Eisregen – Fleischfilm

Release: 05.05.17
Genre: Black Metal
Label: Massacre Records
Homepage: www.Fleischhaus.de

Kaum eine andere Band hat in seiner Geschichte so polarisiert wie Eisregen. Mit ihrem nun zwölften Studioalbum „Fleischfilm“ schrieben die Thüringer Schockrocker eine Hommage an die Kinofilme der 70er und 80er Jahre. Eine Zeit, die mit ihren Horrorfilmen so schockierte, dass sie auch heute noch Grundlage für neueste Kinofilme ist. Allerdings wäre Eisregen, so Sänger M. Roth, ohne diese Zeit und ohne diese Filme nicht denkbar. Somit entschieden sie sich, einen Meilenstein zu setzen für eben all jene Filme, die Eisregen zu dem machten, was sie heute sind.

Zu Beginn wird es sofort rasant. Der Refrain wirkt fremd für Eisregen, da hier auf einen widerhallenden Chor gesetzt wird. Aber das Konzept gefällt und bietet mit dem Song „Drei Mütter“, der seinen Ursprung in der Trilogie des Regisseurs Dario Argentos fand, einen starken Einstieg. Bei Kirchenglocken und einem satanisch klingenden Chor, der übergeht in harte Riffs, die sich atmosphärisch unter Roths Gesang legen, laden bei „Hauch des Todes“ zum Mitwippen ein und es zeigt auch hier, wie melodiös Eisregen klingen können. Bei „Jenseits der Dunkelheit“ gibt es sofort mit harten Riffs und starkem Schlagzeug etwas auf die Mütze. Die Orgel im Refrain wirkt etwas befremdlich und der Song erinnert stark an die Bandzeiten von „Rostrot“ (2011) oder „Todestage“ (2013).

Wer Eisregen schon etwas kennt, der wird wissen, dass die Bandmitglieder große Fans des Films „Cannibal Holocaust“ (1980) sind, und nun ist es ihnen gelungen mit „Die Letzte Reise Des Alan Yates“ diesen Filmklassiker zu vertonen. Mit ruhigen Klängen wird atmosphärisch düster über das Kamerateam berichtet, dass Kannibalen zu filmen versucht. Mit einem düsteren Intro geht es weiter mit dem Track „Auf Den Spuren Der Säge“, der sich mit seiner eingängigen Musik wortwörtlich in den Kopf sägt und mit seiner Opernpassage im Mittelteil nochmal zusätzliche Stärke gewinnt.
Sanft, düster mit zarten Geigen geht „Tiefrot“ einher. Ein Song der eher dazu einlädt, gemütlich ein Glas Wein zu trinken und sich, wer darauf steht, in dieses Horrorszenario rein zu träumen. Eisregen hatten schon öfter ruhige Titel auf Vorgängeralben und von diesen gehört „Tiefrot“ wirklich zu den stärkeren Songs. Etwas stark ungewohnt wirkt „Nahe der Friedhofsmauer“. Der Refrain ist sehr glücklich und lädt zum Schunkeln ein, während die Strophen bekanntlich düster und atmosphärisch gehalten werden. Dies lässt einen textlich mit dem Protagonisten mitfiebern. Bei südländisch vermutenden Gitarren kann man sich bei „Menschenfresser“ schon denken, dass es hier um einen alten italienischen Horrorfilm geht. Mit brutal schleppenden Passagen und hartem Refrain kommen hier Eisregenfans voll auf ihre Kosten und können sich auf einen starken Track freuen.

Elektronisch, ruhig geht es bei „Syndikat des Schreckens“ zur Sache. Der Song, basierend auf einen ähnlich heißenden Fulci-Film, arbeitet viel mit Elektronik und handelt von einem Mafia-Geschwisterpaar, das versucht, einen Mann zu erledigen, der ihnen das Geschäft zunichte macht. Textlich brutaler geht es wieder beim zehnten Track „Im Blutrausch“ zu, der seinem Ursprung im Filmgenre des Giallo, einer speziellen Kombination aus Polizeifilm und Horrorfilm, fand. Dem Italowestern hat die Band das Stück „Satan der Rache“ gewidmet. Die leicht Western angehauchte Melodie wird mit gruseligen Riffs dunkel untermalt und ist einer der am meisten atmosphärischen Songs der Platte. Zu guter Letzt gibt es noch einen Bonussong „Nachts kommt das Delirium“, der auch wieder sehr elektronisch gehalten ist. Er wirkt textlich verwirrend und ist auch wirklich kein Muss an Song, den man unbedingt haben muss.

Fazit: Eisregen haben dieses Jahr mit „Fleischfilm“ ein neues starkes Werk der deutschen Black-Metal-Szene präsentiert. Wenn es auch erst etwas befremdlich klingt, so atmosphärischer wirkt die ganze Platte und ist mit ihrem Konzept ein so noch nie dagewesenes Werk.
Gerade nach den letzten Alben wirkten einige Songs wirklich ausgelutscht, doch mit „Fleischfilm“ haben Eisregen bewiesen, dass auch Bands, die schon über 20 Jahre im Geschäft sind, sich weiterentwickeln können und nicht immer dieselbe Leier spielen müssen.

Tracklist:
1. Drei Mütter
2. Hauch Des Todes
3. Jenseits Der Dunkelheit
4. Die Letzte Reise Des Alan Yates
5. Auf Den Spuren Der Säge
6. Tiefrot
7. Nahe Der Friedhofsmauer
8. Menschenfresser
9. Syndikat Des Schreckens
10. Im Blutrausch
11. Satan Der Rache
12. Nachts Kommt Das Delirium

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