Demonical – Chaos Manifesto VÖ: 18.03.18, Agonia Records, Death Metal

Demonical Chaos Manifesto

Nahezu kompletter Line-Up-Austausch und ein neues Label seit der letzten Langrille: Demonical starten mit der frisch erschienenen, neuen Platte „Chaos Manifesto“ gefühlt komplett neu. Schließlich sind seit „Darkness Unbound“ auch satte 5 Jahre vergangen. Es steht zwar Demonical auf dem Etikett, aber ist auch der richtige Inhalt drin? Wir haben ein Ohr riskiert.

5 Jahre ohne neue Langspielplatte sind in der heutigen, schnelllebigen und manchmal recht verhypten Welt eine lange Zeit. So manche Kapelle schafft es nicht, an alte Glanztaten anzuknüpfen oder will sich sogar komplett neu erfinden. Nur selten stellt ein solches „Comeback“, wenn man diesen Terminus an dieser Stelle überhaupt verwenden kann, einen Meilenstein der Bandgeschichte dar. Bestes Beispiel dafür, dass es aber auch funktionieren kann, sind Demonicals Landsmänner von Grave. Deren damaliges Comeback klang so, als wären Ola Lindgren und Konsorten niemals wirklich weg gewesen. Wie sieht es nun im Jahre 2018 bei den Schweden von Demonical aus? Um ein wenig vorzugreifen: Man sieht wieder derbe düster am Ende des Tunnels. Und das ist etwas Gutes. Insbesondere, wenn man sich als Band den Zusatz Swedish Death Metal Darkness zugelegt hat. Das Cover weicht zunächst einmal von traditionellem Schwedentodgewohnheiten ab und präsentiert sich in edlem Weißgrau mit schwarzem Zentrum. Etwas, das sich in avantgardistischen Zeiten von Metalbands mit knöchelfreien Hosen, die sich mehr um den korrekten Sitz ihres ironischen Vollbarts und des Scheitels kümmern, als um die Qualität eines traditionsbesetzten Metalsubgenres, durchaus häufiger zu sehen ist. Aber bei genauerem Hinsehen fallen die fünf Knochenmänner auf, die, wie ein Fels in der Brandung stehend, den Hauch Death-Metal-Klischee zumindest im Cover retten.

Doch wie steht es mit der Musik? Demonical haben mit ihren ersten zwei Alben absolute Vorzeigewerke skandinavischer Todsesbleikunst geschaffen. Doch das ist inzwischen knapp 10 Jahre her und die letzten beiden Alben waren eher im gehobenen bis mittleren Durchschnitt einzuordnen. Mit neuer Besetzung und neuem Label im Nacken will Basser und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Martin Schulman es scheinbar nochmal wissen. Der Opener „A Void Most Obscure“ markiert zumindest schon mal einen ordentlichen Start. Düster und ohne lange Umschweife wird hier zu Werke gegangen und der neue Sangesknabe Alexander Högbom (ebenfalls bei den wieder aktiven Centinex an der Spukraspel tätig) lässt massiv was von sich hören. Die altbekannte schwedische Säge bildet ein kräftiges Fundament, auf dem die Schießbude einen herrlichen Offbeat meißelt und so ein fieses, finsteres Klangbild schafft. Die Leads heben sich hervorragend von der Rhythmusfraktion ab, und man kann trotz der knarzenden Basis alles optimal heraushören. Mit dem im Vorfeld veröffentlichten Song „Towards Greater Gods“ kratzen Demonical allerdings ganz derbe am Gartenzaun von Amon Amarth. Ob man hiermit eine ähnliche Klientel, wie die besagten, inzwischen weltbekannten Schicksalsberg-Wikinger ansprechen will, ist natürlich nur reine Spekulation. Man muss den fünf dämonischen Herren natürlich zu Gute halten, dass man sich mit diesem Track auf eine Zeit beruft, in der die Landsmänner noch lupenreinen mit Melodie durchzogenen Death Metal veröffentlicht haben. Der Chorus geht ins Ohr und lässt den geneigten Hörer durchaus den Nacken in Bewegung bringen. Kellersound und Old School Trueness hat man hier gekonnt ausgeblendet.

Mit „Sung To Possess“ wird es wieder etwas aggressiver, und man nähert sich wieder der bereits angesprochenen Swedish Death Metal Darkness. So wollen wir Demonical hören. Leider ist der Song mit knapp über drei Minuten etwas kurz geraten, und der Pfad wird nicht weiter beschritten. Man widmet sich beim folgenden Song wieder einem wikingerlastigen Lagerfeuerschunkler. Als Besonderheit diesmal in komplett schwedisch: „Välkommen undergång“ lautet der Titel dieses zwar treibenden, aber leider alles andere als düsteren Stückes, bei dem Alfahannes-Sänger Pehr Skjoldhammer als Gastsänger fungiert. Mit „Torture Parade“ wird das Tempo wieder mächtig angezogen und es wird kräftig geklotzt. Gleich viel besser. Etwas böse, etwas düster, aber zu keinem Zeitpunkt nur wildes Geprügel. Hier wird moderner Schweden-Death-Metal zelebriert, der nicht nur dazu geeignet ist, mit Dosenbier gefüllte Trinkhörner zu leeren. Das bisherige Wechselspiel der Songs ist für mich persönlich leider nichts und daher ist die musikalische Vollbremse mit dem vor Pathos triefenden „From Nothing“ auch leider an der falschen Stelle. Der Song selbst ist ein episches Stück im Stile des Bonustracks „From Northern Shores“ vom „Death Infernal“-Album von 2011. So wie dieser hätte „From Nothing“ vielleicht besser als ausladender Rausschmeißer funktioniert. Die Zielgerade wird mit „Unfold Thy Darkness“ eingeläutet. Und wie könnte es anders sein? Hier wird wieder härter, geradliniger und deutlicher auf die Zwölf gegeben. Frontmann Högbom darf sich austoben und von tiefsten Growls bis zum kräftigen Schreien sein Portfolio komplett ausschöpfen. Auch hier kann man voller Freude einen erfolgreichen Haken setzen. Den Abschluss von „Chaos Manifesto“ bildet der Titel „Death Unfaithful“, in den nahtlos übergegangen wird und der von schnellem Riffing und schön akzentuiertem Drumming dominiert wird. Ein leider etwas gewöhnlicher Demonical-Song, der als Abschluss des Albums nicht besonders im Gedächtnis hängen bleibt. Hier hätte, wie oben erwähnt, das epische „From Nothing“ vielleicht etwas besser gepasst, zumal „Death Unfaithful“ relativ unbefriedigend und abrupt endet.

Was bleibt als Fazit von „Chaos Manifesto“ nun festzuhalten? Das schwedische Death-Metal-Rad wurde wahrlich nicht neu erfunden. Aber dies ist natürlich auch kein Ansatzpunkt für ein solches Genre. Fans von alter Schule und roher, unbekümmerter HM-2 Ästhetik werden sicherlich nur bedingt frohlocken. Hier haben Demonical leider zu wenig Aggressivität in einigen ihrer Songs. Diese Stücke sind auf der anderen Seite aber fast noch zu hart und ehrlich für diejenigen, deren Bild eines schwedischen Musikers darin besteht, dass der Sänger mit Vollbart und Mjölnir um den Hals zu „Raise Your Horns“ ein 10 Liter Horn zum Anstoss erhebt. Aber unterm Strich macht genau diese Mischung und diese Abwechslung den Reiz der Platte aus. Je nach Lust und Laune kann man das Wechselspiel zwischen Epicness und Düsternis komplett erleben oder aber man skipt sich die Songs so zurecht wie es passt. Blöd ist das nur, wenn man wie ich, die Vinyl auf dem Teller drehen lassen muss. Aber im Ernst: Nach einem ersten Zähneknirschen wächst die Platte tatsächlich und die Highlights erschließen sich mit jedem Durchlauf etwas genauer. Alles in allem haben Demonical sich mit „Chaos Manifesto“ eine solide Langrille geschustert, die zwar nicht an die mächtigen Erstlinge herankommt, aber dennoch hervorragend zu unterhalten weiß, auch wenn man vielleicht zwei oder drei Durchläufe benötigt.

Tracklist:

  1. A Void Most Obscure
  2. Towards Greater Gods
  3. Sung to Possess
  4. Välkommen undergång
  5. Torture Parade
  6. From Nothing
  7. Unfold Thy Darkness
  8. Death Unfaithful

Homepage: http://www.demonical.net/

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