Kreator – Gods Of Violence

Kreator - Gods Of Violence
Kreator - Gods Of Violence

Release: 27. Januar 2017
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records

Eines ist sicher: Es gibt nur wenige Bands, die so lange unterwegs sind wie Kreator und sich regelmäßig wieder neu erfinden und sich und ihre Fans herausfordern und das Ganze dann noch in qualitativ hochwertigsten Metal zu verwandeln. Die Ausnahmen in der zweiten Häfte der neunziger bestätigen die Regel.

Das Intro „Apocalypticon“ mit Marschtrommeln und Chören klingt zunächst ungewohnt, aber „World War Now“ haut dann voll ins Mett und sollte sich zügig im Liveset etablieren. So schnell wie hier waren die Bassdrums schon lange nicht mehr. Dazu gibt es die genialen Melodien, die seit „Violent Revolution“ von 2001 ein Markenzeichen geworden sind. Neu sind die orchestralen Elemente gegen ende des Songs, bei denen die Technical Death Metal-Band Fleshgod Apocalypse der Essener Instituion unter die Arme griff. Die Kollabaoration ist auch im Intro, auf „Satan Is Real“ und „Lion With Eagle Wings“ zu hören. Generell sind Gastmusiker bei Kreator angesagt. So singt Mille bei „Fallen Brother“ im Duett mit dem Indie-Sänger Dagobert teilweise auf deutsch „Welcher Traum auch kommen mag, the memory lives on! Fallen Brother, wir vergessen nicht was war!“ und die erst zwölfjährige Tekla-Li Wadenstein übernimmt die Harfe im Titeltrack. Zudem ist in „Totalitarian Terror“ Boris Pfeiffer von In Extremo mit seinem Dudelsack zu hören. Aber keine Angst, all diese untypischen Elemente fügen sich perfekt in den Gesamtsound ein und wirken nicht störend, da sie, anders als bei Orchester-Flachpfeifen wie Nightwish und Dimmu Borgir, den Song nur unterstützen anstatt die Unfähigkeit mitreißende Melodien zu schreiben zu kaschieren. Außerdem sind die zusätzlichen Instrumente nicht durchgehend zu hören sondern setzen lediglich Akzente, die man auch leicht überhören kann. Dort hat sicherlich auch Produzent Jens Borgren mäßigend eingegriffen. Dieser hat dem Album in seinen Fascination Street Studios einen satten, deftigen Sound verpasst, der der Vielseitigkeit der Musik gerecht wird.

Sonst gehen Kreator ihren Weg konsequent weiter. Die Refrains sind nicht nicht mehr ganz so ausschweifend wie auf „Phantom Antichrist“, dafür sind die Melodien und Sami Yli-Sirniös geniale Soli (quasi der Zuckerguss auf dem Leichenberg) allgegenwärtig, sodass man sich manchmal schon im Power Metal wähnt, bevor dann wieder ein heftiges Riff und Milles altbekannter Gesang folgen. Mal gibt’s die volle Ladung in die Fresse („World War Now“, Totalitarian Terror“), andere Songs sind eher stampfend („Satan Is Real“, „Hail To The Hordes“) während beim letzten Song „Death Becomes My Light“ die Heavy Metal-Einflüsse am deutlichsten werden. Der Albumabschluss ist sowas wie Kreators NWoBHM-Song.

Textlich bedient sich Mille Petrozza im beschränkten Kreator-Textbaukasten, bezieht aber klar Stellung gegen Hassprediger von allen Seiten. Mit unserer kaputten, komplizierten Welt kann man immerhin mit einfachen Worten abrechnen. Was seinen Musikgeschmack angeht mag Mille Petrozza breiter gefächert sein, da er Tocotronic, Sisters Of Mery und Slayer gleichermaßen abfeiert. Gegen plakative Metal-Klischees hat er aber offenbar nichts, anders lässt sich das mit Fremdschäm-Faktor versehene „Satan Is Real“ nicht erklären. Gut, es gab auf der letzten Platte den Song „Phantom Antichrist“. „Satan Is Real“ ist ein sehr starker, melodischer Midtempo-Song, der Refrain ist perfekt um ihn live mitzugröhlen und der Titel macht im Kontext Sinn – aber ernsthaft, muss das sein? Dafür gibt’s im Refrain von „Side by Side“ mutige Statements, die auch in der selbst ernannten toleranten Metalszene anecken dürften, sehr schön!

Davon abgesehen haut „Gods Of Violence“ derbe ins Mett und rasiert die (inter)nationale Konkurrenz problemlos, da Kreator einerseits die besten Melodien (nicht nur im Thrash) am Start haben sondern auch noch genau so angepisst und hungrig rüberkommen wie in den Anfangstagen. Die perfekte Verbindung zwischen Metal-Mainstream und Underground-Angepisstheit. In dieser Form spielen Kreator in ihrer eigenen Liga und legen ein Album vor, dass den Titel als Album des Jahres schon so gut wie sicher hat – Wahnsinn!

Side by side, as we crush homophobia, side by side, and we’ll never let the shame turn our vision to ice;
And I’ll remain by your side, to you who face the wrath of sacrosancts, to you who feel despised or unbeloved;
to you who’s hope is killed by the pestilence in their eyes – I’ll be by your side!

Tracklist:

  1. Apocalypticon
  2. World War Now
  3. Satan Is Real
  4. Totalitarian Terror
  5. Gods Of Violence
  6. Army Of Storms
  7. Hail To The Hordes
  8. Lion With Eagle Wings
  9. Fallen Brother
  10. Side By Side
  11. Death Becomes My Light
Über Padre 54 Artikel
I use my anger as a tool, I feel the pain, I ain't no fool, I will not stack my rage upon the shelf, I'll always keep my negative self!

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