Stuck Mojo – Here Come The Infidels

Stuck Mojo - Here Come The Infidels
Stuck Mojo - Here Come The Infidels

Released: 25.06.2016
Label: Eigenproduktion
Genre: Rap Metal/Crossover

Stuck Mojo sind mit neuem Album und neuem Album zurück – mal wieder. Nachdem die Band mit „Southern Born Killers“ (2006) und „The Great Revival“ (2008) bei vielen Fans nicht unbedingt überzeugen konnte und nur live ihrem Ruf gerecht wurde startet Mastermind Rich Ward nun mit komplett neuer Mannschaft den nächsten Versuch. Das Ergebnis heißt „Here Come The Infidels“, wurde von der Band selbst finanziert und wird vorerst ohne großen Labelsupport über Pledgemusic.com vertrieben. Parallel ist es auf den üblichen Downloadportalen erhältlich.

Die speziell auf dem letzten Album überhand nehmenden Southern Rock- und Country-Einflüsse wurden fast komplett über Bord geworfen, nur ab und an erinnert ein Riff an Molly Hatchet oder späte Pantera. Und auch sonst ist eine komplette Rückbesinnung erfolgt, das Album ist quasi Old School Crossover. Mit Ausnahme des (fast) reinen Hip Hop-Tracks „Destroyer“, der an Xzibit vor „Pimp My Ride „erinnert und der beiden Blues-Rap-Southern-Sommerhits „Fire Me“ und „Tamborine“ atmet jeder Groove, jedes Riff und jede Textzeile den Geist der späten 90er/frühen 00er Jahre als Stuck Mojo die Wegbereiter für ein ganzes Genre waren, die verdienten Lorbeeren aber nie ernten durften. Dafür sind sie im Gegensatz zu den großen Bands aus dieser Zeit (wieder) aktiv und immer noch ernst zu nehmen. Dies gilt vor allem für die ersten fünf Tracks, die an selige „Pigwalk“-Zeiten erinnern (1996, da wurde ich gerade eingeschult!) in denen Devin Townsend der Band neben einem extrem fetten Sound auch noch ein paar elektronische Hintergrundspielereien auf den Leib zauberte.

Der Neuzugang am Mikro hört auf den Namen Robby J. und hat als weißer, langhaariger Kanadier natürlich nicht annähernd die authentische Credibility seiner Vorgänger Bonz und Lord Nelson, die zudem auch die besseren Flows am Start hatten, macht seine Sache aber ganz gut. Die Lines sind on Point, und der Mann kann nicht nur rappen sondern singt im Wechsel mit seinem Boss Rich Ward und steuert sogar ein paar Growls bei. Allerdings rollen sich dem Hörer bei infantilen lyrischen Peinlichkeiten wie „Verbal Combat“ und „Blasphemy“ doch diverse Fußnägel hoch.

Neben dem Titeltrack sind vor allem „Rape Whistle“ und „The Business Of Hate“ ziemlich angepisste Abrechnungen mit dem „linken Meinungsfaschismus“, der in den USA scheinbar unvorstellbare Ausmaße angenommen haben muss, man google mal „Micro Aggressions“. Darüber kann man jetzt denken wie man will, aber in einer Szene, in der nur noch das Image zählt, Bands Rituale geben statt Konzerte zu spielen und keiner mehr eine richtige Meinung hat um ja niemanden anzupissen oder gar die eigene Karriere zu gefährden, sind Stuck Mojo eine angenehm ehrliche und gradlinige Band, die einfach macht was sie will und auf Trends und die Meinungen anderer scheißt – und sind sie nicht gerade dadurch mehr Metal als all die Spandexträger, Okkultisten, und anderen Waschlappen? Und auch wenn die Aussagen der Texte (wie auch „The Curse Of Allah“ und „Open Season“ von „Southern Born Killers“ aus 2007) bei gewissen Leuten offene Türen einrennen, wird kein AfD-Wähler diese Band als Nachbarn haben wollen, ganz egal ob es vielleicht teilweise inhaltliche Übereinstimmungen gibt. Und wer jetzt die Nazi-Keule rausholen will sollte sich zuerst mit der Geschichte der Band befassen.

Andererseits könnte es sich auch lediglich um Provokation handeln, denn mit Rap Metal bringt man heutzutage selbst Joey DeMaio nicht mehr zum Shitstorm. Man wird die ersten Interviews abwarten müssen, denn speziell in den europäischen Medien wird mit Sicherheit nachgefragt werden.

Bleibt abschließend nur noch die Frage, ob es zusätzlich zum Keep It True nicht auch langsam mal Zeit für ein Keep It Untrue wird, alt genug dürften die meisten Crossover/Nu Metal/Rap Metal-Bands ja mittlerweile sein…

Tracklist:

  1. Here Come The Infidels
  2. Rape Whistle
  3. Charles Bronson
  4. The Business Of Hate
  5. Verbal Combat
  6. Destroyer
  7. Worst Person On Earth
  8. Fire Me
  9. I Am Legion
  10. Tamborine
  11. Blasphemy
Über Padre 51 Artikel
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