Festivalbericht Rockharz Open Air 04.07. - 07.07.2018, Flugplatz Ballenstedt

Vorbericht Rockharz Festival 2018

Happy Birthday Rockharz. Das kultige Festival, das nun bereits zum zehnten Mal am Fuße der Teufelsmauer in Ballenstedt stattfindet, feiert seinen 25ten Geburtstag. Hierzu hat man keine Kosten und Mühen gescheut und ein tolles Billing zusammengestellt. An insgesamt vier Festivaltagen feierten rund 17.000 Besucher eine Wahnsinns-Metal Party. Dabei hieß es bereits im April (so früh wie noch nie) „Sold Out“.

Dienstag

Die Anreise am späten Dienstagnachmittag verläuft problemlos und ohne längere Wartezeiten. Uns fällt aber bereits bei der Anfahrt auf das Festival auf, dass ein Großteil des Campinggeländes bereits jetzt voll ist. Die Dienstagsanreise hat sich spätestens in diesem Jahr komplett durchgesetzt. Größere Gruppen dürften es am Mittwoch wohl schwer haben, noch einen Platz zu finden. Glücklicherweise gibt es da die Möglichkeit, Plätze zu reservieren, was gut funktioniert und von den Besuchern auch entsprechend angenommen wird.

Mittwoch

Das Schöne an der Dienstagsanreise ist ja, dass man es am ersten Festivaltag ruhig angehen lassen kann. So wird erst einmal in aller Ruhe gefrühstückt, ein Bier getrunken und ein wenig die nähere Umgebung erkundet. Viele Besucher nutzen die Zeit wieder für einen Ausflug zur Teufelsmauer, von der man einen wunderbaren Blick auf das gesamte Campinggelände hat. Selbst die knallende Sonne und die heißen Temperaturen halten die Besucher nicht davon ab.

Um halb fünf geht es dann endlich auch musikalisch zur Sache. Die Briten Monument rocken mit ihrer energiegeladenen NWOBHM Show derbe einen runter. Mit „Hellhound“ vom gleichnamigen, aktuellen Album geht es los. Dabei animiert Sänger Peter Ellis immer wieder zum Mitmachen und wirkt in seinem Stageacting ein wenig so, wie ein gewisser Bruce Dickinson. Ganz stark. Auch musikalisch ist die Nähe zu Iron Maiden aufgrund vieler bekannter Trademarks nicht zu verleugnen. Und das ist durchaus positiv gemeint, denn die Jungs verstehen es, klassische Elemente erfrischend und mit viel Enthusiasmus vorzutragen. Das merkt man auch beim abschließenden „Attila“, welches noch einmal volle Kanne nach vorne prescht. Toller Auftakt für das Festival.

Auch später am Abend, als die Sonne nicht mehr zu erbarmungslos herunterknallt, wird es wieder klassisch. Und zwar in Form von Ross The Boss. Die Band um Manowar-Gründungsmitglied Ross „The Boss“ Friedman liefert nämlich eine astreine Manowar Old-School Show ab, die fast nur aus Songs der ersten sechs Manowar-Alben besteht. Und so werden die Arme zum Manowar-Zeichen verschränkt, als die ersten Töne von „Blood Of The Kings“ aus den Boxen erschallen. Bei drückendem Sound und einer bestens aufgelegten Band reihen sich so Klassiker an Klassiker, die von den Fans vor der Bühne nach allen Regeln der Kunst abgefeiert werden. Leider scheint das Ganze viele Festivalbesucher, die etwas weiter hinten stehen nicht zu interessieren. Die Stimmung ist hier deutlich verhaltener. Einige können nicht einmal etwas mit dem Namen anfangen. Das ist schon etwas traurig. Doch spätestens beim Finale mit „Battle Hymns“ und „Hail And Kill“ sind dann wieder alle dabei und grölen laut mit.

Kommen wir nun aber zum absoluten Highlight des Tages und vielleicht sogar des gesamten Festivals. Die Essener Thrash-Metal-Urgesteine Kreator schicken sich an, das Rockharz in Schutt und Asche zu legen. Bereits beim Opener „Phantom Antichrist“ werden ordentlich Bengalos abgefackelt, die die Bühne damit in tiefrotes Licht hüllen. Das Gelände ist bis zu den FOH-Türmen gut gefüllt und es recken sich zahlreiche Pommensgabeln gen Bühne. Da kommt Milles Aufruf zur „totalen Zerstörung“ genau recht. Mit anderen Worten, es geht richtig ab vor der Bühne. Natürlich dürfen auch Wall Of Death und Circle Pits nicht fehlen. Und so wird beinahe jeder Song frenetisch abgefeiert. Dabei ist es vollkommen gleich, ob pfeilschnelle Thrashnummern wie „Enemy Of God“ oder eher epischere Nummern wie „Hail To The Hordes“ aus den Boxen dröhnen. Weiter hinten mag es für den ein oder anderen vielleicht etwas zu leise sein. Dafür kann man von hier aus aber die imposante Bühnenshow bestens betrachten. Kreator haben hier wirklich mächtig aufgefahren. Fettes Licht, passende Animationen und Videosequenzen paaren sich mit jeder Menge Pyroeffekten und Lamettasalven. Auch das riesige Dämonen-Backdrop bei „Satan Is Real“ sorgt bei einigen Fans für offene Münder.

Doch nicht nur die Show ist einfach genial, auch die Band selbst weiß wieder einmal auf ganzer Linie zu überzeugen. Mit seiner herzlichen, direkten Art hat Frontmann Mille das Publikum im Nu im Griff und zieht es eindrucksvoll in seinen Bann. Ganz besonders gut kommt an, als Mille den Song „Fallen Brother“ all den viel zu früh gegangen Metal Heroes (u.a. Lemmy und Vinnie Paul) widmet. Und so wird man schon fast ein wenig wehmütig, als Mille mit den obligatorischen Worten „seid ihr jetzt bereit euch gegenseitig umzubringen?“ das letzte Lied „Pleasure To Kill“ ansagt. So geht Heavy Metal und so geht Headliner. Damit liegt die Latte für den besten Gig des Festivals schon einmal verdammt hoch.

Donnerstag

Der zweite Festivaltag beginnt für mich mit den Schweizern Cellar Darling, die sich bereits über ein etwa zu einem Drittel gefülltes Infield freuen können. Die Truppe um Sängerin Anna Murphy (Ex-Eluveitie) macht eine gute Figur und kann das Publikum trotz der jetzt schon ziemlich heftig herniederbrennenden Sonne zum Klatschen animieren und sorgt für gut Stimmung. Auch stimmlich ist die Sängerin voll auf der Höhe und weiß bei Stücken wie „Avalanche“ oder „The Hermit“ vom Debütalbum „This Is The Sound“ zu überzeugen.

Weiter geht es mit Nothgard, die ab 13:00 Uhr auf der Rock Stage ein heftiges Gewitter aus Melo-Death und Folk-/Pagan-Einflüssen durchziehen lassen. Da kommt es nur allzu gelegen, dass der Wind etwas auffrischt und die Temperaturen insgesamt etwas angenehmer erscheinen. Direkt vor der Bühne geht es indes ungleich heißer zu. Nach dem Intro folgt mit „Draining Vains“ sofort ein Knaller des 2016er Albums „The Sinner’s Sake“, der direkt für Bewegung sorgt. Im weiteren Verlauf spielt die Band eine bunte Mischung an Songs und vergisst dabei auch ihr Debütalbum „Warhorns Of Midgard“ nicht. Die Fans danken es den Jungs aus Deggendorf mit jeder Menge Pommesgabaln und einigen Circle Pits.

Bei Skalmöld ist gefühlt vielleicht etwas weniger los als zuvor bei Nothgard, was der Party vor der Bühne allerdings keinen Abbruch tut. Bei richtig fettem Sound feiern die Isländer eine ausgelassene Viking Metal Party mit ihren Fans. Von Anfang an interagiert die Band hervorragend mit ihren Fans und sorgt so dafür, dass die Metalheads vor der Bühne jeden Quatsch mitmachen. Moshpits und Crowdsurfer kennt jeder, aber dass man sich bei einem Metalkonzert auf den Boden setzt, um zu rudern, ist schon was Besonderes. Da bleibt mir nur ein respektvolles „Huh“.

Die Grailknights haben sich von Dr. Skull mal wieder den Heiligen Gral abnehmen lassen. Und zu allem Überfluss hat Dr. Skull auch noch die mächtige Festung Castle Grailskull eingenommen. Es bleibt den Jungs also nichts anderes übrig, als wieder einmal ihren Rockharz Battlechoir zu aquirieren und mit ihm zusammen zum Gegenschlag auszuholen. Das funktioniert auch von Anfang an sehr gut. Mit „Pumping Iron Power“ und „Laser Raptor“ legen die Grailknights fulminant los. Und weil den Jungs aus Grailham City der Antwortgesang „Yes Sire“ irgendwie auf Dauer langweilig wird, fordern sie ihren Battlechoir einfach auf, stattdessen wie ein Hirsch zu röhren, was sehr lustig wirkt. Ganz im Gegensatz zum Laser Raptor Move, der ziemlich scheiße aussieht, wie auch Frontmann Sir Optimus Prime erkennen muss. Während des Gigs kommt Dr. Skull immer mal wieder auf die Bühne, um die Grailknights einzuschüchtern, wird jedoch vom Battlechoir jedes Mal durch lautes Buhen wieder in die Flucht geschlagen. Und nach erfolgreichen „Grailrobics“ sind dann auch die Mannen auf der Bühne bereit, sich ihrem Erzfeind zu stellen. In einer epischen Schlacht kann der heilige Gral dann schließlich zurückgewonnen und Castle Grailskull zurückerobert werden. Beschlossen wird die Schlacht dann standesgemäß mit „Grailquest Gladiators“. Die Grailknights liefern wieder mal eine amüsante Show ab. Einziger Kritikpunkt: Die Bierstute Zapf Beauty war heute nicht dabei.

Bei Equilibrium wird es dann so richtig heiß. Nicht nur, dass bereits beim ersten Song „Prey“ mächtige Feuersäulen in die Höhe steigen. Auch vor der Bühne steigt die Temperatur. Die Meute springt und klatscht und lässt sich bereitwillig von Sänger Robse zum Mitmachen animieren, sodass sich eine große Staubwolke über die Menge erhebt. Da kommt die Abkühlung in Form eines großen Feuerwehrschlauches genau richtig. Egal ob Mosher, Crowdsurfer oder Fotograf. Alle bekommen eine ordentliche Dusche ab und haben dabei jede Menge Spaß. Auch die Wall Of Death zu „Verbrannte Erde“ kracht voller Wucht zusammen und lässt die Energie der Fans spürbar werden. So vergeht die Zeit wie im Fluge, wovon letzten Endes auch die Band überrascht wird. Denn kurz nachdem Equilibrium zu ihrem letzten Song „Born To Be Epic“ ansetzen, wird der Band der Strom abgestellt. Das Ende der Spielzeit ist erreicht und der Song darf nicht mehr gespielt werden. Das ist zwar schade, aber notwendig, um den straffen Zeitplan einhalten zu können. Auf der anderen Bühne warten nämlich schon Tom Angelripper und seine Mannen von Sodom. Die Truppe wirkt optisch zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, hat sich doch kürzlich wieder mal das Besetzungskarussell gedreht. Musikalisch lassen die Herren Blackfire (Gitarre), Husky (Schlagzeug), Segatz (Gitarre) und Angelripper aber keinen Zweifel daran, dass hier eine deutsche Thrash-Metal-Institution auf der Bühne steht. Neben ein paar neueren Stücken gibt es jede Menge Klassiker wie „Sodomy And Lust“, „Outbreak Of Evil“ und natürlich „The Saw Is The Law“. Dabei kommt Tom immer wieder an den Bühnenrand und fordert die Fans zu Circle Pits usw. auf, was diese nur allzu gerne machen. Richtig fett abgefeiert werden dann natürlich „Remember The Fallen“ und „Bombenhagel“. Den Abschluss des Gigs bietet dann eine metallisierte Version der deutschen Nationalhymne. Und auch die wird von den Fans lautstark mitgesungen.

Auch Amorphis sind heute gut aufgelegt und eröffnen ihren Auftritt mit „The Bee“ vom aktuellen Album „Queen Of Time“. Und auch, wenn es eigentlich noch viel zu hell für den atmosphärischen Metal der Finnen ist, kommt die Band beim Publikum wirklich sehr gut an. Das liegt nicht zuletzt am charismatischen Sänger Tomi Joutsen, der unheimlich gut mit seinen Fans interagiert und sich auf der Bühne sehr agil zeigt. Von der Songauswahl her zeigt sich der Band heute recht variabel. Nach einigen neueren Songs wie „The Golden Elk“ oder auch „Sacrifice“ vom 2015er Album „Under The Red Cloud“ gibt es im Mittelteil des Gigs auch noch ein paar Klassiker der Bandgeschichte auf die Ohren. Dabei werden ganz besonders „Against Widows“ and „The Castaway“ richtig derbe abgefeiert. Das Publikum klatscht, und hier und dort sind auch einige Crowdsurfer zu sehen. Insgesamt ein sehr guter Gig.

Eine ausgelassene Mittelalter-Folk-Party feiern dann Schandmaul mit ihren Fans. Wird die Band beim Opener „Vor der Schlacht“ von ihren Anhängern noch etwas verhalten beobachtet, geht es beim nächsten Song „Narrenkönig“ dann in die Vollen. Es wird getanzt, geklatscht und aus vollem Halse mitgesungen. Auch „Leuchtfeuer“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2016 wird überraschend gut abgefeiert. Mit „Bunt und nicht braun“ zeigen Schandmaul dann einmal mehr klare Kante gegen Hass und Rassismus, auch wenn man laut Sänger Thomas Lindner hier die eigentliche Zielgruppe für diesen Song nicht antreffen werde. Auch im weiteren Verlauf legt die Band einen tollen Gig hin, der Stücke aus der gesamten Bandhistorie beinhaltet. Sogar der allererste Song von Schandmaul „Henkersbraut“ wird zum Besten gegeben. Dazu flachst Lindner herrlich mit dem Publikum herum und lässt die Menge beispielsweise beim Arme-über-dem-Kopf-hin-und-her- schwanken mittendrin plötzlich anhalten, was ziemlich witzig aussieht. Mit der Zombie-Slowmotion-Variante beweist die Band zudem eindrucksvoll, wie man sich ganz vortrefflich zum Affen machen kann.

So folgt Hit auf Hit und alle haben eine richtig gute Zeit. Sei es nun bei „Vogelfrei“ zu dem das Publikum zunächst in die Hocke geht und dann hochspringt oder bei Partyhymne schlechthin „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“, zu der sich dann auch wieder reichlich Crowdsurfer auf den Weg machen. Zum Ende gibt es dann natürlich noch die obligatorische „Walpurgisnacht“, obwohl man dafür ja laut Lindner schon zu spät sei. Abgefeiert wird sie trotzdem. Mit der zuckersüßen Schnulze „Dein Anblick“ geht dieser wirklich gute Schandmaul Gig dann zu Ende und hinterlässt fast durchweg fröhliche Gesichter.

Und dann ist es auch schon Zeit für die „einzige Heavy Metal Messe in ganz Europa“, denn Powerwolf stehen schon parat. Die stilvoll dekorierte Bühne, die neben Erhöhungen und Treppen auch wechselnde Backdrops beinhaltet, macht schon einmal mächtig was her. Dazu liefert die Band bei fettem Sound, geiler Lichtshow und mächtigen Pyro-Effekten eine verdammt geile Show mit einem bunten Strauß bekannter Powerwolf-Melodien ab. Von „Blessed And Possessed“ über „Ressurrection By Errection“ bis hin zu „We Drink Your Blood“ wird kaum ein Knaller ausgelassen. Dabei knüpft sich Sänger Attila Dorn sein Publikum von Anfang an so richtig vor. Immer wieder animiert er es zum Mitmachen und übt die Mitsingparts akribisch ein. Das Rockharz-Publikum macht dies indes so gut, dass der Sänger zwischenzeitlich sogar für einen kleinen Moment scheinbar seinen Akzent vergisst. Zwischendrin gibt es mit „Demons Are A Girl’s Best Friend“ und „Fire And Forgive“, zu dem Attila Dorn mit einem kleinen Flammenwerfer hantiert, auch schon mal zwei neue Songs auf die Ohren. Und so vergeht die Zeit viel zu schnell, bis der charismatische Frontman mit „Lupus Dei“ den letzten Segen des Abends spricht. Doch auch beim letzten Song geben Band und Fans noch einmal alles. Powerwolf sind nach wie vor ein Erlebnis und bieten nicht nur was für die Ohren, sondern eben auch was für die Augen.

Den fulminanten Schlusspunkt des Tages setzen dann Mr. Hurley & Die Pulveraffen, unsere Lieblingspiratenband aus dem karibischen Osnabrück. Bereits im Vorjahr konnte die Truppe mit ihrem Aggro-Shanty auf der ganzen Linie abräumen. Und auch heute ist es noch richtig voll vor der Bühne, als es nach dem Intro mit „Tortuga“ sofort hoch her geht. Hier steckt selbst zu so später Stunde noch jede Menge Energie im Publikum, die sich in einer ausgelassenen Piratenparty entlädt. Der Soundtrack zu dieser Party beinhaltet alle Klassiker der Spaßmucker und sorgt für beste Stimmung vor der Bühne. Egal, ob nun „Achtung fertig, Prost“, „Schrumpfkopf im Rumtopf“ oder das mit dem obligatorischen Pöbelsolo garnierte „Ach Ja!?“ angestimmt wird, das Rockharz-Publikum ist voll dabei. Das Highlight folgt aber natürlich zum Schluss, als die Truppe zu einem Irish Folk Medley ansetzt und darin diverse Rock- und Popsongs wie „The Final Countdown“, „Barbie Girl“ oder „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ von Die Kassierer einwebt. Und natürlich darf bei einem Konzert von Mr. Hurley & Die Pulveraffen auch „Blau wie das Meer“ nicht fehlen und wird noch einmal nach alles Regeln der Kunst abgefeiert. Es scheint also, dass so eine Spaß-Band der perfekte Abschluss für einen Festivaltag ist. Trueness hin oder her.

Freitag

Obscurity können sich über eine ansehnliche Menge Fans vor der Bühne, als sie in ihren Gig starten. Martialisch und mit viel Power legen die Jungs aus dem Bergischen Land los und sorgen mit Songs wie „Streitmacht Bergisch Land“ oder „793“ für mächtig Bewegung im Pit und für eine Staubwolke über der Meute. Etwas störend ist der heftige Wind, der einiges vom Sound wegträgt und damit den Hörgenuss etwas trübt. Das ist aber erträglich und spätestens als Sänger Agalaz beim abschließenden „Bergischer Hammer“ die Nähe zu den Fans sucht und den Song von der Bühnenabsperrung aus singt, sind sowieso alle wieder versöhnt. Ein Einstand nach Maß für den ersten Auftritt von Obscurity auf dem Rockharz überhaupt. Schade nur, dass die Jungs lediglich 35 Minuten Spielzeit haben.

Den Jungs von Crematory hat man ihre Aussagen im Zuge der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Oblivion“ wohl noch nicht so richtig verziehen. Es haben sich zwar eine ganze Menge Menschen vor der Bühne eingefunden, so richtig Stimmung will aber nicht aufkommen. Ob das nun an der Setlist liegt, die sich überwiegend auf die jüngere Bandgeschichte konzentriert, oder an den auf Dauer recht nervigen Ansagen von Sänger Felix mag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall kommt die Truppe heute nicht so richtig aus dem Quark. Dazu kommt, dass auch hier wieder ein starker Wind weht, der dem Sound einmal mehr zusetzt. Ein paar Hartgesottene feiern und klatschen dennoch. Stimmung kommt eigentlich erst auf, als Crematory ihren All-Time-Klassiker „Tears Of Time“ auspacken. Vielleicht hat sich diese Band einfach erledigt.

Ganz anders kommen da Amaranth rüber. Der sehr elektronisch geprägte Power Metal klingt zwar schon etwas eigenwillig, kommt aber bei den Fans gut an. Außerdem ist die Truppe enorm agil auf der Bühne und animiert immer wieder zum Mitmachen. Frontfrau Elize Ryd ist bestens bei Stimme und wird zudem von zwei männlichen Sängern unterstützt. Drei Sänger bzw. Sängerinnen in einer Band gibt es auch nicht alle Tage zu sehen. Ich muss gestehen, dass ich die Truppe bislang immer nur am Rande wahrgenommen habe. Auf dem Rockharz hat die Band aber ihre Fans, die zudem auch textlich voll auf der Höhe sind und aus vollem Halse mitsingen.

Bei Battle Beast kommt dann wieder der Feuerwehrschlauch zum Einsatz. Insgesamt ist es heute zwar nicht ganz so warm, wie an den Tagen zuvor, die Abkühlung wird von den Fans jedoch stürmisch begrüßt. Auch die Finnen um Frontfrau Noora Louhima bekommen tosenden Applaus, als sie nach dem Intro auf die Bühne kommen und mit „Straight To The Heart“ direkt von Null auf Hundert gehen. Auch im weiteren Verlauf des Gigs geben Battle Beast alles und liefern ein bunt gemischtes Set mit Schwerpunkt auf dem aktuellen Album „Bringer Of Pain“ ab. Höhepunkte sind natürlich „Bastard Son Of Odin“, „Out Of Control“ und der Überhit „Black Ninja“. Während des kompletten Gigs strecken sich immer wieder jede Menge Pommesgabeln der Bühne entgegen. Einige der Crowdsurfer werden von den Grabenschlampen unterdessen sehr großzügig mit dem Wasserschlauch bedacht. Dass die Band auch Balladen kann, beweist sie eindrucksvoll mit dem gefühlvollen „Far From Heaven“, zu der das Publikum die Arme von links nach rechts schwenkt. Als kleines Schmankerl streut die Truppe dann noch ein wenig Ensiferum ein. Die Landsleute von Battle Beast haben sich verspätet, weswegen die Running Order geändert werden muss und der Gig von Ensiferum erst zu nächtlicher Stunde stattfinden kann. Mit dem mitreißenden „Beyond the Burning Skies“ geht der Aufritt dann zu Ende.

Wie bereits erwähnt, kommt es dann aufgrund von Anreiseproblemen bei Ensiferum zu einer Änderung der Running Order. Hier noch mal ein Lob an die Veranstalter, die das wirklich zügig und souverän kommunizieren. Sowohl als Ansage von der Bühne als auch über die sozialen Netzwerke wird die Nachricht verbreitet. Zudem schafft es noch eine neue Band auf die Running Order. Bierpause hat heute ihren ersten (und vermutlich auch wohl einzigen) Auftritt auf dem Rockharz Open Air.

Und was passt nach einer Bierpause besser als mit dem schottischen Biergewitter Alestorm weiter zu machen. Das denken sich auch wohl viele der Rockharz-Besucher und füllen das Infield bis zu den FOH-Türmen ordentlich. Außerdem trollen sich nun auch vermehrt lustig angezogene Piraten und andere Gestalten auf dem Gelände. Der König unter ihnen ist übrigens ein Typ, der schon seit einiger Zeit ständig mit einer Melodica über das Gelände läuft und mal dieses, mal jenes Stück mitspielt. Aber zurück zu Alestorm. Die haben mal wieder das Bananenenten (oder ist es eine Gans?)-Backdrop dabei. Passend dazu ziert eine überdimensionale Quietscheente die Bühne. Na, da dürfte klar sein, wo die Reise hin geht. Die Piraten um Chris Bowes feiern mit ihren Fans eine fette, bierseelige Party, reisen nach „Mexico“, nehmen einen Drink im „Sunken Norwegian“ und besingen mit dem Taio Cruz Cover „Hangover“ den Tag danach. Dazu strecken sich der Band neben unzähligen Pommesgabeln eine ganze Menge Plastiksäbel entgegen. Höchste Zeit für „Captain Morgan’s Revenge“, wozu noch eine feine Wall Of Death veranstaltet wird. Zum Ende erklärt Bowes noch, warum er eigentlich hier ist („We are here to drink your beer“) und stimmt mit „Drink“ den nächsten Partyhit an. Hierzu darf dann auch die Gummiente von der Bühne ein Bad in der Menge nehmen. Alestorm wissen wirklich, wie man eine fette Party feiert, und auch wenn es am Anfang wieder einige Soundprobleme gab, so gehört dieser Auftritt doch mit zu den besten des Tages.

Mit einem Motto, das treffender nicht sein könnte, geht der heutige Headliner an den Start. Bereits vor einem Jahr wurde die „Harz on Fire“ Show von Hammerfall angekündigt. Und die Schweden halten, was sie versprochen haben. Bei richtig gutem Sound und einer klasse Lichtshow liefern Joacim Cans und seine Mannen einen Auftritt der Extraklasse. Los geht es mit „Hectors Hymn“, was von den Fans heftig bejubelt wird. Auch weitere Songs der Marke „Riders On The Storm“, „Blood Bound“ oder “Any Means Necessary” werden heftigst abgefeiert. Dazu feuert die aufgebaute Pyro-Batterie aus allen Rohren, was beim Publikum bestens ankommt. Kurzum, Cans, Dronjak und Co. liefern den perfekten Soundtrack für die Rockharz-Geburtstagsparty. Doch auch Hammerfall hat was zu feiern. Vor zwanzig Jahren wurde das Album „Legacy Of Kings“ veröffentlicht und wird daher mit einem flotten Medley in der Setlist bedacht. Abgeschlossen wird das reguläre Set dann mit „Let The Hammer Fall“. Doch damit ist der Gig noch nicht vorbei. Mit „Hammer High“ starten die Schweden eindrucksvoll in den Zugabenblock. Das liegt vor allem auch an den mächtigen Feuersäulen, die dieses Mal nicht nur von der Bühne aus, sondern auch von den beiden FOH-Türmen in die Höhe schießen und damit das Infield ganz schön zum Schwitzen bringen. Und natürlich darf auch „Hearts On Fire“ nicht fehlen. Hier wird noch einmal richtig Gas gegeben und ordentlich gekokelt. Erst als eine der beiden Feuersäulen an den FOH-Türmen nicht mehr funktioniert, geht dieser fantastische Gig so langsam dem Ende zu.

Nach dieser fulminanten Show scheinen es Versengold schwer zu haben. Doch die Bremer Folkrocker lassen sich davon nicht beeindrucken und liefern eine solide Show ab. Auch können sie sich noch über eine ansehnliche Menge vor der Bühne freuen. Mit einer bunten Mischung an Stücken aus ihrer gesamten Schaffensphase sorgt die Truppe für Bewegung. Und dabei scheinen die Zuschauer keinesfalls müde zu sein, sondern feiern mit Versengold eine berauschende Party. Höhepunkt ist dabei tatsächlich das Schlusslied „Ich und ein Fass voller Wein“, bei welchem sich die Zuschauer singend und schunkelnd in den Armen liegen.

Nachts um 1.00 Uhr dürfen Ensiferum dann endlich ihren Gig nachholen. Leider hat sich das Infield bereits merklich geleert, als die Finnen mit „Ajattomasta Unesta“ vom 2017er Album „Two Paths“ in ihren Auftritt starten. Petri Lindroos und seine Kollegen nehmen es mit Fassung und liefern dennoch eine gute, energiegeladene Show ab. Auch die verbliebenen Fans feiern, klatschen und haben eine gute Zeit. Auch „For Those About To Fight For Metal“, „Way Of The Warrior“ oder “Two Of Spades” sorgen vor der Bühne noch einmal für Bewegung. Und so dürfen die Grabenschlampen auch noch zu so später Stunde noch etliche Crowdsurfer in Empfang nehmen, was sie übrigens wieder einmal hervorragend machen. Von Müdigkeit ist auch beim Publikum noch nichts zu spüren. Das beweisen die Zuschauer dann auch noch einmal eindrucksvoll beim Doppelschlag aus „Lai Lai Hei“ und „Iron“, wozu kräftig gesprungen, gesungen und geklatscht wird. Selbst beim Outro wird noch ein wenig weitergetanzt.

Und wen jetzt die Müdigkeit oder die Kälte (es ist mittlerweile arschkalt) noch nicht zurück ins Zelt getrieben hat, der darf noch ein wenig Eisregen lauschen. Die Thüringer sind gewohnt gut drauf, haben die Bühne nur spartanisch mit einer thüringischen Landesflagge dekoriert und haben wieder eine illustre Auswahl ihrer makabren Songs mit im Gepäck. Dabei kommen neue Stücke wie „Satan liebt dich“ oder „Onkel Fritze“, die Geschichte des Hannoveraner Serienmörders ebenso gut an, wie Klassiker der Marke „Eisenkreuzkrieger“ oder „Panzerschokolade“. Lautstark mitgesungen wird dann natürlich auch „1000 Tote Nutten“, welches von der Blutkehle wieder mit viel Inbrunst intoniert wird. Zum Ende führt der Sänger noch an, dass man der Band zwar verbieten könne bestimmte Lieder zu singen, aber nicht, aus diesen Liedern ein Medley zu machen. So folgt also „13 Russische Krebsschweine“ bestehend aus Teilen der Songs „Dreizehn“, „Meine Tote Russische Freundin“, „Futter Für Die Schweine“ und „Krebskolonie“. Zu guter Letzt gibt es dann die von den Fans lautstark geforderte „Elektrohexe“. Und damit geht der dritte Festivaltag auf dem Rockharz düster, kalt und schaurig zu Ende.

Samstag

Der letzte Festivaltag auf dem Rockharz beginnt wieder sonnig und heiß. Die Sonne knallt unbarmherzig hernieder und lässt die Festivalbesucher schwitzen. In der Nähe des Festivalgeländes kommt es aufgrund der extremen Trockenheit sogar zu einem Feldbrand. Glücklicherweise verhalten sich die Besucher des Rockharz Open Airs in Bezug auf Grills, Gaskocher usw. extrem vorbildlich, sodass die Feuerwehr an diesem Wochenende keine Brände auf dem Gelände löschen muss.

Die Jungs von Skyclad stört die Hitze anscheinend herzlich wenig. Als eine der ersten Folk-Metal-Bands überhaupt liefern die Briten einen kurzweiligen Auftritt mit mal lustigen, mal nachdenklichen Songs ab und scheinen dabei ordentlich Spaß zu haben. Geigerin Georgina Biddle hüpft mit ihrer Fidel von links nach rechts über die Bühne und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd. Auch Sänger Kevin Ridley ist nicht nur gut bei Stimme, sondern animiert die Zuschauer auch immer wieder zum Tanzen, Klatschen und Springen. Er führt an, dass sie vor 17 Jahren schon einmal auf dem Rockharz waren und schon damals viel Spaß hatten. Auch einer der Besucher war damals schon dabei und feiert das mächtig ab. Leider ist das Infield jedoch sonst noch etwas mau gefüllt, sodass die Folk Party in einem kleineren Rahmen stattfinden muss. Der Stimmung und Intensität tut das jedoch keinen Abbruch. Und so ernten die Jungs auch ihren wohlverdienten Applaus.

Bei Trollfest stelle ich mir manchmal die Frage, ob es auch Menschen gibt, die sich ihre CDs zu Hause im Wohnzimmer anhören. Und wenn ja, sitzen die dann ruhig auf der Couch? Ich kann es mir jedenfalls nur schwer vorstellen. Live hingegen ist die Band immer wieder ein Partyknaller. So auch heute. Lustig bemalt und mit reichlich Luftballons dekoriert kommt die Truppe auf die Bühne und wird sofort jubelnd begrüßt. Für alles Tanz- und Feierwütigen ist dieser Gig ein fantastisches Spektakel. Neben den Songs vom aktuellen Album „Helluva“ spielen die Norweger auch das beliebte Britney Spears-Cover „Toxic“, bei welchem es auch gut abgeht. Metaller springen, grölen, tanzen und veranstalten sogar eine Polonaise. Insgesamt kann man das Treiben vor der Bühne als absolutes Chaos bezeichnen. Das Wichtigste jedoch ist, dass alle jede Menge Spaß haben.

Auch bei Gloryhammer ist Spaß vorprogrammiert. Mit ihren spacigen Kostümen sind die Jungs auf der Bühne rein optisch schon mal ein Gewinn. Doch auch musikalisch lässt die Truppe um Frontmann Thomas Winkler nichts anbrennen und zeigt mit „Legend Of The Astral Hammer“ schon mal, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Auch „Questlords Of Inverness, Ride To The Galactic Fortress“, zu dem sich dutzende Crowdsurfer gen Bühne bewegen und dort mal wieder Bekanntschaft mit dem Feuerwehrschlauch machen, zeigt einmal mehr das Partypotential dieser Band. Großartig. Beim Trinkwettbewerb vor „The Hollywood Hootsman“ könnte man kurzzeitig meinen, dort ständen Sabaton auf der Bühne. Aus dem Publikum erschallen jedenfalls die allseits bekannten „Noch ein Bier“-Rufe. Doch die verstummen schnell und bald tönt es aus tausenden Hälsen: „Hoots, Hoots, Hoots…“. Zum Ende gibt es dann natürlich noch den Doppelpack aus „Angus McFife“ und „The Unicorn Invasion Of Dundee“, was noch einmal den Rockharz-Chor beschwört und für reichlich Bewegung vor der Bühne sorgt.

Auf Die Apokalyptischen Reiter warten viele Besucher sehr gespannt. Nachdem die letzte Veröffentlichung „Tief. Tiefer“ aus dem Jahr 2014 von der Fanbase eher gespalten aufgenommen wurde, liefert die aktuelle Scheibe „Der Rote Reiter“ wieder mehr Reiter-Trademarks der alten Schule. Folgerichtig starten die Reiter ihren Gig auch mit „Wir sind zurück“ von eben jenem Album. Vor der Bühne geht es zunächst gut ab. Auch „Es wird schlimmer“ kommt gut an. Leider scheint Sänger Fuchs etwas in die Jahre zu kommen. Er wirkt routiniert, jedoch längst nicht mehr so ekstatisch wie früher. Außerdem kommt er ganz schön aus der Puste und stöhnt etwas erschöpft ins Mikrofon. Der Sound ist leider ziemlich mies. Mal ist das Keyboard weg, mal die Gitarre und bei „Seemann“ sind die von der Bühne geworfenen Bälle aufgrund des aufkommenden Windes in gefühlt zwei Sekunden im Backstagebereich verschwunden. Schade, Schokolade. Dafür klappt das Bootsrennen auf der Menge zu „Reitermania“ schon deutlich besser. Eins der zwei Boote ist am Ende des Tages gar mit zwei waghalsigen Reitermaniacs besetzt. Was mir zunächst nicht so richtig in den Kopf will ist, warum man bei einer Spielzeit von nur 60 Minuten noch ein Schlagzeugsolo einbauen muss. Etwas klarer wird das, als die Band bei „Der Rote Reiter“ in neuer Verkleidung auf die Bühne kommt. Ob das sein muss, weiß ich trotzdem nicht. Zumal dann auch noch ein ziemlicher düster depressiver Teil kommt, der vom Publikum auch eher abwartend aufgenommen wird. „The Fire“ vom 1999er Output „Allegro Barbaro“ hätte da ein Lichtblick sein können. Leider wird das Stück recht lieblos dargeboten und ist aufgrund des miesen Sounds auch kaum erkennbar. Nach dem Depri-Teil geht es zwar bei Songs wie „Friede Sei Mit Dir“, „Franz Weiss“ und „Herz In Flammen“ mit Crowdsurfern, Circle Pits und einer fetten Wall Of Death noch einmal zur Sache, so richtig können Die Apokalyptischen Reiter ihren heutigen Auftritt aber nicht mehr retten. Da fehlt mir heute einfach Energie und Enthusiasmus bei der Band. Die blicke ich doch mit etwas Wehmut auf die Gigs Anfang der 2000er Jahre zurück.

Bei Paradise Lost wird ziemlich schnell deutlich, dass die Engländer beileibe keine Festivalband sind. Mit dem Doppelpack aus „No Hope In Sight“ und „Blood And Chaos“ legen die Jungs gewohnt düster melancholisch los und ernten dafür auch den verdienten Applaus. So richtig Stimmung aufkommen will aber nicht, was auch wohl zu einem nicht unerheblichen Teil auf das ständige Knacken im Sound zurückzuführen ist. Darüber hinaus trägt auch der Wind wieder einiges an Sound weg. Nichtsdestotrotz recken sich der Band eine ganze Menge Pommesgabeln entgegen und Klassiker wie „As I Die“, „Forever Failure“ oder „Embers Fire“ werden laut mitgesungen und gefeiert. Am Ende ist es ein solider Gig einer charismatischen Band jedoch ohne wirklichen Höhepunkt.

Und damit kommen wir auch schon zum quasi inoffiziellen Headliner. Deutschlands meiste Band der Welt Knorkator feiert wieder einmal von Anfang an eine fette Party. Auf keinem anderen mir bekannten Festival funktioniert diese Band so gut wie auf dem Rockharz. Bis hinter die FOH-Türme wird wild getanzt, gesungen und gesprungen. Und dass sich fast durchgängig eine ganze Armada an Crowdsurfern in Richtung Bühne bewegt sei da nur am Rande erwähnt. Auf der Bühne liefern Stumpen, Alf Ator und Co. ihre gewohnt energetische Show ab und wissen mit einem bunten Strauß bekannter Knorkator-Melodien zu überzeugen. Bei „Der ultimative Mann“ dürfen dann die Fotografen mit auf die Bühne um „schöne Fotos“ zu machen. Kaum ist das Lied vorbei schmeißt Stumpen die Fotografen aber genauso schnell wieder von der Bühne, wie sie heraufgekommen sind. Alf Ators Sohn Tim Tom ist ja quasi schon ein alter Bekannter bei Knorkator-Gigs und so ist es nicht verwunderlich, dass er bei „Böse“ wieder einmal so richtig kräftig ins Mikro grunzen darf. Bevor es aber soweit ist, darf zunächst Stumpens Tochter Agnetha ran. Im Duett mit dem Papa singt sie ganz zauberhaft den Klassiker „Weg nach unten“. Zum Ende gibt es dann mit „Wir werden alle sterben“ und „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“ noch die erwarteten Rausschmeißer, die noch einmal richtig derbe abgefeiert werden.

Nach dem Knorkator-Gig pilgert dann bereits ein Großteil der Zuschauer in Richtung Ausgang. Von den Pissoirs am Ende des Geländes, kann man zudem schon jede Menge Rücklichter sehen. Viele Gäste machen sich anscheinend schon auf den Heimweg. Die bekommen dann auch die schöne, wenn auch vielleicht etwas zu lang geratene Dankesrede der Organisatoren nicht mehr mit. Zum 25-jährigen Jubiläum ehren die Veranstalter noch einmal einige Menschen, ohne die es das Festival heute nicht geben würde. Das sei ihnen auch gegönnt. Im nächsten Jahr kann das Ganze aber ruhig wieder etwas kürzer ausfallen.

Und dann ist es endlich soweit für den lang erwarteten Headliner In Flames. Doch es ist auf dem Gelände gefühlt schon verhältnismäßig leer, wenn man das mit dem Andrang bei Kreator, Hammerfall und Powerwolf and den Vortagen vergleicht. Wirklich verwundernd ist das aber auch nicht, hat die Band in der Szene doch längst nicht mehr das Standing wie noch bis Anfang der 2000er Jahre. Mit ihrer Abkehr vom traditionellen (Gothenburg Style) Melodic Death Metal und der Zuwendung zum Modern Metal bzw. Metalcore haben die Schweden nicht wenige ihrer alten Fans verloren.

Der heutige Gig beginnt indes vielversprechend. Mit „My Sweet Shadow“ haben In Flames sofort einen Knaller am Start. Dazu kommt eine mächtige Lichtshow mit jeder Menge Strahlern, Stroboskopen und eine riesigen LED-Wand. Der Sound ist druckvoll und gut ausgesteuert. Auch „Pinnball Map“ und „Cloud Connected“ gehen ordentlich nach vorne und sorgen für Bewegung auf und vor der Bühne. Abgesehen von der heute gänzlich fehlenden Pyro Show grundsätzlich also schon mal ganz ordentlich. Wäre da nicht der Gesang von Anders Friden. Zu neueren Stücke wie „Everything’s Gone“ oder „Here Until Forever“ mögen seine corelastigen Screams and Growls ja ganz gut passen, zu einem Melodic Death Metal Klassiker wie „Only For The Weak“ definitiv nicht. Darüber hinaus wirkt er heute auf mich irgendwie genervt. Fast so, als würde er sich darüber ärgern, dass bei In Flames weniger los ist, als bei Knorkator zuvor. Vielleicht liegt es daran, dass er sich während des kompletten 90-minütigen Auftritts zu gerade einmal zwei Ansagen hinreißen lässt. Im zweiten Teil des Auftritts verlassen sich In Flames dann fast vollständig auf Stücke aus ihrer jüngeren Schaffensphase und lassen dabei alles vor „Clayman“ vollkommen außer Acht. Schade eigentlich. Gerade bei einem Jubiläumsauftritt wie heute hätte ein Song wie „Behind Space“ oder „Episode 666“ wunderbar gepasst.

Und während Manntra mit Gastsänger Michael Rhein von In Extremo noch den abschließenden Rausschmeißer macht, pilgern die meisten Besucher zum Campground, um das Festival gemütlich ausklingen zu lassen.

Insgesamt war das Rockharz 2018 wieder ein voller Erfolg. Das Fazit fällt jedoch in diesem Jahr etwas differenzierter als in den Vorjahren aus. Zunächst einmal sei gesagt, dass das Festival mit seinen jetzt 17.000 Besuchern plus Tagesgästen seine Schmerzgrenze erreicht hat. Größer darf dieses Festival nicht werden. Bereits in diesem Jahr konnte man vereinzelt Schwierigkeiten bei der Versorgung im Infield erkennen. Bereits am Donnerstagnachmittag gab es an fast allen Theken keine 0,5l Becher mehr. Außerdem war die Stimmung vor den Theken teilweise schon sehr gereizt. Das überaus freundliche und hilfsbereite Thekenpersonal hat wirklich nach Kräften geackert, aber zu den Stoßzeiten fehlte es einfach an Theken. Ähnliches gilt für die Essensstände. Während der Paradise Lost-Gigs am Samstag beispielsweise gab es nicht einen Stand, bei dem sich keine lange Schlange bildete.

Darüber hinaus wurden auch einige Ankündigungen nicht umgesetzt. So sollte bei der Anreise auf dem regulären Campground besser eingewiesen werden. Trotzdem war es bereits am Dienstag extrem voll auf dem Gelände, sodass später Anreisende Mühe hatten, einen passenden Platz zu finden. Bei den reservierten Campgrounds funktionierte das hingegen sehr gut. Ein weiteres Problem war wieder einmal der Merchsstand. Am Mittwoch und Donnerstag, teilweise auch noch am Freitag, gab es stets eine große Traube vor dem Stand. Hier sollte es ein System geben um dieses Chaos zu verhindern. Leider gab es das nicht.

Das ist aber sicherlich Kritik auf hohem Niveau. Viele Dinge, wie zum Beispiel die Sauberkeit der Dixis, die Auswahl der Bands oder die Vielfalt an Speisen waren wieder einmal top. Auch das Flugzeug am Festivaleingang, welches sogar zu begehen war, kann als echtes Highlight bezeichnet werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Rockharz Open Air immer noch eine Perle unter den Festivals in Deutschland ist und das auch hoffentlich in Zukunft so bleibt. Die Größe ist gerade noch ok, und wenn noch ein wenig an den Details gefeilt wird, dann dürfte auch die 2019er Ausgabe des Festivals wieder eine entspannte und erfolgreiche Sache werden. Der Temin und die ersten Bands für nächstes Jahr stehen übrigens auch schon fest. Vom 03.-06. Juli 2019 werden euch unter anderem Children Of Bodom, Cradle Of Filth, Dragonforce, Epica, Grand Magus, Hämatom, Mono Inc., Nailed To Obscurity, Nervosa, Overkill, The Night Flight Orchestra, The Unguided und Wintersun wieder ordentlich einheizen. Letzte übrigens mit einer Special Show zum ersten Album “Wintersun“.

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