Dirty Connections – We Are The Night

Release: 04-2017
Genre: Death Glam/Schock Rock
Label: Eigenvertrieb

Homepage:  https://www.facebook.com/Dirty.Connections

Wer bereits das Vergnügen hatte die Herren Dirty Connections um Bandchef und Gitarrist Randy Wilde live erleben zu können, der weiß, dass der Name Dirty Connections bislang vornehmlich für klassischen Glam Metal im Stile von Bands wie Mötley Crüe, Skid Row oder auch Ratt stand. Nachdem sich Frontmann Nick Adams im Jahr 2015 aus der Band zurückzog, war es einige Zeit ruhig um die Jungs. Im neuen Jahr wollen die Kerls nun erneut angreifen und mit neuer EP und neuem Sänger die Bühnen entern.

Ein neuer Sänger ist immer so eine Sache. Die Stimme ist halt immer ein Aushängeschild einer Band. So auch bei Dirty Connections aus Detmold. Die selbstvertriebene Debütplatte „Sextreme Dynamite“ aus dem Jahr 2015 war ein Schmankerl für den geneigten Haarspray- und Leggingsfetischisten, denn Sänger Nick Adams verstand es dem typischen 80er Sound aus der Feder von Randy Wilde noch die stimmliche Glam-Krone aufzusetzen. Nach seinem Ausstieg ist nun Mike Pain der neue Mann an der Spukraspel und dieser ist in keinster Weise ein klassischer Glam Metal Frontmann. Anstatt in luftige Höhen geht es auf „We Are The Night“ eher tiefer, kräftiger und aggressiver zu Werke. Das gleiche gilt auch für die Musik. Man hat sich scheinbar etwas intensiver mit amerikanischem Hardrock der aktuelleren Dekade auseinandergesetzt und so einen Klang geschaffen, der sich nahezu vollständig vom bislang gewohnten Sound abhebt.

Doch zunächst werfen wir einen Blick auf das Cover, welches aus der Feder von einem aufstrebenden Künstler aus unserer weiteren Region stammt. Timon Kokott, der bereits für einige lokale Bands den Pinsel geschwungen hat und inzwischen vermehrt überregional und sogar international tätig ist, hat hier ein weiteres Prachtstück von einem klassischen Metal-Artwork abgeliefert. Die düstere Stimmung, die dezente Huldigung an klassischen Schockrock und das augenzwinkernde Spielen mit Klischees machen Appetit auf das, was nun aus den Boxen schallen soll.

Der Opener „Punisher“ ist ein kraftvoller, moderner Rockbrocken amerikanischer Schule. Die Stimme von Herrn Pain erinnert mich im ersten Moment an die von Frontern wie Corey Taylor oder Sully Erna, die bekannterweise eher weniger mit 80er Jahre Flair zu tun haben. Vielmehr erinnert die neue Richtung an einen unheiligen Hybriden aus späteren Mötley Crüe, Wednesday 13 und Stone Sour. Die Produktion ist erstaunlich dick und unterstreicht diese neue, zeitgenössischere Ausrichtung. Klassischer Glam Metal wird bereits in den ersten 60 Sekunden vollständig weggeblasen. Der zweite und gleichzeitig Titeltrack „We Are The Night“ eröffnet mit einem kurzen Bassintro und schlägt über ein markantes Riff, welches entfernt an Alice Cooper erinnert, allerdings mit weitaus mächtiger produziertem Sound. Auch gewisse 90er Jahre Groove Metal Einschläge sind nicht von der Hand zu weisen. Das folgende „Dreamin‘ In A Casket“ zieht das Tempo eine Spur an und wartet mit flinken Soli und Gangshouts auf. Man kann es kaum glauben, dass hier die gleiche Band zu hören ist, die vor nur etwas mehr als einem Jahr das Album „Sextreme Dynamite“ rausgehauen hat. Hätte das Kind einen anderen Namen würde man mit Sicherheit nicht auf eine Verbindung mit dem Namen Dirty Connections kommen. Der vierte und letzte Track der EP trägt den Titel „Scream For Me“. Geboten wird hier ein vornehmlich im Midtempo angesiedelter Nackenkitzler. Böser, tiefer und stellenweiser verzerrter Gesang lässt einen am Ende mit leicht offenem Mund da stehen. Zumindest wenn man das Vorgängerwerk sehr präsent im Kopf hat.

Für mich als Freund von allen möglichen Klischees und Mucke, die es in ihrer Form bereits vor 1993 hätte geben können, ist die neue Ausrichtung der Detmolder nur bedingt ein Grund zur Freude. Die Erwartung meinerseits war definitiv eine andere und leider muss ich sagen, dass das neue Material nicht diesen schönen, herrlich übertriebenen 80er Charme aufweist. Objektiv betrachtet wird diese Wandlung der Band aber mit Sicherheit eine neue, bislang nicht zugängliche Zielgruppe eröffnen. Es wird für mich sehr interessant den nächsten Gig des Quartetts zu besuchen, denn ich bin gespannt ob und inwiefern man sich den alten Songs widmen wird und wie diese von Mike Pain interpretiert werden.

Fans von amerikanischem Hardrock der aggressiveren Gangart, wie die bereits genannten Wednesday 13, Stone Sour, Godsmack oder auch modernen Sleaze Bands wie Sister sollten definitiv einmal ein Ohr riskieren und werden auf jeden Fall Gefallen an Dirty Connections 2.0 finden. Unbelehrbare Old School Junkies und Anhänger von Kalenderausgaben bis 1987 und der damit verbundenen, schwermetallischen Klänge werden wahrscheinlich nicht sonderlich glücklich, aber darauf können Randy und seine Mannen aller Voraussicht nach getrost verzichten und gespannt in die Zukunft blicken.

Tracklist:

  1. Punisher
  2. We Are The Night
  3. Dreamin‘ In A Casket
  4. Scream For Me

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