SeelenWalzer – Seelenwalzer (Re-Release) VÖ: 24.05.19; Massacre Records; Neue Deutsche Härte

Seelenwalzer

Im Jahr 1997 startete eine gewisse Band namens Richthofen mit ihrem Debütalbum „Seelenwalzer“ in der sich gerade etablierenden Szene der Neuen Deutschen Härte durch. Nach dem Folgealbum „Helden Der Zeit“ sollte es das aber auch schon wieder gewesen sein. Innere Konflikte spalteten die damals sehr junge Band, die in ihrer Musik von Beginn an einen anderen Weg einschlugen und sich so deutlich selbstständiger entwickelte, als es andere taten. Ganze 22 Jahre später konnte das Quartett seinen Streit beilegen. Den Namen Richthofen musste man allerdings beerdigen und benannte sich daher kurzerhand in SeelenWalzer, den Namen jenes erfolgreichen Deütalbums um. 

„Es ist ein schöner Tag zum Sterben.“ Mit diesen einladenden Worten beginnen SeelenWalzer ihr Debüt. Mit einer Mischung aus Rammsteinklängen und einem Riffing, sowie einer Stimmlage, die sehr an Static-X erinnert, schafft die Band mit „Für Die Ewigkeit“ einen wirklich starken ersten Song. Ja, dieses Schnelle, Beißende und Kraftvolle in der Stimme hebt sich extrem von anderen Bands ab. Dadurch weiß man gleich, dass man es hier mit einem NDH Anwärter der ganz besonderen Art zu tun hat.

Dann der Faustschlag in Gesicht. Wobei Faustschlag hier vielleicht etwas zu gering geschätzt ist. Man packt zu „Ich Mach Dich Tot“ eher den Vorschlaghammer aus. Eine starke, solide Nummer, die sich gut in das Album einfügt und als perfekte Überleitung zum dritten Song dient. Hier geht das Tempo deutlich nach unten und man hat eine Mischung aus Gewalt und dem nötigen Grad an Verrücktheit im Titel. Es geht nun mal auch um das Ende der Welt. So sollte man für „Der Jüngste Tag“ auch ordentliche Geschütze auffahren. Und eben diese Hintergrundkulisse aus Schüssen und Schreien machen den Titel unverkennbar.

Kommen wir nun zum vierten Titel des Albums – Meinem persönlichen Lieblingstitel: „Blut Der Pferde“. Ich weiß nicht, ob es an dem damals doch sehr verstörenden Musikvideo lag, oder doch an dem sehr eingängigen Titel, der sich zwar am Stil der Band orientiert, aber doch auch leicht in die Gothic-Schiene abdriftet. Es geht in diesem Lied immer gewiss nach vorne und so prischt er immer weiter in den Gehörgang.

Leider wirkt der sehr kurze Song „Kopfjäger“ etwas fad, auch wenn es musikalisch ordentlich auf die Schnauze gibt. Aber er konnte mich nie so richtig überzeugen. So bleibt er doch ein kleiner Lückenfüller, obwohl dafür eigentlich „Schönheit Der Trauer“ gedacht ist. Der Song ist an dieser Stelle aber ein wirklich genialer Instrumentaltrack und wirkt mit seinen Klavierklängen musikalisch doch sehr erhellend in diesem sonst so düsteren Album, auch wenn er doch etwas Melancholie mit sich trägt.

Der „Jungfernflug“ befindet sich wieder im unteren Tempobereich und ist auch wieder ordentlich kraftvoll, auch wenn es deutlich bessere Songs auf dem Album gibt. Er ist ganz ok, wenn man das Album durchlaufen lässt, aber er sticht nicht besonders hervor. Ganz anders ist da „Goin Out West“, welcher der wohl am stärksten herausstechende Song ist. Der einzige Titel der Scheibe, der komplett auf Englisch ist, hat etwas von einer Western- oder Biker-Atmosphäre. Er ist sehr langsam und drückend und bleibt mit seinem groovigen Bass gut im Ohr, was ihn zu einem der besten Songs auf „Seelenwalzer“ macht.

Mit dem neunten Song „Katharsis“ kommen wir zu einem Song, der sehr NDH-lastig ist und musikalisch auch deutlich mehr an Rammstein und Konsorten erinnert, als der Rest es tut. Leider fehlt dort die Eigenständigkeit, was den Titel etwas langweilig macht. Springen wir also weiter zum vorletzten Titel „Kill For Allah“. Was sich nach einem sehr kontroversen Song anhört, ist auch sehr kontrovers, denn der Titel befasst sich mit dem Morden für Götter – jeglicher Art. Wie ein Faustschlag schlägt der Titel einem auch heute noch ins Gesicht und sollte uns alle einmal zum Grübeln anregen. Ein eindeutiger Anspieltipp für das Album.

Zu guter Letzt das sehr lange „Worte Des Fleisches“, das aber auch wieder nicht wirklich in Fahrt kommt und irgendwie nicht das rüber bringt, was man eigentlich erwartet. Aber es hat zum Glück nicht das Schlusswort, denn versteckt befindet sich noch ein kleiner, fieser Bonustrack, der einfach nur irrwitzig und total genial ist, auf dem Album.

SeelenWalzer haben ihr damaliges Debüt neu herausgebracht. „Seelenwalzer“ war für mich ein geniales Album, das ich auch heute immer noch sehr gerne höre. Allerdings wirkt das Ganze so, als wolle man an den Ruhm der alten Tage anknüpfen, aber was soll man sagen? „Seelenwalzer“ war damals schon ein innovatives Album und ich denke es wird auch über zwanzig Jahre später nochmal den Anklang finden. Denn es ist kein gewöhnliches NDH-Album

Homepage: https://seelenwalzer.com/de

Tracklist:

01. Für Die Ewigkeit
02. Ich Mach Dich Tot
03. Der Jüngste Tag
04. Blut Der Pferde
05. Kopfjäger
06. Schönheit Der Trauer
07. Jungfernflug
08. Goin Out West
09. Katharsis
10. Kill For Allah
11. Worte Des Fleisches

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