Blind Guardian Twilight Orchestra – Legacy Of The Dark Lands VÖ: 08.11.2019, Nuclear Blast, Symphonic (Metal)

Legacy Of The Dark Lands

Was lange währt, wird endlich gut. Mit diesem Satz kann man „Legacy Of The Dark Lands“ wohl am besten beschreiben. Ganze 23 Jahre hat es gedauert, bis das Blind Guardian Orchesteralbum fertig geworden ist. Damit toppen die Protagonisten Hansi Kürsch und André Olbrich sogar „Chinese Democracy“ von Guns’N’Roses, welches immerhin rund 14 Jahre gebraucht hat.

Doch um es gleich vorweg zu nehmen, das Warten hat sich gelohnt, denn mit “Legacy Of The Dark Lands” ist den Krefeldern ein monumentales Meisterwerk gelungen. Es ist ein Album, welches vor Bombast, Opulenz und Vielseitigkeit nur so strotzt. Gleichzeitig spannt es einen Bogen über das gesamte musikalische Schaffen von Blind Guardian seit “Nightfall In Middle Earth”. Und das Ganze komplett ohne verzerrte Gitarren. Dafür allerdings mit dem famos aufspielenden 90-köpfigen Prague FILMharmonic Orchestra.

Die größten Parallelen sind wohl tatsächlich zum 1998er Output „Nightfall in Middle Earth“ zu sehen. Wieder hat man die gleiche Struktur übernommen und Textpassagen zwischen die einzelnen Musikstücke eingestreut. Aber auch die späteren Alben von „A Night At The Opera“ bis hin zu „Beyond The Red Mirror“ sind musikalisch präsent. Dies zeigt sich vor allem an den komplexen und zum Teil sehr progressiven Songstrukturen nahezu aller Songs.

Vergleicht man die kompositorischen Elemente auf „Legacy Of The Dark Lands“ mit den regulären Blind Guardian-Alben nach “Nightfall In Middle Earth”, stellt sich mir an vielen Stellen die Frage, ob diese Alben das Orchesteralbum beeinflusst haben oder andersherum. Egal, auf jeden Fall sind sie musikalisch sehr eng verzahnt.  Lyrisch hat man sich, wie schon auf „Nightfall In Middle Earth“, wieder einem Fantasy-Thema angenommen, wenn auch dieses Mal mit geschichtlichem Hintergrund.

Konkret gesagt ist „Legacy Of The Dark Lands“ die Fortführung des Romans „Die dunklen Lande“ von Markus Heitz. Dort geht es unter anderem um die persische Mystikerin Thamina und den Söldner Nicolas, der ein apokalyptisches Geheimnis in sich trägt. Zeitlich ist der Roman sowie auch das Album in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges verortet. Allerdings werden neben historischen Gegebenheiten auch zahlreiche Fantasy-Elemente mit eingebracht.

Musikalisch gesehen finden sich auf „Legacy Of The Dark Lands“ haufenweise bekannte Trademarks aus Krefeld. So sind die Blind Guardian typischen Melodien beispielsweise allgegenwärtig und werden von Hansis charismatischer Stimme bestens umgesetzt. Als Beispiel sei an dieser Stelle „In The Underworld“ genannt. Auch mit Chorpassagen hat man auf „Legacy Of The Dark Lands“ nicht gegeizt. Hinzu kommen die vielschichtigen Arrangements, die wir bereits von den letzten Blind Guardian-Veröffentlichungen wie „At The Edge Of Time“, aber vor allem „Beyond The Red Mirror“, kennen.

Mal mit Wucht und Kraft wie in „War Feeds War“ und mal mit verspielter Präzision wie in „The Great Ordeal“ liefert das Orchester einen komplexen und manchmal schwer zu fassenden Klangteppich. Auch das bedrohlich wirkende “In The Red Dwarf’s Tower” und das mit 7:17 längste Stück des Albums “Harvester Of Souls” unterstreichen diese Komplexität. Dabei entwickeln die Instrumentalisten eine ganz eigene Dynamik, die der Dramaturgie des Albums allerdings voll und ganz gerecht wird. Wer sich auf das Material einlässt, wird sich gedanklich schon bald inmitten der Geschichte um Thamina und Nicolas wiederfinden.

Zugegeben, „Legacy Of The Dark Lands“ ist kein Album, welches man nach dem ersten Durchlauf vollends erfassen kann. Dafür beinhaltet es einfach zu viele Details, unvorhergesehene Wendungen und zu wenige Fixpunkte, wie beispielsweise klassische Refrains. Vielmehr wird der geneigte Hörer mehrere Anläufe brauchen, mit dem etwas sperrigen Material zurecht zu kommen. Darum macht es an dieser Stelle auch wenig Sinn, noch weiter auf einzelne Songs einzugehen. Das würde einfach den Rahmen dieses Reviews sprengen. Außerdem funktioniert das Album eh nur in Gänze richtig.

Wie schon eingangs erwähnt, haben Blind Guardian mit “Legacy Of The Dark Lands” ein monumentales Meisterwerk erschaffen, welches auch beim zehnten oder fünfzehnten Hören noch Neues zu bieten hat. Das Album ist auf jeden Fall eines der Highlights des Jahres 2019.

Tracklist:

  1. 1618 Ouverture
  2. The Gathering
  3. War Feeds War
  4. Comets And Prophecies
  5. Dark Cloud’s Rising
  6. The Ritual
  7. In the Underworld
  8. A Secret Society
  9. The Great Ordeal
  10. Bez
  11. In the Red Dwarf’s Tower
  12. Into the Battle
  13. Treason
  14. Between the Realms
  15. Point of No Return
  16. The White Horseman
  17. Nephilim
  18. Trial And Coronation
  19. Harvester of Souls
  20. Conquest Is Over
  21. This Storm
  22. The Great Assault
  23. Beyond the Wall
  24. A New Beginning

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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