UNRU – Als Tier ist der Mensch nichts

Released: 25.03.2016
Genre: Post Black Metal
Label: Supreme Chaos Records

Homepage: http://unru.bandcamp.com/

Mit „Als Tier ist der Mensch nichts“ haben die Bielefelder Post Black Metal Mannen von UNRU im März diesen Jahres ihr erstes Album veröffentlicht. Vier Songs mit einer Gesamtlaufzeit von knapp über 36 Minuten lassen erahnen was auf den geneigten Hörer zukommt: Lange, düstere Kompositionen nehmen ihn mit auf einen kurzen, aber unheilvollen Trip in die dunklen Gedanken der Band. Verwurzelt sowohl in pechschwarzem Black Metal, als auch in Crust und Post-Hardcore bietet „Als Tier ist der Mensch nichts“ schwere, depressive Musik, die alles andere ist als traditionelles Easy Listening.

Unheilvoll startet die Scheibe mit dem Intro bzw. Opener „Zerfall & Manifest“. Blecherne Sounds vor geräuschvollem Hintergrund bringen Bilder von düsteren, verlassenen Orten in den Kopf. Eine kaum vernehmbare Stimme spricht aus dem Nichts und verkündet den Beginn der Reise, die einen immer tiefer in den Abgrund der musikalischen Düsternis zieht. Die Vocals wirken ebenso verzweifelt wie kräftig und wütend. Und dennoch kann man ohne Songtexte zur Hand nur einzelne Wortfetzen aufschnappen. Die Drums sind auf dem gesamten Album tief unter dem Gewölbe aus lauten und melancholischen Gitarren- und Basssounds vergraben. Das zweite Stück „Das Anna-Karenina-Prinzip“ (benannt nach dem Prinzip, nach dem mehrere Faktoren oder Bedingungen zum Gelingen einer Sache erfüllt sein müssen und das Fehlen eines einzelnen Faktors zum Scheitern oder Ausschluss führt) ist nicht minder atmosphärisch und mit seinen über 12 Minuten, das längste Stück. Die Monotonie zu Beginn ist nahezu hypnotisch und die Komposition gewinnt erst nach der Hälfte der Zeit an Geschwindigkeit. Dennoch büßt es nichts an verzweifelter Boshaftigkeit ein. Der Genuss des Albums hat am Ende des Songs bereits erste Spuren hinterlassen: Ein ungutes Gefühl macht sich im Hinterkopf breit. Der dritte Song mit dem Titel „Hēdonée“ wirkt trotz simpelsten Gitarreneinsatzes durch die Verzerrung und die dadurch resultierende Atmosphäre nahezu bedrohlich. Schwer und mit viel Doom geht es weiter in der Abwärtsspirale der düsteren Gedanken. Der im Titel verwendete Begriff der Hedonie (Streben nach Freude und Vermeidung von Leid) wird in diesem Stück nahezu ad absurdum geführt. Im krassen Gegensatz zum vorherigen Stück wird hier langsam, sehr langsam zu Werke gegangen. Unwohlsein inklusive. Das letzte Stück „Totemiker“ beinhaltet die titelgebende Zeile „… als Tier ist der Mensch nichts“ und ist noch einmal ein schneller und wilder Track, der einen zum Ende des Albums nochmal rasant nach vorne an den Rand des Abgrunds treibt. Die Vocals verlieren sich im Hintergrund der Wirren der Instrumente, vermitteln aber dennoch die wohl gewünschte Verzweiflung. Zum Ende hin gibt es ein Fade ins vollends Schwarze und die leidvolle Reise nimmt ein Ende.

Als Tier ist der Mensch nichts“ ist ein bemerkenswertes Album geworden. Die vier Songs haben trotz der schwarzen Monotonie allesamt einen eigenen Charakter und wissen die richtigen Stellen im Kopf zu reizen um unheilvolle Bilder von Verlorenheit, Schwärze und Bedrohung zu erschaffen, innere Unruhe zu bewirken und den Hörer dabei aber auf eine gewisse Art permanent zu fesseln. Die Songtexte sind kryptisch und bieten einiges an Interpretationsspielraum. Klassische Strophe-Chorus Struktur findet man nicht und dies trägt maßgeblich zur Stimmung der Songs bei. UNRU ist es gelungen ein verstörendes Machwerk zu schaffen, welches zu Recht auch international bekannt geworden ist. Es ist an dieser Stelle müßig darüber zu sprechen, welches Image die Band gewählt hat: Dem beinharten Traditionalisten aus den Black Metal Gefilden wird nichts an dieser Veröffentlichung reizen, genauso wenig dem Klischee Old School Metaller und dem Festivaltouristen. Allen anderen, die gerne mal über den Tellerrand schauen, sei UNRUs erstes Album als kleines Selbstexperiment ans Herz gelegt. Anhänger tiefschwarzer Atmosphäre haben eine klare Kaufempfehlung.

Tracklist:

  1. Zerfall & Manifest
  2. Das Anna-Karenia-Prinzip
  3. Hēdonée
  4. Totemiker

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