Konzertbericht Cradle Of Filth + Moonspell 03.02.2018, Hyde Park Osnabrück

Cradle Of Filth

Konzerte im Osnabrücker Hyde Park haben eine lange Tradition und sind immer etwas Besonderes. In letzter Zeit war die Häufigkeit von Metalkonzerten dort allerdings nicht mehr so hoch. Auf der Anfahrt konnte man bereits mehrfach den Satz: „Ich weiß überhaupt nicht mehr, wann ich das letzte Mal im Hyde Park war“ vernehmen. Umso mehr freute man sich auf Cradle Of Filth und Moonspell, die den altehrwürdigen Club am vergangenen Samstag beehrten.

Der Laden ist bereits ganz ordentlich gefüllt, als Moonspell etwa zehn Minuten vor acht die in schummriges Licht gehüllte Bühne entern. Sänger Fernando Ribeiro kommt als erster auf die Bühne. Er trägt einen Ledermantel, einen großen Hut und in der Hand eine altertümliche Lampe. Zusammen mit dem düster, mystischen Intro, welches derweil aus den Boxen kommt, sorgt das schon einmal für die üblich melancholische Moonspell Live-Stimmung.  Kurz darauf kommt auch der Rest der Band auf die Bühne und wird vom Publikum lautstark begrüßt.

Wie sich schnell herausstellen wird, steht die heutige Show ganz im Zeichen des neuen, monumentalen Machwerks „1755“, welches sich mit dem schweren Erdbeben beschäftigt, das Lissabon im Jahr 1755 heimsuchte. Der ein oder andere mag das gewagt finden, ist das Album doch komplett in portugiesischer Sprache verfasst und thematisch auch nicht unbedingt leichte Kost. Doch alle Bedenken zerstreuen sich umgehend, als Moonspell dann fulminant den ersten Song „Em Nome Do Medo“ anspielen. Sofort haben die Portugiesen das Osnabrücker Publikum voll im Griff und die apokalyptische Stimmung des Albums überträgt sich direkt auf die Anwesenden. Auch das wuchtige „1755“, bei welchem Fernando Ribeiro eine unheimlich wirkende Pestmaske trägt, kommt gut an. Dabei kann die Band neben einer guten Lichtshow und der guten Bühnenperformance auch von einem ausgewogenen und druckvollen Sound profitieren. Zur Mitte des Gigs hat man dann mit „Night Eternal“ und „Opium“ zwei ältere Stücke eingestreut, die vom Publikum nicht minder abgefeiert werden. Abgeschlossen wird dieser richtig gute Auftritt von den Klassikern „Alma Mater“ und „Full Moon Madness“, welches von Wolfsgeheul eingeleitet wird und noch einmal deutlich macht, wie stark die Portugiesen derzeit sind.

Auch Cradle Of Filth sind heute verdammt gut drauf und erwischen einen guten Start. Nach dem „Ave Satani“-Intro geht die Truppe mit „Gilded Cunt“ sofort in die Vollen und macht unmissverständlich klar, dass heute keine Gefangenen gemacht werden. Auch der „Cruelty And The Beast“ Knaller „Beneath The Howling Stars” tritt ordentlich Arsch und fegt wie ein Hurricane durch den Osnabrücker Hyde Park. Danni Filth ist bestens bei Stimme und sorgt mit seinen mal kreischenden und mal dunkel sägenden Vocals für Gänsehaut-Feeling. Wunderbar unterstützt wird er dabei von Lindsay Schoolcraft, die neben den Keyboards auch immer wieder mit ihrer Stimme glänzen kann. Die beiden Gitarristen Rich Shaw und Ashok trollen derweil wild von links nach rechts über die Bühne und sorgen mit ihren Animationen und im Falle von Rich Shaw mit ulkigen Grimassen für zusätzliche Unterhaltung im Publikum.

Erst an vierter Stelle nach dem Intro findet sich mit „Heartbeat And Seance“ ein Stück des aktuellen Albums „Cryptoriana: The Seductivness Of Decay“ ein. Überhaupt legen Cradle Of Filth im Gegensatz zu Moonspell weniger Gewicht auf die neue Platte, sondern liefern lieber einen bunten Mix aus der umfangreichen Discographie. Neun verschiedene Alben sind heute in der Setlist vertreten, was vor allem auch den Fans der älteren Scheiben gefallen dürfte. Der erste Teil der Show endet dann mit „You Will Know The Lion By His Claw“, nach welchem die Band auch die Bühne verlässt.

Der zweite Teil der Show wird mit dem Intro „A Bruise Upon The Silent Moon“ vom 2003er Album „Damnation And A Day“ eingeleitet, bevor die pfeilschnellen Gitarrenriffs und die spitzen Schreie von Danni Filth in „The Promise Of Fever“ erneut über die Zuschauer hereinbrechen. Und nachdem Danni den Osnabrückern dann vorhält, dass das heute der erste Gig auf der Tour sei, bei dem es noch keinen Circle Pit gegeben hätte, kommt auch langsam Bewegung in die Meute. Nun ist das Publikum auch bereit für das große Finale, welches mit „Nymphetamine (Fix)“ und „Her Ghost In The Fog“ natürlich noch einmal zwei Überhits der Band in petto hat.

Damit geht ein richtig guter Konzertabend standesgemäß zu Ende. Beim abschließenden Outro: „Blooding The Hound Of Hell” verabschiedet sich die Band ordentlich von den Osnabrückern und erntet den verdienten Beifall. Das Publikum hat bekommen, was es wollte und ist durchweg gut gelaunt. Und so blickt man beim Herausgehen in zufriedene Gesichter, wohin man auch schaut.

Setlist Moonspell

  1. Intro
  2. Em Nome Do Medo
  3. 1755
  4. Desastre
  5. In Tremor Dei
  6. Night Eternal
  7. Ruinas
  8. Opium
  9. Evento
  10. Todos OS Santos
  11. Alma Mater
  12. Full Moon Madness

Setlist Cradle Of Filth

  1. Intro: Ave Satani
  2. Gilded Cunt
  3. Beneath The Howling Stars
  4. Blackest Magick In Practice
  5. Heartbreak And Seance
  6. Bathory Aria
  7. Dusk And Her Embrace
  8. The Death Of Love
  9. You Will Know The Lion By His Claw
  1. Intro: A Bruise Upon The Silent Moon
  2. The Promise Of Fever
  3. Achingly Beautiful
  4. Nymphetamine (Fix)
  5. Her Ghost In The Fog
  6. Born In A Burial Gown
  7. Outro: Blooding The Hound Of Hell
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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