Konzertbericht – Die Kassierer 15.12.2018 - Hyde Park, Osnabrück

Nackte Tatsachen präsentiert uns die fleischgewordene Pimmelpolizei, besser bekannt als die Kassierer. Es darf sich also wieder ausgezogen werden auf und vor der Bühne.

Doch zunächst steht eine Band namens Flaschenbecher auf der Bühne. Kein Scheiß, die heißen echt so, auch wenn sie sich zunächst als Die Kassierer aus Bochum vorstellen und damit bei mir für blankes Entsetzen sorgen, da jeder weiß, dass die echten Die Kassierer aus Wattenscheid kommen. Es wird rumpeliger Punk mit viel Rückkopplung dargeboten. Dass die Jungs und das Mädel keine Profis sind, wissen sie aber selber und man könnte es auch nicht verschleiern, da ihr Gitarrist schon vor Beginn des Sets anmerkt, dass er sein Kabel vergessen hat. Songs wie „Erbarme Dich Air Berlin“ oder „Flaschenbecher“ werden punktypisch schnell runter gerotzt. Nicht wirklich meins, aber wer’s mag.

Die Hauptband des Abends Die Kassierer werden von einem „echten“ Staatsbeamten der Pimmelpolizei angekündigt. Nur mit einer Jacke und einer alten Polizeimütze bekleidet informiert er die Menge darüber, dass es sofort losgeht und präsentiert dabei den ersten Penis des Abends. Als dann die „Vier Weisen aus Wattenscheid“ die Bühne betreten, nehmen einige Besucher – leider nur Männer – die Gelegenheit wahr, sich ihrer Oberbekleidung zu entledigen. „Besoffen Sein“ und „Sex Mit Dem Sozialarbeiter“ kommt gleich zu Beginn: Das kann ja was werden. Schon nach dem dritten Song brüllt die Menge bereits „Ausziehn, Ausziehn!“ Was Sänger Wölfi  zum Anlass nimmt, seine Hose auszuziehen und eine kleines Intermezzo des Songs „Mein Schöner Hodensack“ zum Besten zu geben. Ein T-Shirt trägt er übrigens seit dem ersten Song nicht mehr. Dass er durchaus ein Mann von Bildung ist, beweist er mit „Quantenphysik“ und natürlich mit seinem Alkoholkonsum. Denn Wölfi weiß, dass man sich mit Bier und Schnaps sein „Gehirnvolumen“ auf die dreifache Größe saufen kann. Es ist ebenfalls eine Tatsache, dass Die Kassierer einst am Eurovision Song Contest teilnehmen wollten, was den Öffentlich Rechtlichen aber nicht so ganz passte.

Der Song „Erdrotation“ wird deshalb jetzt auch in allerbester Seniorenschlager-Wettbewerbsmanier zum Halbplayback vorgetragen. Dies sorgt dafür, dass kein Musiker außer Wölfi an seinem Instrument steht/sitzt. Aber in diesen unruhigen Zeiten ist nicht alles nur Schlager und Mitklatsch-Grölmusik, man muss auch einfach mal abschalten, was uns mit „Mir Ist Alles Piepe“ wärmstens ans Herz gelegt wird. Auch Songs, die Geschlechtskrankheiten kritisch hinterfragen, werden geboten. Namentlich „Blumenkohl Am Pillemann“ genannt. Gitarrist Nickolej übernimmt bei „Ich Fick Dich Durch Die Ganze Wohnung“ dann auch den Gesang während Wölfi die Bühne erst einmal verlässt nur damit kurz darauf Volker Kampfgarten, der laut seinen Kollegen der dümmste Schlagzeuger der Welt und laut ihm selbst eine perverse Drecksau ist,  mit heruntergelassener Hose einen Song darüber singt, dass er gerne mit U.S. Präsident Trump Sex hätte. Dieser kommt dann auch in Form von Gitarrist Nickolej, der eine entsprechende Gummimaske trägt, splitternackt auf die Bühne. Erst zu „Komm Mach Die Titten Frei“ kommt Sänger und Berufsassi Wölfi wieder auf die Bühne.

Leider gibt es auch hier einen Zwischenfall. Der Sänger der Vorband Flaschenbecher steht hinterm Mikro und gibt seine Entrüstung darüber bekannt, dass es im Moshpit wohl zu Grabschattacken gegen Frauen gekommen ist. Leider nimmt der angesprochene Teil der oben ohne Männer im Publikum das Ganze nicht wirklich ernst und brüllt abermals „Ausziehn, Ausziehn!“. Fällt dir nichts mehr zu ein! Die Entrüstung ist bei einigen groß, und die Stimmung kippt ein wenig. Leider gehen Die Kassierer an dieser Stelle auch nicht wirklich darauf ein. Klar sie sind in erster Linie Entertainer, aber eine klare Stellungnahme wie es am Vorabend Iron Walrus (siehe Review) getan haben, hätte ich hier schon erwartet. Das Konzert wird abermals mit einer Unten-Ohne-Einlage von Wölfi fortgesetzt. Ein Klassiker muss dann natürlich sein, um die Stimmung wieder gerade zu rücken. Wobei, wenn man weiß, dass es „Das Schlimmste Ist Wenn Das Bier alle Ist“, kann man die Laune wohl auch nicht mehr retten. Nach einem kleinen Zugabenteil endet dann auch schon die Weihnachtsfeier der Pimmelpolizeiwache Wattenscheid Nord, und zu den Klängen von Frank Sinatra`s „New York, New York“ heißt es dann wieder Hose hoch und Jacke an, draußen ist’s kalt.

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