Festivalbericht SchloGa Open Air 2018 02.06.2018, Schlossgarten Osnabrück

Schloga

„Sommer, Palmen, Sonnenschein, was kann schöner sein“, das sangen schon die Ärzte Mitte der 80er Jahre. Und auch wenn es beim SchloGa Open Air am 02.06.2018 keine Palmen gab, erfreuten sich einige hundert Besucher doch am schönen Wetter und der bunten Musikmischung. Von Rock über Punk, Metal und Hip-Hop bis hin zu Folk und Country war für fast jeden Musikliebhaber etwas dabei. Das Besondere am SchloGa Open Air, es sind ausschließlich Bands aus Osnabrück und Umgebung dabei und es ist kostenlos.

Schon als Spinoza das Festival gegen viertel vor fünf eröffnen, ist auf dem Gelände im Schlossgarten gut was los. Die meisten Besucher haben es sich auf dem Rasen gemütlich gemacht und man verspürt eine gechillte Picknickatmosphäre. Dabei kommt der Indie Rock der Osnabrücker Truppe beim Publikum gut an und auch die Musiker auf der Bühne scheinen ihren Spaß zu haben. Eine Eröffnung nach Maß also.

Als Zweites ist die Band Moin aus Quakenbrück an der Reihe. Im klassischen Line-Up mit Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang macht das Trio erdigen Garagenrock mit leicht psychedelischem Einschlag. Sänger Konstantinos, der auch gleichzeitig Gitarre spielt, klingt teilweise derbe nach Johnny Rotten und macht dabei eine echt gute Figur. Auch die restlichen zwei Drittel der Truppe verstehen, was sie tun. Und auch wenn die Songs hier und da manchmal etwas schräg klingen, sind sie handwerklich doch gut gemacht. Stilblüte des Gigs ist aber der letzte Song „Feierabend“, den die Band im Gegensatz zum restlichen Programm komplett auf Deutsch singt.

Weiter geht es mit Female Fronted Punkrock. Frantic Age aus Rheine mit ihrem Rotschopf Mareike am Mikro sorgen das erste Mal am heutigen Tage für etwas Bewegung vor der Bühne. Mit ihren teilweise auf Englisch und teilweise auf Deutsch vorgetragenen Stücken rockt die Truppe ordentlich die Bühne. Ein knackiges Drumming, kurzweilige Riffs und eine starke Gesangsstimme machen die straighten Punkrock Songs der Band aus, was auch vom Publikum lautstark gewürdigt wird. Und so vergehen die 30 Minuten Spielzeit viel zu schnell.

Bei Anthemdown erwacht der Schlossgarten dann endgültig aus seinem Dornröschenschlaf, und vor der Bühne bildet sich ein ansehnlicher Moshpit. Und dieser hat beim wuchtigen Sound der Metalcore-Truppe mächtig Spaß. Es wird gebangt, gesprungen und geklatscht. Auch die Jungs auf der Bühne haben einmal mehr richtig Spaß. Sänger Lars ist stimmlich voll da und fordert die Meute immer wieder zu mehr Bewegung und Circle Pits auf. Währenddessen stehen die Gitarristen immer wieder zusammen, posen sich gegenseitig an und grinsen zumeist wie Honigkuchenpferde. Dabei wird auch vor Ausflügen ins Publikum nicht zurückgeschreckt. Ultracool, mit Sonnenbrille und scheinbar über jeden Zweifel erhaben gibt Schlagzeuger Lorenz einmal mehr sauber und präzise den Takt an. Und da sich die Jungs bei der Produktion ihrer letzten Scheibe „Farewell Letter“ nach eigenen Aussagen etwas verrechnet haben, wird auch noch ein ganzer Schwung CDs an die Fans verteilt. Und mit „Capture The Flag“ haben die Jungs heute sogar schon einen Song vom kommenden Album mit am Start. Ein richtig guter Gig.

Savage Blood machen dann genau da weiter, wo Anthemdown aufgehört haben. Die ohnehin schon heiße Metal-Meute ist richtig wild auf den Gig der Band. Jetzt wird es auch richtig voll vor der Bühne. Und die Menge wird nicht enttäuscht. Savage Blood sind einfach eine Klasse für sich und liefern wieder einmal eine energiegeladene Show mit Songs ihrer EP „Savage Blood“ ab. Sänger Peter, Metal God von Osnabrück, Diersmann intoniert die eingängigen Songs der Melodic Power Thrash Metal-Truppe ein ums andere Mal hervorragend, während Bassist Markus Weckermann wie wild über die Bühne rennt, springt und dabei eine verdammt gute Figur macht. Auch die Gitarristen Jörg Steinhake und Nico Luttenberg haben mächtig Spaß und feuern die Fans ihrerseits an. Nicht zu vergessen sei an dieser Stelle auch Schlagzeuger Marc Könnecke, der die Drums nach allen Regeln der Kunst verdrischt. Einziger Wermutstropfen ist der teilweise etwas bescheidene Sound, was der guten Stimmung allerdings keinen Abbruch tut.

Aus metallischer Sicht ist damit für den heutigen Abend eigentlich alles gesagt. Doch warum nicht einmal etwas über den musikalischen Tellerrand hinausschauen? Und dieser Blick soll sich lohnen. Mit sage und schreibe 11 Musikern steht dann nämlich die Hip-Hop-Formation Bravour auf der Bühne. Die Leute kommen jetzt auch ganz nah an die Bühne heran und lassen sich von den schmissigen Beats der Band zum Feiern und Tanzen animieren. Die Stimmung ist richtig gut. Doch Bravour wissen nicht nur mit eingängigen Rhythmen und mitreißenden Texten zu überzeugen, auch ein kompletter Bläsersatz bestehend aus Trompete, Posaune, Alt- und Tenorsaxophon sorgt für Abwechslung. Und auch die durchaus gekonnten weiblichen Gesangsparts kommen beim Publikum richtig gut an.

Nachdem die vorherigen Bands richtig Stimmung gemacht haben und für ordentlich Bewegung gesorgt haben, geht es bei den Folk-Rockern von Svenson wieder etwas ruhiger zu. Die Zuschauer lauschen dem folkigen Rock mit Countryeinschlag schon fast andächtig, kommen dabei aber nicht mehr so in Fahrt wie noch bei den vorherigen Bands. Die mitunter recht bierseeligen Texte, wie zum Beispiel in „Besoffen“ werden zwar teilweise mitgesungen, aber das auf dem Akkordeon gecoverte „Ace Of Spades“ kann nicht so wirklich zünden. Nichtsdestotrotz ist das Quartett mit viel Engagement bei der Sache und auf der Bühne durchaus präsent.

Headliner des Abends sind die Independent Rocker von Cliff Barnes And The Fear Of Winning, die die Bühne gegen 22:00 Uhr betreten und von Anfang an eine schon fast mystische Stimmung erzeugen. Bei viel Nebel und geheimnisvoll wirkendem blauen Licht erklingen die ersten Töne. Das Osnabrücker Band-Urgestein, das schon im November 1989 in der Zeit der friedlichen Revolution durch die damalige DDR tourte, versteht es auf ganz besondere Weise ihr Publikum in den Bann zu ziehen. Gesanglich voll auf der Höhe und mit einem guten instrumentalen Konzept schwofen sich die Osnabrücker in die Nacht hinein.

Und damit endet ein schöner, musikalisch wertvoller und vielseitiger Tag in Osnabrück. Es ist schön zu sehen, dass so viele Menschen den Weg in den Schlossgarten gefunden haben und dieses kleine Festival damit zu einer so guten Veranstaltung gemacht haben. Ein großes Dankeschön geht neben den aufgetretenen Bands vor allem an das Musikbüro und das Haus der Jugend, die das Festival unter dem Motto „Umsonst und Draußen“ organisiert haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch für das nächste Jahr wieder genügend Helfer und Gönner finden, die dieses kleine Festival unterstützen.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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