Eluveitie – Ategnatos VÖ: 05.04.19, Nuclear Blast, Folk Metal

CD-Cover Eluveitie - Ategnatos

Lange haben wir darauf gewartet: Das neue Rockalbum “Ategnatos” der Schweizer Folk-Metaller von Eluveitie nach dem großen Besetzungswechsel. Erste Einblicke erhielten wir zwar schon auf „Evocation II: Pantheon“, doch überzeugte das zweite Akustikalbum mehr mit instrumentalen Titeln. Daher blieb ein ausgereifter Vergleich offen, wie sich die neue Sängerin Fabienne Erni einfügt im Gegensatz zu der gefeierten Anna Murphy, die die Combo 2016 verließ und Cellar Darling gründete. Danach ging es Schlag auf Schlag, so verließen Merlin Sutter (Schlagzeug), Ivo Henzy (Gitarre) und auch Violinistin Shir-Ran Yinon die Band. Dies veranlasste Eluveitie-Mastermind Chrigel Glanzmann dazu, die Band neu zu formieren und so schloss er mit ihnen die Aufnahmen zum eben erwähnten Akustikalbum ab.

Drei Jahre nach diesem immensen Bruch der Band geht es für die Schweizer in die nächste Runde. Nach den Erfolgen von „Slania“ oder „Helvetios“ liegt ein hoher Druck auf der Band. So war ich selbst gespannt, ob man diesem Druck entgegenwirkt und Eluveitie ihrem Namen wieder einmal gerecht werden. Schön, dass der Opener, der zeitgleich auch Namensgeber des Albums ist, gleich zu Beginn mit einer gewissen Mystik prägend ist, sich aber nicht vom krachenden Melodic Death Metal trennt. Die Stimme Chrigels ist drückend und aggressiv wie eh und je. Ein wirklich passender Einstieg in das Album.

Genau wie damals auf dem zweiten Album der Schweizer, „Slania“, nutzt man auch auf „Ategnatos“ wieder einmal kleine Zwischensequenzen aus gesprochenen und natürlichen Klängen. So hält die Mischung aus pfeifendem Wind und der wispernden Frauenstimme in „Ancus“ die Spannung hoch und mündet dann wieder in einem schreddernden Bombast aus Gitarren. Der Anfang von „Deathwalker“ hat mich sehr an „Bloodstained Ground“ erinnert, aber nach dem mächtigen Gitarrenriff geht der Titel in eine schleppendere Melodie über. Leider überzeugt mich der Refrain hier nicht wirklich. Die Mischung aus Chrigels Gesang und der sehr reinen Stimme Enris wirkt hier nicht sehr passend. Die Stimmen sind übereinander gelegt, wodurch der Gegensatz zu deutlich wird und das Ganze nicht griffig genug klingt. Dafür haben wir mit „Black Water Dawn“ einen Song, wie wir ihn von den Schweizern erwartet haben: Schönes melodisches Intro, toller Refrain, kräftige Growls, ein gelungenes Wechselspiel zwischen den verschiedenen Stimmen und die folkloristischen Flötenklänge. Im Mittelteil befindet sich ein ordentliches Gitarrensolo, das meiner Meinung nach nicht ganz reinpasst. Hier hätte man vielleicht besser ein Folksolo einbauen können. Auch das schnelle „A Cry Of Wilderness“ geht mehr den metallischen Weg und schraubt die Folkinstrumente ordentlich zurück.  Aber die Nummer ist wirklich griffig und zeigt, dass es Eluveitie nicht verlernt haben auch mal ordentlich auszuteilen und den Death-Metal-Hammer rauszuholen.

Ganz anders ist da „The Raven Hill“. Sehr durch seine Folkinstrumente herausstechend, baut sich das Intro des Songs wie ein mystisches Gewitter auf. Ein Zustand, der auch nach Einsetzen der Gitarren beibehalten wird und den Höhepunkt im Refrain findet. Hier wirkt die Mischung der beiden Gesangsstimmen wie eine Art keltischer Zauberspruch. Hart, aber mit elfischem Anmut bauscht sich dieser Titel zu einer meiner Favoriten auf. Passend zu dem mystischen Thema weist „The Silvern Glow“ mittels Flötenspiel eine gekonnte instrumentale Überleitung zum sehr rockigen „Ambiramus“. Hier kommt die Stimme der neuen Sängerin Fabienne Enri das erste Mal richtig zur Geltung. Mir persönlich gefällt der Titel sehr gut, und er kann sich unbeschwert an Hits wie „A Rose For Epona“ oder „Call Of The Mountain“ anreihen. Teilweise erinnert mich der Titel zwar etwas an Werke von Nightwish, aber spätestens im Refrain zeigt er seine Eigenständigkeit. Von diesem sehr melodischen Titel trennt sich „Mine Is The Fury“ komplett. Hier überzeugt man mit grobem “Hau-drauf”-Death-Metal, ein ganz besonderes Stück für die Headbanger-Fraktion. Schlagzeuger Alain Ackermann fährt zu Höchstleistungen auf und peitscht Chrigels Gekeife durch den ganzen Song. Eine Glanzleistung an dieser Stelle.

Bei “The Slumber“ kommt das erste Mal ein neues Instrument sehr präsent zum Einsatz. Denn Enri leiht Eluveitie nicht nur ihre Stimme, sondern sie ist auch eine begnadete Spielerin der Harfe. Das Lied selbst überzeugt wieder einmal mit dem Wechsel der unterschiedlichen Gesangsstimmen und befindet sich sowohl im Folkanteil und in metallischen Gefilden in der goldenen Mitte. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon einmal von den Schweizern gehört zu haben, aber der Anfang von „Worship“ beginnt mit einem knapp einminütigen, gesprochenen Intro. Sehr düster gehalten, baut es die Stimmung auf, die der Titel braucht. So lässt er die hellen Flöten und Violinen ebenfalls mit einer leicht düsteren Aura ummanteln. Die Gitarren klingen schleppend und aggressiv, eine echte Schlachthymne haben die Schweizer hier geschaffen. Diese Finsternis schafft der nächste Instrumentaltrack „Trinoxtion“ leider nicht aufrecht zu halten, aber es geht wieder in die Richtung alter keltischer Mystik.

Schade, dass die Überleitung nicht wirklich passend ist, denn auch „Threefold Death“ ist sehr finster, klingt bitterböse und wird so manchen Todesmetaller erschüttern. Ein weiteres Stück für unsere Headbanger-Fraktion, aber auch Folkfans kommen hier kein bisschen zu kurz. Es gibt zwar ordentlich auf die Schnauze, aber man bleibt seinem Stil treu. Leider ist die Überleitung zum nachfolgenden Stück „Breath“ auch nicht sehr passend. Der Titel ist fast ausschließlich von Enri gesungen und wirkt in seiner Umsetzung sehr hell und erheiternd. Der Refrain ist griffig und macht Spaß auf mehr.
Das sehr schnelle „Rebirth“ ist eindeutig wieder mehr im Todesmetall verwurzelt, wenn auch der Refrain stark melodisch ist und sich so vom Rest des Titels extrem abhebt. Bei dem guten Zusammenspiel der Instrumente macht es einen hier wirklich traurig, dass „Rebirth“ schon der vorletzte Titel der Scheibe ist. Doch bevor das Album sein Ende findet, wollen uns die Schweizer mit „Eclipse“ ein letztes Mal verzaubern. Man fährt die Instrumente komplett zurück. Was bleibt ist ein säuselnder Wind und die helle Stimme Enris. Zauberhaft und doch mysteriös findet „Ategnatos“ sein Ende.

Fazit: Ein wirklich starkes Album, das uns die Schweizer hier bieten. Man merkt wirklich, wie die neuen Musiker für das Projekt Eluveitie brennen. Vielleicht ist der Besetzungswechsel und der große Umbruch das Beste, was der Formation passieren konnte, denn ein Umbruch bedeutet auch immer frischen Wind. Überzeugte mich das letzte Rockalbum „Origins“ so gar nicht, sind die Folkmetaller jetzt mit Getöse zurück. Ihren Wurzeln treu, aber mit frischem Klang darf es so gerne weitergehen. Das neue Werk überzeugt auf ganzer Strecke.

Homepage: www.Eluveitie.ch

Tracklist:
01. Ategnatos
02. Ancus
03. Deathwalker
04. Black Water Dawn
05. A Cry In The Wilderness
06. The Raven Hill
07. The Silvern Glow
08. Ambiramus
09. Mine Is The Fury
10. The Slumber
11. Worship
12. Trinoxtion
13. Threefold Death
14. Breathe
15. Rebirth
16. Eclipse

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