Rock in der Region Finale 2016

Jedes Jahr im Dezember findet das Finale des regionalen Bandcontest „Rock in der Region“ im Haus der Jugend in Osnabrück statt. Aus vier Vorentscheiden und einer Relegation der Zweitplatzierten setzt sich die Finalrunde zusammen. Dabei entscheidet, wie in den Vorrunden, das Publikum und die Jury mit jeweils 50%igem Stimmanteil zusammengerechnet über den Ausgang der Platzierungen. Das Event bietet jedes Jahr Überraschungen, aber auch Enttäuschungen und ist allgemein sehr beliebt und gut besucht.

Als Moderator führte Sven Bensmann durch das Programm, der mit seiner Band Hi! Spencer an diesem Ort vor vier Jahren das Finale gewinnen konnte. Gleich zu Beginn brachte ihn seine eigene Zettelwirtschaft durcheinander, weil er eine sechste Band suchte, obwohl er alle schon genannt hatte. Das sorgte allgemein für Erheiterung. Vor dem Auftritt jeder Band wurden diese dann kurz von ihm vorgestellt und ein kurzes Video mit Ausschnitten aus dem Vorentscheid und Erläuterungen der Band gezeigt.

Aus meiner Sicht hatte dieses Jahr das Publikum weitaus mehr musikalischen Sachverstand als weite Teile der Jury. Das liegt auch wohl an einem veränderten Publikum. Früher haben die Bands immer mit Mami, Papi und dem gesamten Freundeskreis viele Zuhörer mobilisiert. Das hat sich etwas gewandelt. Inzwischen kommen mehr Zuschauer aus rein musikalischem Interesse und um die Musikkultur im Osnabrücker Raum zu beobachten und zu fördern. Nicht wenige sind bei einigen oder gar allen Vorentscheiden dabei gewesen!

Als erste Band starteten Enter Thy Mind, die sich dem Metalcore verschrieben haben. Sie zeigten musikalisch gute Ansätze mit Melodien, die zwar etwas zu wenig herausstachen, aber Gefallen finden konnten. Abwertend für den Auftritt war jedoch leider die Gesangsstimme.

Dass Jon Sun neben ihren eigenen Liedern auch einen Cover-Song darboten, war wohl nicht der Grund für den insgesamt verhaltenen Auftritt. Obwohl sie mit ihrem Indie Pop/Rock mit leichtem Reggae-Einschlag gute Laune verbreiten können, was sie in ihrem Musikvideo eindrucksvoll zeigen, gelang dies an diesem Abend nicht vollends. Der Auftritt wirkte anfänglich bemüht, aber irgendwie gehemmt und auch musikalisch nicht auf den Punkt. Das war unerklärlich, da sie beispielsweise beim Heimatklang Festival erheblich lockerer aufgetreten waren und sich zudem mit der Relegation wieder einen Finalplatz erkämpft hatten.

Ganz anders ausgelassen kamen da The Bearing Sea daher. Das war wohl ausschlaggebend für die größtenteils gute Bewertung einiger Jurymitglieder für diese Band. Und selbst für mich war es überraschend, da ich doch ihre Bühnenperformance beim Vorentscheid in GMHütte noch kritisiert hatte. Osnabrück ist eine Metal-Hochburg und daher haben solche Bands immer einen kleinen Bonus. Die Musik konnte allerdings keine Akzente setzen und war dann auf Dauer langweilig. Daraufhin sagte ich zu meinem Bekannten: „Das geht mir schon nach zwei Songs auf den Keks.“ Darauf antwortete er: „Das ist Musik für Hirntote. Das hat man schon 1000-fach überall gehört, nur besser.“ Tja, das ist schon ein vernichtendes Urteil, aber was mir schon beim Vorentscheid aufgefallen ist, war der katastrophal schlechte Beginn des letzten Songs. Ich gehe mal davon aus, dass die Band daran arbeiten wird. So schätze ich sie zumindest ein!

Die Alternative Rock Band Elli aus Rheine ist hier in Osnabrück noch ein unbeschriebenes Blatt. Dieses Handicap ist sicherlich von der Band unterschätzt worden, zumal es auch Äußerungen im Publikum gab, ob Rheine denn überhaupt noch zur Region zählen würde. Aufmerksam wurde ich schon vor dem eigentlichen Auftritt beim Soundcheck durch die hervorragende Stimme der Sängerin und der Tatsache, dass die Band den Vorentscheid in Bramsche ohne Bassisten absolviert hatte und trotzdem erfolgreich war. Elli starteten mit ruhigeren Stücken und trugen dann zum Ende hin die schnelleren Lieder vor. Allesamt waren hier der kräftige Gesang und die Gitarre im Fokus, aber auch die Rhythmusgruppe gab eine gute Figur ab. Musik muss eine Seele haben, die berührt. Das schafften Elli bei mir und vielen anderen. Die Grundfesten sind bei dieser Band schon gelegt. Wenn die Lieder und der Gesang noch etwas mehr ausgearbeitet werden, könnte die Band noch ganz groß werden.

Emerson Prime boten zum Abschluss ungewohnte Musik. Mit der Musikrichtung Funk oder Soul schafft man es eher selten in ein Rock in der Region-Finale. Das war aber in diesem Fall durchaus berechtigt. Abwechslungsreiche, tanzbare Musik von fähigen Musikern mit einer ausdrucksstarken Sängerin überzeugten in der Summe Publikum und Jury. Und so hatte das Finale 2016 einen würdigen Gewinner.

Auch wenn ich mit einigen Bands hier hart ins Gericht gegangen bin und sie gehörig durch den Fleischwolf gedreht habe, so soll das als Ansporn dienen, um durch Konzerte, Konzerte, Konzerte kontinuierlich besser zu werden. Trotz allem waren hier fünf gute Bands mit viel Potential am Start. Ich wünsche mir, dass es endlich wieder eine Band schafft, aus dem Nebeldunst der dunklen Konzertsäle und verranzten Jugendzentren im Osnabrücker Raum hervorzutreten, so wie es Boozed seinerzeit taten.

Gesamtergebnis:
1. Emerson Prime
2. The Bearing Sea
3. Jon Sun
4. Elli
5. Enter Thy Mind

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MUSIC WAS MY FIRST LOVE ... AND IT WILL BE THE LAST

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