Cultus Ferox, Harpyie – Medieval Thunder Tour

Herzlich Willkommen zur Freakshow des wilden Lebens. So oder so ähnlich könnte man das Konzert von Cultus Ferox und Harpyie am 07.11.2015 im Osnabrücker Bastard Club in etwa zusammenfassen. Zur Veröffentlichung ihrer neuen Studioalben waren nämlich eben diese Bands aufgebrochen um unter dem Motto Medieval Thunder eine wilde und ausgelassene Party zu feiern. 

Pünktlich um 20:00 Uhr legen die Sturmvögel von Harpyie los und eröffnen das Set mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums „Freakshow“. Sänger Aello, der zu Beginn eine ziemlich schaurig aussehende Maske in Form einer Harpyie trägt, kommt auf die Bühne und heißt das Publikum Willkommen. Bereits jetzt ist das vordere Drittel des Konzertraums gut gefüllt und auch die Stimmung ist ausgelassen. Viele Besucher scheinen extra für Harpyie angereist zu sein. Davon profitiert die Band aus Löhne und scheint geradezu angestachelt zu sein.

Die Bühnenperformance ist entsprechend der kleinen Bühne sehr familiär, aber ebenfalls gut. Der wuchtige Sound steht den Stücken des aktuellen Albums gut zu Gesicht. Ganz besonders Songs wie „Fauler Zauber“ oder „Tanz auf meinem Grab“ gehen unheimlich nach vorne und lassen einen überhaupt nicht mehr still stehen. Hier zeigt sich sehr gut die Live-Tauglichkeit des Materials. Auch was die Improvisations- und Entertainment-Künste der Band angeht, kann der Sechser überzeugen. Nach einem Spielfehler muss man beispielsweise bei „Dunkle Wissenschaft“ noch einmal neu beginnen. Diese Situation wird von der Band aber gut gemeistert und vom Publikum schnell verziehen. Viel zu schnell vergeht die Zeit und so ist der Auftritt nach knapp 45 Minuten auch schon vorbei. Zum Ende kommen die Fans aber noch einmal in den Genuss des Knallers „Sturmvögel“ mit welchem sich Harpyie dann verabschieden. Für meinen Geschmack hätte man ruhig noch etwas länger spielen können, um vielleicht noch den einen oder anderen Song der vorherigen Alben zum Besten zu geben. Sowohl „Blindflug“ (2012) und auch „Willkommen im Licht“ (2013) sind mir nämlich deutlich unterrepräsentiert. Nichtsdestotrotz haben Harpyie einen sehr guten Auftritt hingelegt der Lust auf mehr macht.

Mindestens genauso fulminant wie Harpyie starten dann Cultus Ferox ihren Auftritt. Hier ist der Bandname, welcher übersetzt etwa so viel wie „wilder Lebensstil“ bedeutet, Programm.  In der Musik der Berliner Mittelalterband dominieren Dudelsack, Pfeife und Schalmei. Aber auch die harten Gitarren kommen an diesem Abend gut durch. Schon der Opener „Seelentanz“ gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was das Osnabrücker Publikum heute erwartet. Leider hat jedoch ein Großteil der Besucher den Keller bereits verlassen und so stehen Cultus Ferox zunächst vor einem eher mäßig gefüllten Saal. Davon lassen sich die Protagonisten auf der Bühne aber keinesfalls beirren und ziehen ihre energiegeladene Show selbstbewusst durch. Nach dem Opener versucht man es zunächst mit altgedientem Material wie „Helden“ oder „Grenzenlos“. Das kommt bei den Anwesenden gut an und lockt scheinbar auch einige Leute wieder vor die Bühne. Die Stimmung steigt jedenfalls von Lied zu Lied merklich an. Auch neues Liedgut wie zum Beispiel der Titeltrack des aktuellen Albums „Nette Jungs“ wird standesgemäß abgefeiert. Die Musiker selbst haben enormen Spaß und feiern auf der Bühne eine fette Party. Dabei verstehen sie es heute bestens mittelalterliche Klänge mit Piraten-Flair und einer ordentlichen Portion Deutschrock Attitüde in die Menge zu schießen. Das Publikum dankt es der Band lautstark und spendet Applaus. Spätestens beim Bandklassiker „Ahoii“ gleicht der Bastard Club einem Hexenkessel in dem gesungen, gesprungen und geklatscht wird.

Und so kommt die Band nach dem regulären Set auch nicht um eine Zugabe herum, lässt sich dazu aber auch nicht lange bitten. Viel lieber beschließt sie dieses tolle Konzert mit drei knackigen Stücken, welche mit „Spielmann Reise“ auch noch mal einen großartigen Song vom neuen Album beinhalten. Doch nach etwa zwei Stunden ist auch diese wilde Feier vorbei, hinterlässt aber durchweg positive Eindrücke und viele glückliche Gesichter.

Sehr positiv ist heute auch noch einmal hervorzuheben, dass sowohl Harpyie als auch Cultus Ferox nach ihren Auftritten nicht einfach in den Backstage Raum verschwinden sondern den Fans für nette Gespräche, Fotos und Autogramme zur Verfügung stehen. Auch das ein oder andere Kaltgetränk wird dabei geleert. So müssen Konzertabende eigentlich immer sein.

Setlist Harpyie

  1. Freakshow
  2. Monster
  3. Fauler Zauber
  4. Elisa
  5. Tanz auf meinem Grab
  6. Der schwarze Mann
  7. Dunkle Wissenschaft
  8. Das Zweigesicht
  9. Wahnsinn
  10. Blue (Eifel 65 Cover)
  11. Sturmvögel

Setlist Cultus Ferox

  1. Intro
  2. Seelentanz
  3. Helden
  4. Grenzenlos
  5. Zorn Gottes
  6. Nette Jugs
  7. Blendwerk
  8. Tamfanae
  9. Aufwind
  10. Finne
  11. Verlorene Seelen
  12. Ahoii
  13. Goldene Zeiten
  14. Wer du bist
  15. Brenner

Zugabe

  1. Spielmann Reise
  2. DFVFDW
  3. Der Grieche
Über Erle 111 Artikel
Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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