Festivalbericht – Rockharz Open Air 2019 03.07. - 06.07. 2019, Flugplatz Ballenstedt

Flyer-Rockharz-Open-Air-2019

Sommerzeit ist Festivalzeit und Festivalzeit ist Rockharz-Open-Air-Zeit. Und so ist das Heavy Stage Force Team auch in diesem Jahr wieder auf dem Flugplatz in Ballenstedt zu Gast, um zusammen mit rund 20.000 Besuchern eine entspannte Metal Party zu feiern. Bei überwiegend bestem Festivalwetter geben sich auf der Doppelbühne am Fuße der Teufelsmauer über 50 großartige Bands die Klinke in die Hand, um das Publikum zu begeistern. 

Dienstag

In den 11 Jahren, in denen ich nun schon auf Festivals fahre, habe ich noch nie eine so schlecht organisierte Ankunft erlebt. Geschlagene 4 Stunden brauchen wir, um überhaupt auf das Gelände zu kommen. Das Verkehrschaos, das die Anreise verursacht ist so groß, dass sogar die Polizei den Veranstaltern die Pistole auf die Brust setzt, um dafür zu sorgen, dass die Straßen wieder frei werden. Am Ende gibt man das ganze Konzept auf und zumindest wir werden weder nach Tickets gefragt, noch das Gepäck nach Glas durchsucht. Hier muss dringend etwas geschehen, denn eine solche Unfähigkeit habe ich noch nicht erlebt. Positiv wäre aber noch zu bemerken, dass es wenigstens beim Merch Verbesserungen gibt. So hat man nun eine einheitliche Warteschlange eingerichtet, sodass es kein Gedränge mehr gibt. Und mit Bestellkarten, auf denen man einfach nur noch das gewünschte Objekt ankreuzen muss, geht auch die Bestellung schneller. (Inquisitor)

Mittwoch

Die Anreise am Mittwoch gestaltet sich im Gegensatz zur Dienstagsanreise hingegen vollkommen problemlos. Lediglich an der Schleuse zum Festivalgelände staut es sich ein wenig. Insgesamt gibt es hier aber nichts zu meckern. Auch unser Campground ist schnell gefunden. Die Tatsache, dass wir vorab eine Parzelle gebucht haben, erweist sich als kluge Entscheidung, denn der reguläre Campground sieht am Mittwochmittag schon verdammt voll aus.

Nachdem schnell das Camp eingerichtet und ein paar Begrüßungsbiere getrunken sind, geht es auch schon los zur Bändchenausgabe, die ebenfalls zügig vonstatten geht. Weniger schnell voran geht es dafür am Merchstand. Zwar hat man nun endlich ein Leitsystem eingerichtet, die Wartezeit kann damit allerdings für die meisten Besucher nicht entscheidend gekürzt werden. Die einzig sinnvolle Lösung zur Entzerrung scheint ein zweiter Merchstand zu sein. Vielleicht sollte man das einmal für das kommende Jahr überlegen. (Erle)

Doch nun erst einmal zum Wichtigsten:

Den Bands

From North eröffnen das Festival um 16:30 Uhr. Geboten wird paganistischer Metal, der sich aber nicht so ganz entscheiden kann, ob er in die traditionelle oder extreme Richtung möchte. Der Frontmann sieht aus wie eine Mischung aus Rob Halford und dem Zwerg Gimli und scheinbar weiß er auch nicht so ganz, was er hier macht. Sein Stageacting beschränkt sich darauf, von links nach rechts und wieder zurück über die Bühne zu tigern. Als Opener allerdings eine ganz solide Band. (Inquisitor)

Nachdem das Festival von den Schweden From North eröffnet wurde, füllt sich das Gelände bei Brothers Of Metal merklich. Dies mag nicht zuletzt daran liegen, dass es die erste Tour der ebenfalls schwedischen Truppe ist. Die acht Musiker (davon eine Sängerin und zwei Sänger) machen von Anfang an richtig Laune und können mit Songs wie „Prophecy of Ragnarök“, „Siblings Of Metal“ oder der schnulzigen Ballade „Yggdrasil“ punkten.

Dabei macht die Band mit ihrer martialischen Verkleidung auch optisch gut was her und passt zum Power Metal mit Folk-Anleihen, den die Truppe spielt. Der Sound lässt zwar etwas zu wünschen übrig, aber das ist auch zu einem großem Teil dem teilweise heftig pfeifenden Wind geschuldet und ist bei dieser Show zu verkraften. Die Fans vor der Bühne feiern jedenfalls nach allen Regeln der Kunst mit Springen, Klatschen und Hüpfen. (Erle)

Die polnischen Death Metaller von Vader knüppeln sich solide durch die Botanik. Allerdings ist das getriggerte Schlagzeug dann doch etwas zu dominant. Mit “This Is The War” spielt man einen Song, der in der Vergangenheit nicht häufig in der Setlist stand. Dass man “Sword Of The Witcher” spielt, ist nur logisch, denn einerseits kommt die Witcher-Spielereihe ebenfalls aus Polen (Worauf man in dem Land sehr stolz ist), andererseits sieht Gitarrist und Vorbrüller Peter mittlerweile selber aus wie der Hauptcharakter Gerald von Riva. Und natürlich verlässt keiner den Platz bevor nicht das ikonische Outro, der “Imperial March” aus Star Wars, komplett durchgelaufen ist. (Inquisitor)

Dafür ist die Stimmung bei Vader allerdings bestens. Noch bevor der erste Ton gefallen ist, macht Sänger Piotr „Peter“ Wiwczarek schon die ersten motivierenden Ansagen. Sofort gehen die Pommensgabeln in die Luft und die Show beginnt. Bei einem bunt gemischten Set, welches auch vor alten Alben wie „De Profundis“ oder „Black To The Blind“ nicht halt macht, fliegen den Fans die Blasts um die Ohren. Drummer James Stewart verdrischt die Felle derweil wie ein Tier und macht dabei eine ziemlich gute Figur. Und so vergeht die Zeit fast wie im Fluge und eh man sich versieht ertönt auch schon das obligatorische Darth Vader Outro aus den Boxen. (Erle)

J.B.O. polarisieren die Metal Szene seit jeher. Dennoch haben es die Erlangener Blödelbarden immerhin schon auf eine 30-jährige Bandgeschichte gebracht. Das muss natürlich ordentlich gefeiert werden. Und so wird im gut gefüllten Infield eine große schwarz-rosa-goldene Hitparade gefeiert. Klassiker wie „Bolle“, „Schlumpfozid im Stadtgebiet“ oder „Mei Alde Is Im Playboy Drin“ werden dabei natürlich derbe von den Fans abgefeiert. Aber auch das „Who Let The Dogs Out“ Cover „Wer Lässt Die Sau Raus” vom gleichnamigen neuen Album wird von den Fans lautstark mitgesungen.

Insgesamt ist die Band gut aufgelegt und Sänger Vito C. hat das Publikum mit seinen kurzweiligen Ansagen bereits nach kurzer Zeit voll im Griff. Positiv fällt zudem auf, dass die zuletzt doch ziemlich nervigen Showeinlagen auf der Bühne etwas zurückgefahren wurden und die Band nun wieder mehr im Mittelpunkt steht. So machen auch das auf „Rockharz Ist Nur Einmal Im Jahr“ umgedichtete „Wacken Ist Nur Einmal Im Jahr“ und das altbekannte „Ein Guter Tag Zum Sterben“ richtig Spaß. (Erle)

Auf U.D.O. darf man heute besonders gespannt sein. Schließlich hatte der ehemalige Accept-Sänger bereits vor einigen Jahren angekündigt nur noch eine Tour mit Accept-Songs zu spielen, um dann danach darauf zu verzichten. Diese Tour wurde dann noch einmal verlängert und wurde zu einem großen Erfolg. Heute soll es also nur mit U.D.O.-Songs zu Werke gehen. U.D.O.‘s Fans scheinen sich auf jeden Fall darauf zu freuen, denn gerade ganz vorne vor der Bühne ist richtig was los. Und auch weiter hinten ist es noch gut gefüllt, obwohl es bei weitem nicht daran herankommt, was beispielsweise Kreator im vergangenen Jahr am Mittwochabend auf das Infield gezogen haben.

Bei gutem, ausgewogenen Sound spielt der Heavy-Metal-Altmeister ein solides Programm mit reichlich Klassikern, aber auch neueren Stücken wie beispielsweise „Rising High“ vom aktuellen Album „Steelfactory“. Dabei bleibt U.D.O. seinem Versprechen treu und spielt tatsächlich keinen Accept-Song. So richtig zünden will das Ganze bei mir aber dennoch nicht. Genauso geht es auch einigen Festivalbesuchern, mit denen ich mich auf dem Weg zum Camp unterhalte. Man muss wirklich allen Respekt vor diesem Mann haben. Aber an Accept-Großtaten wie „Fast As A Shark” oder „Balls To The Wall“ kommt er halt mit U.D.O. nicht heran. (Erle)

Die Solinger Stahlfabrik U.D.O. macht einen Strich unter diesen Tag. Im Grunde kann ich hier dasselbe sagen wie über den Auftritt auf dem Rock Am Härtsfeldsee mit der einen Ausnahme, dass die Kulisse dieses Mal etwas größer ist und das Backdrop mit dem aktuellen Artwork der “Steelfactory”-Scheibe im Hintergrund hängt. Ansonsten wieder ein souveräner Gig. (Inquisitor)

Donnerstag

Am Donnerstag heißt es dann früh aufstehen, denn die erste Band spielt bereits um 11:50 Uhr. Und die ist direkt ein Knaller. Bloodred Hourglass kommen aus Finnland und spielen geilen Melo-Death Metal, der ein wenig an eine Mischung aus Children Of Bodom und In Flames zu ihrer besten Zeit erinnert. Mit ihrem neuen Album „Godsend“ hat die Band zudem eine Scheibe im Gepäck, die in meiner persönlichen Jahreshitparade mit ziemlicher Sicherheit einen vorderen Platz einnehmen wird.

Schade nur, dass die Band vielen anscheinend noch kein Begriff zu sein scheint. Kurz vor dem Gig haben sich nur ein paar wenige Versprengte vor der Bühne eingefunden. Das macht den Finnen aber nichts aus. Schnörkellos und druckvoll preschen die Jungs von Anfang an mit voller Kraft drauflos, sodass sich die Reihen vor der Bühne schnell füllen. Frontmann Jarkko Koukonen kann mit seiner sympathischen Art außerdem auf der ganzen Linie überzeugen und wird nach kurzer Zeit mit in die Luft gestreckten Pommesgabeln und wohlwollendem Kopfnicken belohnt. So spielt man sich in die Herzen der Fans. (Erle)

Die Finnen von Bloodred Hourglass dürfen den Donnerstag eröffnen. Obwohl ich ihren Fronter mit seiner neuen Kurzhaarfrisur kaum erkannt habe, ändert das nichts an der Intensität ihres wunderschönen Melodic Death Metals. Song wie “Valkyrie” zünden einfach direkt. Wer etwas für Melodie im Death Metal übrig hat, sollte die Jungs mal antesten. (Inquisitor)

Der strahlende Sonnenschein, der um die Mittagszeit auf das Gelände hernieder scheint, passt irgendwie nicht so richtig zu der düsteren Gothic Metal Show von Lacrimas Profundere. Dennoch hat sich eine ganz ansehnliche und überdies stimmungsvolle Crowd vor der Bühne eingefunden. Auch die Band selbst ist unheimlich gut aufgelegt und feuert ihre Songs druckvoll in die Menge. Der an alte Tiamat und Sentenced erinnernde Sound kommt bestens beim Publikum an und wird lautstark bejubelt. Daran ist aber auch Sänger Julian Larre, der einen sehr motivierten Einsatz zeigt, nicht ganz unschuldig. Bereits beim dritten Song ist er zum ersten Mal unten auf der Absperrung des Fotograbens zu sehen. Und auch danach fegt er immer wieder voller Enthusiasmus über die Bühne und motiviert seine Fans zum Mitmachen. Hier macht es wirklich Spaß zuzusehen. (Erle)

Van Canto wird für mich vermutlich auf ewig mit dem Rockharz Open Air verbunden sein, da ich sie auf diesem Festival entdeckt habe. In 2007, damals noch in Förste, trat Van Canto zum ersten Mal auf dem Rockharz Open Air auf und überzeugte mit ihrem revolutionären A-cappella Metal. Dieses Jahr sind sie nun zum dritten Mal zu Gast und können sich über bestes Wetter und ein ordentlich gefülltes Infield freuen.

Schon beim ersten Song „If I Die In Battle“ schnellen die Hände der Fans in den Himmel. Die Band ist gut aufgelegt, hat einen tollen Sound und eine abwechslungsreiche Setlist im Gepäck. Neben Metal-Klassikern wie „Ride The Sky“ von Helloween oder dem unkaputtbaren „Rebellion“ von Grave Digger kommen dabei vor allem auch Eigenkreationen wie „To Sing A Metal Song“ oder „Neuer Wind“ sehr gut an. Auch die Gesangsprüfung besteht das Rockharz-Publikum mit Bravour. Optisches Highlight des Auftritts ist allerdings die Frau, die auf ihrem waagerecht auf der Menge liegenden männlichen Partner stehend bei „Hells Bells“ über das Infield surft. Das nenne ich mal Crowdsurfing 2.0. (Erle)

Coppelius sind nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen ein absoluter Genuss. Allein die Tatsache, dass hier statt E-Gitarre und E-Bass Klarinetten, Cello und Kontrabass den Ton angeben, ist schon etwas Besonderes. Hinzu kommen die ausgefallenen Steampunk-Bühnenoutfits und Dekorationen auf der Bühne. Mit diesem Konzept im Rücken präsentiert sich die Band von Anfang an sehr agil. Butler Bastille stachelt die Fans an, sodass das Publikum schon beim ersten Song „I Get Used To It“ wild die Arme über dem Kopf von links nach rechts schwingt. Auch Gags wie das crowdsurfenderweise Ausschenken von Sekt an die Fans wird gebührend gefeiert. Auch musikalisch ist alles im grünen Bereich und zum Ende der Show wird es mit „Risiko“ und dem Iron Maiden-Klassiker „Killers“ dann auch noch einmal richtig laut. (Erle)

Wenn man eine Feuerschwanz Show besucht kann man sich Folgendem sicher sein: Es gibt ein mittelalterliches Spektakel mit Tanz, Spaß und einer gehörigen Portion Ironie. Und genau so ist es auch heute. Des Hauptmanns geiler Haufen ist bestens aufgelegt und versprüht eine Energie, die sich von Anfang an auf das bestens gefüllte Infield überträgt. Schon ab dem Opener „Operation Drachensturm“ springt und klatscht das Publikum als gäbe es kein Morgen mehr. Die Stimmung ist mehr als ausgelassen und immer mehr Crowdsurfer machen sich auf den Weg in Richtung Bühne. Bei „Metnotstand im Märchenland“ darf sogar das Krümelmonster surfen. Zwischendurch gibt es dann beim „Schubsetanz“ noch eine amtliche Wall Of Death, die eine riesige Staubwolke erzeugt. Und auch das in die Hocke gehen und auf Kommando springen funktioniert einwandfrei und zeigt noch einmal eindrucksvoll, wie viele Festivalbesucher zu dieser kurzweiligen Mittelaltershow gekommen sind. (Erle)

Guten alten Ami-Thrash liefert die Band ab, die einfach nicht schlecht spielen kann. Overkill hauen mal wieder ihre Standards in die Menge. Aber selbst das reicht aus, um für gute Stimmung zu sorgen. Egal ob “Ironbound” oder “Elemenation”. Das geht immer und natürlich darf am Amerikanischen Unabhängigkeitstag natürlich auch die Mittelfingerhymne “(We Don`t Care What You Say) Fuck You” nicht fehlen. Fröhlichen 4. Juli. (Inquisitor)

“Hardrock Halleluja” heißt es dann im Anschluss bei den Monstern von Lordi. Man könnte meinen, dass diese Band seit ihrem Grand-Prix-Sieg 2006 für Finnland langsam mal abgemeldet ist. Nee, es ist rappelvoll vor der Bühne. Die Show zeigt Elemente, wie man sie z.B. auch von Lizzy Bordon kennt und ist im Großen und Ganzen sehr kurzweilig. Lediglich das Tageslicht stört etwas. Dafür gibt’s aber eine kurze “We´r Not Gonna Take It”-Interpretation auf Monsterisch. (Inquisitor)

Wintersun feiern 15 Jahre “Wintersun”. Ihr Debütalbum hat deswegen auch sehr viel Platz in der Setlist eingenommen. So eröffnet man direkt mit “Winter Madness” und haut gleich danach “Beyond The Dark Sun” raus. Frontmann Jari wirkt allerdings so ganz ohne Gitarre und nur als Sänger ziemlich verloren. Sein Dio-Gedächtnishemd mit langen weiten Ärmeln und die knallenge Lederhose helfen da wenig. Musikalisch sind sie aber gut, wenn auch nicht überragend. (Inquisitor)

Wintersun machen richtig viel Spaß. Die Band um Mastermind Jari Mäenpää wird ja von den Rockharz-Besuchern seit vielen Jahren erwartet. In diesem Jahr hat es endlich mit dem Auftritt geklappt. Dass die Setlist dann auch noch aus dem kompletten ersten Album „Wintersun“ besteht, ist dann natürlich das I-Tüppfelchen. Es ist also keineswegs verwunderlich, dass die Band von den Fans frenetisch abgefeiert wird.

In der langsam untergehenden Sonne kommen Songs wie „Beyond The Dark Sun“ oder auch „Battle Against Time“ natürlich noch einmal ein ganzes Stück stimmungsvoller rüber. Das absolute Highlight ist aber die gut 7-minütige Hymne „Death And The Healing“, die aus unzählbaren Kehlen voller Inbrunst mitgesungen wird. Auch die Band genießt den Auftritt in vollen Zügen und lässt sich nach dem abschließenden Epos „Sadness And Hate“ noch minutenlang von ihren Fans feiern. Einer der besten Auftritte des Festivals. (Erle)

Auch Cradle Of Filth liefern heute einen ziemlich coolen Gig ab. Mit Einsetzen der Dunkelheit könnten die Rahmenbedingungen für eine schaurig schöne Black Metal Show aber auch nicht besser sein. Hinzu kommt die stimmige Lichtshow, die heute zum ersten Mal so richtig zum Tragen kommt und eine gespenstische Grundstimmung erzeugt. So starten Cradle Of Filth nach dem Intro „Once Upon Atrocity” mit dem Dreierpack aus “Thirteen Autumns And A Widow”, Cruelty Brought Thee Orchids” und “Beneath The Howling Stars”. Was für ein Auftakt.

Auch im weiteren Verlauf des Konzerts geben sich die Briten in punkto Stückauswahl keine Blöße und beschränken sich weitestgehend auf die Periode von „Cruelty And The Beast“ (1998) bis „Nymphetamine“ (2004). Fans der älteren Scheiben kommen also voll auf ihre Kosten. Danni Filth keift und growlt so gut wie lange nicht mehr und ist ziemlich gut bei Stimme. Auch der Rest der Band ist enorm spielfreudig und agil. Seien es nun Gitarrist Richard Shaw und Bassist Daniel Firth, die immer wieder headbangend auf der Bühne stehen oder Keyboarderin Lindsay Schoolcraft, die mit ihrer Erzählstimme einen zusätzlichen Gruselfaktor in die Show bringt, alle machen einen geilen Job.

Bei den Fans kommt das verdammt gut an, sodass das zum Ende hin gespielte „Nymphetamine“ noch einmal richtig abgeht. Und beim All-Time Favorit „Her Ghost In The Fog” kann sowieso jeder mitsingen. So wird die Band von ihren Fans dann auch jubelnd verabschiedet bevor sie sich freudestrahlend dem Headliner des Abends Amon Amarth zuwenden. (Erle)

Amon Amarth hauen eine Show raus, die man so selten sieht. Zwar unterscheidet sie sich kaum von der Tour zum “Jomsviking”-Album, aber kümmert das wen? Nein! Während man mit “Pursuit Of Vikings” eröffnet, steigert sich die Show von Minute zu Minute. Backdrop-Wechsel, brennende Runen, Wikinger, die sich auf der Bühne kaputtkloppen und zum großen Finale bei “Twilight Of The Thundergod” erhebt sich sogar die Midgardschlange persönlich. GEIL! (Inquisitor)

Naja, für jemanden der Amon Amarth schon einige Male gesehen hat, ist es schon doof, immer wieder die gleiche Show serviert zu bekommen. Gerade nach der geilen Cradle Show und der Tatsache, dass die Jungs ihre Bühnenshow extra hinter einem Vorhang aufbauen, ist die Erwartungshaltung da schon ziemlich hoch. Leider wird diese Erwartungshaltung zumindest bei mir nur zum Teil erfüllt. Pyro- und Feuereffekte gibt es zwar wieder reichlich, sind dann aber doch recht vorhersehbar, wenn man die vorherige Tour besucht hat.

Beim Sound gibt es hingegen nichts zu meckern. Laut, druckvoll und ausgewogen kommen zunächst Hits wie „Pursuit Of Vikings“, „Deceiver Of The Gods“ und „First Kill“ aus den Boxen, was natürlich mit tausenden „Viking Horns“ im Publikum beantwortet wird. Sänger Johan macht seiner Rolle als Frontmann derweil alle Ehre, heizt dem Publikum mit seinen Ansagen (zu einem guten Teil sogar auf Deutsch) ordentlich ein und kann damit punkten. Ungefähr zur Mitte des Gigs kommt dann mit „Crack The Sky“ der erste Song des neuen Albums. Dieser ist neben „Shield Wall“ und „Raven’s Flight“ einer von drei „Berserker“-Songs. Schade eigentlich, denn ich hätte mich noch über den ein oder anderen weiteren Song gefreut. Aber das sparen sich die Schweden wohl für ihre im Winter stattfindende Tour auf.

Dafür dürfen sich die Fans über das grandiose „As Loke Falls“ und das von viel Feuer begleitete „Death in Fire“ freuen. Dabei folgt die Meute nur zu gern Johan Heggs Aufforderung zum Springen und verwandelt das Infield in einen wahren Hexenkessel. Ganz zum Schluss dürfen dann noch einmal die Hörner in die Luft gestreckt werden („Raise Your Horns“) und sich im Zwielicht des Donnergottes („Twilight Of The Thundergod“) gesonnt werden. Natürlich wieder begleitet von reichlich Feuer und Pyroeffekten. Amon Amarth beweisen heute wieder einmal, warum sie als eine der aktuell besten Livebands gelten. Wenn die Band allerdings auch weiterhin bei ihren langjährigen Fans punkten möchte, darf auch etwas mehr Abwechslung nicht schaden. Ansonsten nutzt sich das recht schnell ab. (Erle)

In den 80ern war er der “Goldene Reiter”. In den 90ern fragten er und Peter Heppner “Wann kommt “Die Flut?”. Joachim Witt gilt als Vater der Neuen Deutschen Härte. Der Song “Herr Der Berge”, der sich um die Rübezahl-Legende dreht, erzeugt schon Atmosphäre und man könnte glauben, dass der Riese sich gleich hinter der Teufelsmauer erhebt. Auch mit “Dämon” spielt er ein neues Stück. Den Abschluss machen die bereits eingangs erwähnten Klassiker der vergangenen Jahrzehnte. Einzig seine mehr als exzentrischen Ansagen stoßen beim ein oder anderen auf Ratlosigkeit. (Inquisitor)

Freitag

Mit bombastischem Symphonic Metal aus deutschen Landen beginnt der Festivalfreitag. Die aus Moers stammenden Elvellon sind gut aufgelegt und belohnen die Frühaufsteher mit einem mehr als ordentlichen Gig. Die mächtigen Arrangements kommen druckvoll aus dem Boxen und Sängerin Nele Messerschmidt kann mit glasklarer Stimme überzeugen. Darüber hinaus zeigt sich die Band insgesamt sehr sympathisch und bedankt sich mehrfach bei ihren Fans für das frühe Erscheinen. (Erle)

Die Ziegenmenschen von Milking The Goatmachine knüppeln die letzte Nacht aus den Knochen. “Only Goat Can Judge Me” oder “Milk Me Up Before I Go Go” sind kleine humorvolle Reminiszensen an Musikklassiker diverser Künstler. Sogar eine Coverversion von “Mr. Vain” schafft es ins Set. (Inquisitor)

Rockharz seid ihr wach? Mit dieser einfachen Frage beginnt die Ziegenshow von Milking The Goatmachine. Die augenblicklich in die Luft gehenden Pommesgabeln lassen wohl nur eine Antwort darauf zu. Das Rockharz ist wach und wartet nur auf eine Runde Ziegen-Grindcore. Und die sollen sie bekommen. Mit „Only Goat Can Judge Me“ geht es los und sofort rocken die drei Ziegenböcke drauflos. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie Drummer Goatleeb Udder die Felle in Höchstgeschwindigkeit verdrischt und gleichzeitig noch die Kraft zum Singen hat.

Vor der Bühne wird allerdings zunächst mehr zugesehen als abgegangen. Dies ändert sich aber zusehends. Spätestens als Goatleeb Udder zur Wall Of Death aufruft und die drei Grundregeln erklärt (1. Schuhe zubinden – 2. Hosenträger festschnallen – 3. „Keiner läuft los bevor ich Huih sage“) ist im Pit kein Halten mehr. Zum Ende gibt es dann noch das Doppel aus „Milk Me Up Before I Go Go“ und dem Brüller „Ding Dong“. Zum großen Finale kramt man dann noch einmal den Culture Beat Hit „Mr Vain“ raus und hinterlässt damit eine ganze Menge grinsende Ziegenköpfe.

Nach so einer energiegeladenen Show ist es für Nailed To Obscurity natürlich enorm schwer, mit ihrem Melodic Death Doom zu punkten. Dafür ist die Musik vielleicht doch ein wenig zu speziell. Außerdem ist es auch viel zu hell. Unbeeindruckt von der doch recht überschaubaren Zuschauermenge vor der Bühne liefern die Jungs aus Esens dennoch eine ziemlich coole Show ab. Die leichten Soundschwierigkeiten beim eröffnenden „Black Frost“ legen sich schnell und fortan bekommen die Zuschauer die gewohnt variable Mischung aus düster-melancholischen Melodien und brutaler Härte. Musikalisches Highlight ist „Tears Of The Eyeless“, welches noch einmal enorm viel Atmosphäre erzeugt. Ein toller Gig, der allerdings nachts um halb eins noch einen ticken cooler rübergekommen wäre. (Erle)

Nailed To Obscurity liefern progressiv angehauchten Melodic Death Metal, der bestens funktioniert. Zwar würde ich der Band ein wenig mehr Publikum wünschen, aber die, die sich vor die Bühne bequemen, erleben einen Hochgenuss aus intelligenten Arrangements und brachialen Death-Metal-Salven. (Inquisitor)

Während die Warkings auf der Dark Stage ihren mit viel Pathos ausgeschmückten Power Metal zelebrieren, drehe ich eine kleine Runde über das Gelände, um Merchstände und das kulinarische Angebot zu inspizieren. Hier kann man dem Rockharz wieder fast durchgängig die Note eins geben. Es gibt wohl kaum ein Festival dieser Größenordnung, welches mit einem derart vielfältigen Speisenangebot aufwarten kann. Und das auch noch zu überwiegend humanen Preisen. Von Flammkuchen über Grillhähnchen und Zyklopenspieß bis hin zu gebratener Leber ist wirklich für jeden Gaumen etwas dabei. Bei den Merchständen kann man sich, wie auch in den vergangenen Jahren, wieder mit T-Shirts, Patches usw. eindecken.

Außerdem sei an dieser Stelle noch positiv angemerkt, dass sich die Situation an den Getränkeständen deutlich verbessert hat. Abgesehen von einigen wenigen Situationen während der Headliner, haben die Thekencrews das Geschehen gut im Griff und versorgen die durstigen Kehlen mit Kaltgetränken. Schade ist allerdings, dass sich die Veranstalter trotz vielfachen Wunsches immer noch nicht zu Hartplastikbechern durchringen können und die Getränke stattdessen in wabeligen Einwegplastikbechern ausschenken. (Erle)

Zurück zur Musik.

Mr. Irish Bastard aus Münster veranstalten am frühen Nachmittag auf dem Festivalgelände dann eine im wahrsten Sinne des Wortes staubtrockene Party. Die durch diverse zusätzlich Instrumentalisten aufgestockte Band ist enorm gut aufgelegt und peitscht die Menge immer wieder zu Circle Pits und zum Crowdsurfen an. Sogar eine Polonaise von enormer Länge bringt das Publikum zustande. Dazu singt, klatscht und tanzt das Publikum, als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Kein Wunder, dass da ordentlich Staub aufgewirbelt wird. (Erle)

Omnium Gatherum müssen früher ran als geplant. Das liegt daran, dass der Flug der eigentlich jetzt spielenden The Nightflight Orchestra massive Verspätung hat. Sei’s drum. Die Jungs machen einfach das Beste draus. Meiner Meinung nach klingen sie heute sogar noch fetter, als in der Vergangenheit. Auch ihr Frontmann scheint an seiner Stimme gearbeitet zu haben und grunzt tiefer als sonst. Warum er allerdings seine Haare gebunden hat und dann damit versucht zu headbangen, weiß ich auch nicht. Trotzdem schlagen Granaten wie das aktuelle “Frontier” ordentlich ein. (Inquisitor)

Leider hatte der Flug von The Night Flight Orchestra so massiv Verspätung, dass selbst durch den Tausch mit Omnium Gatherum  immer noch nicht alles steht. Die Backline muss noch gepegelt werden, die Instrumente sind noch im Soundcheck und das Backdrop wird auch noch aufgehangen. Ironischerweise befinden wir uns auf einem Flugplatz. Hätte man da nichts machen können? Als es dann doch endlich losgeht, bleibt der Band nur noch eine halbe Stunde. Aber die geht gut ab. Wo sonst kann man seine ganzen schlechten Dance-Moves auspacken, wenn nicht hier (Ich bin Deutschlands bester Schlechttänzer der Welt)? Bei geiler achtziger Atmo und Songs wie “Something Mysterious” geht das ja wohl nicht anders. Das viel gewünschte “Stileto” bleibt leider ebenso wie ” urn To Miami” und “Lovers In The Rain” auf der Strecke. Danke (Hier beliebige Fluggesellschaft einfügen).

Soilwork endlich mal mit richtigem Sound zu erleben, ist eine Offenbarung. Endlich kann man hören, dass die Band tatsächlich spielen kann. Die Instrumente sind differenziert und selbst das in der Vergangenheit untergegangene Keyboard ist zu hören. So machen Songs wie “Stabbing The Drama” oder das vom aktuellen Album stammende “Stålfågel” dann auch tatsächlich Spaß. Und dass Frontmann Björn noch vor einer Stunde mit The Night Flight Orchestra auf der Bühne stand, hat ihm kein bisschen geschadet. Im Gegenteil, seine Stimme profitiert sogar davon.

Den Jungs von Dragonforce ist leider ihr Keyboarder abhanden gekommen, was auch merklich den Sound der nun zum Quintett geschrumpften Band beeinflusst. Die krassen Soundeffekte sind nun nicht mehr da und auch die Gitarren wirken sehr dünn ohne den Unterbau ihres Tastenmannes. Warum er fehlt, weiß ich nicht. Ob er die Band verlassen hat oder einfach verhindert ist, wird auch von der Band nicht publiziert. Wenigstens gibt es ein geiles 80er Backdrop in knalligen Farben und eine davor gelagerte Drachenkopfbüste. (Inquisitor)

Auch wenn der Sound bei Dragonforce vielleicht nicht so gut ist, wie man es von früheren Konzerten gewohnt ist, so ist die Truppe dennoch verdammt gut aufgelegt, wetzen wie bekloppt über die Bühne und geben sich professionell. Vorne auf der Bühne sind zwei Podeste aufgebaut, die von den Gitarristen immer wieder zum Posen genutzt werden. Frontmann Marc Hudson ist indes zu Scherzen aufgelegt und begeistert das Publikum immer wieder mit lustigen Ansagen (teilweise sogar auf Deutsch). Dass Dragonforce angeblich aus Buxtehude kommen, nimmt ihm das Publikum zwar nicht ab, der Aufforderung zum Springen und zum Arme hin- und herwedeln kommen die Fans aber nur zu gerne nach. Abgeschlossen wird die Show dann mit dem All-Time-Klassiker “Through The Fire And The Flames”, zu dem noch einmal alle Kräfte mobilisiert werden und jede Menge Crowdsurfer den Weg zur Bühne finden. (Erle)

Viel zu lange hat Peter Tätgren seine eigentlich Hauptband Hypocrisy gegenüber anderen Projekten vernachlässigt. Zeit, das mal wieder zu ändern. Mit Song wie “Eraser” oder “Rosewell 47” klappt das auch super und auch das Bühnenbild ist sehr stimmig. Einziger Kritikpunkt: Das Intro von “End Of Disclosure” wird etwas zu leise abgespielt. Ansonsten freu ich mich darauf, die Jungs beim Party.San wiederzusehen. (Inquisitor)

Saltatio Mortis sind heute zwar “nur” Co-Headliner, wären mit ihrer Show aber durchaus eines Headliner-Slots würdig. Das Gelände ist bis weit hinter die FOH-Türme gefüllt und die Fans erwarten sehnsüchtigst ihre Lieblings-Spielleute. Die legen fulminant mit “Große Träume” und “Dorn im Ohr” los. Den Fans schlägt ein wuchtiger Sound, eine fette Lichtshow und jede Menge Feuer entgegen. So wünscht man sich Saltatio Mortis. Textsicher und zum Feiern aufgelegt zeigt sich das Publikum dann bei Ohrwürmern wie “Wachstum über alles” oder dem politischen “Besorgter Bürger”.

Hinzu kommen die markanten Ansagen von Alea und Lasterbalk dem  Lästerlichen. Im Mittelteil des Gigs spielt man mit “Heimdall” und “Brunhild” dann noch zwei Stücke der “Brot und Spiele”-Bonus CD “Panem Et Circenses – Ad Fontes”, welche gebührend abgefeiert werden. Bei “Nie Wieder Alkohol” werden dann kräftig die T-Shirts über den Köpfen geschleudert, während beim abschließenden “Spielmannsschwur” ein nicht enden wollendes “Ohohoho…” über den Flugplatz von Ballenstedt schwebt. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Auftritt, der ausnahmsweise auch mal gut ohne alte Klassiker der Band auskommt. (Erle)

Dimmu Borgir beschwören im Schatten der Teufelsmauer die Hölle herauf. Na, das passt ja! Die Atmosphäre stimmt. Es ist dunkel, Feuertöpfe brennen auf der Bühne und die Band tritt in schwarzen Roben auf die Bühne. Die Songs stimmen auch. “Dimmu Borgir”, “The Sacrilegious Scorn”, “The Serpentine Offering” oder auch “Progenies Of The Great Apocalypse” sitzen einfach. Und dass man zum Abschluss auch noch “The Mourning Palace” bringt, passt angesichts der Tatsache, dass es kurz nach Mitternacht ist, perfekt. (Inquisitor)

Während die Partie Russen von Russkaja (die eigentlich aus Österreich stammen) sich mit den Worten “Friede deinem Haus” in übertriebenen Russenakzent verabschieden, warte ich an der Rock Stage auf den Beginn der zweiten Late Night Show, die von Heidevolk gespielt wird. Scheinbar haben die Niederländer einen Deutsch-Crashkurs belegt, denn tatsächlich werden einigen Ansagen verständlich auf Deutsch getätigt. Viel wichtiger ist aber, dass die beiden Frontmänner ihren Gesang genau aufeinander abgestimmt haben. Doppelte Leadvocals klingen wirklich gut, und somit kommt der Abend bzw. Morgen zu einem guten Ausklang. (Inquisitor)

Samstag

Der letzte Festivaltag wird von den Schweden Follow The Cipher eingeläutet. Die Band um Frontfrau Linda Toni Grahn spielt symphonisch angehauchten Power Metal mit Nightwish-Attitüde. Leider sind sowohl Sound, wie auch Performance eher durchschnittlich, sodass die wenigen Besucher, die es zu so früher Stunde vor die Bühne geschafft haben, auch nicht mehr als Anstandsapplaus übrig haben. Dabei hat die Band durchaus interessante Ansätze. Die große Bühne scheint dann aber doch noch etwas zu früh zu kommen.

Ein ganzes Stück weiter sind da die Österreicher von Visions Of Atlantis. Bei gutem Sound liefern die Symphonic Metaller eine stimmungsvolle Show ab. Das Gesangsduo Clémentine Delauney und Michele Guaitoli funktioniert auf ganzer Linie und überzeugt mit gekonnt intonierten Vocals. Die zwei neuen Songs “Heroes Of The Dawn” sowie “A Journey To Remember” machen zudem schon einmal Lust auf das im August erscheinende Album “Wanderers”.

Weiter geht es mit einer Runde Happy Metal von den Nürnbergern Freedom Call. Die Band um Frontmann Chris Bay verströmt heute derart viel positive Energie, dass sie selbst dem bösesten Black Metaller ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dabei werden Songs wie “Tears Of Babylon”, “Union Of The Strong” und natürlich das famose “Power & Glory” von den Fans frenetisch abgefeiert. Es wird geklatscht und gesprungen, während die Band auf der Bühne allerlei Faxen macht und die Stimmung so noch weiter anheizt. Bei “Warriors” kann man sogar einen amtlichen Circle Pit beobachten. Abgeschlossen wird dieser kurzweilige Gig mit “Land Of The Light” vom 2002er Machwerk “Eternity”.  (Erle)

Burning Witches haben eine neue Frontdame. Das fällt mir erstmal kaum auf, da ich die Band erst einmal live gesehen habe und ihre neue Sirene nicht nur eine ähnliche Stimme hat, sondern ebenfalls blond ist und sich optisch kaum von ihrer Vorgängerin unterscheidet. Lediglich die Tatsache, dass sie anscheinend kein Wort Deutsch spricht und deswegen auf Englisch mit dem Publikum kommuniziert, lässt mich dann aufmerken. Musikalisch bleibt diese Band aber top. Das hat auch der Sängerinnenwechsel nicht geändert. (Inquisitor)

Ich weiß auch nicht genau warum, aber Grand Magus können mich heute irgendwie nicht so richtig überzeugen. Zwar kommt das großartige “I The Jury” vom  2010er Überalbum “Hammer Of The North” als Opener noch ziemlich gut an, danach wird es dann aber für meinen Geschmack etwas zu durchschnittlich. Die Schweden, die sonst grundsätzlich einen Bombensound haben, sind heute zwar laut, dafür aber wenig ausgewogen. Zwischendurch schmerzt der Gesang sogar etwas in den Ohren. Objektiv betrachtet muss man zwar sagen, dass das Trio beim Rockharz-Publikum gut ankommt, ich für meinen Teil habe JB und Co. aber schon besser gesehen. Einziger Lichtblick ist das abschließende “Hammer Of The North”.

Legion Of The Damned treten das Gaspedal dann komplett durch das Bodenblech und sorgen für Circle Pit um Circle Pit. Der brettharte Death Metal der Niederländer wirbelt ordentlich Staub auf und auch der Wind nimmt merklich zu. Die Setlist ist bunt gemischt und umfasst neben Live-Klassikern wie  “Sons Of The Jackal” auch Songs vom aktuellen Album “Slaves Of The Shadow Realm”. Eine solide Show, die allerdings insgesamt etwas uninspiriert wirkt.

Mono Inc. sind in diesem Jahr bereits zum vierten Mal auf dem Rockharz Open Air dabei, was auch von den Besuchern honoriert wird. So ist das Gelände gut gefüllt, als die Dark Rocker mit “Welcome To Hell” in ihr Programm starten. Die gefällige Musik kommt anscheinend gut an. Sänger Martin Engler punktet mit einer guten Publikumsinteraktion und gibt zu, dass das Rockharz sein absolutes Lieblingsfestival sei. Dazu klatschen und hüpfen die Fans vor der Bühne und vereinzelt sieht man Crowdsurfer. Insgesamt wirkt das Ganze aber doch mächtig poppig und erst beim Schlusslied “Children Of The Dark” geht es noch einmal richtig ab. Bitte im nächsten Jahr wieder ASP!

Bei Epica schlägt der Wettergott dann unbarmherzig zu. Schon während des Tages hatte sich der Regen angekündigt, nun öffnet der Himmel seine Schleusen. Frontfrau Simone und ihre Mannen lassen sich davon allerdings nicht beirren und liefern ein fulminantes Set mit Stücken aus nahezu jeder Schaffensphase ab. Dazu zeigen sich alle Bandmitglieder enorm agil. Sängerin Simone kommuniziert auf ihr charmante Art mit den Fans und wird dabei von einer bestens funktionierenden Gitarrenfraktion flankiert. Auch Keyboarder Coen Jansen hat wieder sein bewegliches Keyboard dabei und saust ein ums andere Mal über die Bühne. Dazu liefern die immer wieder in die Höhe steigenden Feuer- und Nebelfontänen ein weiteres optisches Highlight. Und auch wenn der Sound nicht optimal ist; die Stimmung auf dem Gelände ist bestens. So geht der engagierte Gig dann mit dem grandiosen “Consign To Oblivion” standesgemäß zu Ende. (Erle)

Korpiklaani machen Partie auf Finnisch. Und das mit viel Alkohol. Egal ob “Happy Little Bozzer” oder “Vodka”, ihre Setlist könnte auch eine Getränkeliste sein. Dass es während des Gigs anfängt zu regnen, stört dabei kaum jemanden. (Inquisitor)

Anders sieht das bei Children Of Bodom aus. Hier setzt ein Massenexodus ein. Das liegt einerseits am Wetter, andererseits aber auch an dem zunächst schlechten Sound. Da bereits am Nachmittag etliche Besucher das Festival verlassen haben, spielen die Finnen als letzter Headliner des Festivals vor der geringsten Menge, was schade ist, da nach dem dritten Song der Sound merklich besser wird. Außerdem wird mit Songs wie “Are You Dead Yet” oder “Everytime I Die” ein gutes Best-Of ihrer Karriere geboten. Zugegeben, wirklich Bock scheint Fronter Alexi aber nicht zu haben und ach, sein Keyborder verlässt bei längeren Passagen, in denen er nicht spielen muss, stumpf die Bühne. Trotzdem wird das Publikum dem Auftritt nicht ganz gerecht. (Inquisitor)

Zum Abschluss der Woche bitten dann noch Apocalypse Orchestra aus Schweden vor einer handvoll Zuschauern eine Mittelalter-Metal-Show. Dudelsäcke, Gitarren und Drehleier ergänzen sich prima. Die Musik ist dunkel und depressiv. Dazu schleicht ein Pestarzt um die Musiker herum. Ein sich selbst geisselnder Sünder hockt am Bühnenrand und peitscht sich aus. Das alles passt super zum Abschluss dieser Woche, bei der man eh schon melancholische Gefühle bekommt, wenn man weiß, dass man am Montag wieder seine langweiligen Spießer-Kollegen sehen muss. (Inquisitor)

Und damit ist auch die 2019er Ausgabe des Rockharz Open Air schon wieder Geschichte. Ein Festival, dass weiterhin zu den Top-Adressen auf der deutschen Festival-Landkarte gehört. Trotz des enormen Zuschauerzuwaches in den letzten Jahren spürt man immer noch die familiäre Atmosphäre, die dieses Festival ausmacht. Hinzu kommen die kurzen Wege, die humanen Preise sowie die wundervolle Landschaft. Gerade der Blick von der Teufelsmauer hinunter auf das Gelände ist einfach wahnsinnig, dass kann einer der Schreiber dieser Zeilen, der es in diesem Jahr zum ersten Mal hinauf auf die Teufelsmauer geschafft hat, mit Fug und Recht behaupten.

Für die 2020er Ausgabe des Festivals, welche vom 01.-04.07.2020 stattfindet, haben die Veranstalter im Übrigen auch schon die ersten Knaller präsentiert. Neben knapp 50 anderen Bands werden euch im nächsten Jahr Running Wild, Accept, Subway To Sally, Eluveitie, Dark Tranquillity, Ensiferum, Ost+Front und Ektomorf ordentlich die Gehörgänge auf dem Rockharz Open Air durchpusten.

 

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