Order To Ruin – Lunar Asylum

Release: 01.02.2017
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Homepage: https://order-to-ruin.bandcamp.com/

Seit Ihrer Gründung im Jahr 2011 haben die Münsteraner Melo-Deather von Order To Ruin insgesamt bereits 8 Releases veröffentlicht. 2 EPs und 6 volle Alben. Ein Output bei dem man sich fragen kann, ob da alles mit qualitativ rechten Mitteln zugeht. Ein Blick in Album Nr. 6, welches auf den Titel „Lunar Asylum“ hört wird sicherlich Aufschluss geben.

Manchmal ist das so eine Sache: Man hat sich als Fan im Laufe der Zeit eine Reihe gewisser Prinzipien angeeignet. So ist man sich ziemlich sicher, was seine persönlich bevorzugten Genres sind, oder was man selbst unter einem Album, einer EP und unter einem guten Konzert versteht. Dieses Selbstverständnis ist für viele in Stein gemeißelt. So auch das, was man gemeinhin als „Band“ bezeichnen möchte. Was macht also eine Band aus? Musiker (im klassischen Fall: Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang), die eben gemeinsam Musik machen und diese über verschiedene Kanäle präsentieren. Dies können Alben oder EPs in Form von Tonträgern oder Downloads sein. Natürlich können das aber auch Konzerte sein. Es war für mich bislang eigentlich selbstverständlich eine Band erst als solche zu bezeichnen, wenn sie von mir auch auf einer Bühne gesehen und vor allem gehört werden kann. Alles andere waren Ein-Mann- oder Nebenprojekte, die nur bedingt als „Band“ bezeichnet werden können. Man trifft sich also auf Konzerten und unterhält sich über die Kapellen, die gerade spielen, noch spielen werden oder woanders irgendwo, irgendwann mal gespielt haben. Dass in diesem Zusammenhang der Name Order To Ruin fallen wird, ist laut Sprachrohr und Gitarrist Denis Pfeffer ziemlich ausgeschlossen. Es gibt keinen Drummer und die einzelnen Mitglieder wohnen viel zu weit auseinander, als dass es logistisch umzusetzen wäre, das Material livetauglich zu bekommen. Er und seine beiden Mitstreiter Simon Buse und Mike Seidel sind also für mein Verständnis erst einmal pauschal keine Band, sondern ein Projekt. Etwas, das gemäß meinen verqueren und überholten Ansichten niemand benötigt und die Musiker sich lieber anderweitig beschäftigen sollen. Wie kommt man also bei so einem beschränkten Horizont auf die Idee sich mit der Musik eines solchen „Projekts“ zu beschäftigen, das man niemals live auf der Bühne sehen kann. Die Antwort ist im Endeffekt so simpel wie genial: Die Musik ist alles was man braucht und man könnte was verpassen, wenn man nicht mal über den Tellerrand schaut.

Mit ihrem frisch veröffentlichten Album „Lunar Asylum“ haben die Herren von Order To Ruin ein mehr als ordentliches Melodic Death Scheibchen abgeliefert, das jedem Anhänger der Göteborger Schule wohlige Schauer über den Rücken jagen dürfte. Hier wird gekonnt das zelebriert, was vor inzwischen 25 Jahren vom Norden Europas in die Welt geschickt wurde. Order To Ruin schaffen es geschickt ein Mosaik aus vielen einzelnen Steinen zusammenzusetzen, welche man bislang nur unter den Namen In Flames, At The Gates oder Gates Of Ishtar finden konnte. Fans, die der Zeit vor der Jahrtausendwende hinterherweinen und ihre alten In Flames vermissen, sind bestens beraten den Münsteranern ein Ohr zu widmen und sich von der gekonnten Huldigung vergangener Zeiten und dem Einfluss des eigenen Geschmacks beschallen zu lassen. Nach einem kurzen Intro startet mit „Planet Zero“ ein mächtiger Opener, der die Weichen für die kommenden 37 Minuten stellt, direkt durch. Leichter HM2 Sound der Rhythmusgitarre hat mein Interesse direkt gepachtet, auch wenn der Sound nicht aus dem vollen Rechtsanschlag herrührt. Die Vocals von Mike Seidel sind schwer geprägt von der Sangeskunst von At The Gates Fronter Tomas Lindberg und auch von In Flames Sänger Anders Fridén. Hier wird nicht tief gegrowlt sondern kräftig gekeift. Textlich lassen sich Order To Ruin von den verschiedensten Themen inspirieren. So handelt „Planet Zero“ von einer dystopischen Zukunftsvision, das folgende „The Mystery Of A Madman“ von Jack The Ripper. „LZ 128“ beschreibt das Hindenburgdesaster. Je nach Thematik greifen die drei Musiker auf andere abwechslungsreiche Stilmittel wie ruhige Zwischenspiele oder clean gespielte Intros zurück und verleihen ihrem Machwerk eine gewisse Frische ohne experimentell zu werden. Im Endeffekt ist es immer Melodic Death Metal. Eine besondere Stellung nimmt hier das programmierte Schlagzeug ein. So ist dieser Umstand häufig Anlass zur Diskussion oder gar Verachtung und Spott. Im Falle von Order To Ruin wird gar nicht erst versucht die Tatsache zu vertuschen, dass es keinen Mann an der Schießbude gibt. Die mächtige Produktion, die ebenfalls intern gehandhabt wurde, tut ihr Übriges dazu. Im Endeffekt fällt das klinische Schlagzeug im allgemein recht sauber gehaltenem Sound von „Lunar Asylum“ nicht sonderlich oder unangenehm auf. Mit seinen etwas unter 40 Minuten Spielzeit hat man beim Album auch nicht das Gefühl, dass es langweilig wird, sondern es ist genau die richtige Dosis Melodic Death für Zwischendurch. In jedem Fall haben Order To Ruin mein Interesse geweckt und ich werde mich in Zukunft ein wenig genauer mit dem Backkatalog der Herren beschäftigen. Bei einer solchen Vielzahl an Veröffentlichungen wird mit Sicherheit noch das ein oder andere Spannende zu finden sein.

Unterm Strich ist „Lunar Asylum“ eine höchst interessante Platte, deren Qualität ich in dieser Form nicht zwingend erwartet habe. Fans von klassischem Melo Death sind hier genau an der richtigen Adresse. Fans von räudigerem Old School Death Metal und Verfechter von ähnlichen Ansichten, wie meinen eigenen, werden an der sauberen Produktion und dem fehlenden, organischerem Drumsound deutlich weniger Freude haben (ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man nicht mal auf ein Konzert von denen gehen kann). Allen Interessierten sei an dieser Stelle der Bandcamp-Auftritt der Münsteraner empfohlen, denn dort kann man das gesamte bisherige Machwerk anhören und als Download erwerben.

Tracklist:

  1. Transcending Superior Cosmos (Intro)
  2. Planet Zero
  3. The Mystery Of A Madman
  4. Dreamdemon
  5. Necromorph
  6. Lz128
  7. Lunar Asylum
  8. Arcane Walker
  9. Predators From Gaia

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