Kneel Down Before The Monolith! Interview mit Verheerer zum Album "Monolith"

Bandfoto Verheerer
Photography by Frelsi Knutsson

Ihre erste EP “Archar” ging bereits durch die Decke, und als dann ihr Debütalbum “Maltrér” herauskam, polarisierte es die gesamte Szene. Dieses Jahr legen die Flensburger von Verheerer nach. Mit ihrem neuen Album “Monolith” im Gepäck haben wir uns mit ihnen zusammen gesetzt, um ein bisschen mehr über die Hintergründe des neuen Albums zu erfahren.

HSF: Erst einmal vielen Dank für die Zeit, die ihr euch für unser Magazin nehmt. Eure neue Scheibe “Monolith” ist jetzt ein paar Tage alt und die Scheibe wurde durch die Bank positiv bewertet. Wie fasst ihr selber euer neues Album auf?

Simon: Vielen Dank für die Interview-Anfrage! Zu der ersten Frage: Es wäre jetzt natürlich bahnbrechender Unfug, zu behaupten, dass uns Reviews nicht interessieren und wir das alles nur für uns machen, insofern freut uns natürlich das positive bis geradezu euphorische Feedback. Wir sind alle fünf große Verehrer des Monolithen. Wir sind noch ein Stück näher an unseren Sound herangekommen und haben auch Ballast, der auf “Maltrér” noch an einigen Songs hing, über Bord werfen können.

Lukas: Danke auch meinerseits. Ich spreche mal für “uns drei neue Mitglieder”: Es war uns allen ein Bedürfnis, dass diese Platte all die neuen Möglichkeiten ausschöpft, welche die neue Besetzung bietet. Seien es Einflüsse oder schlicht neue musikalische Fähigkeiten. Damit meine ich nicht, dass Gegniedel draufkommen sollte, sondern dass der gerade Simon und mir eigene Perfektionismus sich in allen Dimensionen (Songwriting, Atmosphäre, Produktion, Performance, Aufnahmequalität etc.) ausdrücken sollte. Das ist uns in meinen Augen gelungen, weshalb ich sehr stolz auf das Album bin.

HSF: Was gefällt euch selber an der Scheibe am Besten oder gibt es etwas, was ihr im Nachhinein vielleicht etwas anders gemacht hättet?

Simon: Ich bin großer Fan davon, dass man jedes Stück einzeln hören kann, ohne dass ein Teil der Atmosphäre des Albums fehlt. Nichtsdestotrotz ist das Album in sich geschlossen. Ich liebe Konzeptarbeiten und Alben, bei denen man quasi einen Film im Kopf sieht. Trotzdem ist es dann manchmal schwierig, die Songs richtig zu trennen. Ich finde, das ist hier wirklich gut gelungen. Teilweise bin ich im Nachgang mit den Abläufen der Produktion unglücklich, auch wenn das Ergebnis natürlich bombe geworden ist. Da wir hier, bis auf das Mastering, alles selbst in die Hand genommen haben – vom Recording bis zum Mix – war dass teilweise auch eine Belastungsprobe…, z.B. weil nicht alle Mitglieder von VHR so tief im Black Metal verwurzelt sind wie ich und Bastian. Das ging ziemlich lange hin und her, bis wir DEN Sound für das Album gefunden hatten. Da gab es Versionen von Dream Theater bis Darkthrones “Panzerfaust” *lacht*.

Lukas: Die Produktionsphase war für uns auch ein Zurechtruckeln der Positionen und neues Delegieren aller Aufgaben in der Band, besonders, weil nun alle fünf Mitglieder stark beteiligt waren. Alle Dinge, die wir im Nachhinein anders gemacht hätten, mussten so getan werden, damit die Erkenntnis stattfinden konnte. Insofern ist Monolith nicht nur musikalisch, sondern auch bandintern ein starker Entwicklungsfaktor. Ich würde sowieso jedes Album als Lernkurve verstehen. “Monolith” wäre in dieser Qualität nicht ohne “Maltrér” möglich gewesen, genauso wenig wie “Maltrér” ohne die vorangehende “Archar”.

HSF: Auch die Vorgänger von “Monolith” sind damals sehr gut angekommen, inwiefern habt ihr euch von damals zur neuen Scheibe weiterentwickelt?

Simon: Wie vorhin schon angedeutet, sind wir dichter an die Idealvorstellung unseres Sounds gekommen. Das hängt auch sehr stark mit Bastians Vocals zusammen. Die klingen, als würde er den Monolithen mal beschwören, verfluchen, verachten und sich dann ihm wieder völlig unterwerfen. Doch die Entwicklung ist auch personell zu begründen: “Maltrér” habe ich im Alleingang geschrieben und die Aufnahmen zusammengetragen. Sören (Schlagzeug bis September ’17) und Helge (Bass bis Februar ’19) haben zwar ihre Parts mit ihrem eigenem Stil eingespielt, aber sich nur in dem Korsett, welches ich vorgegeben hatte, bewegt. “Monolith” wurde zwar in weitesten Teilen auch von mir geschrieben, aber wir alle haben danach an den Songs gearbeitet, geschoben, geschnitten und geflucht. Lukas hat z.B. “The Fatalist” im Alleingang geschrieben. Gemeinsam mit den kalten Lyrics von Bastian ist das einer meiner Lieblingssongs des Albums. Aber auch bei Entscheidungen im Sound oder im Layout hat jeder seinen Teil beigetragen. Klingt vielleicht jetzt erstmal nicht spannend, da viele oder die meisten Bands so seit Jahren arbeiten, aber für uns war das wirklich etwas Besonderes.

Lukas: Es ist wirklich eine Kollaboration von uns fünf Mitgliedern geworden. Das hat einerseits die von Simon angesprochenen Belastungsproben nach sich gezogen, weil jeder von uns sehr starke Vorstellungen von Verheerer hat und wir darin nicht immer übereinstimmen. Andererseits haben wir uns, wie ich im Nachhinein feststellen muss, sehr gut ergänzt. Das hat uns als Team sehr vorangebracht.

HSF: Auf “Monolith” unterteilt ihr die Songs nach “Unterwerfung” und “Erhebung”. Was genau hat es damit auf sich?

Bastian: Die beiden Seiten “Unterwerfung” und “Erhebung” erschließen sich, wenn man sich den ersten und letzten Song des Albums genauer betrachtet. Während der Monolith für eine kalte, alle menschlichen Dogmen verneinende Entität steht (vgl. die Lyrics: ”An Ideal Unreachable…” ) ist “Theios Aner” quasi der Gegenpol. Übersetzt bedeutet er “Gottmensch” und steht damit für die Erhebung über weltliche Paradigmen. Gleichzeitig stehen auch “The Fatalist”, und “The Eskapist” für zwei gegenteilige Pole, die sich jedoch gegenseitig bedingen und letzten Endes eine lyrische Einheit bilden. Der Scheitel- und Tiefpunkt der persönlichen Reise des Protagonisten, an welchem es je nach eigener Sichtweise bergauf oder bergab geht. Das Licht am Ende des Tunnels oder doch der Tunnel am Ende des Lichts? Ebenfalls gehören, wenn es sich noch nicht von allein erschlossen hat, “He Who Sows A Poisoned Seed…” und “…He Shall Reap A Thousandfold” zusammen. Saat und Ernte, ein gern bemühtes Bild und auch wir konnten nicht widerstehen. So funktioniert das Album auch von innen nach außen. Die beiden Songs “Fatalist” und “Eskapist” sind sehr egozentrische Songs, sehr enger Fokus, auch musikalisch! In allen weiteren Songs, welche von der Mitte nach vorne und hinten gehen, öffnet sich der lyrische und musikalische Fokus, weg von ganz eigenen Glaubenskrisen hin zu einem weiteren Bild, welches in den Eckpfeilern “Monolith” und “Gottmensch” seine Pole findet. An welchem wir uns letztlich orientieren sollten, vermag ich nicht zu sagen.

HSF: Habt ihr euch bewusst dafür entschieden, dass das Album unter dem Zeichen des Monolithen steht, und welches Konzept verbirgt sich hinter dem Werk?

Bastian: Ich glaube, zum Konzept habe ich in der vorhergehenden Frage schon ausführlich geschwafelt. Tatsächlich war “Monolith” der erste Song des Albums, welcher im groben stand und das Ausgangsmaterial darstellte. Simon und ich waren schnell der Meinung, dass der Monolith ein so starkes Sinnbild und Leitmotiv ist, sodass wir eigentlich sofort wussten, dass der Maltrér-Nachfolger nur Monolith heißen kann.  Darüber hinaus haben wir uns im Vorfeld des Komponierens und Textens eher auf grobe Züge verständigt. Die insgesamt eher organische Ausrichtung der Songs und des Artworks stand von vornherein fest, d.h. wir wussten schon, dass es kein orthodoxes Black Metal Album werden wird, nachdem wir die ersten Ideen zusammengetragen haben. Das war jetzt auch nicht bewusst festgelegt, sondern eher eine logische Folge des Ausgangsmaterials, welches teilweise schon älter als die Sachen auf Maltrér ist, aber dort einfach nicht gepasst hätte. Ob das nächste Album nun die logische Fortführung des Monolith-Weges ist oder vielleicht eher traditionelle Wege geht, sehen wir selbst erst, wenn wir die ersten Demos machen. Tatsächlich haben wir uns in der Zeit vor dem Release auch die Frage gestellt, ob man Verheerer überhaupt noch als Black Metal wahrnehmen wird. Aber ich denke, der Spirit lebt und atmet Black Metal, die Musik hingegen nimmt einfach sehr viele unserer gemeinsamen Einflüsse mit….

HSF: Euren Release habt ihr auf dem Vendettafest ordentlich gefeiert. Wie wurden die neuen Songs vom Publikum aufgefasst?

Lukas: Erfreulich war, dass auf dem Vendettafest und auch am Vortag im Hafermarkt Flensburg die neuen Songs genauso abgefeiert wurden wie die älteren Stücke. Es sind auch danach immer wieder Zuschauer auf uns zugekommen und haben ihre Begeisterung ausgedrückt. Zusammen mit den überwiegend positiven Reviews lässt uns das sehr optimistisch auf unsere Arbeit blicken.

HSF: An dieser Stelle möchten wir uns noch ein weiteres Mal bei Verheerer für das Interview bedanken und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg.

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