Festivalbericht Wacken Open Air 2019 01.08.-03.08.2019, Wacken Holy Ground

Flyer Wacken Open Air 2019

Wenn feierwütige Metalheads aus der ganzen Welt den Weg in die norddeutsche Provinz antreten, die selbsternannten Gralshüter des wahren Heavy Metal wieder über die Kommerzialisierung des Metals philosophieren und selbst Moderatoren bei N3 die Pommesgabel heben, dann ist wieder Zeit für das Wacken Open Air.

Seit nunmehr dreißig Jahren findet das Festival schon im beschaulichen 2000-Seelen-Örtchen Wacken statt. Und getreu dem Wahlspruch „See you in Wacken – Rain or shine“ feierten auch in diesem Jahr wieder 75.000 Metaller ein ausgelassene Metalparty.

Bei über 190 Acts auf neun Bühnen ist im Vorfeld des Festivals schon Einiges an Organisation und Planung gefordert. Sonst verliert man schnell den Überblick. Hier stellt die Wacken App eine gute Hilfe dar. Es gibt Pläne des Geländes, News und die Möglichkeit, sich seine Bandfavoriten zu markieren. Auch eine Erinnerungsfunktion ist vorhanden.

Doch bei noch so guter Planung ist es schlichtweg unmöglich, alle Bands zu sehen. Es wird mitunter sogar schwer, nur seine Favoriten zu sehen, da diese entweder zu abartigen Zeiten oder eben parallel zueinander spielen. Somit erhebt dieser Bericht trotz seiner Länge keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir hoffen, ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen.

Mittwoch

In den vergangenen Jahren galt der Wacken-Mittwoch gemeinhin als Tag der „kleinen“ Bands. Ganz besonders der Wacken Metal Battle zeichnete diesen Tag aus. Im Jubiläumsjahr hat man da allerdings bereits einige Leckerbissen auf den Mittwoch gelegt.

Der alte Wacken Schaedle
Der alte Wacken-Schädel

Außerdem gibt es in diesem Jahr mit der History Stage eine neue Bühne. Auf der History Stage, die aus Teilen der ersten Wacken-Bühne quasi recycelt wurde, findet in diesem Jahr der Metal Battle statt. Auf dem Weg von der History Stage zum Infield kommt man zudem am alten Bullhead-Schädel, welche die Hauptbühnen von 1999 bis 2012 zierte und den Giganten aus Stahl vorbei. Insgesamt hat man sich also wieder viel Mühe mit der Gestaltung des Geländes gegeben. Hier gibt es auch neben der Musik sehr viel zu entdecken.

Am späten Mittwochnachmittag muss diese Entdeckungstour aber zunächst unterbrochen werden, als sich ein Unwetter nähert. Der Bühnenbetrieb muss eingestellt werden. Nicht jeder sieht ein, warum es wegen der paar Regentropfen zu einer Unterbrechung des Festivals kommt. Aber am Ende verhalten sich doch alle vernünftig und räumen die Bühnenbereiche.

Schnack Ör Die

Micha-EL Goehre
Micha-EL Goehre im “Welcome To The Jungle”

Als der Bühnenbetrieb nach der Unwetterwarnung endlich wieder startet, genießen wir im „Welcom To The Jungle“ zunächst die unterhaltsame “Schnack Ör Die”-Show mit Micha-EL Göhre und Ernie Fleetenkieker. In ihrer Heavy-Metal-Lese-Laser-Show präsentieren die beiden lustige wie nachdenkliche Texte rund um den Heavy Metal und können damit auf ganzer Linie punkten. Es wird gelacht, wenn in Anlehnung an Bands wie Nightwish, Within Temptation oder Epica über Trällerelsen, die auf dem Weg zum Opernhaus in den falschen Bus gestiegen sind, gewitzelt oder der Text von Manowars „Kings Of Metal“ auf Deutsch vorgelesen wird.

Wacken Bullhead City Circus

Nach dieser amüsanten Show geht es zum Bullhead City Circus, wo heute einige namhafte Bands auf dem Programm stehen. Erwartungsgemäß ist der Andrang am Einlass zum Zelt riesig, und so füllt sich das Zelt in dem die W:E:T Stage und Headbanger Stage untergebracht sind auch enorm schnell. Im Zelt sowie auch drumherum ist es enorm voll, um nicht zu sagen viel zu voll.

Da stellt sich tatsächlich die Frage, wer auf die Idee gekommen ist, am Festivalmittwoch, an dem das Infield mit den großen Bühnen Faster, Harder und Louder, noch nicht geöffnet ist, Bands wie UFO, Sweet, Rose Tattoo und The Sisters Of Mercy im Bullhead City Circus auftreten zu lassen. Es war doch zu erwarten, dass verdammt viele Metalheads diese Klassiker sehen wollen. Und da es am Mittwoch mit Ausweichmöglichkeiten eher schlecht aussieht, zwängen sich so tausende Metaller in das plötzlich ziemlich klein wirkende Bullhead City Circus-Zelt.

Einhergehend mit der Überfüllung des Zelts geht auch die katastrophale Situation an den Theken. Hier ziehe ich wirklich meinen Hut vor dem Thekenpersonal, welches immer freundlich auf die Wünsche der Gäste reagiert hat. Aber es waren einfach zu viele Menschen für zu wenige Theken.

“Fox On The Run”

Musikalisches Highlight des heutigen Abends sind im Übrigen Sweet, die einen spektakulären Gig abliefern und das Bullhead-Zelt in einen wahren Hexenkessel verwandeln. Mit Hits wie „Hell Raiser“ oder „Teenage Rampage“ wissen die Briten zu überzeugen. Bei „Love Is Like Oxygen“ wird in der Mitte des Songs kurzerhand der Emerson Lake an Palmer-Klassiker „Fanfare For The Common Man“ mit eingebaut, was noch einmal für Jubelstürme sorgt. Richtig ab geht es dann allerdings bei „Fox On The Run“, als der Wacken Chor einmal mehr seine Gesangskünste beweist und den Refrain aus vollen Kehlen mitsingt. Abgeschlossen wird der Gig mit dem unkaputtbaren „Ballroom Blitz“.

Rose Tattoo liefern im Anschluss an die Sweet Show dann das, was sie am besten können: rotzigen Hardrock. Dabei machen die Australier eine richtig gute Figur und sorgen für ordentlich Stimmung im Zelt. Sänger Gary „Angry“ Anderson ist bestens bei Stimme und heizt dem sowieso schon derbe feierndem Wacken-Publikum noch zusätzlich ein. Hier und da bilden sich kleine Moshpits und es geht mächtig zur Sache. Chapeau Mr. Anderson. Wer mit fast 72 Jahren noch so abrocken kann, verdient meinen vollsten Respekt.

Sisters of Mercy mit starker Setlist aber durchwachsener Performance

Sisters Of Mercy
Sisters Of Mercy

Weniger Respekt verdient hingegen Andrew Eldritch, der mit den Sisters Of Mercy heute den Headliner Slot belegt. Aufgrund der Unwetterunterbrechung am frühen Abend ist der Tag ohnehin schon lang geworden. Warum muss man seine Fans dann noch einmal eine gute Viertelstunde warten lassen, bevor man sich auf die Bühne begibt?

Und als die Jungs dann endlich auf der Bühne stehen, sieht man erst einmal so gut wie nichts, da wohl der Knopf für den Nebel mit dem Lichtschalter verwechselt wurde. Nur hin und wieder kann man Mastermind Eldritch oder die Gitarristen sehen. Insgesamt ist die Performance eher mau. Die Kommunikation mit dem Publikum geht gen Null und aufgrund des fehlenden Lichtes bekommt man auch nicht viel davon mit, was auf der Bühne passiert.

Der Sound ist ziemlich durchwachsen und kommt wabernd und undefiniert aus den Boxen. Einige Lieder sind erst beim Refrain zu erkennen und werden gesanglich unsicher dargeboten. Einziger Lichtblick des Gigs ist die Setlist, die mit Songs wie „More“, „Dominion – Mother Russia“, „This Corrosion“ und natürlich „Temple Of Love“ keinen großen Hit auslässt.

Donnerstag

Der Donnerstag beginnt dann direkt mit einem Knaller in Form der indischen Kapelle Bloodywood. Nachdem die Jungs bereits beim Dong Open Air auf der ganzen Linie überzeugen konnten, gehört die Truppe auch heute zum Pflichtprogramm. Und anscheinend hat sich die Qualität der Band bereits herumgesprochen, denn das Bullhead City Circus-Zelt ist richtig voll. Bereits vor dem Konzert machen die Zuschauer ordentlich Stimmung und schmettern Bloodywood-Sprechchöre.

Begeisterte Wacken Fans beim Bloodywood Auftritt
Die Fans sind begeistert von Bloodywood

Und Bloodywood zeigen heute erneut, warum sie sich durchaus Hoffnungen auf den Titel “heißester Newcomer des Jahres” machen können. Bereits beim ersten Song springt die Energie von der Band auf die Fans über und vor der Bühne entsteht ein wilder Moshpit. Den Jungs sieht man die Freude, auf dem Wacken Open Air dabei zu sein förmlich an. Dabei wirken sie sehr professionell und fokussiert. Und ehe man sich versieht sind die 45 Minuten Spielzeit auch schon fast vorbei. Doch auch dieser Gig soll nicht ohne das energetische „Ari Ari“, zu dem Sänger Jayant Bhadula den Weg auf die Absperrung vor der Bühne findet, zu Ende gehen. Es werden noch einmal alle Kräfte mobilisiert und ein amtlicher Pit veranstaltet. So darf der Tag gerne beginnen.

Sturmvögel auf der Wackinger Stage

Weiter geht es dann auf der neuen Wackinger Stage. Neu, weil es sich im Gegensatz zur Bühne der letzten Jahre um einen kompletten Neubau handelt. Sie ist um einiges größer, sodass die Musiker ordentlich Platz haben. Die alte Wackinger Stage wurde indes im Übrigen keineswegs entsorgt, sondern kurzerhand zur Wasteland Stage umfunktioniert. Auch hier steht das Festival also voll im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Aello Die Windböe
Harpyie Sänger Aello Die Windböe

Aber zurück zur Wackinger Stage. Dort kommen gerade die maskierten Sturmvögel von Harpyie auf den Plan und starten mit „Blut und Spiele“ in ihren etwas durchwachsenen Gig. Zunächst gibt es technische Probleme mit der PA, dann ist der Sound nicht so richtig toll und zu allem Überfluss wollen die Flügel, die Sänger Aello bei „Ikarus“ tragen will, nicht so richtig sitzen. Doch davon lassen sich die Ostwestfalen nicht beirren. „Morgen haben wir noch eine Show. Dann klappt das alles“ lässt Frontmann Aello verlauten.

Die Zuschauer vor der Bühne nehmen es gelassen und feiern ordentlich mit der Band. So wird beispielsweise bei „Schneeblind“ laut geklatscht und gesprungen, während sich bei „Seemann Ahoi“ ein tosendes Meer aus Händen vor der Bühne auftut. Als letztes Lied hat man die wunderschöne Ballade „Löwenherz“ am Start und verabschiedet sich damit standesgemäß vom Wacken-Publikum.

 

Gloryful’s Tale

Auch auf der Wasteland Stage ist heute irgendwie der Wurm drin. So steht eine Wacken-Pritsche vor der Bühne und blockiert den gesamten Bereich vor der Bühne als wir zum Gig von Gloryful eintreffen. Gut zwanzig Minuten dauert es bis die Bühne endlich spielbereit ist und die Ruhrpott-Metaller endlich loslegen können. Um die Zeit derweil etwas zu überbrücken und die Fans bei Laune zu halten, veranstaltet Frontmann Johnny La Bomba kurzerhand ein kleines Frage-Antwort-Spiel mit dem Publikum. „Wo ist unser Merch?“ fragt er. „Vorne links“ brüllt das Publikum. „Und was kostet ‘nen Shirt“ grölt er in bestem Ruhrpott-Slang hinterher. „Nen Zehner“. Die Leute vor der Bühne wissen schnell Bescheid und machen den Quatsch auch später während des eigentlichen Gigs noch mit.

Als es dann mit „This Means War“ endlich losgeht. ist sofort Bewegung im Pit. Die Band ist gut drauf und spielfreudig. Sänger Johnny La Bomba läuft von rechts nach links über die Bühne während Gitarrist Adrian Weiss mit filigranen Gitarrensoli brilliert. Beim dritten Song „Gloryful’s Tale“ darf dann der kleine Markus aus dem Publikum mit einem Plastikschwert bewaffnet und auf einer großen Plastikeinhornpuppe über die Menge cruisen. Dabei scheint nicht nur der Kleine, sondern auch die Fans mächtig Spaß zu haben.

Einhorn Wacken
Cruisen auf der Menge mit einem Einhorn.

Auch beim letzten Lied ist die auf Lilo getaufte Puppe wieder auf der Menge. „Passt gut auf sie auf! Das ist mein Geschenk an Wacken.“ schreit Johnny La Bomba ins Mikro, als der die Puppe von der Bühne auf die Menge wirft. Hier wird heute wirklich eine ausgelassene Power Metal Show mit viel Herzblut geboten. Schön, die Jungs nach langer Zeit mal wiedergesehen zu haben.

Nach diesem ziemlich coolen Gig geht es kurz zum Camp zurück, um sich eine lange Hose anzuziehen und einen Pulli mitzunehmen, denn der Abend wird noch lang. Heute stelle ich wieder einmal fest, wie eng der Zeitplan in Wacken sein kann.

(We make) Sweden Rock

So kommen wir gerade noch rechtzeitig zu Hammerfall, die heute die Harder Stage bespielen. Bevor die Schweden aber mit ihrem Auftritt loslegen gibt es zunächst die exklusive Videopremiere der neuen Single „Dominion“.

Wirklich los geht es dann mit „Legion“ und „Hammer High“, die beide von Anfang an zünden. Das Gelände ist bis zum FOH richtig gut gefüllt und auch dahinter reckt sich noch so manche Pommesgabel in die Luft als die Schweden die Bühne betreten.

Auch die Band scheint heute Bock zu haben. Sänger Joacim Cans ist bestens bei Stimme und begrüßt das Wacken-Publikum enthusiastisch und mit leicht ironischem Unterton: „Wacken, are you ready for some true German Heavy Metal?“ Da sind die Fans natürlich dabei und feiern bei Klassikern wie „Any Means Necessary“, „Hectors Hymn“ und natürlich dem unverzichtbaren „Let The Hammer Fall“. Auch „One Against The World“ vom neuen Album kommt an.

Zum Ende haben Hammerfall dann noch einen musikalischen Leckerbissen am Start. Die Folktruppe Hammerfolk unterstützt die Band mit Nyckelharpa und verpasst einigen Hammerfall Songs damit einen ganz eigenen neuen Sound. Abgeschlossen wird der durchweg überzeugende Auftritt mit „(We Make) Sweden Rock“ und dem obligatorischen „Hearts On Fire“.

Nach dieser ordentlichen Portion Schwedenstahl ist es nun Zeit für eine Runde Hardrock aus Australien. Den liefern dann nämlich Airbourne mit ihrer gewohnt rotzigen Wucht ab. „Ready To Rock“ und „Too Much, Too Young, Too Fast” sorgen schon einmal für ordentlich Wirbel vor und auch auf der Bühne. Sänger Joel O’Keeffe steht mit freiem Oberkörper auf der Bühne und sieht nach zwei Stücken schon dermaßen durchgeschwitzt aus, als stünde er schon zwei Stunden auf der Bühne. Doch von Müdigkeit ist bei ihm, wie auch bei seinen Bandkollegen, nichts zu spüren.

Die Jungs fegen mit Elan über die Bühne, feuern das Publikum an und posen immer wieder hier und da. Bei „Girls In Black“ drückt sich Joel O’Keeffe kurzerhand eine Bierdose auf dem Kopf kaputt und lässt sich im Bühnengraben huckepack tragen. Davon lässt sich auch das Publikum anstecken und veranstaltet hier und da kleine Circle Pits, die nach und nach immer größer und heftiger werden. Auch die Frequenz der Crowdsurfer erhöht sich ständig.

Alles in allem also eine energiegeladene Show, die aber beileibe keine 90 Minuten hätte dauern müssen. Nach spätestens 45 Minuten wird der schnörkelose, direkte Hardrock dann doch etwas eintönig. Auch wenn Airbourne Bands wie AC/DC oder Rose Tattoo in punkto Bühnenpräsenz und Engagement mehr als nur das Wasser reichen kann, fehlt den Jungs doch ein wenig die Hitdichte für eine abwechslungsreiche Co-Headliner Show.

“The Great War”

Mit etwa 15 Minuten Verspätung starten dann Sabaton ihren groß angekündigten Headliner Gig. Dabei herrscht vor der Bühne zunächst etwas Verwirrung. Laut Running Order sollen die Schweden heute beide großen Bühnen Faster und Harder gleichzeitig bespielen. Da Airbourne zuvor auf der Faster Stage gespielt haben, findet sich der Großteil der Sabaton-Fans folgerichtig vor der Harder Stage ein. Diese bleibt aber zunächst dunkel. Bis auf eine LED-Wand ist die Bühne leer.

Stattdessen hat man auf der Faster Stage ein Schlachtfeld mit Schützengräben und Stacheldraht als Bühnendeko aufgebaut. Im Hintergrund thront das Schlagzeug auf dem altbekannten Panzer-Drumraiser. Außerdem hat man noch einen in Soldatenuniformen gekleideten Chor mit auf der Bühne. Ansonsten hat das Bühnenbild erst einmal nichts Besonderes zu bieten.

Dafür haben es Sound und Licht mal wieder in sich. Kraftvoll kommen nach dem Intro das übliche „Ghost Division“ sowie „Winged Hussars“ und „Resist and Bite“ aus der PA geknallt. Dazu gibt es wieder reichlich Pyros und Feuer. Das kommt beim Publikum natürlich voll und ganz an, sodass die Meute ausgelassen feiert und ihren Helden zujubelt.

Sabaton
Die Faster und die Harder Stage beim Sabaton Gig

Zu „Fields Of Verdun“ und „Shiroyama“ bekommt Sabaton dann Unterstützung von Ex-Gitarrist Thobbe Englund. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was nach etwa einer Stunde Show auf die Fans zukommt. Plötzlich steht nämlich Bassist Pär Sundström alleine auf der bis dahin verwaisten Harder Stage. Er spricht davon, wie er schon als Kind bzw. Jugendlicher den Traum hatte, Musiker zu werden und in Wacken zu spielen. Das sei nur möglich gewesen, weil er immer an seinen Träumen festgehalten hat.

Kurz darauf wird auch klar, was nun auf der zweiten Bühne passiert, denn plötzlich kommen die ehemaligen Sabaton-Bandkollegen Rikard Sundén, Daniel Mulback, Daniel Mÿhr und eben Thobbe Englund auf die Bühne.

Von nun an spielen die beiden Bands parallel auf der Faster und der Harder Stage. Und natürlich hat man mit Stücken wie „40:1“, „Panzerkampf“ oder „Attero Dominatus“ dann auch noch eine ganze Menge Klassiker ins Set gepackt. Dabei fällt auf, dass die Bands ihren Gig ziemlich straight und ohne viel Quatsch und „Sabbelton“-Einlagen durchziehen. Selbst die nervigen „Noch ein Bier“-Rufe aus dem Publikum werden bis auf ein-, zweimal vollkommen ignoriert.

Im Zugabenblock hat man mit der Cellistin Tina Guo, die am Nachmittag schon bei Beyond The Black auf der Bühne stand, noch eine weitere Gastmusikerin. Gemeinsam wird dann natürlich noch „Swedish Pagans“ sowie das Abschlusslied „To Hell And Back“ gezockt.

Insgesamt liefern Sabaton heute einen soliden Headliner Gig ab. Aufgrund der Berichterstattung im Vorfeld hatte man aber irgendwie mehr erwartet. Somit bleibt die Sabaton-Mega-Show doch aus. Ein schöner Abschluss für den Abend ist sie dennoch.

Freitag

Der Freitag beginnt für mich recht früh. Bereits um 11.00 Uhr finde ich mich vor der Faster Stage ein, um ein wenig den Klängen von Equilibrium zu lauschen. Trotz der frühen Stunde ist das Infield schon gut gefüllt und lässt sich von der Energie, die Sänger Robse auf der Bühne versprüht, anstecken. Es wird gesprungen, geklatscht und hin und wieder mitgesungen.

Equilibrium
Equilibrium

Die Setlist beschränkt sich weitestgehend auf die letzten beiden Alben “Erdentempel” und “Armageddon”, was auch noch einmal deutlich macht, dass man die Helge-Stang-Zeit nun wohl endgültig hinter sich gelassen hat. Das zeigt sich dann auch noch einmal am neuen Song “Renegades – A Lost Generation”, der mit dem, was Equilibrium früher einmal ausgemacht hat, leider so gar nichts mehr zu tun hat.

So ist der Auftritt zwar ganz ok und wird von den Zuschauern am Ende auch brav beklatscht. Irgendwie fehlt da aber der letzte Pfiff und so wirkt die Show insgesamt etwas plump.

“Operation Mindcrime”

Deutlich differenzierter gehen da Queensryche zu Werke. Bei gutem Sound und mit einem stimmlich brillierenden Todd La Torre liefern die US-amerikanischen Progger eine sensationelle Show ab. Nach dem Opener “Blood Of The Levant” vom aktuellen Album “The Verdict” schießt sich die Band schnell auf die Klassiker aus der Frühphase der Band ein und präsentiert Songs wie “Walk In The Shadows” und natürlich “Operation Mindcrime” vom gleichnamigen Album.

Damit haben sie die Wacken-Jünger natürlich sofort im Sack. Partystimmung und Mosphit sucht man hier natürlich vergebens. Dafür versinken die Zuschauer aber fast andächtig in den anspruchsvollen Arrangements und zum Teil verträumten Melodien. Ein toller Auftritt, der durchaus Lust auf mehr macht.

Zurück zur Faster Stage. Dort hat sich bereits eine ordentliche Meute eingefunden, um die Folk-Metaller Eluveitie zu sehen. Und die Schweizer lassen sich auch nicht lange bitten, sondern starten mit „Ategnatos“ vom gleichnamigen aktuellen Album sogleich druckvoll in den Auftritt. Auch das folgende „King“ geht mächtig nach vorne und kommt gut beim Publikum an.

Insgesamt zeigt sich die Band sehr engagiert und ackert mächtig auf der Bühne. Frontmann Chrigel Glanzmann überzeugt mit seinen tiefen Growls während Sängerin Fabienne Ernie gekonnt die melodischen Kontrapunkte dazu setzt. Glänzen kann sie zudem mit ihrem zuckersüßen Solo „Artio“ vom „Evocation II“-Album, welches dann in „Ambiramos“ mündet.

Beim obligatorischen „Havoc“ wird dann endgültig die Crowdsurfer-Saison eröffnet, und es geht noch einmal mächtig ab vor der Bühne. Etwa zur gleichen Zeit ziehen aber auch ein paar bedrohlich wirkende Wolken auf. Das bereits am Morgen von Harry Metal angekündigt wurde, scheint nun tatsächlich den Holy Ground zu erreichen.

Unwetterwarnung, die zweite

Kurz danach dann traurige Gewissheit. Das Programm muss aufgrund einer Unwetterwarnung unterbrochen werden. Und das bereits zum zweiten Mal an diesem Festival. Das ist nicht nur sehr schade, sondern bringt für Eluveitie zudem eine Premiere mit. Nach eigenen Aussagen sei dies der erste Gig überhaupt bei dem sie ihren Klassiker „Inis Mona“ nicht spielen.

Etwas widerwillig aber dennoch geordnet und gesittet verlassend die Festivalbesucher daraufhin das Infield und begeben sich zurück in Richtung ihrer Zelte. Wir nutzen die Pause, um einige Freunde in einem nahegelegenen Camp zu besuchen. Dort ist man dann auch vor dem Regen geschützt und wird mit Kaltgetränken versorgt. Großes Dankeschön noch einmal dafür.

Gut zwei Stunden später geht es dann weiter. Und das sogar ohne größere Ausfälle. Hier macht sich natürlich die Vielzahl der Bühnen bezahlt. So werden Cradle Of Filth kurzerhand von der Harder Stage auf die WET Stage und Nailed To Obscurity von der WET Stage auf die Beergarden Stage verfrachtet. So ist man bereits kurz nach der Unterbrechung wieder fast im Zeitplan. Die Headliner des Abends können wie geplant rechtzeitig auftreten.

Louder Stage
Louder Stage in Schwarz Weiß

Bis es aber soweit ist, gönnen wir uns noch eine Runde Life Of Agony, die nach der Pause den Reigen auf der Louder Stage eröffnen. Bedingt durch die erst langsam wieder anrückenden Besucher ist es vor der Bühne zunächst noch mäßig gefüllt. Die Leute kommen aber stetig nach, sodass es vorne schnell zu voll wird. Auch die Stimmung ist zunächst noch verhalten, bessert sich aber im Verlauf des Gigs zusehends. Sogar vereinzelt Circle Pits sind später zu sehen.

Musikalisch liefern Mina Caputo und ihre Kollegen eine rockige Show, die vor allem auf Songs der beiden ersten Alben „River Runs Red“ und „Ugly“ basiert. Das freut natürlich ganz besonders die Fans des älteren Semesters, die mit Knallern wie „Through And Through“ oder „Other Side Of The River“ bestens bedient werden. „Weeds“ hingegen ist für meinen Geschmack heute ein wenig dünn. Doch mit „River Runs Red“ haben Life Of Agony natürlich den passenden Abschluss im Gepäck.

Ice-Motherfucking-T-Bitch

Und was machen Body Count danach aus ihrem Auftritt? Zunächst einmal sorgen sie mit dem Motörhead Cover „Ace Of Spades“ für gute Stimmung auf dem Infield. Auch die Erklärung ihres Frontmans, dass sein Name heute „Ice-Motherfucking-T-Bitch“ sei, sorgt für Erheiterung vor der Bühne.

Musikalisch überzeugt mich die Truppe allerdings nicht so recht. Gehörten Scheiben wie „Bodycount“ und auch der Nachfolger „Born Dead“ zwar zu Alben, die zu meiner musikalischen Sozialisation beigetragen haben, doch kann ich heute nicht mehr viel damit anfangen. Auch die „Dicke Hose“-Attitüde von Frontmann Ice-T wirkt nach einiger Zeit schon etwas langweilig und ermüdend. Immerhin spielen sie zum Ende hin noch „Cop Killer“, was mich noch einmal an die wilden Partys in den Neunzigern zurückdenken lässt.

Danach wird es schon wieder stressig. Kurz zurück zum Zelt, lange Klamotten geholt und ein wenig was zwischen die Kiemen geschoben. Danach bekommen wir vom Anthrax Gig noch die letzten paar Songs mit. Diese beinhalten dann aber immerhin das Trust Cover “Antisocial”, bei dem es vor der Bühne noch einmal abgeht und das Schlusslied “Indians”.

Kurz danach geht es dann mit Frauenpower weiter, als die Symphonic-Metaller Within Temptation die Bühne betreten. Die Niederländer sind richtig gut drauf und liefern den passenden Soundtrack für den sich dem Ende zuneigenden Tag.

Sunset Over Wacken
Sunset Over Wacken

Sängerin Sharon Den Adel kommt direkt beim ersten Song “Raise Your Flag” mit einer großen Flagge auf die Bühne und wirk mit ihrem weißen Umhang tatsächlich etwas erhaben. Leider geht ihr Gesang zwischenzeitlich immer mal wieder etwas unter. Das hört man vor allem bei “The Reckoning”, welches ansonsten ziemlich gut rüberkommt.

Auch im weiteren Verlauf machen Within Temptation eine gute Show, interagieren gut mit dem Publikum und sorgen für ordentlich Stimmung vor der Bühne. Neben dem engagierten Auftreten der Band kann auch der Bühnenaufbau mit großem Backdrop und Hydra auf der Bühne überzeugen. Dazu gibt es Feuersäulen, die die energiegeladene Show zum Beispiel bei Songs wie “Stand My Ground” noch zusätzlich unterstützen.

Schade ist hingegen, dass ein Klassiker wie “Ice Queen” in einer doch etwas trägen Akustikversion vorgetragen wird.

Demons And Wizards

Beim darauffolgenden Gig werden dann alle diejenigen, die gesagt haben das Wacken Open Air 2019 habe keinen echten Headliner, eines Besseren belehrt. Demons And Wizards, das Nebenprojekt von Blind Guardian-Frontmann Hansi Kürsch und Iced Earth-Mastermind Jon Schaffer liefern einen furiosen Auftritt ab.

Bereits der Bühnenaufbau mit Demons and Wizards Backdrop, Treppenstufen und einer üppigen Lichtshow ist einfach nur imposant. Auf einer im hinteren Bereich der Bühne liegenden Galerie steht ein Background-Chor, der die epischen Kompositionen der zwei Altmeister gebührend untermalt. Dazu gibt es reichlich Pyros und Feuersäulen.

Auch die Protagonisten auf der Bühne zeigen sich von ihrer besten Seite und präsentieren Hit nach Hit. Angefangen von Heaven Denies“ über „Poor Man’s Crusade“ und „Crimson King“ bis hin zu „The Gunslinger“ „Terror Train“ oder „Tear Down The Wall“ wird wirklich nichts ausgelassen. Bei letzterem kann man das Publikum bis weit hinter den FOH-Turm klatschen sehen.

Demons and Wizards
Demons And Wizards – Ein amtlicher Headliner

Angereichert wird das ohnehin schon geile Set mit den Iced Earth-Klassikern „Burning Times“ und „I Died For You“ sowie „Welcome To Dying“ und „Valhalla“ von Blind Guardian. Hier beweisen die Fans einmal mehr Textsicherheit und singen beherzt mit. Und auch wenn Hansis Stimme für ein doch eher ruppiges Stück wie „Burning Times“ ein wenig zu lieb klingt, so bringt er doch unheimlich viel Emotion hinein.

Emotion ist sowieso ein gutes Stichwort. Nicht nur, dass die Fans vor der Bühne hin und weg sind, auch auf der Bühne scheint man ein Stück weit gerührt vom mächtigen Zuspruch der Fans. Selbst Schaffer greift zum Mikrofon, bedankt sich bei den Wacken-Veranstaltern und wünscht alles Gute zum Geburtstag.

Und somit ist der Schluss-Dreier bestehend aus „My Last Sunrise“ (bei dem es pyrotechnisch noch einmal richtig abgeht), „Blood On My Hands“ und „Fiddler On The Green“ auch fantastisch gewählt. Das setzt diesem Auftritt die Krone auf und beweist, dass Demons And Wizards noch lange nicht zum alten Eisen gehören und man auf das für 2020 angekündigte neue Album gespannt sein darf.

Im Anschluss an diese geile Show heißt es dann für alle Slayer-Fans: Ganz stark sein. Nach fast vierzig Jahren Bandgeschichte hat nämlich nun die letzte Stunde der Thrash-Metal-Giganten geschlagen. Kein Wunder, dass es vor der Harder Stage rappelvoll ist, als Tom Araya und seine Mannen die Bildfläche betreten und ihren Fans ein wuchtiges „Repentless“ um die Ohren schlagen. Dazu gibt es auf der Bühne reichlich Feuer und ein cooles Bühnenbild mit Pentagrammen, umgedrehten Kreuzen und natürlich dem Slayer-Adler.

Von Anfang an machen die Amis keine Gefangenen und schießen Hit nach Hit in die Menge. In den Anfangsteil hat man neben dem Opener auch noch ein paar weitere Knaller der jüngeren Bandgeschichte wie „World Painted Blood“ oder „Hate Worldwide“ gepackt. Kerry King zwirbelt Riff nach Riff auf seine Gitarre, während Araya wütend ins Mikro brüllt und Drummer Paul Bostaph die Felle nach allen Regeln der Kunst verdrischt. Die Ansagen werden sehr kurz gehalten und eine Interaktion mit dem Publikum findet so gut wie nicht statt. Aber das ist man von Slayer Gigs ja gewohnt.

Im zweiten Teil des Auftritts fährt man dann zunehmend härtere Geschütze auf. Das Ganze gipfelt dann kurz vor Schluss in dem Viererpack bestehend aus „Seasons In The Abyss“, „Hell Awaits“, „South Of Heaven“ und natürlich „Raining Blood“. Doch damit ist noch nicht Schluss. Mit „Black Magic“ vom 1983er Debüt „Show No Mercy“ und “Dead Skin Mask” schieben die Totschläger noch zwei Perlen hinterher bevor man den Auftritt standesgemäß und unter tosendem Beifall mit „Angel Of Death“ beendet.

Danach verabschiedet sich die Band ausgiebig von ihren Fans und wünscht ein „Auf Wiedersehen“. Das sorgt vor der Bühne für eine Mischung aus Freude und Wehmut. Das war es also nun mit der Ära Slayer. Und auch wenn ich die Slayer-Vergötterung in der Metalszene nie so ganz verstanden habe, geht heute doch ein besonderes Kapitel der jüngeren Musikgeschichte zu Ende. Aber vielleicht gibt es ja noch irgendwann mal eine Reunion. Die liegen ja dieser Tage im Trend.

Samstag

Der Morgen nach dem emotionalen Slayer-Abschied beginnt sogleich mit einem Skandal. Da schaut man sich freudig wartend den Auftritt von Die Kassierer an und dann zieht Sänger Wolfgang Wendland aka Wölfi nicht einmal blank. Während des gesamten Gigs hat der Frontmann tatsächlich seine Jeanshouse an. Selbst die wiederholt angestimmten „Ausziehen, ausziehen“-Chöre kontert er selbstbewusst mit einem: „Oh, es ist so ein gutes Gefühl dem Druck Stand zu halten“.

Die Kassierer - Volker Kampfgarten
Volker Kampfgarten – Die Kassierer

Was Musik und Show angeht sind die Jungs aus Wattenscheid aber voll auf der Höhe.  Dabei entpuppt sich ganz besonders Schlagzeuger Volker Kampfgarten als wahre Ulknudel. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit schneidet er Grimassen, hält sich seine Sticks dumm an den Kopf oder macht sonst irgendwie faxen.

Die Setlist lässt von „Besoffen sein“, „Sex mit dem Sozialarbeiter“ oder „Blumenkohl am Pillemann“ bis hin zu „Großes Glied“ oder „Quantenphysik“ keine musikalische Stilblüte der Punker aus. Erstaunlich ist außerdem wie textfest das zahlreich erschienene Wacken-Publikum bei den doch ziemlich unmetallischen Stücken ist. „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ können sie auf jeden Fall alle mitsingen. Na dann, Prost.

“Dann wander doch nach Island aus!”

Nach diesem kulturell höchst wertvollen musikalischen Ausflug geht es dann mit Subway To Sally wieder zurück in bekanntere Musikgefilde. Die Mittelalterrockband geht sofort in die Vollen und feuert „Messias“ mit aller Gewalt heraus. Auch „Island“ und „Kleid aus Rosen“ kommen druckvoll daher. Dazu gibt es jede Menge Feuer und Pyrosäulen. Alles in allem also ein Auftakt nach Maß. Für Verwirrung sorgt lediglich die Helge-Schneider-Gedächtnisverkleidung mit Perücke und goldener Jacke von Sänger Eric Fisch beim ersten Song. Was er sich wohl dabei gedacht hat?

Im weiteren Verlauf des Gigs präsentieren Subway To Sally überwiegend Songs vom aktuellen Album „Hey!“. Bis auf den „Veitstanz“ bleiben Klassiker quasi außen vor. Selbst das Ende ist bestückt mit neuem Material, wobei der Dreierpack aus „Was Das Herz Will“, „Aufgewacht“ und „Ausgeträumt“ tatsächlich gut ankommt. Den Schlusspunkt unter diesen ordentlichen Auftritt setzt dann die „Grausame Schwester”.

Beim anschließenden Schlendern über das Festivalgelände, die Händlermeile, Wacken Plaza usw. stellen wir noch einmal fest, wie groß das Festival mittlerweile geworden ist. Wo vormals Campingflächen waren stehen nun Bühnen, Zelte oder Fressbuden. In diesem Jahr hat es die ehemalige Campingfläche „C“ getroffen, was gerade bei den langjährigen Besuchern auf wenig Gegenliebe gestoßen ist.

Lemmy
Giganten aus Stahl – Lemmy

Dafür hat man nun in diesem Bereich unter anderem einen großen Kaufland-Supermarkt aufgestellt, der von den Festivalgängern gut frequentiert wird und weitestgehend mit Wohlwollen betrachtet wird. Außerdem gibt es in diesem Jahr erstmals die „Wacken Future Factory“. Dort machen sich Veranstalter und Fans gemeinsam in verschiedenen Workshops und Diskussionsrunden Gedanken über die Weiterentwicklung des Festivals.

Für Gaming-Freunde gibt es das Full Metal Village, in dem man unter fachkundiger Anleitung neue Spiele testen und gegen andere Metaller zocken kann. Wer’s braucht. Reichlich obskur wirkt dagegen der Werbetruck der deutschen Bundeswehr nebst Leopard-2-Panzer.

Doch bevor ich noch mehr abschweife kommen wir zu Powerwolf.

Die einzig wahre Heavy-Metal-Messe

Es gehen mächtig viele Arme nach oben, als die Slot-Machine die Band ankündigt. Powerwolf haben sich in den letzten Jahren eine massive Fanbase erspielt und wissen, wie man eine ansprechende Show zelebriert. Auch heute sind die Wölfe wieder bestens drauf und schießen direkt beim ersten Song „Fire And Forgive“ ordentlich Pyros und Feuersäulen in die Luft. Sänger Attila Dorn ist bestens drauf, kündigt wie üblich die „einzig wahre Heavy-Metal-Messe“ an und wird dafür mächtig abgefeiert.

Die Gitarristen Charles und Mathew Greywolf flitzen wie wild von links nach rechts und posen in bester Rockstar-Manier und auch Keyboarder Falk Maria Schlegel nimmt sich immer wieder die Zeit für Ausflüge an den Bühnenrand, um das Publikum zusätzlich anzufeuern. Die Mitsingspielchen bei „Demons Are A Girls Best Friend“ werden von den Fans bestens angenommen. Bei „Armata Strigoi“ klaut die Menge dem charismatischen Frontmann sogar fast die Show. Als Atilla nämlich die vier Teile des Mitsingparts einzeln einüben will, singt das Publikum stumpf weiter. Die kennen das halt schon.

Richtig cool kommt heute die Ballade „Where The Wild Wolves Have Gone” rüber. Nicht nur die stimmungsvolle Licht- und Feuershow auf der Bühne ist beindruckend. Auch die Tausenden von Handylichtern, die jetzt in die Luft gestreckt werden, machen ein geiles Bild. Da gibt es zum Festivalabschluss noch einmal richtig Gänsehaut.

Danach folgen noch ein paar Klassiker wie „Sanctified With Dynamite“ oder „Werevolves Of Armenia“, die von der Band professionell und bei gutem Sound druckvoll serviert werden. Insgesamt wirkt die Band heute sehr straight. Bei „Resurrection By Erection“ verzichtet Atilla Dorn im Gegensatz zu früheren Auftritten sogar komplett auf irgendwelche blöden Geschichten.

Etwas ungewohnt ist dann der Schluss, zu dem nicht „Lupus Dei“ sondern „We Drink Your Blood” gespielt wird. Insgesamt haben Powerwolf aber eine richtig gute Show abgeliefert und noch einmal gezeigt, warum sie in der Powermetal-Szene derzeit so angesagt sind. Gerne bald wieder.

Kurz nachdem Attila Dorn und seine Mannen die Bühne verlassen, haben wir es auf dem Holy Ground noch einmal mächtig episch. Die Veranstalter haben in diesem Jahr eine gigantische Laser- und Feuershow aufgefahren, um schon einmal auf das kommende Festival einzustimmen und die ersten Bands bekanntzugeben.

Wacken - Laser und Feuershow
Laser- und Feuershow zum Festivalabschluss

Zusätzlich hat man auf der Bühne eine Truppe Tänzer und Musiker platziert, die von ihrer Kleidung her an die indigenen Völker der Majas und Azteken erinnern. Damit deutet man schon einmal auf das Motto des Wacken Open Air 2020 hin. Im nächsten Jahr soll es nämlich genau um diese Bevölkerungsgruppen gehen. Darauf, wie das im Detail aussehen wird, darf man gespannt sein. Die Lasershow ist zumindest ziemlich beeindruckend.

Den Bezug zum Metal bietet dann Trivium-Gitarrist Matthew Heafy, der mittig zwischen den Bühnen stehend mal eben ganz cool ein Solo runterspielt. Optisch wird das Ganze noch dadurch unterstrichen, dass plötzlich Funken aus dem Gitarrenhals sprühen.

 

Alles in allem ist die Vorstellung also sehr imposant. Und auch die Bandveröffentlichungen können sich sehen lassen. Mit Judas Priest und Amon Amarth hat man schon mal zwei absolute Hochkaräter an Bord. Dazu kommen alte Haudegen wie Sodom mit einer special „Agent Orange“-Show, Mercuful Fate und Hypocrisy. Die schwedische Melodic Death Metal-Institution At The Gates ist mit einem „Slaughter Of The Soul”-Set am Start und auch Venom geben sich die Ehre. Abgeschlossen wird die erst Bandrutsche mit Sick Of It All, Beast In Black, Nervosa und Cemican.

Mit diesen tiefgehenden visuellen Eindrücken und einer gehörigen Portion Vorfreude machen wir uns danach dann auf den Weg zum Auto. Verschiedene persönliche Gründe zwingen uns leider, das Wacken Open Air in diesem Jahr bereits am Samstagabend zu verlassen.

Während ein Großteil der Fans noch bei Saxon, Rage und Co. abfeiert, sitzen wir also schon wieder im Auto, lassen die vergangenen Tage noch ein wenig Revue passieren und freuen uns, dass wir unser Nachtquartier heute vollkommen staufrei erreichen.

 

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