Rock in der Region – 1. Vorentscheid 10.10.2020, Haus der Jugend, Osnabrück

Rock in der Region

Am 10. Oktober startete mit dem ersten Vorentscheid wieder der beliebte Musikwettbewerb Rock in der Region. In diesem Jahr natürlich unter vollkommen neuen Voraussetzungen. Statt vier Vorentscheidungen in Osnabrück und Umgebung sowie einem Relegationswettbewerb gibt es in diesem Jahr lediglich zwei Vorentscheide sowie das Finale. Alle Veranstaltungen finden im Haus der Jugend statt. Insgesamt sechzig Personen sind pro Event zugelassen. Und natürlich finden alle Veranstaltungen im Sitzen statt.

Beim ersten Vorentscheid gibt sich bereits ein bunter Strauß Künstler die Klinke in die Hand. Von Punk über Deutschrock, Post-Rock bis hin zu Hip-Hop sind verschiedenste Stilrichtungen vertreten. Bevor es jedoch losgeht, gibt es von Christian vom Musikbüro noch ein paar Hinweise organisatorischer Natur. Er weist noch einmal auf die Corona-Regelungen hin und bittet darum, die Getränkeversorgung, den Toilettengang oder die Zigarette (danach) auch gerne während der Gigs zu machen, damit es in den Pausen nicht zu viel Gedränge an der Theke gibt. Das klappt im Übrigen sehr gut heute Abend. Größere Ansammlungen gibt es nicht und den Corona-Regelungen wird bestmöglich Folge geleistet.

Rock in der Region - Frantic Age
Frantic Age. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Aber nun endlich zur Musik. Den Anfang machen die Punkrocker von Frantic Age. Und die haben zu Anfang ganz schön mit dem Sound zu kämpfen. So fehlt das linke Mikro beispielsweise komplett und auch der allgemeine Sound ist etwas abhängig davon, wo man sitzt. Aber egal. Spaß macht die Truppe um die quirlige Frontfrau Mareike mit ihrem Blumenkleid auf jeden Fall.

Ihre deutschen Texte sitzen zwar nicht immer perfekt und der Gesang kann durchaus als eigenwillig bezeichnet werden. An Mut und Selbstbewusstsein mangelt es Frantic Age hingegen nicht, und so liefert die Truppe aus Rheine eine solide Show ab. Zum Ende gibt es mit “Thank You” und “Upside Down” dann auch noch zwei englische Songs, bevor die Show zu Ende geht.

Auch 12Ender rocken auf Deutsch. Und mit ihren eingängigen Rocksongs sorgt die Band sofort für das ein oder andere freundliche Grinsen vor der Bühne. Schwere Riffs,

12Ender
12Ender. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

teils zweistimmiger Gesang und ein straightes Drumming lassen die Songs gut ins Ohr gehen. Prägendes Stilmittel ist aber wohl der rauchige Gesang von Frontmann Markus Abkemeier, der sich zudem als echte Rampensau entpuppt. Er heizt das Publikum an und animiert zum Mitklatschen, was von selbigem in Ermangelung sonstiger Bewegungsmöglichkeiten  auch dankbar angenommen wird. Lediglich die hohen Gesangsparts, wie zum Beispiel in “Russisch Roulette”, fallen dem Sänger schwer und wirken etwas dünn.

Insgesamt legt 12Ender aber eine fulminante Show ab, die vor allem in der zweiten Hälfte noch einmal an Intensität zunimmt. Abgeschlossen wird der Gig mit dem nur allzu passenden “Gute Samstagnacht”.

Nach so viel Fulminanz und Energie wird es nun sehr chillig. Das zeichnet sich schon allein dadurch ab, dass auf der Bühne weder Pedalboards noch Mikroständer zu sehen sind. Auch das Schlagzeug wirkt ungewöhnlich verwaist. Lediglich eine Action Cam, ein Smartphone und ein übergroßer roter Legostein sind am Bühnenrand drapiert.

Lego
Lego. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Was es damit auf sich hat, wird schnell klar. Nun folgt der Hip-Hop-Künstler Lego. Ob Hip-Hop in das Konzept eines Wettbewerbes, der “Rock in der Region” heißt, passt, möchte ich an dieser Stelle einmal hinterfragen. Fakt ist, dass Lego vor einigen Jahren so sicherlich nicht zugelassen worden wäre. Denn wie der Christian erklärt, gab es tatsächlich mal die Regel, dass neben dem Gesang mindestens ein Instrument gespielt werden müsse.

Aber sei’s drum. Die “Ein-Instrument-Regel” gibt es nicht mehr und Lego darf heute zeigen, was er kann. Doch bevor er so richtig loslegt, ertönt erst einmal sein Intro, zu welchem er sich “gechillt” auf den Drumriser setzt und einen beherzten Schluck aus seiner Bierflasche nimmt. Überhaupt sollten alle erst einmal chillen, so der Sänger.

Na gut. Irgendwann beginnt er dann doch mit seiner Performance und kommt mit seinem Auftritt bei einem nicht unerheblichen Teil des Publikums ganz gut an. Die Interaktion mit den Zuschauern hat er tatsächlich drauf und auch seine Gesangsstimme ist gut anzuhören. Darüber hinaus kann ich Lego aber nicht allzu viel abgewinnen. Doch wie sich später noch herausstellen soll, sieht das sowohl beim Publikum wie auch der Jury etwas anders aus.

Und wie heißt es so schön? Das Beste kommt zum Schluss. So auch beim ersten Vorentscheid des diesjährigen Rock in der Region. Calling

Calling Orion
Calling Orion. Foto: Marco Erlenkamp, Heavy Stage Force

Orion, die Gesamtdritten aus dem Vorjahr, beschließen den Abend mit einem sackstarken Auftritt. Schon der erste Song, der übrigens rein instrumental ist, lässt erahnen, wohin die Reise geht. Gedankenvoller Post-Rock mit feinen Melodien und einer bombastischen Soundwand lassen die Zuhörer in eine komplett andere Welt entfliehen.

Voller Konzentration und mit viel Gefühl trägt das Trio seine Stücke vor. Dabei merkt man den Jungs auf der ganzen Linie an, wie sie im Vergleich zum letzten Jahr noch einmal ein Stück gereift sind. Diese Band hat mächtig Potential und ist auf einem verdammt guten Weg. Das Einzige, das ich nicht so ganz verstehe ist, warum die Jungs nach fast jedem Lied erst einmal ihre Gitarren nachstimmen müssen.

Nachdem die letzten Klänge von Calling Orion verklungen sind. heißt es für die Besucher dann Stimmzettel ausfüllen. Auch die Jury zieht sich zu ihren Beratungen zurück.

Und dann ist es Zeit für die Stunde der Wahrheit. Die Jury tritt auf die Bühne und Christian vom Musikbüro verkündet das Ergebnis. Und dabei sorgt Lego für eine echte Überraschung. Sowohl Publikum wie auch Jury sehen den Hip-Hopper an zweiter Stelle. Eindeutige Sieger des Abends sind aber Calling Orion, die vom Publikum satte 36,96% der Stimmen erreichen konnten. Auch die Jury sah die Postrocker mit 34,52% klar auf dem ersten Platz. Damit stehen Calling Orion und Lego im Finale.

Mit 19,57% vom Publikum und 20,82% von der Jury können sich zudem 12Ender knapp den dritten Platz sichern, während Frantic Age auf dem vierten Platz landen. Damit sind die beiden Bands raus. Doch davon sollten sich die Musiker nicht entmutigen lassen, denn die Performance konnte sich durchaus sehen lassen und hat Spaß gemacht. Also Mund abputzen und weitermachen.

Für Rock in der Region hätte es eigentlich am 14.11. im Haus der Jugend mit dem zweiten und letzten Vorentscheid weitergehen sollen. Das Finale hätte dann am 04.12. ebenfalls im Haus der Jugend stattgefunden. Wie es nach den neuen Beschlüssen der Bund-Länder Konferenz nun aber wirklich weitergeht ist uns noch nicht bekannt. Hoffen wir das Beste.

Die Ergebnisse im Detail:

Jury

  1. 34,52%: Calling Orion
  2. 25,03%: Lego
  3. 20,82%: 12Ender
  4. 19,63%: Frantic Age

Publikum

  1. 36,96%: Calling Orion
  2. 23,91%: Lego
  3. 19,57%: 12Ende
  4. 19,57%: Frantic Age
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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

1 Kommentar

  1. Danke für die tolle Kritik. Es war echt eine ungewohnte Erfahrung mit sitzendem Publikum, aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Lob an die Organisatoren und das Team. Wir sehen uns hoffentlich wieder. Bis dahin, Rock on.

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