RockHard Festival 2018 18. - 20.05.2018, Amphitheater, Gelsenkirchen

Auch in diesem Jahr machten sich wieder Fans aus dem ganzen Land auf ins wunderschöne Gelsenkirchen, um dem RockHard Festival beizuwohnen. Die Veranstalter hatten wieder mal für ein hochkarätiges Billing gesorgt, auch wenn die ganz exklusiven Bands auch dieses Jahr außen vor blieben. Dafür war das Wetter durchgehend großartig, von den sehr kalten ersten beiden Nächten mal abgesehen.

Freitag, 18. Mai

Nachdem Dawn Of Disease das Amphitheater bereits mit ihrem gut gemachten, aber nichtssagendem Death Metal warm gespielt hatten, legten Attic mit ihrem zweiten Gastspiel ordentlich los. Die Setlist setzte sich gut durchmischt aus den beiden bisher erschienen Alben zusammen. Zudem präsentierte sich die Band deutlich eingespielter und abgeklärter als noch bei Auftritten im letzten Jahr, von ihrem ersten Gastspiel auf dem RockHard Festival ganz zu schweigen. Auch bei Dool schien die Sonne kräftig, und genau wie bei Attic konnte sie dennoch nicht die düstere Atmosphäre zerstören. Die ganz eigene hypnotische Wirkung der niederländischen Band verbreitete sich im Amphitheater. Dazu präsentierte sich das Quintett als wahre Einheit, bei der jede Note perfekt sitzt. Dool setzen als dritte Band am ersten Tag bereits ein gewaltiges Ausrufezeichen! (Padre)

Die oft unterschätzte NWOBHM-Legende Diamond Head spielen ihren ersten Gig im Amphitheater. Neu-Sänger Rasmus Bom Andersen macht eine gute Figur und ist bestens bei Stimme und im Gegensatz zu Attic, die leider zu viel Wert auf Show als auf Sound legen, kann man ihn sogar glasklar hören. Obwohl die englisch-dänische Gruppierung einen wirklich klasse Auftritt hinlegt, kommt das Publikum doch erst wirklich beim Klassiker „Am I Evil“ so richtig aus dem Arsch. Trotzdem ist es ein stabiler Auftritt, den man sich gerne noch mal geben kann. (Inquisitor)

Das Niveau können Tiamat später nicht annähernd halten. Obwohl die Schweden ein Set ihrer beiden besten (und beliebtesten) Alben „Clouds“ (1992) und „Wildhoney“ (1994) mitgebracht haben, kommt nicht so richtig Stimmung auf. Keines der sechs Bandmitglieder auf der Bühne erweckt den Eindruck, gerne dort zu stehen. Trotz der vorzüglichen Songauswahl und des guten Sounds macht sich schnell Langeweile breit. Sobald Sodom dann mit „My Atonement“ loslegen, ist diese Langweile aber so gut wie vergessen. Die zum Quartett gewachsene Thrash-Legende macht keine Gefangenen und legt lediglich drei Songs vor, die nach 2005 geschrieben wurden. Dazu dann noch selten gespieltes, wie „Christ Passion“ und „Silence Is Consent“ und „Outbreak Of Evil“ mit Intro. Der Personalwechsel hat der Band nicht geschadet, auch wenn die zweite Gitarre kaum zu hören ist. Ein würdiger Headliner. (Padre)

Samstag, 19. Mai

Los gehts mit einer ordentlichen Portion Thrash von Traitor. Die Band mit dem singenden Drummer kann weniger mit innovativen Songs als mit purer Durchschlagskraft überzeugen und erspielt sich einige neue Fans. Davon muss man sich erst mal erholen und ein bis zwölf Bierchen trinken. Davon profitieren dann Leatherwolf, die trotz eines Ersatzgitarristen die volle Power der „Triple Axe Attack“ liefern. Die Band tritt mühelos den Beweis an, dass sie trotz langer Studioabstinenz noch nicht zum alten Eisen gehören. Dies gilt genau so für Cirith Ungol, die allerdings viel zu früh mit Night Demons Armand Anthony als Aushilfe an der Rhythmusgitarre auf die Bühne müssen. Trotz der mit 55 Minuten viel zu kurzen Spielzeit liefern die US Metal-Legenden ein amtliches Brett ab und genießen jede Minute. Drummer Robert Graven hat sogar schon auf der Facebook-Seite des Festivals angefragt, ob man nächstes Jahr wiederkommen dürfe. Ich bitte darum! (Padre)

Gerade noch waren The New Roses mit den toten Gänseblümchen auf Tour und schon hat man sie wieder vor der Linse. Die zahlreichen weiblichen Fans rotten sich in der ersten Reihe zusammen, um der rauen Stimme von Sänger Timmy Rough zu huldigen. Solide Rockmusik am Nachmittag findet den Weg in die Gehörgänge, nicht mehr und nicht weniger. Mit Marduk ist dann zumindest eine Band dabei, die urwüchsigen Black Metal zeigt. Es gab ja auch schon Jahre, da hat man die Schwarzmetall-Fans auf dem Festival verhungern lassen. Die Schweden begeistern mich von der ersten Minute an, und so inhaliere ich das Set begierig. Hervorragend! (Dark Angel)

Der „Wizard of Wattenscheid“ (der eigentlich aus Bochum kommt) [Wattenscheid wurde 1975 eingemeindet – Padre] gibt sich die Ehre: Axel Rudi Pell. Oftmals gerne als Alte-Leute-Musik verschrien, lockt mit seinem Melodic Metal/Hard Rock doch auch ein erstaunlich junges Publikum vor die Bühne. Johnny Gioeli ist, wie immer, bestens bei Stimme und mit Songs wie „Only The Strongest Survive“ kann man eigentlich nichts verkehrt machen. Ebenso wenig wie Overkill mit ihrem „Feel The Fire“ und „Horrorscope“-Set. Die Amis können ja eh keine schlechte Show spielen, auch wenn ihr letztes Album ehr so „Meh!“ war. Songs wie „In Union We Stand“ zünden einfach immer. D.D. Verni ist einfach ’ne coole Sau und weil ein Bass nicht genug ist, steht er plötzlich mit einem Doppeltieftöner auf der Bühne. Braucht zwar kein Mensch, sieht aber geil aus. Zum Abschluss gibts dann noch das unvermeidliche „(We Don´t Care What You Say) Fuck You“ mit kollektiv gestrecktem Mittelfinger. Einziger Schwachpunkt: Bobby nimm den Bart ab! Der steht dir echt nicht. (Inquisitor)

Sonntag, 20. Mai

Thundermother eröffnen den letzten Tag des Festivals. auch wenn ich zugeben muss, dass mir die alte Besetzung optisch besser gefallen hat, so ist musikalisch kaum eine Schwächung zu hören. Lediglich Frontmutti Guernica Mancini klingt stimmlich eine Spur dünner als ihre Vorgängerin. Die beiden aus Lampen bestehenden Blitze auf den Amps links und rechts sind die einzigen Showelemente. Mehr braucht es aber auch nicht. Solider Anheizer für den Tag. (Inquisitor)

Memoriam haben das Problem, das die sogenannten Supergroups nunmal haben: Sie werden den Erwartungen eigentlich nie gerecht. Die Briten rödeln motiviert vor sich hin, die Songs bleiben aber blutleer und austauschbar. Ohne die großen Namen in der Band würde diese Truppe nicht über ihre Heimatregion hinaus kommen. Das machen Night Demon im Anschluss dann erheblich besser. Nachdem das Trio beim letzten Jahr als Opener regelrecht verheizt wurde, lassen die Kalifornier überhaupt nichts anbrennen und feuern Hit um Hit ins textsichere Publikum. Neben Dool der klare Sieger des Festivals! (Padre)

Mittlerweile brennt die Sonne richtig und so mancher Besucher ist krebsrot gefärbt. Dazu bieten die schweizerischen Prog/Tech Thrasher Coroner eine zwar bewegungsarme, aber äußert tighte Show. Alle großen Songs sind vertreten und werden nahezu perfekt dargeboten. Schön, dass man es zehn Jahre nach der Reunion endlich geschafft hat, diese Band zu buchen. Und noch viel schöner, die Granate „Masked Jackal“ endlich mal live zu hören. (Padre)

Auch wenn Saxon gefühlt immer überall spielen und auch schon diverse Male in Gelsenkirchen zu Gast waren, ist das Amphitheater fast komplett gefüllt. Die Briten steigen zunächst mit zwei neuen Songs in ihr Set ein und auch generell macht das aktuelle Werk „Thunderbolt“ die Mehrheit der Songs aus. Aber natürlich fehlen auch „747 (Strangers In The Night)“, „Strong Arm Of The Law“ und „Denim And Leather“ nicht. Saxon sind einfach immer eine sichere Bank. (Padre)

Fazit:

Im Grunde genommen kann ich hier mein Fazit aus dem letzten Jahr komplett wiederholen. Dies heißt einerseits, dass es nicht schlechter geworden, besser aber auch nicht. All das Besondere, was das RockHard Festival mal ausgemacht hat, ist so gut wie verschwunden. Der Metalmarkt, der im letzten Jahr nur für einen Tag geöffnet war, fehlte diesmal komplett. Dafür gab es ein paar brauchbarere Händler mehr auf der Händlermeile. Die Shirtpreise sind ebenso wie die Preise für Verpflegung (ein Döner für 6€?) nur noch frech und die Auswahl ist auch nichts Besonderes. Die mobilen Bierverkäufer laufen nach wie vor rücksichtslos durchs Publikum und stehen auf der Tribüne gerne mal im Weg. Dem gegenüber stehen entspannte und faire Security, ein schneller Einlass und die unschlagbaren sanitären Anlagen. (Padre)

Mein persönliches Fazit fällt so aus: Das Festival war, wie gewohnt, geschmackvoll und macht immer noch Spaß. Jedoch sollte man seine Erwartungen, was das Billing betrifft, etwas runterschrauben. Mit Ausnahme von Cirith Ungol sind die exotischeren Bands aus dem Billing gewichen. Alles hat man irgendwo schon mal gesehen. Macht aber nichts! Viel mehr stören mich andere Dinge. Ich weiß, dass die Händler vor dem Amphitheater nicht vom RockHard selber dort platziert wurden, aber muss man einen riesigen Bootleg-Stand direkt am Eingang zum Gelände wirklich haben? Nicht nur, dass die Ware minderwertig ist, auch die dort arbeitenden Personen sind entweder zwielichtige Gestalten oder werden von solchen dafür ausgenutzt. Auf mich wirkten sie jedenfalls nicht so, als hätten sie Ahnung davon, was sie da überhaupt verkaufen. Sowas sollte in der Zukunft unterbunden werden und stattdessen seriöse Händler, die es ohne Frage auf dem Amphitheatergelände gibt, angeheuert werden. (Inquisitor)

Über Padre 63 Artikel
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