Blizzen:

  • Strike The Hammer
  • Masters Of Lightning
  • Pile On The Pressure
  • Hounded For Good
  • Peace Is For The Weak
  • Blizzen
  • Time Machine
  • Gone Wild

Setlist Septagon:

  • Intro
  • Revolt Against The Revolution
  • Unwanted Company
  • Septagon Conspiracy
  • Ripper
  • Deadhead Syndicate
  • Exit… Gunfire
  • Goblin’s Blade [Heathen Cover]
  • Secret Silver Panorama Machine

Setlist Ram:

  • Terminus
  • Omega Device
  • Under The Scythe
  • Flame Of The Tyrants
  • Awakening The Chimaera
  • Suomussalmi (The Few of Iron)
  • Return Of The Iron Tyrant
  • Eyes Of The Night
  • The Ursurper
  • Forced Entry
  • Machine Invaders
  • Infuriator

Setlist Steve Grimmett’s Grim Reaper:

  • Rock You To Hell
  • Night Of The Vampire
  • Lust For Freedom
  • Wrath Of The Ripper
  • Now Or Never
  • Fear No Evil
  • Liar
  • Rock Me Till I Die
  • Matter Of Time
  • Don’t Talk To Strangers [Dio Cover]
  • Wasted Love
  • See You In Hell

Setlist Venom Inc.:

  • Die Hard
  • Don’t Burn The Witch
  • Live Like An Angel (Die Like A Devil)
  • One Thousand Days In Sodom
  • Schizo
  • The Seven Gates Of Hell
  • In Nomine Satanas
  • Bloodlust
  • Welcome To Hell
  • Black Metal
  • Countess Bathory
  • Sons Of Satan
  • Witching Hour
  • In League With Satan

Setlist Liege Lord:

  • Fear Itself
  • Eye Of The Storm
  • Dark Tale
  • Cast Out
  • Kill The King [Rainbow Cover]
  • Transgressor
  • Feel The Blade
  • Rapture
  • Broken Wasteland
  • Speed Of Sound
  • Vials Of Wrath
  • Rage Of Angels
  • Drumsolo
  • Master Control
  • Prodigy/Wielding Iron Fists
  • Fallout
Über Padre 51 Artikel
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