Bloodbound + Crystal Viper + Thobbe Englund + Rexoria – Dragons and Witches Tour 2017

Bloodbound

Einen schmissigen Power-Metal-Abend versprach die Dragons and Witches Tour von Bloodbound. Neben den Schweden konnte man sich auf Crystal Viper und Ex-Sabaton-Gitarrist Thobbe Englund freuen. Als Opener fungierte die schwedische Melodic-Metal-Truppe Rexoria. Grund genug für einen Abstecher ins Essener Turock.

Pünktlich um halb sieben starten Rexoria ihren kurzweiligen Auftritt. Mit einer Mischung aus eingängigem Hardrock und Metal kann die Band überzeugen und auch schon ein wenig für Stimmung sorgen. Dabei fällt vor allem die sehr agile Frontfrau Frida Ohlin auf, die immer wieder mit ihren Gitarristen posiert und unheimlich viel Spaß zu haben scheint. Kein Wunder also, dass die Truppe nach einer knappen halben Stunde mit deutlich mehr als nur Achtungsapplaus von der Bühne verabschiedet wird.

Nach kurzer Pause folgt dann Thobbe Englund. Doch bevor der Ex-Sabaton-Gitarrist zum „Pink Panther“-Intro auf die Bühne schleicht, spannt er das Publikum mit dem Kiss-Klassiker „Detroit Rock City“ noch etwas auf die Folter. Ein paar Macken scheint er auf jeden Fall von seiner Ex-Band mitgenommen zu haben. Nichtsdestotrotz wird er von den Essenern enthusiastisch begrüßt. So wie es scheint, sind tatsächlich eine ganze Menge Leute auch wegen ihm hergekommen. Und Thobbe dankt seinen Fans das mit einer energiegeladenen Show voller rockiger Metalsongs, die trotz des vorhandenen Keyboards auf der Bühne deutlich härter und knackiger rüberkommen als das Repertoire bei Rexoria. Da wären zum einen der sehr groovige Titeltrack des neuen Albums „Sould My Soul“, aber zum anderen auch erstklassige Metalsongs im Stile von Iron Maiden, Judas Priest oder Savatage. Garniert wird das Ganze dann mit wirklich eindrucksvollen und virtuosen Gitarrensoli. Und das Beste dabei ist, dass es nie langweilig wird zuzusehen, denn der quirlige Schwede ist immer gut für einen Scherz. So offenbart er dem Publikum verschmitzt, dass er ja fremdgehen würde und eine zweite Frau habe. Diese zweite Frau sei aber seine Gitarre. Beim letzten Song „Trägen Vinner“, der komplett auf Schwedisch geschrieben ist, veranstaltet er mit dem Essener Publikum gar ein Mitsingspielchen und will den Anwesenden etwas Schwedisch beibringen. Das klappt sogar erstaunlich gut, und so wird die Truppe auch unter großem Jubel verabschiedet.

Crystal Viper haben dann zunächst ein wenig mit dem Aufbau des Schlagzeugs zu kämpfen, weswegen sich die geplante Stagetime um ein paar Minuten nach hinten verschiebt. Das Witzige dabei: Während die Crew noch am Schlagzeug werkelt, steht der Rest der Band schon auf der Bühne und wartet darauf, endlich loslegen zu können. Insgesamt ein etwas ulkiges Bild. Nachdem dann aber alles steht, geht es direkt los. Mit „The Witch Is Back“ starten die Polen fulminant und durch Frontfrau Marta Gabriel vor allem stimmgewaltig in ihren Auftritt. Doch auch die Gitarrenfraktion ist nicht untätig und sägt ein flottes Riff nach dem nächsten runter. So kommen Crystal Viper verdammt energetisch und zugleich cool rüber. Die Interaktion mit dem Publikum stimmt ebenfalls, und auch wenn vielleicht nicht ganz so viele Besucher vor der Bühne stehen, wie zuvor bei Thobbe Englund, ist die Stimmung doch echt gut. Bei schnellen Stücken, wie zum Beispiel „Night Of The Sin“, geht es schon gut ab vor der Bühne, und es werden die Matten geschüttelt. Aber auch die Ballade „When The Sun Goes Down“ vom neuen Album „Queen Of The Witches“ kann überzeugen. Der heavige Midtempostampfer „Gladiator, Die By The Blade“ ruft dann noch einmal die Kopfnickerfraktion auf den Plan, bevor mit „The Last Axeman“ und „Metal Nation“ zum großen Finale geblasen wird. Und auch hier zeigen Band und Publikum einmal mehr, wie man eine ordentliche Metalparty feiert. Es wird gebangt, gesprungen und geklatscht. Und während zum Outro das Grim Reaper-Cover „See You In Hell“ läuft, wird die Band standesgemäß verabschiedet.

Doch als dann der Judas Priest-Klassiker „Turbo Lover“ laut aus den Boxen dröhnt und die Bühne in dichten Nebel gehüllt wird, ist schnell klar, für wen der Großteil der Besucher heute hergekommen ist. Das Turock ist zwar nur etwa bis zu Hälfte gefüllt, dafür drängen sich die Fans aber allesamt dicht vor die Bühne. Und dann ist der Jubel auch groß, als die Mannen von Bloodbound die Bühne betreten. Und wer genau hinschaut, wundert sich doch ein wenig, denn Thobbe Englund steht tatsächlich noch einmal auf der Bühne. Bloodbound spielen heute ohne Bassisten, dafür aber mit zwei Gitarren – gut. Auf die Performance der Band hat das allerdings keinerlei negative Auswirkungen. Ganz im Gegenteil, Thobbe findet sich in der Band bestens zurecht und liefert eine solide Leistung ab. Auch der Sound ist gut, und die Stücke kommen kraftvoll rüber. Außerdem scheinen die Jungs unheimlich viel Spaß zu haben und sind ziemlich aktiv. Es wird posiert, gesprungen und herumgewitzelt. Auch Sänger Patrik Johansson ist heute gut aufgelegt, stimmlich voll da und hat seine Fans schnell im Griff. Bereits beim dritten Song „Stand And Fight“ läuft das alte Mitsingspielchen schon wieder wie am Schnürchen. Die Stimmung ist bombig und so werden auch Hits, wie „Stormborn“ oder „Moria“, nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Aber auch die restlichen Stücke sorgen beim Essener Publikum für gute Laune. Wie zu erwarten, können ganz besonders die Songs des neuen Albums „War Of Dragons“ mit ihren Sabaton-artigen Songstrukturen beim Publikum punkten.

Insgesamt haben Bloodbound eine sehr ausgewogene Setlist mit diversen Klassikern aber auch vielen neuen Songs zusammengestellt, die gut ankommt. Wie schon bei den Bands zuvor, kommen auch bei Bloodbound die Gitarren deutlich raus, was den Songs verdammt gut zu Gesicht steht. So wirkt das Ganze auch weit weniger überladen und kitschig als auf CD. Zum Ende des Gigs werden die Besucher mit „Metalheads Unite“ dann noch einmal auf die Bruderschaft des Heavy Metal eingeschworen und beim abschließenden „Nosferatu“ bekommen die Fans dann auch noch mal etwas fürs Auge geboten, als zum Intro des Songs plötzlich ein mannshoher „Nosferatu“ auf der Bühne auftaucht. Wie auch schon zuvor, beweisen die Essener auch hier wieder Textsicherheit und singen lautstark mit.

Und so geht ein toller Abend zu Ende und hinterlässt eine durch und durch zufriedene Power-Metal-Meute. Dieser Besuch hat sich wirklich total gelohnt und macht schon jetzt Spaß auf kommende Konzerte und Festivalauftritte mit Bloodbound. Schade nur, dass solche Packages immer seltener den Weg in die Heimatstadt von Heavy Stage Force, Osnabrück, finden.

Setlist Crystal Viper

  1. The Witch Is Back
  2. Night Prowler
  3. Night Of The Sin
  4. Witch’s Mark
  5. When The Sun Goes Down
  6. Flames And Blood
  7. The Greed Is Blind
  8. I Fear No Evil
  9. Gladiator, Die By The Blade
  10. The Last Axeman
  11. Metal Nation

Setlist Bloodbound

  1. Iron Throne
  2. War of Dragons
  3. Stand and Fight
  4. In the Name of Metal
  5. Satanic Panic
  6. Stormborn
  7. When All Lights Fail
  8. Moria
  9. Battle in the Sky
  10. Fallen Heroes
  11. Nightmares From the Grave
  12. Silver Wings
  13. Metalheads Unite
  14. Dragons Are Forever
  15. Nosferatu
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Über Erle 104 Artikel
Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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