Bethlehem – Lebe Dich Leer VÖ: 17.05.2019, Prophecy Productions, Black Metal

Lebe Dich Leer

Um ehrlich zu sein, bin ich erst durch Eisregens “Fegefeuer” auf die Band gestoßen, die ich euch heute vorstellen möchte. Auf dem Album haben sie Bethlehems „Das 4. Tier Aß Den Mutterwitz“ gecovert. Ein Song, der allein durch seine Lyrik im Gedächtnis bleibt. Natürlich musste ich mir sofort das Original anhören und traf auf ein Projekt, das sowohl musikalisch, als auch textlich eine grandiose Vorlage für die Kunst des Black Metals liefert. Am 17. Mai erschien ihr neues Album „Lebe Dich Leer“, das ich euch nun auch vorstellen möchte.

Mit dem Albumtitel „Lebe Dich Leer“ erwartet man vielleicht schon ein DSBM-Werk. Und was soll man sagen, „Verdaut In Klaffenden Mäulern“ legt dafür schon mal ein ordentliches Grundgerüst. Grotesker Kehlgesang mit wehleidig, klagender Stimme unter starkem, abwechslungsreichen Sound. Die Musik heizt den Ofen ordentlich an und hebt die Spannung auf das, was noch kommt.

Mit ruhigem Sound gibt „Niemals Mehr Leben“ im Intro den ersten Moment zum Durchatmen, um sich dann im melancholischen Sturm zu verlieren. Wie Blätter, die vom Wind getragen werden, zieht auch dieser Titel melancholisch und trist vor dem eigenen Auge vorbei. Von leichten Elektroklängen unterstützt, schaffen Bethlehem schon hier den ersten Höhepunkt ihrer neuen Platte. Umhüllt von Stille und den wiederkehrenden, düsteren Elektroeinspielungen schafft „Ich Weiß, Ich Bin Keins“ eine Stimmung, die unter die Haut geht. Gruselig, wie eine Emotion so entstehen kann. Auf der einen Seite diese wutentbrannte Traurigkeit, auf der anderen Seite fühlt sich dieser Titel so unfassbar steril an.

Stelle man sich nun einmal bitte vor, wie sich langsam eine Bohrmaschine in die Schläfen dreht. So drückt sich „Wo Alte Spinnen Brühten“ in den Kopf. Ein Bombast irgendwo zwischen Doom und Black Metal. Stimmungen werden innerhalb des Songs aufgebaut und gekonnt niedergerissen, so als wäre das alles nur eine Farce, ein kleiner Augenblick. Doch dann holt einen „Dämonisch Im Ersten Blitz“ zurück in das Hier und Jetzt. Das Tempo wird ordentlich angezogen und musikalisch marschiert man vorwärts. Ein Titel einfach mal zum abgehen, jenseits der schweren Kost.

Doch ohne diese Kost würde das Quartett nicht klarkommen. Den Beweis liefert uns „An Gestrandeten Sinnen“ wieder einmal. Die sehr hohe Messlatte, die sich die Band von Track zu Track selber höher steckt, wird abermals durchbrochen. Der Wahnsinn, was diese Truppe aus Musik, Stimmung und Musik zu einer einzelnen Ästhetik schafft. Die „Ode An Die Obszöne Scheußlichkeit“ läutet dann schon das letzte Drittel des Albums ein. Ein weiteres Mal zieht man das Tempo ordentlich an, ohne dabei die Schönheit an gräuslicher Stimmung zu zerbrechen. Gerade Freunde des „härteren“ Schwarzmetalls werden hier ihre Freude finden.

Was erwartet man von einem Titel, der „Aberwitzige Infraschall-Ritualistik“ heißt? Fetzen tut er alle Male. Ein Werk, das richtig schön drückend, gar treibend wirkt und in der sonst so melancholischen Grundstimmung des Werkes beweist, dass Bethlehem auch einfach mal die Messer wetzen kann. Diesen Zustand legen die vier Musiker auch bei „Bartzitter Flumgerenne“ nicht ab. Dennoch mischt man hier das Tempo mehr mit den Stimmungen der vorherigen Songs, als es im achten Titel der Fall war. Abschließend gibt es nur noch eins zu sagen: “Lebe Dich Leer” spricht für sich. Doch wer die schwere Kost einmal verdaut hat, der wird nie wieder satt davon werden.

Homepage: https://www.facebook.com/bethlehemofficial

Tracklist:

1. Verdaut In Klaffenden Mäulern
2. Niemals Mehr Leben
3. Ich Weiß Ich Bin Keins
4. Wo Alte Spinnen Brüten
5. Dämonisch Im Ersten Blitz
6. An Gestrandeten Sinnen
7. Ode An Die Obszöne Scheußlichkeit
8. Aberwitzige Infraschall-Ritualistik
9. Bartzitter Flumgerenne

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