Weckörhead – Hände in die Luft 21.08.2020 - Schlossinnenhof Osnabrück

Weckörhead

Endlich wieder Livemusik. Nach fast einem halben Jahr ohne Konzerte startete in der vergangenen Woche im Schlossinnenhof die Veranstaltungsreihe “Hände in die Luft”, welche gemeinsam vom Rosenhof, der OsnabrückHalle, der Lagerhalle und Zukunftsmusik veranstaltet wird. Für Freunde der harten Rockmusik hielt man dann am Samstag ein kleines Schmankerl bereit. Das Osnabrücker Musikurgestein Markus Weckermann war mit seiner Truppe Weckörhead am Start. Eröffnet wurde der Abend von den nicht minder kultigen Xaja.

Die Stühle stehen in Reih und Glied immer schön in Zweierblöcken, die Kontaktdaten der Konzertbesucher sind aufgenommen und an der Theke sowie auf den Toiletten herrscht Einbahnstraßenverkehr. Soweit die Grundkonstellation für ein Konzert unter Corona-Bedingungen. Der Schlossinnenhof ist heute mit rund 200 Besuchern etwa zur Hälfte gefüllt, und es liegt eine erwartungsvolle Spannung in der Luft.

Xaja
Xaja. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Pünktlich um 20:00 Uhr starten Xaja dann mit ihrer erdigen Rock-Performance. Sofort merkt man dem Publikum an, wie ausgehungert es nach Livemusik ist. Bereits die ersten beiden Titel “Better Trip” und “Good News” vom 2019er Album “Dancing With The Devil” werden laut bejubelt und mit viel Beifall belohnt. “Ihr dürft ruhig aufstehen und um eure Stühle tanzen” scherzt Frontmann Ralf Ehrbar, was vereinzelt auch in die Tat umgesetzt wird. Und bereits beim vierten Song “Can’t Buy Me Love” wird ordentlich geklatscht.

Auch der Band kann man die Freude darüber, wieder auf einer Bühne zu stehen, förmlich anmerken. Während Sänger Ralf Ehrbar die rotzigen Hardrock Songs mit seiner markanten Stimme sehr authentisch rüberbringt, post die Gitarrenfraktion in bester Rockstarmanier über die Bühne und feuert ein markantes Riff nach dem nächsten in die Menge. Damit werden Xaja ihrer Rolle als Anheizer heute voll und ganz gerecht. Beim letzten Song “Rough Location” kann man sogar zwei Fans beim Mini-Circle Pit um ihren Zweier-Stuhlblock beobachten. Feine Sache.

Fast unbemerkt und nur wenig später entern dann Weckörhead die Bühne. Wobei man “entern” im Falle von Herrn Weckermann vielleicht etwas relativieren muss. Statt mit Dampf auf die Bühne zu stürmen, hat der Viersaiter und Sänger der Band bereits im heimeligen Ohrensessel nebst Stehleuchte im Oma-Stil Platz genommen. Und obwohl er beteuert, nur aus Solidarität zum Publikum ebenfalls einen Sitzplatz eingenommen zu haben, lässt die Schiene am hochgelegten Bein doch etwas anderes vermuten. Auf diesem Wege schon einmal gute Besserung.

Markus Weckermann
Markus Weckermann. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Doch genug des Vorgeplänkels. Schließlich ist die Setlist wieder einmal sehr lang. Insgesamt 23 Stücke aus der gesamten Motörhead-Schaffensphase plus drei Zugaben hat die Truppe für ihr Publikum vorbereitet. Da bleibt nicht viel Zeit zum Quatschen, und darum starten Weckörhead sogleich mit einem Klassiker. “Eisenfaust” kommt mit Wucht aus den Boxen und lässt die Stimmung vor der Bühne steigen. Auch “Bleib Klar” und “Voll auf dem Gaspedal” kommen bestens beim Publikum an. Immer mehr Zuschauer erheben sich von ihren Stühlen, schütteln die Köpfe und zeigen die Pommesgabel.

Ein Lob geht raus an Schlagzeuger Marco, der nach dem Auftritt im Januar im Rosenhof heute Corona-bedingt seinen ersten Auftritt mit Weckörhead hat und nach dem Weggang von Jörg Uken natürlich in große Fußstapfen tritt. Er macht seine Sache aber mehr als ordentlich. Auch Gitarrist Mitch, der nach seinem Auftritt mit Xaja nun gleich wieder ran darf, dreht einmal mehr voll auf. Kollege Rico lässt es auf der anderen Bühnenseite zunächst etwas ruhiger angehen, explodiert dafür aber spätestens bei “D-Das Pik As” im Gesangsduett mit Gastsänger Heaven von Die Angefahrenen Schulkinder mal so richtig. Zuvor werden die Jungs allerdings bei “Berühr mich nicht” und “Kein Stil” noch von Julia, ihres Zeichens Frontfrau bei Svenson, unterstützt.

Ein weiteres Highlight ist dann “1916”, bei welchem Bandkopf Weckermann von seinen Kindern begleitet wird. Während sich sein Sohnemann die Saitenaxt umhängt, nehmen zwei Töchter neben ihm bzw. auf seinem Schoß Platz und spielen Xylophon. Das macht seine Ansage zu dem Song dann noch passender. “Jede gemeinsame Minute ist wichtig” und “Niemand braucht seine Kinder in den Krieg zu schicken“. Recht hat er.

Damit hätten wir dann auch schon die Hälfte des Sets und die obligatorische Ballade geschafft. Von jetzt an geht’s in Hansdampf-Manier so richtig rund. “Bomber” und “Taub für immer” fliegen wie Geschosse aus den Boxen und werden kräftig abgefeiert. Auch die Lichtshow kommt mittlerweile richtig gut zur Geltung und sitzen mag auch niemand mehr. Da kommen “Orgasmatron”, “R.A.M.O.N.E.S.” und “Luise, Luise” natürlich genau richtig. Bei “Zurück auf der Straße” darf dann Weckermann’s Sohnemann noch einmal ran. Dieses Mal allerdings mit Papas Bass. Weckermann konzentriert sich hingegen auf den Gesang. Abgeschlossen wird das reguläre Set dann mit “Weckörhead” und “Am Tod krepiert”.

Weckörhead
Weckörhead. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Im Zugabenblock brechen Weckörhead kurz aus dem Lemmy-Tribute-Modus aus und bringen mit “Brich das Gesetz” eine deutsche Coverversion des Judas Priest-Klassikers “Breaking The Law”. Hier ist auch Heaven noch mal wieder mit am Start. Bei “Frühreif” dreht die Band noch einmal voll auf. Und dann ist es Zeit für das große Finale. Und das kann gar nichts anderes sein als “Overkill”. Das stehe sogar im Rock’n’Roll Grundgesetz, merkt Weckermann an.

Hier geben alle auf der Bühne noch einmal alles, und auch vor der Bühne wird noch einmal steil gegangen – jedenfalls insofern das unter Einhaltung der Abstandsregeln möglich ist. Und so geht dieses Konzert nach rund zwei Stunden mit einem musikalischen Feuerwerk zu Ende. Leider muss ich mich jetzt schon unheimlich sputen, um noch meinen Zug zu bekommen. So bleiben mir Einblicke in die After-Show-Moment leider verwehrt.

 

Insgesamt war es aber auf jeden Fall ein gelungener Konzertabend. Es tat gut, nach so langer Zeit endlich mal wieder Livemusik genießen zu können. Hierfür gilt den Veranstaltern ein großer Dank. Ein Lob darf man aussprechen für die gute Organisation und das disziplinierte Verhalten der Konzertbesucher. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass wir möglichst bald wieder Konzerte unter halbwegs normalen Bedingungen erleben dürfen.

Stay Safe!

Setlist Xaja

  1. Better Trip
  2. Good News
  3. Big Fat Mama
  4. Can’t Buy Me Love
  5. Close To The Line
  6. Now And Here
  7. Backdoor
  8. Dancing With The Devil
  9. Dirty Line
  10. Rough Location

Setlist Weckörhead

  1. Eisenfaust
  2. Bleib Klar
  3. Voll auf dem Gaspedal
  4. …. Nach Rio
  5. Tanz auf deinem Grab
  6. Scheinen
  7. In Osnabrück
  8. Berühr mich nicht
  9. Kein Stil
  10. D-Das Pik As
  11. Ich bin der Doktor
  12. Zu spät, zu spät
  13. 1916
  14. Nur weil ihr die Macht habt, habt ihr noch lange nicht das Recht
  15. Bomber
  16. Taub für immer
  17. Nur für dich
  18. Orgasmatron
  19. R.A.M.O.N.E.S
  20. Luise, Luise
  21. Zurück auf der Straße
  22. Weckörhead
  23. Am Tod krepiert
  24. Brich das Gesetzt (Zugabe)
  25. Frühreif (Zugabe)
  26. Overkill (Zugabe)
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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