Storm Seeker – Beneath In The Cold VÖ: 18.05.19, Eigenproduktion, Folk Metal

CD-Cover Storm Seeker - Beneath In The Cold

Die seichten Wogen der Wellen, der Klang von Fernweh und Sehnsucht. Das Intro „Nemo“ setzt uns direkt im Thema des ersten Silberlings der Meute von Storm Seeker ab. Doch wer jetzt denkt: „Nicht noch eine Piratenband“, der darf gerne eines Besseren belehrt werden. Ihr Debütalbum ist ein ganz besonderes.

Wie eben schon angedeutet, setzt uns „Nemo“ direkt im Thema ab. Der Klang von Wellen erzeugt das Gefühl von Fernweh, Abenteuern, Sehnsucht, aber hat auch etwas Romantisches in sich. Besser hätte man solch ein Album nicht beginnen können. Aufgetrumpft wird wenig später schon mit dem ersten Gossenhauer des Albums. „Drag O Below“ ist einer dieser Titel, die man nicht so schnell wieder loswird. Er hat sich bei mir schon die letzten drei Wochen als Ohrwurm festgesetzt. Ein geniales Zusammenspiel von Metal und Folk, das sehr hymnisch wirkt, sich aber musikalisch kein bisschen kitschig gibt. Auch mit „Pirate Squad“ bietet das Sextett einen Titel jenseits des Piratenklischees, der trotzdem maritim und rau klingt. Spätestens jetzt sollte man sich bewusst werden, dass Storm Seeker sich nicht hinter Verkleidungen verstecken, sondern ernsthaften Pirate Metal machen, der auch ernsthafte, raue Geschichten erzählen kann – eben wie das unverblümte Seefahrerleben war.

Und genau hier setzt auch wieder die „Deep Sea Waltz“ an. Mit Schunkelmusik eines melancholischen Akkordeons werden Gitarren virtuos wie ein Sturm entfesselt. Der Refrain ist zweistimmig gehalten und macht durch den Wechsel zwischen Sänger und Sängerin für mich als großer Eluveitie-Fan einen ganz besonderen Eindruck. Mit dem Beginn von „Drink Till Dawn“ erinnern mich die Seeleute dann zwar sehr an die finnischen Kollegen von Korpiklaani, findet man doch den Weg schnell zurück in die Eigenständigkeit. Aber dieser Titel beweist für das Album eins: Hier ist für jeden etwas dabei. Dann darf natürlich auch kein Trinklied fehlen. Mit „Barrel Of Grog“ haben wir da einen Titel, der etwas anders als die schnellen Sauflieder ist. Hier darf ordentlich geschunkelt und der Krug gehoben werden. Der Refrain sitzt schon nach dem dritten Hören. Perfekt für die Saufgelage auf hoher See oder an Land.

Wieder in ernsteren Gewässern, schippert man dann mit „Darkest Of Caves“. Das Songintro klingt sehr mystisch und spannt den Bogen extrem, so dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht, und der Song mündet so, wie man ihn nicht erwartet hätte. Erst denkt man, er geht richtig ab und dann bekommt man eine knackig, hymnische, leicht doomige Nummer. Von Frauengesang über die raue Kehle des Sängers bis hin zu hartem Männerchor klamüsert sich dieser kurze Titel zu einem wahren Epos. Auch das nachfolgende „Prophecy“ geht gut ins Ohr, schlägt man doch eher ruhigere Töne an. Die Stimme der Sängerin fügt sich perfekt in die Melodie ein und verleiht dem Titel etwas mystisches, während die raue Stimme des Sängers den Song abrundet und den Diamanten feinschleift.

Kommen wir nun zum vorletzten und längsten Song der Scheibe. „Plunderer And A Thief“ schiebt zu Beginn langsam die Gewitterwolken zusammen, um sich dann wie ein Sturm zu entladen. Die Arrangements wieder einmal perfekt gewählt, tragen die Stimmungen weiter mit sich und erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre ohne sich dabei vom Metal zu lösen. Dieser Song baut sich immer weiter auf und erzählt seine Geschichte – Und weil ich das Wort „Epos“ vorhin schon benutzt habe, weiß ich nicht, wie ich das Ding hier nennen soll – Es ist einfach Wahnsinn.
Doch die sechs Musiker und Musikerinnen sind nun mal Piraten, und was gehört dazu? Richtig, ein Song über Rum, und der heißt zum Glück auch einfach „Rum“. Ein Sauflied zum Pogen, Feiern und einfach die Sau rauslassen. Die perfekte Abrundung des Albums.

Ein grandioses Debüt. Ganz ohne Kitsch zeigen uns Storm Seeker, dass es möglich ist, eine ernsthafte Piratenband zu gründen. Leute, die sich mit dieser Musik identifizieren, sollten sich das Teil unbedingt holen, doch „Beneath In The Cold“ ist nicht nur für Freibeuter geeignet, sondern jeder Anhänger des Folk Metals sollte sich dieses Album anhören, denn es hat von allem etwas, findet aber trotzdem seinen eigenen Weg. Mit insgesamt zehn Songs, die allesamt mehr als nur gut sind, werden die Sechs noch ganz groß rauskommen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal von einer Band so begeistert war!

Homepage: https://www.storm-seeker.com/

Tracklist:
01. Nemo
02. Drag O Below
03. Pirate Squad
04. Deep Sea Waltz
05. Drink Till Dawn
06. Barrel Of Grog
07. Darkest Of Caves
08. Prophecy
09. Plunderer And A Thief
10. Rum

1 Kommentar

  1. Danke für die tolle Vorstellung des Storm Seeker – Albums. Ich kann mich der Meinung nur anschließen – ein absolut hörenswertes Werk.

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