Mr. Hurley & Die Pulveraffen – Hände in die Luft 29.08.2020 - Schlossinnenhof Osnabrück

Konzertflyer Mr. Hurley & Die Pulveraffen 29.08.2020

Zur feucht fröhlichen Piratenparty luden Mr. Hurley & Die Pulveraffen letzte Woche Samstag in den Schlossinnenhof Osnabrück ein. Schon im Vorfeld hieß es “ausverkauft”, nichts geht mehr. Und so konnten sich unsere Lieblingspiraten aus dem karibischen Osnabrück über eine volle Hütte freuen. Zur Unterstützung hatte man die Folkrocker Wippsteert aus dem Osnabrücker Land verpflichtet.

Auch wenn der Schlossinnenhof mit über 400 Besuchern heute restlos ausverkauft ist, läuft der Einlass ruhig und koordiniert ab. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Eingang haben alles voll im Griff, stehen für Fragen bereit und geleiten die Gäste bei Bedarf an ihre Plätze. Auch die Besucher verhalten sich zumeist vorbildlich, tragen Maske und halten sich an die Abstandsregeln.

Wippsteert
Wippsteert. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Pünktlich um 20:00 Uhr beginnen dann Wippsteert mit ihrem Auftritt. Ihr eingängiger Folkrock, der ein wenig an Bands wie R.E.M., Fury In The Slaughterhouse oder BAP erinnert, geht gut ins Ohr und sorgt von Anfang an für Stimmung. Direkt nach dem ersten Lied “Wecke De Nich Doch” muss Sänger Marcus Bruns allerdings erst einmal fragen: “Verstaht ji uns överhoopt?”. Denn die Texte von Wippsteert sind komplett auf Plattdeutsch geschrieben. Die meisten der Anwesenden sind der plattdeutschen Sprache nicht oder nicht richtig mächtig. Das macht aber auch nichts, denn Musik sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte. Und so geht es mit “Anne Försück” und einer locker flockigen Banjo-Einlage  weiter.

Der nächste Song “Schwotte und Witte” ist dann eine klare Ansage gegen jegliche Art von Ausgrenzung und Rassismus und macht deutlich, dass plattdeutsche Musik weit mehr ist als alte Volkslieder und verstaubte Ansichten. Es folgt die ruhige Ballade “Wij”, welche Sänger Marcus Bruns auf der Mundharmonika beginnt. Das ist so ein wenig die Ruhe vor dem Sturm, denn mit “Äs Holt & Isen” geht es dann rockig weiter. Die E-Gitarre tritt in den Vordergrund und der Gesang wird etwas rauer.

Auch “Wenn we üm nich hat hadden” geht gut nach vorne und kommt beim Publikum gut an. Die Band rockt sich selbstbewusst durch ihren

Wippsteert
Wippsteert. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Set und fordert zum Klatschen auf, was die Zuhörer auch nur zu gerne machen. Es folgt noch das rauchig klingende “Hänget Up”, bevor man mit dem letzten Lied “Watt dann Kummp” noch einmal für richtig Stimmung vor der Bühne sorgen kann. Und nachdem die letzten Töne verklungen sind, werden Wippsteert dann auch standesgemäß mit viel Beifall für ihren richtig guten Gig belohnt.

Damit ist also alles vorbereitet für eine fette Piratenparty von Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Doch bevor es soweit ist, beweist das Publikum noch einmal eindrucksvoll, wie gut die Stimmung heute Abend wirklich ist. Als nämlich kurz vor dem Auftritt die Whitney Houston-Schnulze “I Will Always Love You” aus den Boxen der PA dröhnt, hat gefühlt der halbe Schlossinnenhof nichts Besseres zu tun, als lauthals mitzusingen – besser gesagt mitzujaulen.

Nun aber zu den Pulveraffen. Die starten nach dem Intro mit “Affentotenkopp” in ihren Set und fangen das Publikum damit auf der Stelle ein. Von Anfang an wird geklatscht und gejubelt. Auch “Unser Untergang” wird nach bester Piratenmanier abgefeiert, bevor die Zuschauer herzlich begrüßt werden.

Etwas ruhiger wird es dann beim dritten Song “Trau keinem Piraten”. Danach gibt es erst einmal technische Probleme. Die überspielt Mr. Hurley allerdings gekonnt: “Es wäre ja schließlich kein Pulveraffen-Konzert, wenn es nicht auch technische Probleme gäbe“. Zum Glück wird der Fehler schnell gefunden und behoben, sodass es weitergehen kann.

Mr. Hurley und die Pulveraffen
Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Auf See muss man sich vor vielen Dingen in Acht nehmen, wie zum Beispiel der Navy oder dem Skorbut führt Mr. Hurley aus. Aber die größte Gefahr seien natürlich Seeungeheuer wie der “Leviathan”, welcher nun musikalisch dargeboten wird. Es folgt “Tortuga”, bei dem das Osnabrücker Publikum einmal mehr Textsicherheit beweist. Ganz im Gegensatz zu Mr. Hurley selbst, der in der zweiten Strophe tatsächlich einen Textaussetzer hat. Mit einem Lächeln im Gesicht erklärt er nach dem Lied, dass das an Corona läge. Schließe müsse man jetzt immer 1,50m Abstand halten. Und so hat er auch mal Abstand vom Text gehalten.

Man merkt schon, die Piratenjungs mitsamt Piratendame Pegleg Peggy sind voll in ihrem Element. Die Band strotzt vor Spielfreude und betont immer wieder, wie sehr sie sich freuen überhaupt wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

Das nächste Stück “Meuterei” ist erst während des Corona-Lockdowns entstanden und die meisten Fans hören das Lied heute wohl zum ersten Mal live. Dementsprechend wird das Lied auch eher ruhig aufgenommen. Wesentlich mehr Reaktionen erntet dann schon “Schrumpfkopf im Rumtopf”. Und “Santa Sangria” sorgt dann für kubanisches Sommerfeeling.

Dann wird es mystisch. Das Licht auf der Bühne wird gedimmt und die ersten Töne von “Scherenschnitte” erklingen aus den Boxen. Hierzu hat sich Buckteeth Bannock, welcher heute übrigens nicht seinen gewohnten Dreispitz, sondern stattdessen seinen Iro-Haarschnitt zur Schau trägt, an das bereitgestellte Klavier gesetzt. Auch bei “Hol uns der Teufel” bleiben wir in dieser düsteren, melancholischen Stimmung.

Der nächste Song “Der Kodex” ist Buckteeth Bannocks zweitem Sohn gewidmet. An dieser Stelle fordert Mr. Hurley von den Fans noch mal einen kräftigen Applaus für die Zeugungsfähigkeit von Buckteeth ein. Natürlich wird laut geklatscht und gejohlt. Die Pulveraffen vergessen aber auch ihre Crew nicht. So wird sich artig bei Niklas und Blackbeard bedankt, die neben dem Wechseln von Saiten und sonstigen technischen Aufgaben auch für die Versorgung mit Pfefferminzlikör sorgen. Und natürlich gibt es auch noch mal einen extra dicken Applaus für die gesamte Mannschaft hinter der Bühne, von den Merch-Menschen bis hin zur Social Media Crew.

Mr. Hurley und die Pulveraffen
Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Und damit biegt das Konzert auch schon schnurstracks auf die Zielgerade des regulären Sets ein. Bei “Schlechtes Vorbild” dürfen die Fans noch einmal die Hände in die Luft reißen und laut mitsingen. Außerdem kann Pegleg Peggy mit einem schönen Bass-Solo punkten.

Ein Song, der natürlich auf keinem Pulveraffen-Konzert fehlen darf, ist “Ach ja!?” mit seinem Pöbelsolo. Heute hat Buckteeth Bannock sogar ein ganz besonderes Pöbelsolo am Start. Es geht ganz klar gegen Corona-Leugner, die Spinner, die unter Missachtung der Auflagen in Berlin demonstriert haben und Reichsbürger, die am gleichen Tag versucht haben, den Reichstag zu stürmen. “50% der Leute sind Nazis und 50% der Leute haben kein Problem damit, zusammen mit Nazis zu demonstrieren“. Damit macht die Band nicht nur ihrem Ärger Luft, sondern erntet auch enthusiastischen Beifall von den Zuschauern.

Nachdem dann die Band vorgestellt wurde, geht der reguläre Teil des Konzerts mit “Achtung, fertig, Prost” laut und wild zu Ende. Doch natürlich haben Mr. Hurley & Die Pulveraffen noch eine Zugabe im Gepäck. Die beginnt mit einer Trommeleinlage von allen Bandmitgliedern und mündet dann in ein Kurz-Medley aus “Auf zu neuen Ufern” und “Der Haifisch”.

Mr. Hurley und die Pulveraffen
Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Und dann ist wirklich Zeit für das ganz große Finale. Als vorletztes Stück spielen die Pulveraffen noch ein buntes Medley mit Stücken wie “Irisch Rover”, “Wir lagen vor Madagaskar” oder dem Miley Cyrus Hit “Wrecking Ball”. Auch die Nintendo-Melodie, Rammstein’s “Engel” und “Blau blüht der Enzian” von Heino werden im Medley noch verbraten, bevor man endlich die Band-Hymne “Blau wie das Meer” anstimmt. An dieser Stelle bin ich etwas verwundert, dass noch immer nicht alle Besucher stehen, sondern ein großer Teil immer noch sitzt. Aber gut. Dafür wird lauthals mitgesungen.

Und damit geht dieser durchweg kurzweilige Konzertabend leider viel zu früh zu Ende. Auch der heutige Abend hat wieder einmal gezeigt, dass Konzerte auch zu Zeiten von Corona möglich sind. Wenn auch nicht so, wie wir es gewohnt sind.

 

 

 

Setlist Wippstert

  1. Wecke die Nich Doch
  2. Anne Försück
  3. Schwotte & Witte
  4. Wi
  5. Äs Holt & Isen
  6. Wenn’ we üm nich hat hadden
  7. Hänget’ up
  8. Watt dann kummp

Setlist Mr. Hurley & Die Pulveraffen

  1. Intro
  2. Affentotenkopp
  3. Unser Untergang
  4. Trau keinem Piraten
  5. Leviathan
  6. Tortuga
  7. Knüppel auf’n Kopp
  8. Meuterei
  9. Schrumpfkopf im Rumtopf
  10. Santa Sangria
  11. Scherenschnitte
  12. Hol’ uns der Teufel
  13. Der Kodex
  14. Schlechtes Vorbild
  15. Ach ja!?
  16. Achtung, fertig, Prost
  17. (Percussion) Auf zu neuen Ufern/Der Haifisch (Zugabe)
  18. Medley (Zugabe)
  19. Blau wie das Meer (Zugabe)
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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