Eluveitie + Lacuna Coil + Infected Rain – Ategnatos Tour 2019 09.11.2019 - Turbinenhalle 2, Oberhausen

Tourflyer Eluveitie+Lacuna Coil+Infected Rain

Gemeinsam mit Infected Rain und Lacuna Coil touren die Schweizer Folk-Metaller Eluveitie derzeit durch die Lande. Mit ihrem neuem Album namens „Ategnatos“ im Gepäck und enormer Live-Power wollen sie die Bühnen in Europa zum Beben bringen. Am 09.11.2019 waren sie in der Turbinenhalle 2 in Oberhausen zu Gast. Und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Vor der Turbinenhalle 2 hat sich bereits eine ganz ansehnliche Schlage von Metalheads gebildet als wir nach einem Kurzbesuch beim goldenen „M“ gegen halb sieben dort ankommen. Der Einlass geht zügig und selbst das obligatorische Besorgen der Getränkemarken verläuft ohne größere Wartezeiten. Etwas nervig ist jedoch der Miniaturspind, in dem man seine Jacke deponieren kann. Hier wäre etwas mehr Platz schon ganz angenehm gewesen.

In der Halle selbst wird es dann sehr schnell ziemlich voll. Und das Durchkommen mit Fotoausrüstung ist gar nicht so einfach. Ich frage mich an dieser Stelle manchmal schon, warum man die Hallen immer so knüppelvoll packen muss. Natürlich ist es schön, wenn ordentlich was los ist und Stimmung gemacht wird. Es tut aber ebenso gut, wenn man etwas mehr Platz hat und sich auf dem Weg zur Toilette nicht so durch die Menschenmassen schieben muss. Und dabei wird noch nicht einmal ein „ausverkauft“ vermeldet. Es könnten also theoretisch noch mehr Leute sein. Das ist an manchen Ecken schon etwas grenzwertig.

Infected Rain
Infected Rain

Für Infected Rain, ist es aber natürlich sehr geil, dass die Halle schon jetzt ziemlich voll ist. Und die Moldauer lassen sich auch nicht lange bitten und feuern ihre energetische Mischung aus Nu-Metal, Metalcore und ein wenig Melo-Death in die Menge. Der Sound knallt für die erste Vorband schon mächtig rein, ist aber an manchen Stellen etwas zu laut und unausgewogen.

Die Band selbst gibt auf der Bühne aber Vollgas und kann dem Publikum mit ihrer Performance deutlich mehr entlocken als nur den obligatorischen Anstandsapplaus. Das liegt nicht zuletzt an der charismatischen Frontfrau Lena Scissorhands. Sie hat nicht nur ein gewaltiges Organ, sondern ist mit ihren knallbunten Dreadlocks auch optisch ein absoluter Blickfang. Zum letzten Song wird von der Band dann noch der erste Circle Pit des Abends eingeläutet. Danach wird die Truppe mit viel Beifall in den Feierabend geschickt. Solider Auftritt.

 

Spätestens als Lacuna Coil dann mit ihrem Intro beginnen, ist in der Halle so gut wie kein Durchkommen mehr. Die Meute steht dicht gedrängt vor der Bühne und streckt der Band die Pommesgabeln entgegen. Schlagzeuger Richard Meiz ist der Erste, der auf die Bühne tritt und die Menge noch einmal von seinem Drumkit aus anfeuert. Kurz darauf erscheint auch der Rest der Band und geht mit „Blood, Tears, Dust“ sofort in die Vollen. Der Sound ist druckvoll und die Performance wirkt auch aufgrund der Outfits sowie des Corpsepaints der Protagonisten sehr atmosphärisch.

Lacuna Coil
Lacuna Coil

Das Gesangsduo Andrea Ferro und Christina Scabbia kommt dann, in schwarzer Kluft mit Kapuze, als letztes auf die Bühne und bewegt sich sofort an den vorderen Rand, um seine Fans zu begrüßen. Das wird im Publikum sehr wohlwollend aufgenommen und entsprechend bejubelt. Es scheinen heute ziemlich viele Lacuna Coil Fans anwesend zu sein. Die Stimmung ist jedenfalls schon jetzt bombig und sogar headlinerwürdig. Auch das neue Album „Black Anima“ scheint schon relativ geläufig zu sein und so werden Songs wie „Layers Of Time“ oder „Reckless“ schon mächtig abgefeiert.

Insgesamt beschränken sich Lacuna Coil auch überwiegend auf Stücke der jüngeren Vergangenheit. Die Frühphase der Band ist lediglich mit dem Klassiker „Heaven’s A Lie“ vertreten. Aber natürlich darf bei einer Lacuna Coil Show das Depeche Mode Cover „Enjoy The Silence“ nicht fehlen, welches von Scabbia einmal mehr mit herzzerreißender Schönheit vorgetragen wird. Hier macht auch der Turbinenhallenchor seine Sache gut und singt den letzten Refrain lautstark mit. Da kommt schon ein bisschen Gänsehaut-Feeling auf.

Auch zum Ende des Gigs darf das Publikum noch einmal ran, als Christina Scabbia dann die obligatorischen Worte „We fear nothing“ intoniert und damit das letzte Stück „Nothing Stands In Our Way“ ankündigt. Hier wird vor und auf der Bühne noch einmal alles gegeben und der Auftritt somit standesgemäß zu Ende gebracht.

Eluveitie
Eluveitie

Eluveitie beginnen ihr Set dann mit einem atmosphärischen Intro, bei welchem der hintere Teil der Bühne verhangen ist. Vor dem Vorhang ist nur das mit Drachenköpfen verzierte Mikropult von Sänger Chrigel Glanzmann zu sehen. Langsam kommen drei maskierte und mit Umhängen bekleidete Personen auf die Bühne und beginnen mystisch anmutende Verse zu singen. Nahtlos geht das Intro über in den ersten Song „Ategnatos“, zu dem die Bandmitglieder nach und nach auf die Bühne kommen und sich vom Publikum beklatschen lassen. Ein richtig cooler Auftritt, der auch davon nicht getrübt wird, dass der Vorhang vor der Bühne zunächst nur zu etwa zwei Dritteln fällt.

Frontmann Chrigel Glanzmann überspielt das gekonnt während seiner Ansage und lässt keine Zweifel an den Live-Qualitäten der Schweizer aufkommen. Zum Zweifeln bleibt aber ohnehin keine Zeit, denn Eluveitie legen mit „King“ direkt den nächsten Knaller nach und sorgen damit für ordentlich Bewegung vor der Bühne. Auch „De Ruef Vo De Bärge“, die schwizerdütsche Version von „Call Of The Mountains“ wird von den Zuschauern begeistert abgefeiert.

Weiter geht es mit aktuellem Material. Songs wie „Deathwalker“, „Black Water Down“ und “Worship” werden in die Menge gefeuert und von vorne bis hinten abgefeiert. Dabei zeigt sich die aktuelle Eluveitie-Besetzung agil und spielfreudig. Immer wieder werden die Positionen gewechselt und das Publikum zum Mitmachen motiviert. Mit „Artio“ und „Epona“ hat man dann auch noch zwei vermeintlich ruhigere Eluveitie-Stücke vom 2017er Album „Evocation II – Pantheon“ mit am Start. Wobei letzteres im Publikum zumeist zu ausgelassenem Tanzen und Moshen führt. Da kommt die Ballade in Form von „A Rose For Epona“ gerade recht. Die nicht mehr ganz so neue Sängerin Fabienne Erni macht dabei wieder einmal eine sehr gute Figur und interpretiert den Song mit viel Gefühl und Inbrunst.

Eluveitie
Eluveitie

Eine wahre Energieexplosion ist dann „Thousandfold“, bei dem auch der ein oder andere Crowdsurfer zur Bühne gegeben wird. Und man glaubt es kaum, doch „Ambiramus“ setzt da stimmungsmäßig sogar noch einen drauf. Es wird geklatscht, gesprungen und laut mitgesungen. So soll das sein. Kurz vor dem Endspurt darf dann Schlagzeuger Alain Ackermann auch noch einmal zeigen, wie gut er Schlagzeug spielen kann und damit dem Rest der Band eine kurze Verschnaufpause verschaffen. Diese wird von den übrigen Bandmitgliedern augenscheinlich auch gut genutzt, denn sie kommen voller Elan auf die Bühne zurück und schießen mit „Havoc“, „Kingdom Come Undone“ und natürlich „Helvetios“ zum Abschluss noch mal einen Dreierpack allererster Güte in die Menge.

Laute „Hey, Hey“-Rufe sind jetzt zu hören und auch diverse Circle Pits sind zu beobachten. Klar, dass Eluveitie ihre Show noch nicht beenden können. Und natürlich liefern die Schweizer mit „Rebirth“ und dem All-Time-Favorit „Inis Mona“ noch eine amtliche Zugabe bevor sie die Bühne endgültig verlassen.

Damit geht ein wirklich schöner Konzertabend standesgemäß zu Ende. Alle drei Bands des heutigen Abends haben wirklich alles gegeben und konnten auf der ganzen Linie überzeugen. Gleiches gilt für Licht und Ton. Alle Bands hatten einen fast durchgängig guten Sound und konnten mit Outfit und Lichtshow zusätzliche optische Reize setzen. Solche Konzerte besuche ich gerne öfter.


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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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