Avantasia – Moonglow World Tour 2019 12.04.2019 - OsnabrückHalle, Osnabrück

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Avantasia spalten die Gemüter. Ist das schlechter Metal, ist das guter Pop oder kann das weg? Eines kann man ihnen jedoch nicht versagen: fehlendes Showtalent, denn die Produktion ist die größte, die es bisher gab. Dafür macht sogar die sonst so spießbürgerliche OsnabrückHalle ihre Tore auf.

Und diese ist auch gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft. Selbst ich bekomme im Vorverkauf nur noch Sitzplätze in der Loge und wer jetzt behauptet, dass sitzen untrue wäre, der hat noch nie 3 1/2 Stunden auf unbequemen Konferenzsaal-Stapelstühlen gesessen. Mein Gott, tut mir der Hintern weh.

Neuerdings schein es ja en vouge zu sein, dass man vor dem eigentlichen Intro noch einen klassischen Rocksong zum Anheizen spielt. Während also die Bühne hinter einem großen Avantasia-Vorhang verborgen liegt, ballert “You Shook Me All Night Long” von AC/DC aus der Hallen-PA, die seit dem letzten Gastspiel von Blind Guardian wohl keine harte Musik mehr gespielt hat. Viel vertrauter sollte dann das eigentliche Intro, Ludwig Van Beethovens 9. Symphonie “Ode an die Freude”, sein, bevor der Vorhang fällt und Herr Tobias Sammet mit dem ersten Song “Ghost In The Moon” den XXL-Set eröffnet. Schon mit dem zweiten Stück “Starlight” kommt mit Ronnie Atkins (Pretty Maids) der erste Gastsänger auf die Bühne.

Der Sound ist glasklar und angenehm von der Lautstärke her. Man braucht tatsächlich keinen Gehörschutz und auch das Bühnenbild hat sich verändert. Zwar sind es immer noch die zwei bekannten Treppenaufgänge, die man aus vergangenen Touren kennt, aber diese haben jetzt den Anschein als wären sie aus Stein gebaut. Einige Torbögen und Laternen stehen auch auf der Bühne und das Backdrop ist einer Leinwand gewichen, auf der stimmungsvolle Projektionen zu sehen sind. Eine davon könnte auch aus J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe stammen, denn sie sieht aus wie ein gewaltiger Ent (ihr wisst schon, diese riesigen sprechenden Bäume).

Bei “The Raven Child” betritt der Norweger Jorn Lande die Bühne. Tobi erzählt, dass dieser Song eigentlich die Single des Albums ist, dem Label das Stück mit fast 12 Minuten allerdings zu lang war und es lieber eine knackige 3-Minuten- Radioversion gehabt hätte. Laut Sammets Version der Geschichte fragte er sein Label darauf: “Wann hat jemals im deutschen Foxtrott Radio handgemachte alternative Musik stattgefunden?”, und Recht hat er ja mit der Aussage, wenn man bedenkt, dass die gesamte Hartwurstsektion gerade mal auf AC/DC, MetallicaGuns N`Roses, Volbeat und vielleicht mal die Scorpions und deren einen bekannten Song beschränkt wird. Bei “Alchemy” darf dann zum ersten Mal Geoff Tate (Operation Mindcrime, ex-Queensrÿche) beweisen,  dass er immer noch ein starker Sänger ist. “Lucifer” ist bereits der siebte Song, der vom neuen Album “Moonglow” bzw. vom Vorgänger “Ghostlights” gespielt wird. Erst mit “Reach Out For The Light” kommt der erste Klassiker ins Set, der von Tobi und Gitarrist Oliver Hartmann im Duett gesungen wird.

Das Michael Sembello-Cover “Maniac” ist wohl die erste Fremdkomposition, die bei Avantasia gespielt wird, und hierfür tritt Mr. Big-Frontmann Eric Martin auf die Bretter, der auch gleich den Klaus Meine-Ersatz Michael Kiske bei “Dying For An Angel” vertritt. Tobi gibt auch erstaunlich viele Songs, die er auf vergangenen Touren selber gespielt hat, an seine Gäste ab, was die älteren Songs um einiges frischer klingen lässt. Bob Catley (Magnum) darf so zum Beispiel auch “The Story Ain´t Over” übernehmen. Auch die überlange Hymne “The Scarecrow” wird von Jorn Lande übernommen. Generell ist der Set heute auch mit vielen Monolithen, die problemlos die 10-Minuten-Marke knacken, gefüllt. Das sind Stücke, die andere Bands aufgrund ihrer Länge nie spielen würden, was das Ganze dann schon besonders macht. “Twisted Mind” und “Avantasia” werden dann wieder von Geoff Tate übernommen. Und auch die Eurovisions-Bewerbung “Mystery Of A Blood Red Rose”, wohl für viele Mainstreamer im Publikum das bekannteste Stück, kommt zum Einsatz. “Lost In Space” ist so ziemlich der kürzeste Track im ganzen Set und beendet den offiziellen Teil.

Zwei Zugaben haut Tobi dann aber doch noch raus, zum einen das ebenfalls schon zur Bandhymne avancierte “Farewell” und “Sign Of The Cross”, bei dem noch einmal alle Gastmusiker zum Einsatz kommen. Soweit also ein guter Abend. Allerdings merkt man, dass das Personal der OsnabrückHalle mit dieser Art des Publikums keine Erfahrung hat. Denn als ich bei der gewohnten halbstündigen Bandvorstellung von Sammets Mitmusikern mir ein Bier holen will, hat die Bar auf den Logen schon geschlossen, und ich muss nach unten in die Lobby gehen. Kurz nach dem Konzert gibt es aber auch dort kein Bier mehr und nur noch die Bar direkt im Konzertsaal verkauft Getränke. Das ist nicht nur unverschämt, es sorgt auch nicht gerade dafür, dass hier neue Kunden gewonnen werden können. Fan-Service ungenügend. Setzen Sechs.

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