Nachtblut – Vanitas VÖ: 02.10.2020, Napalm Records, Dark Metal

CD-Cover Nachtblut Vanitas

“Vanitas”, das mittlerweile sechste Album der Dark-Metal-Pioniere Nachtblut erblickte Anfang Oktober das Licht der Welt. Und nach dem etwas eigenwilligen “Chimonas” (2014) sowie dem erdigen “Apostasie” (2017) war man gespannt, in welche Richtung es dieses Mal gehen würde. Einen ersten Eindruck vom neuen Album konnte man durch die vorab veröffentlichten Songs “Puppenhaus”, “Leierkinder” und “Meine Grausamkeit kennt keine Grenzen” erhaschen. Doch “Vanitas” bietet mehr.

Wieder einmal zeichnen die Osnabrücker mit opulenten Arrangements und einer kraftvollen Produktion nach bester Nachtblut-Manier ein düsteres Weltbild voll von Tod, Krankheit und Elend. Nur allzu passend ist da der Albumtitel “Vanitas”, der eben genau diese Idee von der Vergänglichkeit alles Irdischen beschreibt. Von der Pest über Gott bzw. die Götter bis hin zu kranken Wahnvorstellungen und der Einsamkeit der menschlichen Seele wird so ziemlich jedes denkbare Thema auf “Vanitas” beleuchtet. Dabei bleiben Nachtblut in ihren Texten keinesfalls theoretisch oder abstrakt. Vielmehr greifen sie in ihrer bekannten, kompromisslosen Art auch aktuelle Themen auf, allerdings etwas subtiler und nicht mehr so plakativ wie schon auf früheren Alben.

Musikalisch orientiert man sich wieder mehr an den frühen Werken “Antik” (2009) und “Dogma” (2012). Zusätzlich werden die Kompositionen aber mit neuen Stilelementen bereichert. So klingt das sehr eingängige “Leierkinder” mit seinen Geigen und einem Kinderchor schon fast folkloristisch. Gleichzeitig kommt das namensgebende “Vanitas” eher rockig, knackig daher. “Das Puppenhaus” bietet dann ein Wechselspiel aus ruhigen Strophen und massiv stampfenden Refrains, womit auch noch einmal die besondere Botschaft der Widersprüchlichkeit von Personenkult und totaler Überwachung unterstrichen wird.

Auch eine gehörige Portion Neue Deutsche Härte haben Nachtblut unter die Songs gemischt. Prominentestes Beispiel dafür ist “Kaltes Herz”, welches beispielsweise auch aus der Feder von Eisbrecher oder Hämatom stammen könnte. Fast schon poppig klingt dagegen “Nur In Der Nacht”, welches mich irgendwie an “Jeanny, Part I” von Falco erinnert. “Fürchtet Was Geschrieben Steht” ist dann ein typischer Nachtblut-Song, bei dem Askeroth immer wieder zwischen seinem markanten Kreischgesang und fast cleanem Gesang hin und her wechselt.

Für “Schmerz & Leid” haben sich Nachtblut Unterstützung von Lord Of The Lost-Fronter Chris Harms geholt. Die gefühlvolle Halbballade mit ihrem eingängigen Beat lebt vor allem von der melancholischen Grundstimmung, die sich immer wieder in den gemeinsam von Askeroth und Harms gesungenen Refrains entlädt. Im krassen Gegensatz dazu steht “Meine Grausamkeit Kennt Keine Grenzen”. Nach dem ruhigen Klavierintro wird man alsbald von einem durchdringenden Schrei, der an Dani Filth erinnert, aus seiner Melancholie gerissen. Was folgt ist ein astreiner Black Metal Song, der außerdem wohl der insgesamt härteste auf “Vanitas” ist.

Auch “Gegen Die Götter” schlägt zunächst in eine ähnliche Kerbe, wartet dann aber mit einem auffallend melodischen Refrain auf und mündet schlussendlich in einen kraftvollen Song mit leichter NDH-Schlagseite. Abgeschlossen wird das Album dann mit “Die Toten Vergessen Nicht”, in welchem Askeroth noch einmal in schwarzromantischer Weise über seine eigene Beerdigung singt.

Mit “Vanitas” präsentieren Nachtblut ein durchweg gelungenes Album, welches genau auf ihre Zielgruppe zugeschnitten ist. Es ist abwechslungsreich, spannt einen Bogen von zart bis hart und beinhaltet die typischen Nachtblut-Trademarks. Gleichzeitig haben sich Nachtblut gegenüber “Apostasie” aber auch weiterentwickelt und ihren Sound erweitert und weiter verfeinert. Damit bestätigen sie ihre Stellung als feste Größe in der Schnittmenge von Dark Metal und Neuer Deutscher Härte. Vielleicht können sie auch noch den ein oder anderen Fan hinzugewinnen. Auf die hoffentlich im Februar/März 2021 stattfindende Tour kann man sich aber auf jeden Fall schon einmal freuen.

Tracklist:

  1. Veritas
  2. Vanitas
  3. Leierkinder
  4. Das Puppenhaus
  5. Kaltes Herz
  6. Nur In Der Nacht
  7. Fürchtet Was Geschrieben Steht
  8. Schmerz & Leid (feat. Chris Harms)
  9. Meine Grausamkeit Kennt Keine Grenzen
  10. Gegen Die Götter
  11. Die Toten Vergessen Nicht
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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