Vulture – The Guillotine

Vulture - The Guillotine

Release: 25.08.2017
Gerne: Speed Metal
Label: High Roller Records
Homepage: http://www.vulturekills.com/

Die Debüt-EP „Victim To The Blade“ (Review hier) sorgte bei Speed-Metal-Fans für Aufsehen und wurde von der Redaktion des Deaf Forever auf Platz 46 der 100 besten Speed-Metal-Alben gewählt, noch vor Schwergewichten wie Whiplash, Hirax, Holy Terror und Morbid Saint. Aber auch jüngere Kollegen wie Ranger, Striker, Seax, Evil Invaders und Stallion wurden auf die Plätze verwiesen. Zudem gab es Auftritte in Spanien und Großbritannien und auf renommierten deutschen Veranstaltungen. Reichlich Gründe also, ordentlich die Hosen voll zu haben.

Und auch wenn die Jungs selber zugeben, dass sie sich ordentlich Druck gemacht haben, ist auf „The Guillotine“ wenig davon zu merken. Zumal es sich ja auch nicht um unbeschriebene Blätter handelt, spielt man doch außerdem noch in Bands wie Bulldozing Bastard, Hellhunt oder Wifebeater. Die Platte bietet rohen Speed Metal, der direkt aus 1983 zu stammen scheint. Fieses, an Exciter und Agent Steel erinnerndes Riffing und Vocals wie sie Paul Baloff und Nasty Ronnie nicht krasser hinbekommen hätten. Hin und wieder erinnert L. Steeler aber auch an Dark Angel’s Don Doty. Doch auch der Rest der Band geht mit ähnlicher Vehemenz vor. Die Drums rödeln ordentlich durch die Songs, und der stetige Einsatz von Roto-Toms lässt „Pleasure To Kill“-Feeling aufkommen. Da drunter pumpt der Maiden-Bass, der beim nächsten Mal ruhig noch prägnanter sein könnte. Die Riffs schwanken zwischen Bay Area Thrash und NWoBHM und sind erstaunlich komplex aufgebaut.

Nach einem herrlich an John Carpenter erinnernden Pianointro bricht der Sturm in Form des genialen Openers „Vendetta“ los. Dieser Song wurde bereits Anfang August als Appetizer auf 7″ Vinyl veröffentlicht, auf dessen B-Seite sich das nicht minder großartige Deep Purple-Cover „Stormbringer“ befindet. Wie schon auf der Demo zu hören, orientiert sich Frontmann Steeler am Gekeife in den oberen Tonregionen und ganz den 80er Jahren entsprechend lassen die ersten lang gezogenen Schreie nicht lange auf sich warten. Bereits jetzt sollte jeder Anhänger der alten Schule abgeholt worden sein. Nach kurzem Intro-Riff peitscht direkt das nächste Highlight aus den Boxen. „Clashing Iron“ lässt dem Hörer keine Zeit zum Durchatmen. Es wird direkt weiter geholzt, so dass es eine wahre Freude ist. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle das gekonnte Bassspiel von A. Axetinctör. Der 4-Saiter gibt dem Stück ein pausenlos treibendes Fundament und unterstreicht die Drums perfekt.

Mit dem Quasititelstück „The Triumph Of The Guillotine“ schalten Vulture einen Gang höher und werden Ihrer eigenen Beschreibung in Sachen High Speed Metal mehr als gerecht. Besonderes Schmankerl: Das kurze, aber prägnant am Eighties-Kitsch kratzende Synthieintro. Das Bremspedal bei diesem metallischen Sahnestück in Albumform wurde definitiv ausgebaut: Ohne auch nur einmal am Tempo zu schwanken, brettern die vier Kerle weiter durch „Electric Ecstasy“, bei dessen Chorus die Faust ganz unwillkürlich geballt in die Luft geht. Erst beim Intro zu „Adrian’s Cradle“ wird der Synthesizer das erste Mal ausgiebig verwendet, um eine atmosphärische Einleitung für das folgende Stück zu schaffen. Knapp anderthalb Minuten kurz Luft holen bevor man wieder voll beschleunigt. Als besonderes Leckerli gibt es ein Gastsolo von Enforcers Olof Wikstrand. Wer auch nur im entferntesten Freude an klassischem Heavy und Speed Metal verspürt, der wird bereits gierig zur zweiten Hälfte des Albums schielen, und derjenige kann sich auf das nächste hochglanzpolierte, metallische Glanzlicht einstellen. Doch bevor man mit dem eher im Midtempo angesiedelten „(This Night Belongs) To The Dead“ die Nackenmuskulatur strapazieren kann, entführen uns Vulture kurz wieder in elektronische Gefilde mit mehr „Ahs“ als „Ohs“: Das Intro erinnert an alte 16-Bit Rollenspiele. Beim wieder deutlich schnelleren „Paraphilliac“ bewegen sich die Ostwestfalen auf die Zielgerade zu und lassen „The Guillotine“ mit dem finalen „Cry For Death“ episch ausladend enden.
Der erste Gedanke, der mir nach Durchlauf eins der Platte in den Kopf schoss: Nochmal! Und dann immer wieder! Vulture liefern mehr als nur eine Hommage an goldene Speed-Metal-Zeiten der frühen 1980er Jahre ab. Es ist ein Manifest dessen, was allen Bandmitglieder aus jeder Pore tropft: Metal; nicht mehr und nicht weniger. Es gibt keinen Grund, einem Thrash-, Heavy- oder Speed-Metal-Enthusiasten keine glasklare Kaufempfehlung auszusprechen. So muss das und nicht anders! Vulture sind mit diesem Sound zwar heutzutage nicht alleine. Man nehme nur Bands wie die belgischen Evil Invaders oder die finnischen Ranger, aber keine schafft es, die Essenz dessen, was bereits vor Jahrzehnten unsterbliche Langrillen begründet hat, so glaubwürdig in das Hier und Jetzt zu verfrachten. Für mich definitiv eines der besten Alben der letzten Jahre und Pflichtprogramm für das Keep It True Festival 2018 (wir werden berichten).

In Verbindung mit dem sexy Cover liefern Vulture hier ein einfach saugutes Debütalbum ab, das die hohen Erwartungen mehr als erfüllt und die Band endgültig an die Spitze im Genre Speed Metal katapultieren wird. Absolute Kaufempfehlung!

Tracklist:

  1. Vendetta
  2. Clashing Iron
  3. Triumph Of The Guillotine
  4. Electric Ecstasy
  5. Adrian’s Cradle
  6. (This Night Belongs) To The Dead
  7. Paraphiliac
  8. Cry For Death

Review von Acheron & Padre

Über Padre 62 Artikel
I use my anger as a tool, I feel the pain, I ain't no fool, I will not stack my rage upon the shelf, I'll always keep my negative self!

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*