Interview mit Anthemdown

Anthemdown

Die Osnabrücker Metalcore-Truppe Anthemdown veröffentlicht am 29.04.3017 ihr neues Album „Farewell Letter“. Passend dazu trafen wir die Jungs zum Interview.

Es ist einer der ersten richtig schönen Frühlingstage mit angenehmen Temperaturen und viel Sonnenschein, als wir uns mit den gut gelaunten Bandmitgliedern Lars (Gesang), Moritz (Gitarre), Karl (Gitarre), Lucas (Bass) und Lorenz (Drums) im Grünen Jäger in Osnabrück zusammensetzen. Bei einem Kaltgetränk erzählen die Fünf voller Freude und auch mit ein bisschen Stolz von ihrem neuen Album und dem Entstehungsprozess. Und auch darüber hinaus stellen sie sich gerne unseren Fragen.

HSF: Starten wir zunächst mit eurem neuen Album. Es wird „Farewell Letter“ heißen und am 29.04. im Rahmen eurer Releaseparty veröffentlicht. Was könnt ihr über das Album schon verraten?

Karl: Naja, was wir uns dabei gedacht haben, als wir die Songs für das Album geschrieben haben, war eigentlich, dass wir die Reise eines Menschen, der den Freitod gewählt hat, darstellen wollen. Das ist eine Art Endlosgeschichte. Sie beginnt im Kopf der Person und schildert so etwas wie Depression. Daher auch das typische Cover und der Albumtitel „Farewell Letter“.

Lars: Da ich als Sänger ja für die Namensgebung verantwortlich bin, stammen die Texte halt von mir. Und daher bin ich auch sozusagen für das lyrische Konzept dahinter verantwortlich. Teilweise hatte ich einfach Eingebungen für die Texte und zum anderen habe ich da auch ein paar meiner eigenen Probleme damit verarbeitet. Das klingt jetzt relativ harmlos, war aber sozusagen der Grund dafür, warum das Album in diese Richtung gegangen ist.

Karl: Es ist halt ein relativ düsteres Thema.

Lucas: Wie schon gesagt, ist es eine Endlosgeschichte. Sie schlängelt sich durch die komplette Gefühlswelt und durch alles, war diese Person erlebt und gemacht hat. Und am Ende steht der Song „No Way Out“, womit die Story quasi wieder an den Anfang springt. Das kann man auch hören, wenn man genau auf den Text achtet. Man kann das Album halt immer wieder von vorne bis hinten durchlesen. Es ist eine Endlosschleife.

HSF: Wie läuft bei euch der Songwriting Prozess ab? Gibt es so etwas wie einen Masterplan? Habt ihr vielleicht sogar schon Ideen für das nächste Album?

Karl: Wenn wir neue Songs schreiben, dann denken wir uns zunächst mal ein Instrumentalkonzept aus. Und da ist dann eigentlich auch jeder aus der Band mit dabei. Und dazu schreibt Lars dann die Texte. Wir sind eine grunddemokratische Band und fällen Entscheidungen gemeinsam. Natürlich will halt jeder so seine Ideen durchsetzen. Und manchmal knallt es dann auch. Aber bis jetzt haben wir es immer noch geschafft, ein Konzept zu erarbeiten mit dem jeder in der Band leben kann. Das muss aber auch so sein, denn jeder steht mit viel Herzblut dahinter.

HSF: Entstanden ist das neue Album in Bad Iburg in der Mühle der Freundschaft. Wie war es, dort aufzunehmen?

Lorenz: Wir waren jetzt ja schon dreimal im Studio und von diesen drei Malen war es in der Mühle der Freundschaft einfach am besten. Wir haben das Album live aufgenommen und hatten einfach mega-viel Spaß dabei.

Karl: Ich fand, unser Produzent Martin Schmeing war einfach unheimlich entspannt. Martin ist ja eigentlich überhaupt nicht in die Metalszene involviert, aber es hat so einen Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten. Er kam morgens ganz gelassen rein und sagte dann ganz lässig so was wie: „Ja, wir nehmen hier jetzt auf“ und „Lass mal Kaffee anstellen!“ Kaffee kochen war überhaupt immer das Erste. Er hat halt so unglaublich viel Erfahrung. Und das hat man auch von Anfang an gemerkt.

Lucas: Der strahlt auch eine enorme Ruhe aus. Ich frage mich wirklich woher er die nimmt.

Lorenz: Es hat einfach so viel Spaß gemacht, dass einem das Aufnehmen überhaupt nicht wie Arbeit vorkam. Einige von uns haben an den zwei Wochenenden, an den wir aufgenommen haben, dann auch im Studio übernachtet, was auch noch mal zu der guten Stimmung beigetragen hat. Für uns ist da auch so etwas wie ein Traum wahr geworden. Wir sind ins Studio gegangen und haben unsere eignen Sachen aufgenommen. Das war schon echt wunderbar.

Karl: Dieses Gefühl, morgens mit dem Auto zum Studio zu fahren und zu denken, dass man jetzt zur Arbeit fährt ist unbeschreiblich cool.

Lars: Es wäre echt herrlich, wenn man das zu seiner Arbeit werden lassen könnte. Das ist glaube ich wohl nicht nur mein Traum. (allgemeine Zustimmung)

Lorenz: Im Studio hat sich für uns auch einfach noch einmal gezeigt, wie sehr wir als Band eigentlich zusammengewachsen sind und eine Einheit bilden. Die Zusammenarbeit hat super geklappt. Ich habe im Studio mit so ziemlich allen aus der Band zusammengearbeitet und saß bei fast jedem mit dabei. Auch die zwischenzeitlichen Besprechungen darüber, was noch mal geändert werden müsse, waren echt gut und sehr produktiv. Das alles unterstreicht sicher noch mal, dass wir auch vom Typ her gut zusammenpassen.

HSF: Habt ihr im Studio denn noch großartige Änderungen an den Songs vorgenommen oder stand alles vorher fest?

Lucas: Bis auf die Soli und einem Schlagzeug-Drop bei „I Come I See I Kill“ stand eigentlich alles im Vorfeld fest. Nur da mussten wir noch mal ein wenig nachjustieren, da ein Tempowechsel in der ursprünglichen Version nicht so gut funktioniert hat.

Lars: Für mich war es das allererste Mal im Studio und daher eine ganz neue Erfahrung. Gerade auch, weil ich vorher noch keine andere Band hatte und nicht über wirklich viel Bühnenerfahrung verfüge. Darum war es für mich ein richtig cooles Erlebnis. Es war für mich ein bisschen wie hinter die Kulissen gucken, obwohl ich selber mit dabei bin. Das war ein richtig gutes Gefühl. Und als wir dann mit dem Aufnehmen fertig waren, saß ich jeden Tag zu Hause rum und dachte nur: „Oh Mann, wann kann ich endlich die Ergebnisse hören?“. Ich war so gespannt auf die CD.

Karl: Und als die CDs dann kamen…

Lucas: Boah, das war heftig. Ruckzuck saßen wir auf einmal alle wieder bei Karl oben auf dem Dachboden.

Karl: Ich habe noch nie erlebt, dass die Jungs so schnell hergekommen sind. (lacht)

Lorenz und ich haben übrigens auch noch ein paar kleine Impressionen aus dem Studio auf Video festgehalten und zusammengeschnitten. Das wollen wir bis zum Release auch noch veröffentlichen, damit ihr mal einen kleinen Einblick in das Studioleben bekommt. Da werden dann auch alle Songs vom neuen Album noch einmal kurz angerissen. Ja, und das zeigt halt einfach auch noch einmal, wie wir durch das Studio gegangen sind und was für ein chaotischer Haufen wir eigentlich sind.

Lorenz: Und es hat trotzdem funktioniert. Selbst bei dem Quatsch, den wir so gemacht haben, ist am Ende etwas dabei herausgekommen, von dem ich denke, dass es genau das ist, was jeder von uns wollte.

Karl: Unglaublich war auch, was Matze (Anm. d. Red. Matthias Lohmöller von DocMaKlang) da am Ende mit dem Mastering noch herausgeholt hat. Wenn man sich da den Vorher-/Nachher-Vergleich anhört, dann denkt man echt Wow. Die Rough-Mixe waren zwar schon echt gut, aber dann hat Matze halt da noch mal eine Frequenz hierhin gezogen und da noch mal eine Betonung dorthin gelegt und das hat dem Album dann erst den letzten Schliff gegeben.

Lorenz: Die Studiozeit war einfach nur megagut und es hat von vorne bis hinten total viel Spaß gemacht.  Wir haben ja davor auch schon einmal die „A Story Of US“ CD aufgenommen. Das war für mich noch mal ein ganz anderes Arbeiten. Da haben wir nicht live aufgenommen, sondern alle nacheinander, weswegen sich die Produktion auch über einen längeren Zeitraum gezogen hat. Jetzt hatten wir ein großes Haus, waren alle permanent da und haben uns viel mehr ausgetauscht. Die erste CD klingt super und ist super gelaufen. Aber von der Produktion her haben wir dieses Mal noch besser zusammengearbeitet.

Karl: Und wir hatten mehr Erfahrung und wussten relativ gut, wo wir hinwollen. Bei „A Story Of US“ waren wir uns noch nicht ganz im Klaren darüber, welchen Sound wir auf der Platte haben wollten. Das war bei „Farewell Letter“ komplett anders. Da haben wir schon vorher festgelegt, mit welchem Verstärker und über welche Boxen wir spielen wollen. Und das Teil lief dann und es klang dann auch so, wie wir das haben wollten. Und vor allem hat es harmoniert. Und wir haben als Band auch gemerkt, dass sich die Erfahrungen, die wir in den vorherigen Jahren auf der Bühne, im Studio aber auch im Proberaum schon gesammelt haben in dem neuen Album widerspiegeln.

HSF: Aber live aufnehmen ist doch relativ schwierig, oder? Muss man sich da nicht tierisch konzentrieren, damit man alles richtig spielt?

Lorenz: Ja klar. Die haust halt Take, Take, Take an Take. Du nimmst einen Song drei, vier, fünf Mal auf, wenn es gut läuft. Und dafür musst du halt vorher üben, üben, üben, damit dann auch das Zusammenspiel zwischen den Musikern passt. Live aufzunehmen ist deutlich schwerer als nacheinander aufzunehmen.

Karl: Natürlich kann man ein bisschen was verändern. Man kann halt sagen, wir overdubben das jetzt halt noch mal und tauschen den einen Part gegen den anderen aus, aber wenn das Gesamtgefüge Müll ist, dann ist der Song Müll. Dann kann man da overdubben, wie man will.

HSF: Am 29.04.2017 findet im Ostbunker eure Releaseparty statt, bei der ihr zusammen mit As We Arise und Tragedy Of Mine auftretet. Was können wir von der Show erwarten? Habt ihr etwas Besonderes vorbereitet?

Karl: Es wäre jetzt halt blöd, wenn wir sagen würden, dass wir etwas vorbereitet haben und das jetzt schon spoilern.

Lucas: Also wir haben uns auf jeden Fall etwas ausgedacht. Und da steckt auch schon eine ganze Menge Arbeit dahinter. Wir müssen aber noch einen Weg finden, wie wir das mit in die Show einbauen.

Lars: In welcher Form das passieren wird, wissen wir aktuell selber noch nicht

Lorenz: Wir spielen nackt! Jetzt müssen wir’s machen. (allgemeines Gelächter)

Karl: Spaß beiseite. Es kommt was, aber was das genau ist, dass werdet ihr am 29.04 sehen.

Lorenz: Ich kann nur soviel sagen. Es wird ein geiler Abend mit drei geilen Bands die absolut Spaß machen.

Lucas: As We Arise beispielsweise haben ja im letzten Jahr das Knock Down Festival eröffnet und spielen dieses Jahr als Opener auf dem Reload Festival. Ich war ein wenig mit dem Sänger in Kontakt und hatte einfach mal nachgefragt, ob die bei unserer Release Show spielen wollen und dann haben sie halt zugesagt. Das finden wir auch ziemlich geil.

Lars: Und die Jungs von Tragedy Of Mine kennen wir ja auch schon eine ganze Weile. Wir haben ja auch schon Auftritte mit denen zusammengespielt.

HSF: Seid ihr denn als Band insgesamt gut vernetzt? Wie wichtig ist Networking für euch?

Karl: Ja, das sind wir schon. Mit Tragedy Of Mine sind wir halt unglaublich dicke. Und mit den Psaikorillaz sind wir auch gut befreundet. Allgemein haben wir eigentlich keine Bands, mit denen wir uns überhaupt nicht verstehen. Wir sind sehr bemüht einen guten Kontakt zu den anderen Bands zu pflegen.

HSF: Wie seht ihr die Metalszene in Osnabrück allgmein? Seht ihr Unterschiede zu anderen Regionen?

Lorenz: Die Metalszene in Osnabrück sehe ich einer guten Verfassung. Das Einzige, das ich negativ sehe ist, dass die Besucherzahlen auf den Konzerten doch echt stark rückläufig sind. In anderen Städten hat man echt mehr Besucher. Wenn ich jetzt zum Beispiel mal nach Hannover, Hamburg oder in das Ruhrgebiet schaue, dann fällt schon auf, dass da selbst bei Underground-Konzerten echt richtig was los ist. Und dann kommst du nach Osnabrück, und da sind es dann maximal 10-15 Leute, die sich so etwas angucken.

HSF: Was kann man dagegen unternehmen.

Karl: Naja, mehr als zu sagen, dass man hier oder da spielt und versuchen, die Leute zu mobilisieren, kann man halt auch irgendwo nicht.

Lorenz: An den Eintrittspreisen kann es jedenfalls nicht liegen. Wir nehmen jetzt beispielsweise fünf Euro für unsere Releaseparty. Dafür bekommt man dann aber auch drei klasse Bands, kann feiern, trinken und jede Menge Spaß haben. Da kann man sich doch nicht beschweren, oder?

HSF: Was wollt ihr mit Anthemdown noch erreichen? Wo seht ihr euch mit Anthemdown in fünf Jahren?

Lorenz: Oh, jetzt müssen wir aufpassen. Wir wollen ja nicht zu arrogant klingen, haha. Ach, ich sehe uns in genau der Besetzung, in der wir jetzt sind und dass wir vor allem immer noch Spaß an der Musik haben. Ich hoffe, dass wir dann noch ein paar mehr Songs haben. In fünf Jahren kann man ja vielleicht noch mal zwei Platten nachlegen. Ansonsten ist es mir ziemlich egal, ob da dann nur eine Person vor der Bühne steht oder 5000. Mir geht es einfach darum, dass wir Spaß haben, gut zusammenarbeiten, unsere Musik machen und wir bis dahin weiter erfolgreich sind.

Karl: Vor allem möchten wir, dass den Zuschauern unsere Shows gefallen und uns das auch zeigen (wippt rhythmisch mit dem Kopf nach hinten und nach vorne). Die Band gibt den Zuschauern ja auch das zurück, was sie von ihnen bekommt. Wenn die Leute nur gelangweilt vor der Bühne stehen, ist das auch für die Band keine großartige Motivation.

HSF: Gibt es ein bestimmtes Festival auf dem ihr gerne mal spielen würdet oder eine Band, die gerne mal supporten würdet? Wenn ja, welche?

Lorenz. Das ist wohl bei uns allen unterschiedlich. Bei mir wären es bei den Festivals das Wacken Open Air und Rock am Ring, bei den Bands Amon Amarth und In Flames.

Karl: Ja, bei In Flames könnte ich das auch sofort unterschreiben. Außerdem bin ich halt im Moment auf einem ziemlichen Parkway Drive-Trip und von daher könnte ich mir das auch gut vorstellen. Ein Festival wäre vielleicht noch das With Full Force, weil das halt eben auch so schön corelastig ist.

Lars: Das Vainstream wäre auch sehr schön.

Lucas: Oder auch solche familiären Festivals, wie das Rockharz Open Air. Das ist schon was Anderes als wenn du zum Rock am Ring fährst. In diesem Jahr sind ja mit Dawn Of Disease, Nachtblut und Mr. Hurley und die Pulveraffen auch einige Osnabrücker Bands auf dem Rockharz am Start. Warum also nicht Anthemdown im nächsten Jahr auf einem schönen Elf-Uhr-Slot.

Lars: Wir spielen auch um sechs Uhr morgens, wenn die Leute wieder wach werden. Das ist uns scheißegal. Zur Not verteilen wir halt Kaffee vor der Bühne.

Lars: Für Emmure würde ich auch gerne eröffnen. Die Band geht ja so in Richtung Deathcore/Djent. Die haben auch gerade ihr neues Album „Look At Yourself“ rausgebracht, was ich gerade ständig höre. Die finde ich schon ziemlich geil, auch wenn ich damit in dieser Band so ziemlich allein dastehe.

Lorenz: Ich eröffne meinetwegen auch für Helene Fischer.

(Großes Gelächter)

Karl: Nein. Ich verkaufe meine Seele nicht.

HSF: Zurück in die Gegenwart. Das Konzert am 13.05.2017 in der Scheune, Ibbenbüren, bei dem ihr zusammen mit As We Arise, As I Rise, Chiffre und Dawnwatcher auftretet, lässt schonmal jedes Metalcore-Herz höherschlagen. Aber welche Aktivitäten/Konzerte habt ihr sonst noch geplant?

Lorenz: Bis jetzt spielen wir noch auf dem Hengelrock in Hilter. Das ist ja dieses Jahr auch das erste Mal öffentlich, was es ja im letzten Jahr noch nicht war. Das wird sicherlich ganz cool. Und dann kann ich ja schon mal sagen, dass wir eigentlich zum Jahresende noch eine kleine EP veröffentlichen wollen. Das ist zwar noch kein Versprechen, aber wir werden es auf jeden Fall versuchen.

HSF: Möchtet ihr euren Fans sonst vielleicht noch etwas mitteilen?

Kommt am 29.04. in den Ostbunker, egal woher. Ihr bekommt für fünf Euro drei richtig gute Bands, eine gute Location und einen coolen Abend. Lasst uns gemeinsam Spaß haben; das Ding feiern. Und wer Bock hat, darf dann auch gerne noch eine CD von uns kaufen.

HSF: Ok, vielen Dank für das Interview.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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