Avantasia – Ghostlights World Tour 2016

Das Aladin ist bereits gut gefüllt, als ich es gegen kurz vor sieben betrete. Etwas befremdlich wirkt, dass das Tivoli ebenfalls geöffnet ist und auf dessen Bühne eine Leinwand aufgestellt ist, auf welcher die Bühne des Aladin zu sehen ist. Offenbar wurden so viele Karten verkauft, dass das Aladin allein zu klein ist. Dies soll sich etwa ein halbe Stunde später auch bewahrheiten. Als gegen halb acht die ersten Töne des Intros „Also Zarathustra sprach“ aus den Boxen dröhnen, ist das Aladin bis auf den letzten Platz gefüllt, und selbst vor der Leinwand im Tivoli wird es gemütlich.

Aber zurück auf die Hauptbühne. Dort hat man eine Burgmauer, von welcher in der Mitte eine breite Treppe hinunterführt aufgebaut. Links der Treppe nimmt sogleich Schlagzeuger Felix Bohnke hinter seinem Drumkit Platz. Rechts der Treppe nehmen Amanda Sommerville und Herbie Langhans Aufstellung. Bereits jetzt ist die Stimmung bombig und Mastermind Tobi Sammet hat leichtes Spiel, als er bei „Mystery Of A Blood Red Rose“ die Bühne betritt. Sound und Licht sind von Anfang an voll da, und auch Tobi ist bestens bei Stimme. Beim darauffolgenden „Ghostlights“ wird Tobi dann von Michael Kiske unterstützt, welcher einmal mehr vor Souveränität nur so strotzt. Und das, obwohl der etwas gealterte Ex-Helloween-Sänger in den ganz hohen Passagen heutzutage längst nicht mehr so sicher wirkt, wie man das von früher her kennt. Das macht er aber durch seine Bühnenpräsenz und eine gute Interaktion mit Herrn Sammet dreimal wieder wett.

Auch Ronnie Atkins, seines Zeichens Sänger bei den Pretty Maids, kann auf ganzer Linie überzeugen. Gesangsstark und mit einer ziemlich spaßigen Attitüde heizt er den Bremern heute so richtig ein. Wie auch alle anderen Akteure auf der Bühne, lässt Atkins ganz klar erkennen, dass er Bock auf die Show hat. Gemeinsam mit Kiske und Sammet wird dann noch „Unchain The Light“ zelebriert, bevor es auf der Bühne etwas ruhiger wird. Es folgt die wunderschöne Ballade „A Restles Heart and Obsidian Skies”, welche von niemand geringerem als Mr. Bob Catley intoniert wird. Mit seinen fast 70 Lenzen und einer wahnsinnig ergreifenden Präsenz ist der Magnum Sänger heute über jeden Zweifel erhaben. Fehlerfrei und mit viel Gefühl sorgt er zum ersten Mal am heutigen Abend für Gänsehautstimmung. Nicht minder eindrucksvoll ist der Auftritt von Jorn Lande. Der charismatische Norweger gehört aber auch einfach zu einer ordentlichen Avantasia Show dazu. Mit seiner markanten Stimme verleiht er vielen Stücken erst den richtigen Drive. Das zeigt sich nicht nur bei „Lucifer“, welches er sehr geil im Duett mit Tobi singt. Auch in Stücken wie „The Scarecrow“ oder „Promised Land“ darf der metallische Tausendsassa nicht fehlen.

Nachdem Mr. Big Eric Martin Herrn Sammet dann bei „What’s Left Of Me“ bestens ergänzt, gönnt sich der Avantasia Gründer eine kleine Pause und überlässt die Bühne bei „The Wicked Symphony“ den übrigen Musikern. Dabei liefern Martin und Lande eine extrem geile stimmliche Symbiose ab und auch Amanda Sommerville und Herbie Langhans können zeigen, was sie drauf haben. Apropos Langhans, der darf dann bei „Draconian Love“ direkt noch einmal ran und macht dabei mit seinen schmalzig und zugleich bittersüß gehauchten Vocals sogar einem gewissen Vile Valo Konkurrenz. Spätestens jetzt hat die Avantasia Truppe die Bremer Herzen gewonnen und kann mit dem Publikum machen was es will. Immer wieder wird laut mitgeklatscht und mitgesungen und die Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Für Gänsehaut sorgt dann noch einmal „Farewell“ bei dem sich das Bremer Aladin in ein Meer aus hin und her wankenden Händen verwandelt. Und als dann „Reach Out For The Light“ angestimmt wird, kocht die Halle fast über. Man will einfach nicht wahr haben, dass die Show langsam, aber sicher dem Ende entgegen geht. Bevor es aber soweit ist, darf sich Herr Kiske noch einmal als Witzbold outen, indem er „Avantasia“ mit den Worten: „das nächste Lied passt auch zum Konzept“ ankündigt.

In der Zugabe hat man mit „Lost In Space“ noch eine Ballade sowie das obligatorische Schlusslied-Medley „Sign Of The Cross/The Seven Angels“ parat, bevor die Truppe unter dem tosenden Beifall der Fans die Bühne verlässt.

Hier wurde heute wieder eine ganz, ganz große Show geliefert. Super Sound, tolles Licht und eine Wahnsinnsstimmung. Man konnte allen Akteuren wirklich anmerken, dass sie enormen Spaß an der Show haben. Alles in allem wurde für die rund 40 Euro Eintritt eine geniale Drei-Stunden-Show abgeliefert, bei der es eigentlich nichts zu meckern gab. Einziger Kritikpunkt bleibt meines Erachtens die Situation mit der Leinwand im Tivoli. Die Live-DVD kann ich mir nämlich auch zu Hause ansehen. Da hätte man tatsächlich über eine größere Location nachdenken sollen.

Setlist

  1. Mystery Of A Blood Red Rose
  2. Ghostlights
  3. Invoke The Machine
  4. Unchain The Light
  5. A Restles Heart and Obsidian Skies
  6. The Great Mystery
  7. The Scarecrow
  8. Lucifer
  9. The Watchmaker’s Dream
  10. What’s Left Of Me
  11. The Wicked Symphony
  12. Draconian Love
  13. Farewell
  14. Stargazers
  15. Shelter From The Rain
  16. The Story Ain’t Over
  17. Let The Storm Descend Upon You
  18. Promised Land
  19. Reach Out For The Light
  20. Avantasia
  21. Twisted Mind
  22. Dying For An Angel

Zugabe

  1. Lost In Space
  2. Sign Of The Cross/The Seven Angels

 

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1 Kommentar

  1. Wenn ich das so lese, bin ich doch froh, Avantasia für die Open Air Saison aufgespart zu haben. Überfüllte Hallen mag ich ja gar nicht. Aber Bob Catley und Jorn Lande hätte ich doch gerne einmal wieder live erlebt.

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