Hammer Of Doom XI

Einmal im Jahr treibt es die Freunde der gepflegten Langsamkeit nach Würzburg zum Hammer Of Doom. Dort wurden wieder einmal allerhand Leckerbissen für ein andernorts oft vernachlässigtes oder sogar belächeltes Genre geboten. Zusätzlich zu vielen Doom-Highlights gab es spannende Newcomer und auch ein paar bunte Farbtupfer, die man nicht zwangsläufig auf einem Doom-Festival erwartet hätte.

Freitag, 18. November

Da die Bands am Freitag erst am Nachmittag begannen blieb noch Zeit die Stadt zu erkunden. Einerseits hat Würzburg mit Dom, Stiftskirche und der Festung Marienberg einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, da nach dem zweiten Weltkrieg aber der Fokus auf einem schnellen Wiederaufbau lag, gibt es auch viele schmuck- und gesichtslose Ecken. Ganz oben im stadtinternen Hässlichskeitsranking steht eindeutig die Gegend rund um den Hauptbahnhof. Ganz in der Nähe findet sich auch die Posthalle in der die polnischen Doomer Monasterium pünktlich in ihr Set starteten. Das Songmaterial konnte sich durchaus hören lassen. Der klassische Doom Metal wurde immer wieder durch flottere Heavy Metal-Parts aufgelockert und konnte auch Fans von epischerem Material überzeugen. Allerdings schien die Band zum ersten Mal auf einer so großen Bühne zu stehen und wirkte sehr unsicher. Vor allem Sänger Michał Strzelecki fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Rolle und bangte mit den Händen in der Hosentasche.

Die Frankokanadier Cauchemar waren da schon ein ganz anderen Kaliber, agil, eingespielt und selbstsicher spielten sich Frontfrau Annick Giroux und ihre Hintermannschaft durch ihr Set. Da es sich um die letzte Show der Tour handelte, gab die Band sowohl auf als auch hinter der Bühne ordentlich Gas und war auch am zweiten Festivaltag noch anwesend. Obwohl das nicht unbedingt zu erwarten war, wurde der okkulte Heavy Metal mit französischen Texten sehr gut angenommen und ein Großteil des übrigen Merchandise verkauft. Für The Skull um die ehemaligen Trouble-Mitglieder Eric Wagner (Vocals und Kette rauchen) und Ron Holzner (Bass und Cowboyhut) stand ebenfalls das Ende ihrer Tour an. Dabei ließen die in Ehren ergrauten Herren wenig anbrennen und zeigten dem Jungvolk wo der Frosch die Locken hat! Intensiver, härter, arschtretender und mit einigen Trouble-Songs im Gepäck wurde das Publikum begeistert. Zudem hatte die Band ein Shirt dabei, dessen Design verdächtig an das Logo von Iron Walrus erinnert.

Der irische Headliner Primordial verfügt mit A. A. Nemtheanga nicht nur über einen der besten Frontmänner der Szene, sondern auch über eine stattliche Anzahl großartiger Alben und zählt nicht umsonst zu den eigenwilligsten, intensivsten und besten Metal-Bands überhaupt. Auch in Würzburg wurden mit Epen wie „Where Greater Men Have Fallen“, „The Coffin Ships“ oder „Empire Falls“ keine Gefangenen gemacht. Während der enthusiastischen Ansagen rutschte A. A. Nemtheanga dann sogar ein Zitat aus „Peace Sells“ von Megadeth heraus. Im Anschluss an fast zwei Stunden Primordial ging es für viele Besucher noch auf die After Show Party, auf der noch bis tief in die Nacht weiter gefeiert wird.

Samstag, 19. November

Ausgeschlafen, frisch geduscht und satt (Festivals im Herbst haben definitv Vorteile!) in der Posthalle angekommen erreichte uns die Botschaft, dass der heutige Headliner Saint Vitus aufgrund einer Fehlbuchung seinen Anschlussflug nicht bekommen hat und nicht auftreten werde. Dementsprechend wurde der Beginn nach hinten verschoben und die Bands erhielten mehr Spielzeit. Diese nutzten Night Gaunt aus Rom um jede Menge CDs und Seven Inches abzusetzen. Kein Wunder, schließlich wusste der um Thrash-Riffs und Black Metal-Vocals aufgelockerte Doom Metal der Band mehr als zu überzeugen. Iron Void aus Großbritannien trafen ebenfalls den Nerv vieler Festivalbesucher, auch wenn der stark von Black Sabbath beeinflusste Sound durchaus seine Längen hat. Danach waren Apostle Of Solitude ein willkommener Arschtritt, da diese eher von Bands wie Orange Goblin, Red Fang, Crowbar und anderen „neueren“ Bands beeinflusst sind. Mit dieser Mischung aus Sludge, Doom und Stoner wurde die bisher vorherrschende Schwere ordentlich aufgelockert und da die Band gleich zwei singende Gitarristen hat, gab es einige interessante Arrangements und Songs zu hören – definitiv ein Geheimtipp von dem man in Zukunft noch öfter hören wird!

Viel hören wird man in Zukunft auch von Universe 217 aus Griechenland. Die Musik der Griechen ist mit normalen Genrebezeichnungen nicht wirklich zu kategorisieren und lässt sich am besten als progressiver Crossover aus Doom, Psychedelic und Avantgarde beschreiben, der auch vor eingängigen Pop-Strukturen nicht halt macht und dem Metaller mit Köpfchen genau so gut reinlaufen dürfte, wie Berlin-Mitte-Hipstern. Kein Wunder, dass die Tonträger der Band weg gingen wie geschnitten Brot. Die intensive aber bewegungsarme Performance trug ihr Übriges dazu bei. Danach traten Dark Millenium das Gaspedal wieder heftiger durch, konzentrierten sich im Verlauf der Setlist aber durchaus auf schleppenderes Material. Abgesehen von einer sehr betrunkenen Begegnung im McDonald’s im Hauptbahnhof nach dem Festival kann die Band aber aufgrund blutleerer Songs und Performance wenig Eindruck hinterlassen.

Bei Lord Vicar wurde es wieder voll vor der Bühne und die Heavy/Doom Metal-Mixtur läuft dem Publikum gut rein. Dazu vollführte Sänger Christian „Chritus“ Linderson diverse amüsante Verrenkungen, aber auch der Rest der Band strahlte ordentlich Spielfreude aus. Bei Antimatter war dann Schluss mit guter Laune. Die selbst ernannte „traurigste Band der Welt“ ist zwar nicht wirklich im Doom anzusiedeln (und streng genommen nicht mal im Metal), wusste aber zu begeistern. Im Publikum flossen Tränen und Mick Moss und seine Mannen lieferten eine düstere Hymne nach der anderen ab.

Aufgrund der Absage von Saint Vitus nahmen Samael die Position des Headliners ein, weswegen eine nicht geringe Anzahl von Besuchern bereits den Heimweg antrat, beziehungsweise die Kneipen Würzburgs unsicher machte. Die Schweizer hatten zwar mit „Ceremony Of Opposites“ eine old school-lastige Show dabei, verzichteten aber trotzdem nicht auf  ihren Drumcomputer. Zusammen mit teilweise geschminkten Musikern und sehr viel Stroboskop spielten die Schweizer die Posthalle langsam leer, und selbst der verbliebene Kern von Fans kam nicht so recht in Schwung.

So endete die elfte Ausgabe des Hammer Of Doom eher unversöhnlich und ein zwiespältiges Gefühl blieb. Zwar hatten (fast) alle Bands einen guten Sound und auch eine passende Lichtshow spendiert bekommen, und das Publikum honorierte die ersten Bands nicht weniger stark wie die „großen“, und sicherlich können die Veranstalter wenig für den kurzfristigen Ausfall des Headliners, aber auch mit Saint Vitus wäre der Publikumszuspruch vermutlich unter dem der Vorjahre geblieben. Vielleicht haben die „Experimente“ Cauchemar, Primordial, Dark Millenium, Antimatter und Samael auch potenzielle Besucher verschreckt, da man die genannten Bands nicht unbedingt als Doom Metal bezeichnen würde. Dennoch kamen drei der fünf gut beim Publikum an und konnten sich sicherlich auch einige neue Fans erspielen.

Fürs nächste Jahr sind bereits Lucifer’s Friend, Naevus und The Temple bestätigt.

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Bericht: Padre

Fotos: Soprathna

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