Las Casas Viejas – goule//H VÖ: 10.11.17, Alerta Antifacista Records, Black Metal / Doom Metal

Gerade erst gegründet, überraschen Las Casas Viejas schon mit ihrem Debüt. Auf “goule//H” werden neben den Elementen aus Black Metal oder Doom Metal noch kleine Abstecher in die Gefilde aus Sludge, Post Rock oder Post Metal gemacht. Das Ganze verbindet sich zu einem Konzept, mit dem sich das Sextett klanglich auseinander setzt anhand der modernen Industriekultur aus Konsum und Produktion.

Noch sanftmütig erwachend beginnt der erste Track der Scheibe „Moribundus“. Sehr still gehalten wird die Stimmung mit seichten Klängen aufgebaut, die mit einem gesprochenen Part einer sachten weiblichen Stimme untermalt sind. Der Text ist sehr nachdenklich und regt wirklich dazu an, sich damit auseinander zu setzen. Erst nach circa sieben Minuten geht es dann in den doomlastigen Black Metal über, der die ohnehin trostlose Stimmung des Songs in ein sehr kraftvolles, erdrückendes Stimmungsbild taucht und ein Gefühl von Unbehagen erschafft.

Doch an diesem Gefühl kann „Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie“ leider nicht anknüpfen. Musikalisch und lyrisch ist der erste Teil des Songs top. Die Frauenstimme passt wirklich gut, doch wie alles, was lange auf einem Level bleibt, wird es schnell eintönig, und durch die Melodie des Songs kommt leider keine Emotion rüber. Abgelöst von Naturklängen, wie Vogelzwitscher, baut sich der Track dann wieder langsam auf und geht über in die ekelhaften, verrohten Klänge aus Maschinen und typischen Stadtgeräuschen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der nächste Song dort direkt anknüpft, jedoch geht „Kein Ort 2: nicht keine Stadt und Lethargie“ direkt in die Vollen. Eine gute Black Metal-Nummer, die sich von klischeehaftem Geballer trennt und sich auch traut, mit sanften Melodien die Stimmung der Lethargie zu erzeugen.

Weiter geht’s mit geflüsterten Phrasen, die man wirklich kaum verstehen kann und erst mit Ausklang der Musik greifbar werden. Dies bekommt aber noch einen Nachschlag harter Doompräsenz und gibt im Ganzen eine starke Nummer ab. Sollte ein Song, der sich „Klaustrophobie“ nennt, nicht irgendwie beklemmend wirken? So fängt auch dieser hier sehr sanft an, eröffnet das Feuer dann aber mit einem starken Black Metal-Song, der durch den Widerhall der Gesangsstimme doch dieses Gefühl von Enge erzeugen kann. Nur das Klangbild wirkt in diesem Song fast konstant, was ihn leider fast schon langweilig macht.

Sphärisch, spielerisch zeigt die „Erinnerung“ sich. Der letzte Song dieses Albums ist wieder von den sanften Clean-Vocals durchzogen. Musikalisch wirkt er im Gegensatz zu den vorherigen Songs, die die Stimmung doch meist auf den Punkt gebracht haben, sehr experimentell, doch das macht den Song so schemenhaft, irgendwie nicht greifbar, halt so, wie man einige Erinnerungen nicht fassen kann.

Las Casas Viejas versprechen viel, halten aber weniger. Nein, so schlimm ist es nicht, dennoch haben sie den ersten Track ihres Albums so stimmungsvoll gestaltet, dass die nächsten leider doch teilweise sehr flach rüberkommen. Es gibt aber einige wirklich gute und starke Stellen in den Songs und man muss wirklich sagen, dass die Band weiß, was sie tut. Ich wünsche mir nur fürs nächste Album, dass sie mehr mit den Emotionen jonglieren.

Tracklist:
1. Moribundus
2. Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie
3. Kein Ort 2: nicht keine Stadt und Lethargie
4. Klaustrophobie
5. Erinnerung

Homepage: https://www.facebook.com/KeinOrt1/

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