Interview Nailed To Obscurity Im Gespräch mit Raimund Ennenga und Jan-Ole Lamberti

Nailed_to_Obscurity

Am Rande des gemütlichen Assault Of The Undead Festivals in Vechta traf ich mich mit Raimund Ennenga (Gesang) und Jan-Ole Lamberti (Gitarre) von Nailed To Obscurity zum Gespräch. Dabei plauderten die beiden munter drauf los und gaben Einblicke in ihr neues Album „Black Frost“, den Tour- und Probenalltag sowie ihre ganz besondere Beziehung zu unserer „Hometown“ Osnabrück. Aber lest selbst!

 

HSF: Herzlich Willkommen. Schön, dass es mit dem Interview geklappt hat. Ich möchte mit einer Frage zu eurem neuen Album “Black Frost” beginnen. Ich finde das Album ist insgesamt sehr stark. Und es ist ja auch immerhin auf Platz 37 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Wie erklärt ihr euch diesen Erfolg und wie fühlt sich das für euch an?

Ole: Ich glaube das beantworte ich mal andersherum. Also eigentlich denken wir mittlerweile gar nicht mehr darüber nach. Das war in dem Moment so, dass wir gedacht haben: „krass nicht damit gerechnet“. Doch für mich ist es dabei dann auch geblieben.

Wir haben die Nachricht bekommen, als wir in Hannover gespielt haben. Das war auf der Tour mit Amorphis und Soilwork, also genau eine Woche nachdem das Album raus war. Da waren wir eh schon in einer ganz anderen Welt. Soilwork waren dann übrigens auf Platz zehn. Dann haben wir denen nur gesagt: „Hey ihr seid auf zehn und wir sind auf 37. Voll geil, damit haben wir nicht gerechnet“. Und dann war es für damit aber auch weg.

Es ist ja eigentlich auch nur eine Zahl. Wir haben das erstmal so hingenommen und nicht weiter darüber nachgedacht, obwohl es uns schon komisch vorkam, dass es dann so war.  Ich weiß auch nicht, ob uns das was bringt im Endeffekt. Es ist einfach nur schön zu sehen, dass man vorankommt. Ich glaube mit dem letzten Album „King Delusion“ sind wir knapp an den Top 100 vorbeigeschrammt. Da waren wir glaube ich auf 116 oder so am Ende.

Jetzt war es dann am Ende Platz 37. Da war die Freude natürlich da. Wir haben uns dann alle einmal abgeklatscht und auch mit Soilwork angestoßen. Danach war das bei uns und auch bei denen dann aber so, dass wir gesagt haben: „Jetzt spielen wir weiter, jetzt sind wir auf Tour“. Und vielmehr habe ich ehrlich gesagt nicht darüber nachgedacht.

Nailed To Obscurity vor Helene Fischer

Raimund. Ich kann mich da eigentlich auch mehr oder weniger nur anschließen. Das Einzige, was ich noch hinzufügen würde ist, dass sich so eine Chartnummer ganz gut den Angehörigen zu Hause erklären lässt. Die Generation unserer Eltern hat natürlich relativ wenig Bezug zu unserer Musik. Gerade für meinen Teil. Die sagen dann häufig so Sachen wie: „Früher waren bei uns die Gitarren auch schon so hart, aber der Gesang geht für mich gar nicht“. Und die trauen dem Ganzen dann nicht so viel zu. Und wenn man dann sagen kann, dass man in den Top 40 der Albumcharts ist, werden die Augen plötzlich doch groß und die Wahrnehmung dessen ist dann doch etwas anders.

Ole: Das stimmt. Genau das habe ich nämlich auch gemacht bei meinen Eltern und der Familie von meiner Freundin. Denen habe ich das so gesagt. Und zwar aus dem Grund, dass ich jetzt endlich mal was habe, was die begreifen und fassen können. Außer: „Ja wir spielen mit der und der Band und da kommen so und so viele Leute“.

Raimund: Dazu noch kurz als Randnotiz. Es war ja so, dass das Album von Helene Fischer, welches natürlich schon eine ganze Weile draußen war – ich glaube das hieß einfach „Helene“ – dann auf die 38 gerutscht ist, als wir auf der 37 eingestiegen sind. Es war dann halt genau ein Platz unter uns. Ich habe das Bild noch auf dem Handy.

HSF: Ich kann mir vorstellen, dass sich da die Zusammenarbeit mit Nuclear Blast als hilfreich erweist. Gerade was die Promo angeht, oder? Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr von Apostasy Records zu Nuclear Blast gewechselt seid? Was muss man als Band da mitbringen, damit es mit einem Deal klappt?

Raimund: Also wir haben uns nach „King Delusion“ überlegt, dass wir vielleicht einen großen Sprung machen können. Wir waren mit dem Album extrem zufrieden und die Promo ist sehr gut gelaufen. Auch die dadurch generierten Reaktionen waren sehr gut. Das hat uns natürlich Selbstbewusstsein zurückgegeben. So haben wir für uns beschlossen, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, um den Sprung zu versuchen.

Im Zuge dessen kam dann der Tomasz (Wisniewski. Anm. d. Red.) von Apostasy Records auf uns zu und sagte, dass wir jetzt an dem Punkt seien, an dem man den nächsten Schritt wagen könnte. Er hat also im Prinzip eins zu eins so gedacht wie wir. Dann sagte er, dass er sich umschauen wolle, wenn er bei uns der Mann hinter den Reglern, also unser Manager, bleibe. Und deswegen wissen wir auch gar nicht so sehr, wie man darankommt, denn das lief mehr oder weniger alles über ihn.

Ole: Und man muss dazu sagen, dass er sehr ehrlich mit uns war. Es sagte ganz offen, dass er uns einschränken würde, wenn wir auf seinem kleinen Label bleiben würden. Natürlich ist Apostasy Records ein geiles Label, das sehen wir auch so. Und Tomasz ist auch mächtig stolz auf das, was er da macht. Da steckt auch mächtig viel Know-How dahinter. Er hat aber natürlich nicht die Möglichkeiten, die ein großes Label wie Nuclear Blast hat. Daher stieß er bei uns halt dann an seine Grenzen.

Das fanden wir halt sehr fair und haben ihm deshalb gesagt, dass wir gerne zusammen weitermachen möchten. Das hat ja auch immer alles gut funktioniert. Wir haben ja auch schon das Album davor mit ihm gemacht. Und kannten ihn davor auch schon. Schon allein darum war für uns klar, dass wir uns natürlich nicht von ihm trennen.

Wir hatten dann noch ein paar andere Angebote. Aber für uns war eigentlich sofort klar, dass wir zu Nuclear Blast gehen werden. Wir haben uns die anderen Angebote dann schon gar nicht mehr alle im Detail angeschaut, als der Deal mit Nuclear Blast stand. Natürlich spricht man da noch mal über ein paar Sachen, aber es war halt schon klar, größer geht’s nicht. Das ist halt das größte Metal Label.

Man muss einen Plan haben

Zu der Frage, wie man dahinkommt kann man glaube ich noch sagen, dass man als Band einen Plan braucht. Also ich habe jedenfalls schon eine relativ klare Vorstellung davon, wie man dahinkommt. Wenn ich die nicht gehabt hätte, wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.  Diese Vorstellung teilen auch alle in der Band. Aber ich bin derjenige in der Band, der neben dem Management so die Fäden in der Hand hält. Nicht, was das Songwriting angeht, aber alles was im Hintergrund neben Booking und Management abgeht.

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass man ein Selbstvertrauen entwickelt. Das hat bei uns ziemlich lange gedauert. Das war aber noch bevor Raimund da war. Als Raimund dann in die Band kam, wuchs auch das Selbstvertrauen ziemlich schnell. So, dass man dachte: „Ok, dass was wir jetzt machen ist richtig gut“. Vorher haben wir viele Erfahrungen gesammelt, negative, wie auch positive. Aber jetzt wissen wir, was wir sein wollen, wo wir sind und was wir tun müssen. Und dann muss man eben einen Plan haben und sehr viel daran arbeiten. Ich glaube, das ist das was uns im Endeffekt dahin gebracht hat, wo wir heute stehen.

„Opaque“ war der Anfang davon. „Abyss“ war quasi die Demo. Danach haben wir viele Sachen ausprobiert, um zu sehen, was klappt und was nicht beziehungsweise was wir wollen und was nicht. Dann kam „Opaque“ als Einstand von Raimund, und ab da wussten wir eigentlich genau, was wir machen wollen.

Und dann haben wir uns also gesagt, dass wir in den nächsten Jahren auf dem Wacken Open Air und den ganzen großen Festivals spielen wollen. Und daran haben wir geglaubt und immer alles dafür gegeben. Dann kam „King Delusion“ und man hat auf einmal gemerkt, dass die Leute unser Album kaufen und was von uns mitkriegen. Und das, obwohl wir immer noch bei dem gleichen Label waren. Da haben wir für uns einen Riesenschritt bemerkt. Und dann stellte sich die Frage, wie wir den nächsten großen Schritt machen können. Also haben wir jemanden gefragt, ob er uns hilft. So ging es dann immer weiter. Wir sind halt sehr opferbereit, was bei den meisten anderen Bands schon über die Schmerzgrenze hinausgeht.

Teamwork und viel Fleiß

HSF: Naja, über eure Qualität, die ihr schon seit Jahren abliefert, müssen wir ja eigentlich nicht reden.

Ole: Ja, aber dazu muss man auch erstmal selbst an sich glauben. Man stellt sich da ja auf eine Bühne. Da muss man auch seine Schwächen akzeptieren können. Und davon gibt es genug. Und man muss halt wissen, wie man seine Stärken am besten ausspielt und das hat bei uns lange gedauert.

Es müssen alle an einem Strang ziehen, es müssen alle von der Einstellung her ungefähr gleich sein und alle das Gleiche wollen. Und das ist halt schwer bei fünf Leuten. Und dann sind da ja noch mehr Leute, die zur Band gehören. Die stehen zwar nicht auf der Bühne, müssen aber alles genauso mitmachen. Da ist halt Teamwork gefragt. So funktioniert es in den meisten Fällen, würde ich sagen. Es ist halt viel Einstellungssache und viel Fleiß.

Ich glaube, dass keiner bei uns in der Band jemals den Gedanken hatte, irgendwann in seinem Leben mal eine Karriere im klassischen Sinne zu machen. Stattdessen haben alle gesagt, dass sie die Band machen wollen. Man muss sich finden, sodass alle in der Band diese Einstellung haben. Denn sobald einer sagt, dass er das nicht kann, weil ihm die Beförderung, die in den nächsten fünf Jahren anstehen könnte, wichtiger ist, dann blockiert der auf einmal alle anderen in der Band. Und dann funktioniert das schon nicht mehr. Dann gibt es auch schlechte Stimmung, weil man ja nicht mehr gemeinsam dieses eine Ziel verfolgen kann. Der Eine ist dann ein Störfaktor, obwohl man das nicht will, weil man sich ja kennt und mag.

Das ist wirklich schwierig. Ich glaube, dass es bei Bands, die diesen Schritt nicht wagen oder schaffen dann vorher schon an solchen Dingen scheitert. Davon bin ich überzeugt. Denn ich habe nicht das Gefühl, dass wir jetzt besser sind als andere Bands, mit denen wir früher gespielt haben, wir waren nur hartnäckiger, glaube ich. Und ein bisschen bekloppter, was diese ganze Sicht angeht.

Ein Tourpackage von dem man nur hätte träumen können

HSF: Ihr wart gerade mit Amorphis und Soilwork auf Tour. Wie war das für euch?

Raimund: Es war fantastisch. Es war halt ein Package, von dem man irgendwie nur hätte träumen können. Aber als wir dann gemerkt haben, dass wir einen gewissen Weg beschreiten, war es für uns dann auch etwas Erstrebenswertes mit Bands zu touren, die auch einen gewissen Einfluss auf unsere Band in frühen Tagen hatte.

Da gab es ja mit Dark Tranquillity schonmal eine Tour, wo wir mit einer Nailed To Obscurity-DNA Band in irgendeiner Form getourt haben. Jetzt war es aber ein ganz großer Sprung zu der Tour mit Amorphis und eben Soilwork, so einer Göteborg-Legende. Einfach weil sich der Göteborg-Stil ja auch irgendwo in den frühen Tagen der Band Nailed To Obscurity wiederfindet. Das war für uns ganz groß. Dann kommt die Länge der Tour dazu. Wir haben noch nie über fünf Wochen am Stück gespielt.

Ole: Wobei die Dark Tranquillity Tour mit drei Tagen Pause auch über fünf Wochen ging.

Raimund: Ja, das stimmt. Wir haben drei Wochen mit Dark Tranquillity gespielt, waren dann drei Tage zu Hause und sind dann direkt wieder los. Das muss man der Fairness halber sagen. Aber wir haben nicht fünf Wochen lang in dieser Größenordnung gespielt. Und auch nicht mit diesen Bands.

Jinjer zum Beispiel darf man da auch nicht außen vor lassen, weil das auch eine Band ist, die gerade ganz heiß abgefeiert wird. Und sicherlich waren Jinjer auch eines der Zugpferde dieser Tour. Das war insgesamt ein Package, das hat einfach Spaß gemacht.

Es gab so zusagen zwei „Newbees“. Die einen, die es schon ein bisschen weiter gebracht haben, sage ich jetzt mal. Das sind halt Jinjer. Und dann wir als diejenigen, die durch den Nuclear Blast Deal jetzt vielleicht noch bei viel mehr Leuten auf den Plan gerufen wurden. Und dann halt zwei ikonische Szene-Bands, die im Melo-Death-Segment im erweiterten Kreis an der Spitze sind.

Wie es sich angefühlt hat, das kann man teilweise gar nicht in Worte fassen. Erst einmal zu sehen, wie viele Shows im Vorfeld ausverkauft waren und dann zu wissen, dass wir der Dosenöffner sind, ist schon der Wahnsinn. Auch wenn schlussendlich nicht jeder einzelne im Publikum für uns da war, war es aber trotzdem cool, dass die Buden meistens schon voll waren als wir auf die Bühne gingen.

Ausverkaufte Shows und tolle Stimmung auf Tour

Ole: Das wollte ich gerade sagen. Man muss da halt anmerken, dass wir fast immer um 18:00 Uhr angefangen sind, was sehr früh ist. Auch unter der Woche. Und ich würde sagen, in zwei Dritteln aller Fälle waren die Hallen dann schon voll. Und ich glaube über die Hälfte der Shows waren ausverkauft, was bei so einer großen Tour auch beeindruckend ist, finde ich. Ja, da hat halt alles von vorne bis hinten gepasst.

Für uns war klar, dass wir der Opener sind. Wir mussten auf dieser Tour der Opener sein. Genauso war es perfekt. Und wir haben uns darauf gefreut. Wir haben uns darauf eingestellt, dass vielleicht die Hälfte der Leute dann schon da sind, wenn es gut läuft. Und dann sind wir angefangen und eine Show nach der anderen war rappellvoll und ich dachte nur: „Was passiert denn hier gerade?“ Das war wirklich geil.

Dann kam noch die Stimmung auf der Tour dazu. Es waren vierzig Leute auf der Tour, die zusammen gereist sind. Und es waren alle Leute mega nett, alle haben sich so gut verstanden. Das war zwar auf der Dark Tranquillity Tour auch so, aber da waren es nur zwei Bands und eine kleine Crew. Das war jetzt halt viel größer. Vier Bands, alle hatten ihre Crew mit dabei und es war einfach eine Wahnsinnsstimmung. Jeder hat sich respektiert, jeder mochte jeden, jeder hat Spaß gehabt. Das ging nicht besser.

HSF: Heute Abend spielt ihr im Gulfhaus in Vechta. Da gehen vielleicht ein paar hundert Leute rein. Für heute werden etwa 150 Zuschauer erwartet. Wie ist es im Vergleich zu größeren Hallen, wie beispielsweise auf der Tour mit Amorphis und Soilwork, hier zu spielen?

Raimund: Es gibt da ja immer diese schöne diplomatische Antwort. Aber da ist so viele Wahres drin. Es macht unfassbar viel Spaß auf einer großen Bühne zu spielen, wenn da richtig was los ist. Aber es macht sicherlich auch wenig Spaß auf einer riesigen Bühne zu spielen, wenn da wenig los ist. Und es gehören natürlich schon so einige Leute dazu, damit das voll aussieht. Das Beste ist halt wirklich die Stimmung. Die sollte wirklich da sein.

Und wenn man es hier heute Abend hinbekommt, dass es vor der Bühne ordentlich voll aussieht und es den Leuten augenscheinlich auch noch Spaß macht, dann gibt es für mich gar keinen Unterschied in der Bühnengröße. Dann spornt einen das, was man sieht und die Energie, die das Publikum transportiert, an. Ich weiß, das klingt völlig abgedroschen, aber es ist wahr.

Ob groß oder klein, genug Platz muss auf der Bühne sein

HSF: Für mich als Fan ist es durchaus ein großer Unterschied, wenn ich ein kleines Clubkonzert, bei dem ich locker bis an den Bühnenrand gehen kann mit einer großen Festivalshow wie beispielsweise in Wacken vergleiche. Wie ist das für euch, die ihr auf der Bühne steht?

Raimund. Es ist ein großer Unterschied finde ich, wenn ich das mal aus der Sängersicht sehe. Also als derjenige, der so ein bisschen versucht, Band und Publikum in irgendeiner Form zu verbinden. Da ist es bei einem kleinen Publikum eher so, dass ich durchaus relativ schnell raus habe, wer vielleicht darauf anspringt, wenn ich eine Geste mache oder sonst irgendwas. Die bindet man unfreiwillig oder auch bewusst mit ein. Das ist so ein Mix.

Und das hast du bei so einer Riesenbühne natürlich nicht mehr in dieser Form. Du versuchst als Sänger zu vermitteln, dass du die Barriere überwindest und auch noch den Fan in der letzten Reihe erreichst und sagst „Dich meine ich!“. Aber das ist natürlich kaum mehr möglich. Hier ist es faktisch möglich, Ich kann sagen: „Du!“. Und derjenige weiß genau. dass er gemeint ist. Das ist irgendwie das Schöne.

Du hast das Große, wo du völlig überwältigt davon bist, dass du so viele Leute auf einmal erreichen kannst. Aber hier kannst du eine intime Atmosphäre aufbauen. Und das Wort Atmosphäre ist ja auch für unsere Musik extrem wichtig. Wir versuchen ja eben, eine Atmosphäre aufzubauen. Und vielleicht ist da eine Club-Show für den ein oder anderen sogar cooler, weil er das Gefühl hat, richtig drin zu sein.

Ole: Eigentlich stimme ich dem genau zu. Aber vielleicht kann ich da noch ein bisschen weniger Diplomatie reinbringen. Also bei mir ist es folgendermaßen. Wenn ich so Läden wie das „Trix“ in Antwerpen oder das „Le Bikini“ in Toulouse nehme. Das „Le Bikini“ ist eigentlich das perfekte Beispiel. Das ist ein Mega Club. Und dann kommt man da rein und denkt nur: „Alter, hier spielen wir?“

Dieses Gefühl finde ich geiler als bei einem kleinen Club. Das liegt bei mir aber auch daran, dass ich mich für diese ganze Technik interessiere. Ich bin auch derjenige, der in der Band die ganze Technik zusammenschustert und sagt, was benutzt wird. Und wenn ich dann die Bühne sehe, denke ich nur wie geil es ist, dass sich alles was ich zusammengebastelt habe voll entfalten kann.

Für die Amorphis Tour hatten wir dann auch noch eine Lichtshow programmiert. Da hatten wir zum Beispiel auch noch selber Licht auf dem Boden mit Moving Heads usw. Für die Tour haben wir wochenlang an der Lichtshow gearbeitet. Und als wir das dann auf dieser fetten Bühne gesehen haben, ging mir natürlich das Herz auf. Hier ist es halt viel kleiner, da hast du so etwas natürlich nicht. Das ist so etwas, dass finde ich an einer großen Bühne natürlich geiler. Aber das geht wahrscheinlich auch allen so.

Wenn es zum Konzert selbst kommt, ist es relativ unterschiedlich. Ich bin bei kleineren Konzerten lustigerweise nervöser. Ich weiß nicht genau, wie es bei dir ist Raimund, aber ich glaube das geht uns allen so. Bei den großen Konzerten wo du weißt, dass du noch Bands über dir hast, die Leute ziehen, bin ich nicht so nervös.

Da hast du dann zwar auf einmal voll viele Leute vor der Bühne stehen. Das ist aber so eine anonyme Masse. Du sitzt dann auf der Bühne, dann ist da erst einmal Platz dazwischen und dann kommen die Leute. Egal wie groß es dann ist, es wirkt dann so wie ein Raum, in dem du allein bist.

Ich weiß nicht, aber ich bin nervöser, wenn ich weiß, die stehen direkt an meinem Griffbrett und sehen alles, was ich mache. Ich kann keine Fehler verstecken. Und da sind durchaus einige. Deswegen bin ich da nervöser und vor allem auch wenn man als Headliner spielt und sieht, dass es sehr spät ist. Erfahrungsgemäß wollen die Leute dann am Wochenende auch noch weiterziehen. Solche Dinge gehen mir dann halt durch den Kopf.

Also es ist beides geil. Das eine ist halt das Intime, wo man schneller eine Atmosphäre aufbauen kann. Das gelingt uns zwar meist auch bei großen Shows, aber da ist das immer so, dass du auch Pech haben kannst. Wenn da dann die große Masse gerade nicht in der Stimmung ist, dann ist es schwer, dass rumzureißen.

Was ich definitiv geiler finde ist, wenn man Platz auf der Bühne hat, um sich zu bewegen. Das engt einen sonst manchmal ein. Früher war das so, dass man sich auf großen Bühnen schon unsicher gefühlt hat. Da hat einem die kleine Bühne Sicherheit gegeben.

Dann haben wir das erste Mal auf dem Wacken Open Air im Zelt gespielt. Und im Zelt ist die Bühne gar nicht so groß wie man denkt, wenn man es von außen sieht. Das ist mehr das Außendrum, was so groß ist. Die Bühnenfläche selbst ist gar nicht so riesig. Und selbst da dachte ich damals schon: „oh“. Als wir dann auf dem Bloodstock waren und eine gigantische Bühne hatten, dachten wir einfach: „Jo, probieren wir das doch mal.“

Wir haben uns danach Videos angeschaut und festgestellt, dass das schon ganz gut war, aber wir uns noch darauf einstellen müssen. Jetzt auf der Tour war es dann ja so, dass wir schon einige Bühnen gespielt hatten. Wir haben ja auch schon beim Metal Hammer Paradise auf der Mainstage gespielt. Da hat man sich dann schnell reingefunden. Und auf einmal, wenn die Bühne dann mal ein bisschen kleiner ist, wirkt sie schon beengend, weil man sich nicht mehr so frei bewegen kann.

Und gerade diese Bewegungen transportieren ja auch was. Ganz besonders, wenn du Abstand zwischen dem Publikum und der Bühne hast. Du willst ja was rüberbringen. Und das machst du halt auch indem du dich da komplett reinfühlst. Das kannst du aber nicht, wenn du zum Beispiel schon mit einem Bein auf dem Effektboard stehst. Also das ist wirklich das Einzige wo ich sagen würde, dass es auf einer großen Bühne besser ist.

Düsterer und mehr Atmosphäre – “Black Frost”

HSF: Ihr habt gerade das Thema „Atmosphäre“ angesprochen. Da würde ich gerne noch einmal auf euer aktuelles Album “Black Frost” zurückkommen. Ich empfinde “Black Frost” gegenüber “King Delusion” deutlich vielschichtiger und atmosphärischer. Dagegen war „King Delusion“ vielleicht etwas eingängiger. War das von Anfang so beabsichtigt?

Ole: Ja. Das ist die kurze Antwort. Du hast mit deiner Frage eigentlich schon alles vorweggenommen, was ich sagen wollte. Da kannst du dir auch gerne andere Interviews ansehen. Meine Antwort auf die Frage was wir uns für das Album vorgenommen haben war, mehr Atmosphäre und düsterer.

Wo ich dir vielleicht ein bisschen zum Teil widersprechen muss ist die Eingängigkeit. Wobei eingängig auch das falsche Wort ist. Ich finde aber, dass wir es bei den Songstrukturen durchaus geschafft haben bei einem Großteil der Songs klare Refrains zu schaffen. Das haben wir bei „King Delusion“ zum ersten Mal versucht, aber nicht so konsequent durchgesetzt.

Da ist dann beispielsweise so ein Song wie „Uncage My Sanity“ dabei herumgekommen, den ich alles andere als eingängig finde. Der ist aber für die Länge erstaunlich kurzweilig. Sonst hätten wir den auch nicht so lang gemacht. So was haben wir jetzt ja auf „Black Frost“ weniger gemacht. Auf der anderen Seite ist ein Song wie „Road To Perdition“ alles andere als eingängig.

HSF: „Road To Perdition“ ist aber dennoch einer der stärksten Songs auf dem neuen Album.

Raimund: Interessant, dass du gerade den Song nennst. Denn irgendwie hat da jeder Interviewer, mit dem wir bisher gesprochen haben, einen anderen Song, den er gut findet.

HSF: Aber auch der Song „Black Frost“ zu Anfang geht sofort richtig ab. Wobei man beim neuen Album auch keinen Song herauspicken kann. Das Album funktioniert eigentlich nur, wenn man es zusammenhängend in Gänze hört.

Ole: So hören wir glaube ich alle auch Musik. Und so schreiben wir unsere Alben auch. Das ist vielleicht nicht das, was empfohlen wird, weil die Leute sich auf Spotify und so eher einzelne Songs anhören, aber wir machen halt ein Album-Konzept. Wir sind eine Album-Band.

Sehr persönliche Texte aber kein Seelenstriptease

HSF: Ich habe gelesen, dass es auf „Black Frost“ um innere Kämpfe geht. Beziehen sich diese Kämpfe auf euch selbst? Wie persönlich ist „Black Frost“?

Raimund: Ja, diese Texte sind grundsätzlich immer sehr persönlich. Eigentlich basieren alle Textideen entweder auf persönlichen Erfahrungen oder beziehen sich auf irgendwelche Gespräche, wo ich vielleicht das Eine oder Andere über einen Bekannten gehört habe, beziehungsweise mit ihm direkt gesprochen habe.

Es ist tatsächlich eine sehr persönliche Ebene. Deswegen versuche ich auch, grundsätzlich alles in irgendwelche Bilder zu verpacken. Ich versuche, das Ganze irgendwie ein bisschen metaphorisch zu halten und das Kind nicht 100%ig eindeutig beim Namen zu nennen, um es nicht zum völligen Seelenstriptease zu machen. Aber es ist Fakt, dass es sehr persönliche Erfahrungen sind, die da irgendwo mit einwirken.

Von „Opaque“ bis „Black Frost“, was ja so meine Nailed To Obscurity-Ära ist, habe ich gemerkt, dass es immer persönlicher geworden ist. Bei den „Black Frost“-Interviews ist es mir teilweise auch extrem schwer gefallen, eindeutig auf die Quelle dessen einzugehen, was ich versuche da zu verpacken. Aber deswegen verpacke ich es ja auch. Ich kann dir die Metaphern gerne erklären, aber die Idee dahinter, das fällt mir dann schon etwas schwerer.

Ole: Dann muss ich noch dazu sagen, dass die Texte bei diesem Album zu 99,99% von Raimund sind. Wir haben vielleicht noch ein paar Phrasierungen mit eingebracht aber ansonsten sind sie zu 100% von Raimund. Darum ist das Album auch inhaltlich Raimund.

Aber das Gute ist halt, dass wir uns in der Band alle mit Raimunds Texten identifizieren können. Das war auch schon immer so. Sonst würden wir diese Texte so auch nicht verwenden. Das ist aber noch nie passiert. Wir sprechen da also scheinbar die gleiche Sprache. Aber genauso bringen Andere ähnliche Inhalte ein. Von allen kommt dieses Persönliche. Daher kommt diese Grundstimmung von den Alben. Das fusioniert dann irgendwie und wird zu einem großen Ganzen, hinter dem alle stehen.

Raimund: Es ist halt irgendwie ein Dialog zwischen Instrumenten, der da stattfindet, und Gesang zähle ich jetzt mal ganz stumpf auch als Instrument. Der transportiert eben einfach echte Gefühle. Das ist einfach so. Deswegen funktioniert auch das Songwriting, so wie es eben betrieben wird, so gut.

Ole: Weil wir alle zusammen schreiben. Wir setzen uns zusammen, schreien uns an und lachen zusammen, bis dann irgendwann ein neuer Song dabei herauskommt.

Das Kollektivverständnis bei Nailed To Obscurity

HSF: Ihr schreibt also alle gemeinsam. Wie funktioniert das? Soweit ich weiß, wohnt ihr mittlerweile über halb Deutschland verteilt.

Ole: Ja, wir sind ziemlich weit verstreut. Volker (Dieken, Gitarre. Anm. d. Red.) kommt aus Kiel. Ich komme aus Dortmund zur Probe. Raimund kam aus Lingen und jetzt zukünftig aus Weener. Und die anderen haben auch alle eine Stunde Anfahrt zum Proberaum.

Am Anfang treffen Volker und ich uns immer. Aber auch da sitzen wir zusammen, werfen uns gegenseitig unsere Ideen zu und filtern das vor. Dann sagen wir zum Beispiel, dass man aus dieser Melodie und diesem Riff vielleicht einen Song machen kann. Und dann basiert der ganze Song meist auch auf dieser einen Idee.

Manchmal haben wir das dann schon weitergestrickt und haben schon eine Idee, wie das Schlagzeug hier und da sein soll. Manchmal wissen wir zum Beispiel genau, dass hiernach auf jeden Fall ein Part kommen muss, der irgendwie so oder so ähnlich ist. Dann nehmen wir eine Idee auf und das entwickelt sich dann immer weiter.

Aber dieses Weiterentwickeln passiert dann mit der ganzen Band. Also wir pflanzen da maximal den Samen und nehmen das dann mit in den Proberaum. Wir nehmen das auch auf. Aber das machen wir nur, damit wir das nicht vergessen. Denn wir können nichts notieren. Wir können keine Noten, gar nichts. Wir nehmen das dann auf, spielen das dann noch mal nach und zeigen es dann den Anderen.

Und dann setzen wir uns da zusammen dran. Und in 70% aller Fälle, würde ich sagen, ist Raimund dann auch dabei. Und das obwohl er „nur“ die Texte schreibt und in dem Moment, weil er kein Instrument spielt, nicht mit uns jamt und herumprobiert. Aber er kann sich ja trotzdem einbringen, wenn er uns zuhört, denn er weiß ja, was für Ideen er hat. Vielleicht kriegt er auch eine Idee für einen Text dadurch, dass wir da spielen. Und so beeinflussen wir uns gegenseitig.

Tja, die Songs sind von uns allen zusammen geschrieben, auch wenn Volker und ich quasi die Marschrichtung vorgeben. Wir haben zwar auch was im Kopf vorab. Das heißt aber noch nicht, dass es im Endeffekt genauso klingt, wie wir uns das vorstellen.

Wir haben zum Beispiel die ganze Zeit auch einen Akustiksong machen wollen. Der ist aber nicht aufs Album gekommen beziehungsweise haben wir den noch nicht mal angefangen. Das war halt so der Plan am Anfang. Im Endeffekt haben wir das aber verworfen, weil wir es so wie es war, perfekt fanden. Dann haben wir stattdessen so einen Song wie „Resonance“ gemacht, der vorher nicht auf dem Plan war.

Ich glaube, das macht uns aus. Auch, dass wir direkt beim Schreiben spielen. Also wir probieren alles aus und merken, so fühlt sich das an und so könnte sich das live anfühlen. Wir haben halt direkt ein Feedback von dem, was wir da machen. Das geht vom Kopf zum Instrument und wieder zurück zum Ohr. Und dann kann man darüber nachdenken, ob es jetzt gut war.

Raimund: Da gibt es halt eben auch schon so ein Kollektivverständnis. Das ist für mich immer ganz interessant, weil ich ja derjenige bin, der gerade nicht hinter seinem Instrument sitzt. Ich habe vielleicht schon lose Textideen irgendwo skizziert, nur die spielen in dem Moment wo das Setting für so ein Instrumental entsteht noch gar keine Rolle in dem Sinne.

Es soll ja hinterher auch irgendwo passen. Und deswegen rennt man dann ja nicht sofort los, wenn man eine Idee hat. Natürlich könnte man das auch. Man könnte auch direkt mit einer Idee kommen und sagen, hey komponiert mal den Soundtrack für diese Idee. So was steht natürlich auch immer im Raum. Aber wenn ich dann bei einer offenen Probe dabei bin und es erstmal losgeht, dann bin ich immer völlig überrascht davon, was es wirklich für ein Kollektivverständnis zwischen den einzelnen Instrumentalisten gibt.

Wenn Ole dann einen Rhythmus anspielt und Volker dann sagt, dass er vielleicht eine Melodie hat, die darüber passen könnte oder vice versa. Oder wenn Jann (Hillrichs, Drums. Anm. d. Red.) sagt, er habe auch schon eine Idee für den Rhythmus, dann hat man das Gefühl, dass das Fragment, was da zu hören ist, vielleicht für die eine oder andere Band schon fast ein Song wäre.

HSF: Also ist es wirklich so, dass ihr euch im Proberaum quasi blind versteht und eure eigene Sprache habt.

Ole: Ja. Also wir mussten unsere eigene Sprache finden irgendwie, denn keiner von uns kennt sich mit Musiklehre aus. Wir können uns nicht in einer generellen, allgemeingültigen Sprache verständigen. Also wenn ich Jann sagen möchte, was ich mir für einen Beat vorstelle auf diesem Riff, kann ich ihm das nicht mit Fachbegriffen sagen. Ich muss ihm das entweder mit dem Mund vormachen oder manche Sachen kann ich auch ein bisschen spielen. Das ist aber bei den Sachen von „Black Frost“ jetzt schon sehr schwierig, denn die sind relativ anspruchsvoll.

Manchmal verwenden wir auch irgendwelche Begriffe, die wir aufgeschnappt oder selber erfunden haben. Der Schlagzeuger von Dark Tranquillity hat uns da beispielsweise mal was erklärt. So etwas merken wir uns dann und verständigen uns damit. Wenn dann allerdings andere Leute dazukommen und sich das anhören denken die meistens, dass wir einen an der Klatsche haben.

Was Nailed To Obscurity mit Osnabrück verbindet

HSF: Was die Leser unserer “Hometown” natürlich brennend interessiert ist, wann man euch mal wieder in Osnabrück live erleben kann. Habt ihr Osnabrück auf eurer Tourkarte?

Ole: Um ehrlich zu sein, ich weiß es gerade nicht. Also wir, bzw. unser Booker sind da an Etwas dran, wo theoretisch Osnabrück mit drin sein könnte, aber das wissen wir nicht.

Raimund: Aber schön, dass du Osnabrück als Thema noch mal einbringst. Natürlich haben wir auch eine Verbindung irgendwo zu Osnabrück. Zum einen ist ja unser Manager dort und zum anderen wollte ich noch sagen, dass Osnabrück auch für uns aus unserer Region natürlich immer eine Anlaufstelle für Konzerte war und ist.

Ich war in Osnabrück, glaube ich, mindestens so oft auf Konzerten wie im Pott. Also da ist irgendwie schon so eine Connection in Richtung Osnabrück. Aber eine Geschichte über Osnabrück muss Ole eigentlich auch noch erzählen.

Ole: Ok, das dauert jetzt vielleicht noch einmal fünf Minuten, aber ich glaube, das ist es wert. Das beschreibt auch ganz gut, was wir Raimund zu verdanken haben und warum er für uns schon bevor er bei uns in der Band war sehr wichtig war. Wir haben damals einen Bandcontest in Osnabrück gespielt. Das waren zwölf Bands, glaube ich, und es wurde vor Ort abgestimmt. Raimund war damals als Gast dabei.

Raimund: Kurz eingeworfen. Ich glaube der Gewinner durfte Vorband bei Dark Tranquillity sein bei einer Einzelshow, soweit ich weiß.

Ole: Das weiß ich nicht mehr, auf jeden Fall war das im N8 und wir dachten: „geil, cooler Laden, da haben wir auch schon mal Amon Amarth gesehen und so. Da spielen wir jetzt. Und damit wir dann auch ein paar Leute dort haben, organisieren wir uns einen Bus aus Ostfriesland und nehmen die Leute einfach mit.“

Das haben wir dann auch gemacht und einen Reisebus gebucht. Der war auch komplett voll. Bis auf zwei Plätze, die uns kurzfristig abgesprungen sind, war der Bus ausgebucht. Und wir von der Band waren halt so klug und haben uns gesagt, dass wenn wir schon einen Bus gemietet haben, wir auch dort mitfahren können.

Wir sind dann also mit dem Bus dahingefahren. Und drei von uns, die nicht Jann und nicht ich waren, haben auf der Fahrt, auf der natürlich richtig gesoffen wurde, auch komplett mitgesoffen. Als wir dann angekommen sind, waren die schon total voll und wussten davon schon nichts mehr. Also, die haben da schon Filmrisse gehabt.

Unser alter Sänger war halt auch noch mit dabei. Und dann sollten wir als dritte oder vierte Band auf die Bühne. Dabei hat unser damaliger Sänger erstmal den Auftritt so halb verpasst. Außerdem hatte er schon beim Soundcheck peinliche Sachen gemacht. Volker konnte nicht mehr spielen. Das darf ich auch so sagen. Er lacht da mittlerweile selbst drüber. Das ist ja auch schon lange her. Also es war wirklich nur schief und nur Kraut und Rüben.

Dann ist unser alter Sänger noch umgefallen, konnte nicht mehr aufstehen und lag wie ein Käfer aus dem Boden. Carsten (Schorn, Bass. Anm. d. Red.) hat sich dann noch irgendwie mit irgendjemandem von der Crew auf der Bühne in die Haare bekommen, weil er etwas missverstanden hat. Das war wirklich der schlimmste Gig, den wir jemals gespielt haben. Jann und ich waren zwar auch nicht mehr ganz nüchtern, aber nüchtern genug, um uns zu schämen. Das war der einzige Gig, den ich mit dem Rücken zum Publikum gespielt habe, denn es ging einfach nicht mehr. Und das war auch nicht lustig zu dem Zeitpunkt.

An dem Abend war auch Tomasz, der uns später zu Apostasy Records gesigned hat und jetzt unser Manager ist, vor Ort. Den hat Raimund, der ja auch mit im Bus war, dahingeschleppt indem er sagte, dass wir eine voll geile Band seien, die er sich unbedingt angucken müsse.

Raimund: Nee, das stimmt nicht ganz. Das muss ich dazu sagen. Ich wusste tatsächlich nicht, dass Tomasz bei dem Konzert dabei war. Aber als wir später mit Burial Vault unsere erste Scheibe draußen hatten, hat er mich gefragt, ob ich noch Bands kennen würde.

Das war dann der Anfang von Apostasy Records. Er sagte damals, er halte Ausschau nach coolen Bands, denen man vielleicht helfen könnte. Und da habe ich dann sofort Nailed To Obscurity gesagt. Darauf sage er: „Ach die habe ich mal im N8 gesehen. Das ist ja wohl die peinlichste Band alle Zeiten.“

Dann hat er der Band aber noch einmal eine Chance gegeben. Das war dann eine Show im Bastard Club, zusammen mit Islay. Ich war damals mit Tomasz und Immo, unserem Schlagzeuger dort. Nachdem Tomasz die Band an diesem Abend gehört habe sagte er, dass das was sei. Und dann hat er die Band in der Besetzung, ohne mich, gesigned. Dass ich dann später auch nochmal dazustoßen würde, konnte ich da ja noch nicht ahnen.

Ole: Wir wurden dann von Tomasz gesigned und mit dem ersten Album, was wir bei ihm rausgebracht haben, war Raimund dann der Sänger. Und das ist unsere kleine Osnabrück-Geschichte.

HSF: Ja, das ist doch eine sehr schöne Osnabrück-Geschichte zum Abschluss. Dankeschön, für das nette Gespräch. Wollt ihr noch etwas loswerden?

Ole: Ja, es war auch sehr nett mit dir. Es waren gute Fragen. Es hat Spaß gemacht und wir hoffen, dass wir uns dann bald in Osnabrück sehen.

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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