Festivalbericht Culthe Fest 2018 31.03.2018 - Münster - Sputnikhalle/Cafe

Culthe Fest 2018

Einmal im Jahr ist die Dunkelheit zu Gast in Münster. Das Culthe Fest, welches jedes Jahr um Ostern in der Sputnikhalle und dem Cafe abgehalten wird, öffnet seine Tore zur Hölle. Einen Tag nach Karfreitag darf es dann vor ausverkaufter Hütte wieder krachen.

Bereits um 14:30 Uhr werden die Tore geöffnet und eine Reading Session um 15:00 Uhr abgehalten, der ich aber nicht beiwohne, da ich erst kurz vor Showbeginn um 16:00 Uhr in der Halle ankomme.

Pünktlich eröffnen Beltez dann den musikalischen Teil. Die deutschen Black Metaller spielen ihr drittes Album „Exiled, Punished…Rejected“ in voller Länge. Die Bühne ist spärlich beleuchtet. Lediglich ein blaues Hintergrundleuchten und ein vor dem Fronter aufgestellter Scheinwerfer spenden Licht. Die Songs sind zwar gut, bleiben allerdings bei mir nicht so wirklich hängen, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass ich vorher nichts von der Band kannte. Dennoch ein guter Auftakt, der nach 45 Min. dann auch schon sein Ende findet.

Faszination Weltraum heißt es dann auf der kleineren Bühne im Cafe. Vyre heben mit ihrem Space Black Metal in unendliche Weiten ab. Da durch das Vakuum des Weltalls die Schallübertragung natürlich schwierig ist, gleichen die Jungs das mit einer dritten Gitarre aus. Mit ihren orangen und blauen Overalls sind sie optisch jedenfalls die farbenfroheste Band des Tages. Zunächst muss ihr Frontmann und Captain aber, während des laufenden Songs, einen Fußmarsch… Pardon Weltraumspaziergang zur Mission Control erledigen, da der Bühnensound wohl noch nicht optimal ist. Problem gelöst, weiter geht’s. Mit Songs wie „Life Decoded“ wird das Weltraumimage perfekt wiedergegeben. Nach einer Dreiviertelstunde heißt es dann aber auch schon Houston Mission Complete.

Turia waren bereits vor zwei Jahren schon einmal hier. Die Holländer spielen als Trio, bestehend aus einem Gitarristen, Schlagzeuger und einer ….. nun ja nennen wir es mal Sängerin. Denn genau sie ist der Schwachpunkt. Instrumental ist das Ganze gar nicht mal schlecht, aber es scheint mir so, als ob der Gesang nur aus losen Schreien besteht. Ein textliches Konzept scheint es nicht zu geben. Zudem ist sie als Frontfrau auch sehr zurückhaltend. Ohnehin schon eine zierliche Person, mit der Ausstrahlung eines verschüchterten kleinen Mädchens,  besteht ihr Stageacting aus nichts weiter, als sich am Mikroständer festzuhalten, wenn sie brüllt und mit verschränkten Armen hinter dem Rücken stehend auf den Boden zu starren, wenn sie nicht brüllt. Zwischen den Songs trinkt sie dann einen Schluck Wein direkt aus der Flasche. Das alles will nicht ganz zu der occulten Atmosphäre passen, die sie mit Kerzenständern und Räucherstäbchen versuchen, zu erzeugen. Auch frage ich mich, warum sich die vorher spielenden Vyre mit sieben Mann auf die kleine Bühne zwängen mussten und man diese mehr als durchschnittliche Trio-Band auf der großen Bühne wiederfindet.

Wie es besser geht, zeigen Albez Duz auf der kleinen Bühne. Die drei Jungs und die eine Dame spielen heute ihre erste Show in diesem Jahr und zelebrieren occulten Doom mit jeder Menge Räucherware, die nicht immer unbedingt angenehm riecht. Dadurch, dass die Türen geschlossen bleiben, um das Eindringen des Tageslichts zu verhindern, verbreitet sich der Rauch auch schnell im gesamten Raum. Musikalisch kann man den Berlinern allerdings nichts vorwerfen. Die Songs, die sich zwischen Rock und Metal bewegen, passen perfekt in die Atmosphäre des Festivals und haben für Doom-Verhältnisse einen guten Groove. Frontmann Alfonso weiß zudem, das Publikum für sich einzunehmen, wenn er nur nicht zwischen jedem Song diesen widerlichen Kräutermix neu abbrennen würde.

Ganz ohne Rächerkammer kommen die Jungs von Verheerer aus. Black Metal, der genau meinen Geschmack trifft, ein wenig Melodie, aber dann doch nicht zu viel. Heute präsentieren sie ihr neues Album „Maltrer“. Ihr Frontkämpfer sieht mit seiner breiten Statur und den schmutzigen Bandagen an Handgelenk und Unterarm bedrohlicher denn je aus und auch der Fakt, dass er zwischen den Songs so gut wie nicht spricht und die wenigen Ansagen seinem Gitarristen überlässt, lässt ihn bedrohlicher wirken. Verheerer sind heute auch die erste Band, die eine volle Stunde Spielzeit bekommt, diese auch mehr als nur gut ausfüllen können. Songs wie „Nachtfall“, „Totenkult“ oder „Niederkunft“ sorgen ganz allein dafür.

Van Records stehen seit jeher für Kult in Sachen Doom und Post Rock. Die Belgier Hemelbestormer bilden da keine Ausnahme. Ihre neue Scheibe „A Ring Of Blue Light“ werden die Instrumental Post Rocker heute in voller Länge spielen. Es gibt keine Bühnenbeleuchtung, nur zwei Aufsteller mit beleuchteten kryptischen Symbolen sowie eine Leinwand, auf der Aufnahmen des Nachthimmels und später auch des Weltalls zu sehen sind, spenden Licht. Letzteres wird aber leider des Öfteren von den Schatten der Musiker verdeckt, die im dichten Bühnennebel beinahe nur als Silhouetten erkennbar sind. Das ist aber auch nicht schlimm, denn am besten genießt man die Musik mit geschlossen Augen, um sich in andere Sphären entführen zu lassen. Dies beeindruckt mich dann so sehr, dass ich nicht umher kommen kann, mir das Album am Merchstand zu kaufen.

Uada, eine der Speerspitzen des Casscadian Black Metal, spielen heute einen Headliner Gig. Auch hier sind die Lichttraversen aus. Nur drei Baulampen beleuchten die Bühne und lassen die Amis damit zur am besten ausgeleuchteten Band des Abends werden. Die vier vermummten Gestallten legen heftig los. Es ist ihre erste Deutschlandshow in diesem Jahr und im Vorfeld wurde die Livepremiere einiger neuer Songs des bald erscheinenden neuen Albums „Cult Of The Dying Sun“ angekündigt, welche auch mit dem Titeltrack präsentiert werden. Ansagen gibt es wie immer nicht, dafür umso mehr Nebel. Eine gute Stunde knüppeln die Jungs auf ihre Instrumente ein bevor der wirklich gute Gig leider schon enden muss.

The Great Old Ones dürfen dann zum Abschluss auf der kleinen Bühne alles Leben vernichten. Die Franzosen spielen mit ihrem Bandnamen natürlich auf die großen Alten aus dem Cthulhu-Kult von H.P. Lovecraft an, welcher es mit seinem Antlitz auf das Backdrop geschafft hat. Der Sound ihres Post Black Metals klingt ziemlich krank und bedrohlich. Die Bühne ist in ein maritimes Blau getaucht und mit den Stroboskopeinsätzen sind die Franzosen die einzige Band des Tages, die tatsächlich so etwas wie eine Lichtshow hat. Zudem sieht einer ihrer drei Gitarristen unter seiner Kaputzenrobe, die alle Musiker tragen, auch noch dem berüchtigten Sektenführer Charles Manson so ähnlich, dass es dieses unheimliche Konzept des Monsterkultes ins Unermessliche steigert. Nach der Hälfte des Gigs wird dann die Bühne heller und man kann die Musiker nun besser sehen. Dem Konzept der in der Tiefsee lebenden Bestien, die nun aufgetaucht zu sein scheinen, kommt das nur zu Gute. Die Show ist komplett durchchoreographiert und macht einfach nur Spaß. Nach einer Stunde ist dann aber auch hier Schluss und das Culthe Fest 2018 ist beendet. Die Überlebenden dieses Massakers können sich nun bei der Rammstein Aftershow Party selber feiern. Für mich heißt es aber, Knochen aufsammeln und ab nach Hause.

1 Kommentar

  1. Da bin ich froh, dass sich diese Veranstaltungsreihe endlich etabliert hat, auch wenn ich selbst mangels Ticket kurzfristig und überraschend ausgeschlossen war. Aber da gibt es ja Freunde, die berichten von den nebulösen Orten, an denen verhindert wird, dass das Tageslicht eindringt. Sehr schöner Bericht. Damit erinnert man sich an die vergangenen Culthe… und zwar gerne.

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