Rock Hard Festival 2017

RockHard Festival 2017

Endlich wieder Pfingsten, endlich wieder Rock Hard Festival! Im Gegensatz zu 2016 präsentierte sich Gelsenkirchen sehr sommerlich, was nicht nur der Stimmung der Besucher gut tat.

Freitag, 02. Juni

Zwar waren, wie in den Vorjahren auch, viele Besucher schon früh am Donnerstag angereist, aber auch am Freitag strömten bis spät in den Abend Besucher auf den Campground. Am Einlass zum selbigen kam es, genau wie beim Infield, aufgrund verschiedener Sicherheitsbedenken zu Verzögerungen. So gab es neben Ordnern erstmals auch Polizeipatroullien auf dem Zeltplatz. Da es dort in der Nacht von Donnerstag auf Freitag aber zu Brandstiftungen und Diebstählen gekommen sein soll, kann dies auch nur der Abschreckung gedient haben.

Mantar setzen ihre negative Energie lieber anders frei und boten ein amtliches Sludge/Hardcore/Doom/Black-Gewitter. Das Duo setze auf einen ungewöhnlichen Aufbau bei dem Drummer Erinc und Sänger/Gitarrist Hanno gegenüber standen bzw. saßen. Dies führte dazu, dass die große Bühne im Amphitheater ausgefüllter wirkte, als es bei einem klassischen Aufbau der Fall gewesen wäre. Und obwohl das Rock-Hard-Publikum eher klassisch eingestellt ist, kam das Hamburger Duo gut an. The Dead Daisies konnten danach mit gut abgehangenem Altherren-Hardrock und gleich zwei Coversongs („Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival und „Helter Skelter“ von The Beatles) ihr Publikum überzeugen.

Nach so viel guter Laune wurde es Zeit für Candlemass, die mit ihrer Setlist mit Schwerpunkt auf „Nightfall“ manche Zuschauer so sehr begeisterten, dass sich ein kleiner Pit vor der Bühne bildet. Definitv keine Band für ein Festival, hoffentlich spielen die Jungs bald wieder mehr Clubshows, denn da finden sich solche Idioten hoffentlich nicht. Nach dieser Doom-Sternstunde leerte sich das Amphitheater erschreckend, sodass der Headliner Blues Pills vor weniger Leuten auftrat als die ersten Bands an den folgenden Tagen. Die ließen sich jedoch nichts anmerken und spielten ihre Songs sogar deutlich härter als auf Platte. Mit dabei hatten sie außerdem einen Gastmusiker, der mal am Keyboard und mal an der Gitarre aushalf: ersteres war aber so gut wie nie zu hören. Zum Schluss gab’s neben „Devil Man“ noch ein fantastisch umgesetztes Cover von Jefferson Airplanes „Somebody To Love“.

Samstag, 03. Juni

Der Samstag begann mit Heavy Metal. Die Briten Monument ließen absolut nichts anbrennen und hatten CO2-Kanonen und Flammenwerfer mitgebracht, um das arg verkaterte Publikum auf Touren zu bringen. Dies gelang sehr gut, und es gab schon während der ersten Ansage von Sänger Peter Ellis die ersten Sprechchöre. Dieser lieferte später auch noch eine kluge Ansage zur Terrorwarnung beim zeitgleich stattfindenden Rock am Ring ab.

Ketzer weckten danach alle auf, denen Monument nicht genug waren, und legten mit „Satan’s Boundaries Unchained“ einen furiosen Start hin. Und obwohl es zwischen den drei bisherigen Alben „Satan’s Boundaries Unchained“, „Endzeit Metropolis“ und „Starless“ deutliche Stilkorrekturen gab und sich die Band auch optisch deutlich verändert hat, fällt das in der klug zusammengestellten Setlist kaum auf. Dazu gibt’s dann noch einen neuen Song, der mit Blastbeats und viel Black Metal wieder die Brücke zurück zum Debüt schlägt. Danach war erstmal durchatmen angesagt, für die einen mit The Night Flight Orchestra und Skyclad, für die anderen mit Kanal, Trichter und Grill. Weiter ging’s dann mit der Death/Doom-Dampfwalze Asphyx, die sich in der ihnen zustehenden Stunde souverän durch ein Best Of-Set prügelten, das keine Wünsche offen ließ.

Selbiges gilt für Exodus, die mal wieder Gary Holt für Slayer abstellen mussten, aber dafür wieder Kragen Lum von Heathen als Ersatzmann am Start hatten. Schade nur, dass durch diese Personalrochaden Slayer weiterhin künstlich am Leben erhalten werden und sich ein neues Heathen-Album immer weiter hinauszögert. Aber immerhin sind Exodus in Bestform und ballern mit „Bonded By Blood“, „Exodus“ und „And Then There Were None“ gleich drei Songs von Debüt raus, bevor Alben der Zetro-Phase bedacht werden. Mit „Children Of A Worthless God“ hat es auch wieder ein Song aus der Dukes-Phase in die Setlist geschafft. Das Publikum quittiert das Ganze mit frenetischen Reaktionen und einem riesigen Pit – Good friendly violent fun und der wahre Headliner am Samstag!

Sonntag, 04. Juni

Auch am Sonntag gab es einen Heavy Metal-Wecker. Aufgrund großer Verzögerungen am Einlass legten Night Demon vor fast leerer Kulisse los. Absolut respektloses Verhalten der Veranstalter gegenüber des wohl besten und am härtesten arbeitenden Newcomers der letzten Jahren. Vor ein paar Jahren hätte es das nicht gegeben. Auch die Position als Opener ist eine absolute Frechheit. Das kalifornische Trio ließ dennoch nichts anbrennen und gewann spielerisch das Publikum für sich. Kein Wunder, war diese auch die letzte Show einer siebenwöchigen Tour. Neben „Heavy Metal Heat“, „Drink From The Chalice“, „Welcome To The Night“ gab es zum Abschluss noch das Iron Maiden-Cover „Wasted Years“, welches begeistert mitgesungen wurde und auch sehr gut mit nur einer Gitarre funktioniert.

Pünktlich zu Secrets Of The Moon hatte sich der Himmel zugezogen, und es wurde etwas windiger. So musste die Band ihre ganz eigene Version von Dunkelheit und Musik immerhin nicht bei strahlendem Sonnenschein präsentieren. Das Amphitheater leerte sich während des Auftritts zwar etwas, aber es handelt sich hier auch nicht um „Festivalmusik“. Nach einer soliden Demon-Show hatte das Publikum erst so richtig Bock auf Klassiker. Und genau die hatte Ross The Boss am Start. Der neue Sänger Marc Lopes ist zwar längst nicht so gut wie sein Vorgänger, besitzt dafür aber eine erheblich bessere Bühnenpräsenz und wirkt generell erfahrener, allerdings war die Band auch erst im Frühjahr lange auf Tour. Und wenn man Songs wie „Sign Of The Hammer“, „Thor (The Powerhead)“ oder „Battle Hymn“ am Start hat, kann man wenig falsch machen. Über allem thront Rhino, verdrischt sein Kit mit Sticks in der Größe von Besenstielen und wirkt wie der gemütlichste Typ der Welt. Überraschend gut!

Fates Warning spielen, wie erwartet, keine Songs aus der Ära mit John Arch und wirken generell etwas deplatziert. Dafür platzt das Amphitheater bei Dirkschneider aus alle Nähten. Der kleine dicke alte Mann im Tarnanzug singt die Accept-Klassiker immer noch unglaublich gut und wird dabei von seiner Saitenmannschaft flankiert, die vermutlich noch nicht mal geboren war, als ihr Chef das letzte relevante Album mit der deutschen Metal-Legende veröffentlich hat. Mit „Starlight“, „London Leatherboys“, „Losers And Winners“ und haufenweise anderen Hits verabschiedet sich Udo Dirkschneider würdig davon, diese Songs in Zukunft live zu spielen. Zumindest bis er merkt, dass nur die wenigsten wegen der U.D.O.-Songs zu seinen Konzerten kommen.

Auch 2017 war das Rock Hard Festival wider großartig. Aber gefühlt wird es jedes Jahr schwächer, und damit sind nicht die Bands gemeint. Das Eventpublikum nimmt immer mehr zu, der familiäre Charakter schwindet. Klar waren Veranstalter und Publikum nach den Geschehnissen bei Rock am Ring angespannt und auf Sicherheit bedacht, aber warum lässt man eine Band vor fast leerer Kulisse starten, weil der Einlass sich verzögert hat?
Zudem war der Metalmarkt nur am Samstag geöffnet und gleich drei Buden zum Antesten von Gitarren und Verstärkern? Ist das wirklich notwendig? An die frechen Preise für Verpflegung im Amphitheater hat man sich mittlerweile gewöhnt (Viel zu kleine vegetarisch/vegane Auswahl! Vielleicht mal mehr auf Foodtrucks setzen?), aber warum verkauft man sogar die festivaleigenen Shirts zum Preis von 20 € aufwärts? Auch die mobilen Bierverkäufer waren schonmal freundlicher und rücksichtsvoller während sie durch die Menge liefen. Immerhin wurde diesmal dem Bandidos MC keine Gelegenheit geboten, sich zu präsentieren.

Fotos gibts keine, aber eine kleine Doku und Videos von Dust Bolt, Ketzer und Monument findet Ihr auf dem Youtube-Kanal von Heavy Metal Home TV:

Über Padre 62 Artikel
I use my anger as a tool, I feel the pain, I ain't no fool, I will not stack my rage upon the shelf, I'll always keep my negative self!

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