Macbeth – Alles, nur “keine Balladen” Interview mit Steffen Adolf von Macbeth

Keine Balladen
©Macbeth

Am 18.04.2020 kommen Macbeth als Headliner zu unserer Heavy Stage Night 3. Drei Wochen vorher, am 27.03.2020, erscheint ihr neues Album “Gedankenwächter”, auf dem es nach Bandangaben “keine Balladen” geben soll. Das ist für uns natürlich Grund genug, die Kultband aus Erfurt zum Gespräch zu bitten. Umso mehr freuen wir uns, dass Schlagzeuger Steffen Adolf Zeit für ein paar Worte gefunden hat. 

HSF: Hallo Steffen. Schön, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst. Ich kann mir vorstellen, dass es im Moment bei euch richtig heiß hergeht, oder? Wie läuft denn die Promo für euer neues Album? 

Macbeth/Steffen: Hallo, sehr gerneEs gibt schon einiges zu tun. Wir machen die Promo ja zusammen mit unserer Plattenfirma. Videos und Grafiken erstellen, Interviews beantworten etc. Auf jeden Fall läuft es besser als bei der letzten Platte. Die ist irgendwie komplett durchs Raster gefallen. 

HSF: Das Album erscheint ja am 27.03.2020 und wird „Gedankenwächter“ heißen. Was können wir uns darunter vorstellen bzw. was dürfen wir von dem Album erwarten? 

Macbeth/Steffen: Den Titel hab ich vor ca. 2 Jahren vorgeschlagen. Ich hatte eine “GeoEpocheüber die Inquisition gelesen und darin kam dieser Begriff vor. Unser Gitarrist Ralf hatte schon öfter über „1984“ von George Orwell erzählt und wollte auch mal einen Text darüber schreiben. Da passte das gut zusammen. Musikalisch gab es diesmal nur die Vorgabe „keine Balladen“. Deshalb ist es das bisher härteste Album von uns geworden. 

HSF: Zum Titeltrack habt ihr ein Video bei YouTube hochgeladen. Dieses Video kann man aber nur sehen, wenn man sich anmeldet und als volljährig verifiziert. Wurdet ihr von YouTube darüber in Kenntnis gesetzt? Wisst ihr warum das so ist?  

Macbeth/Steffen: Nach einem Tag war es plötzlich nur noch mit Anmeldung zu sehen. Es wurde wegen unangemessener Inhalte gemeldet. Auf Nachfrage wurde uns dann von YouTube mitgeteilt, dass wir gegen keinerlei Gemeinschaftsstandards verstoßen hätten, sie es aber trotzdem als “ab 18” einstufen. 

HSF: Hat euch die Einstufung als “ab 18” überrascht? Immerhin werden dort überwiegend Ausschnitte aus Nachrichtensendungen und Reportagen gezeigt.  

Macbeth/Steffen: Wir waren völlig überrascht! Ralf, der das Video gemacht hat, hat explizit darauf geachtet, nur Bilder und Filmaufnahmen zu verwenden, die überall frei zugänglich sind. 

HSF: Wie seht ihr „Gedankenwächter“ im Vergleich zu euren bisherigen Alben? Die Tracklist lässt vermuten, dass es dieses Mal eher um aktuelles Weltgeschehen geht als um morbide Geschichten und Weltkriegsthematik. Oder was hat es beispielsweise mit Titeln wie „In seinem Namen“ oder „Brandstifter“ auf sich? 

Macbeth/Steffen: Außer „Demmin“ hat tatsächlich kein Text einen Bezug zum Weltkrieg. Das war aber auch eine bewusste Entscheidung. Aktuell gibt in der Welt genügend Themen, über die man schreiben kann. Bei „In seinem Namen“ bekommen alle Religionen ihr Fett wegWas haben Religionen der Menschheit gebracht? Nichts, außer Leid, Krieg und Elend. Natürlich werden jetzt einige sagen: “Schau dir die wunderbaren Kirchen und Tempel an!” Für mich sind das nur Mahnmale größenwahnsinniger Fanatiker, errichtet mit dem Blut der unterdrückten Anhänger. 

“Brandstifter” thematisiert die Kriegstreiber in aller Welt. Auch aktuell bei uns. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte wieder mehr Engagement bei militärischen Auslandseinsätzen zu fordern…, da fällt mir nichts mehr ein. 

HSF: Wie beurteilt ihr die aktuelle politische Situation in Deutschland und speziell in Thüringen, gerade auch vor dem Hintergrund eurer Bandgeschichte? Habt ihr Angst davor, dass es in Deutschland wieder eine Regierung geben könnte, die die Menschen unterdrückt und in ihrer Freiheit einschränkt?  

Macbeth/Steffen: Ich glaube diese Angst hat jeder klar denkende Mensch. Zur Lage in Thüringen bin ich ehrlich gesagt hin- und hergerissen. Wie die Wahl des Ministerpräsidenten gelaufen ist, ist natürlich moralisch verwerflich! Rein rechtlich gab es daran aber nichts zu beanstanden. Es war eine demokratische Wahl. Habe ich jetzt das Recht, mich auf Grund meiner höheren Moral über geltendes Recht hinwegzusetzen? Ich hatte dazu im Freundeskreis ein sehr interessantes Gespräch. Vor einigen Jahren wurde das Kind eines Frankfurter Unternehmers entführt und die Polizei konnte ein Mitglied der Entführerbande festnehmen. Der zuständige Staatsanwalt stellte den Antrag, den Täter durch Folter zur Herausgabe von Informationen zu zwingen. Moralisch hätte er meine Zustimmung gehabt, rechtlich war es unmöglich. Deshalb hoffe ich für Thüringen auf Neuwahlen und ein eindeutiges Ergebnis.

HSF: Inwieweit spiegelt sich aus eurer Sicht der aktuelle Zeitgeist in der Metal-Szene wider? Wo liegen die Unterschiede zur Metal-Szene der 80er Jahre in der damaligen DDR? 

Macbeth/Steffen: Es wird definitiv weniger gesoffen, haha! Ich bin erst so 85/86 mit 12 Jahren langsam in die Szene reingewachsen, aber große Unterschiede kann ich nicht feststellen. An Musik ist heute alles sofort und überall verfügbar. Das war früher ganz anders.  Da konntest du evtl. einzelne Songs im Radio aufnehmen oder von Kumpels mal ne Platte überspielen.

HSF: Viele der damaligen Metalbands aus der DDR lösten sich nach der Wende auf. Euer Gitarrist Ralf Klein sagte dazu im Rockharz-Interview (März 2019), dass es von der Substanz her bei vielen Bands einfach zu wenig war, um nach der Wende noch einmal durchzustarten. Nicht so bei euch. Trotz der Repressalien, derer ihr zu DDR-Zeiten unterlagt, habt ihr immer weiter gemacht. Auch Schicksalsschläge wie die Freitode eurer Bandkollegen Detlef Wittenberg und Rico Sauermann haben euch nicht daran gehindert, noch einmal durchzustarten. Und das mittlerweile sogar recht erfolgreich. Was hat euch in all den Jahren motiviert, trotzdem immer weiter zu machen? 

Macbeth/Steffen: Wenn man einmal Musik gemacht hat und auf einer Bühne gestanden hat, kommt man davon nicht wieder los. Ralf und Hanjo, die beide seit 1985 Macbeth am Leben gehalten haben, haben da unheimlich viel Herzblut und Motivation reingestecktDazu kommt, dass Ralf musikalisch unheimlich kreativ und talentiert ist, der muss das irgendwie ausleben. 

HSF: Eure Texte sind, soweit ich weiß, komplett auf Deutsch. Wie wichtig ist das für euch? Würdet ihr sagen, dass die deutschen Texte maßgeblich für euren Erfolg verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich sind? 

Macbeth/Steffen: Sie sind auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Jeder der mal versucht hat, was auf Deutsch zu texten weiß, wie schwer es ist. Könnte Olli vernünftig englisch singen, wären wir vielleicht nur eine Band von vielen.

HSF: Werdet ihr eigentlich manchmal aufgrund eurer deutschen Texte in eine rechte Ecke gedrängt? Rammstein wird das ja auch immer mal wieder unterstellt. Könnt ihr beurteilen, ob ihr mit eurer Musik auch in der rechten Ecke Anklang findet? 

Macbeth/Steffen: Diese Frage sollte eigentlich seit Jahren überholt sein! Wird Helene Fischer wegen deutscher Texte in die rechte Ecke gestellt? Blödsinn! Unsere Texte sind klar verständlich, und wenn es um geschichtliche Themen geht, immer pazifistisch und mahnend formuliertIch glaube kaum, dass jemand aus der rechten Ecke damit was anfangen kann, zumal es auf Grund der deutschen Texte klar zu verstehen ist. Ich denke, da haben englisch singende Bands größere Probleme. 

HSF: Würdet ihr sagen, dass es in der Metal-Szene in Deutschland starke regionale Unterschiede gibt? Es wird ja beispielsweise immer wieder von „Metal-Franken“ oder „Ruhrpott-Thrash“ gesprochen. Auch den Begriff „Ost-Metal“ hört man immer häufiger. Wie seht ihr das? Gibt es Eigenschaften, die die Metal-Szene einer bestimmten Region charakterisieren? 

Macbeth/Steffen: Das klingt jetzt bestimmt blöd, aber im Osten war es schon immer härter. Schau mal auf Tourpläne von Bands wie Helloween oder Sabaton. Da wirst du im Osten kein Datum finden. Warum die Unterschiede regional so groß sind, keine Ahnung. 

HSF: Zum Abschluss noch etwas zu Osnabrück. Wart ihr schon einmal in Osnabrück? Verbindet ihr irgendetwas mit dieser Stadt? Auf was freut ihr euch, wenn ihr zu uns kommt? 

Macbeth/Steffen: Ich war mit meiner alten Band Narziss schon mal im Bastard Club. Wir freuen uns eigentlich auf jedes Konzert und immer auch auf die Bands, die mit uns spielen. Da sind im Laufe der Jahre einige Freundschaften entstanden.  

HSF: Und worauf können sich die Besucher unserer Heavy Stage Night freuen? Habt ihr noch eine Überraschung im Gepäck? 

Macbeth/Steffen: Wir werden auf jeden Fall ne Menge Songs vom neuen Album spielen und natürlich auch genügend Klassiker. 

HSF: Habt ihr sonst noch etwas, das ihr gerne loswerden möchtet? 

Macbeth/Steffen: Danke für das Interview und die Fragen! Macht weiter so, das hält die Szene am Leben! 

Vielen Dank auch von unserer Seite für das aufschlussreiche Interview. Alles Gute für die weitere Promo und die Albumveröffentlichung. Wir freuen uns schon sehr euch am 18.04.2020 auf unsere Heavy Stage Night in Osnabrück begrüßen zu dürfen.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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