Die Toten Hosen – Laune der Natour 01.09.2018, Minden, Weserufer

Die Toten Hosen - Laune der Natour 2018

Geburtstage sind schon ’ne feine Sache, besonders wenn man sie wie ich auf einem Konzert begehen kann. Schon das zweite Mal suchen sich Die Toten Hosen mein Geburtsdatum für ihren Auftritt in Minden aus, also nichts wie hin und Party machen.

Im Rahmen einer Kulturveranstaltung wird auch dieses Konzert stattfinden, so dass es sich hier um ein riesiges Gelände handelt, das für ein mehrtägiges Festival locker reichen würde. Videowände, Fressbuden und Merch soweit das Auge reicht, nur an den Toiletten hat man gespart, so dass sich eine riesige Schlange vor den Dixis bildet. Solange man kein Geld damit verdienen kann, scheint man diese Dinge auch nicht weiter zu berücksichtigen. Aber ab zur Musik.

Attaque 77 aus Buenos Aires, Argentinien, dürfen zuerst ran. Die Jungs spielen klassischen Drei-Akkorde-Punk mit spanischen Texten. Das Ganze ist zwar nicht schlecht, doch leider erschöpft es sich recht schnell, da den Songs ein Wiedererkennungswert und eine gewisse Abwechslung fehlt. Dennoch können sie das Publikum gut anheizen, zumindest den vorderen Teil des Infields, der tatsächlich noch aus Rockern und Punks besteht. Im hinteren Teil sammeln sich die Menschen, die die Hosen wohl nur aus dem Radio kennen und auf „An Tagen Wie Diese“ warten.

The Undertones aus UK sind dann als nächstes dran. Hier legt man dann schon mehr Wert auf Groove und Eingängigkeit. Tatsächlich sind sie heute die beste der drei Vorbands und können auch das etwas steifere Publikum im hintern Teil begeistern. Ihr Gitarrist, der optisch Stephen Hawkings nicht beeinträchtigter Bruder sein könnte, hat eine sehr bluesige Spielweise, dafür dass es sich hier immer noch um Punk handelt. Leider verpasse ich den Rest des Set’s, weil ich in der viel zu langen Schlange für die, anfangs schon erwähnten, viel zu wenigen Toiletten anstehe.

Der Tiefpunkt des Vorprogramms ist mit den Österreichern Wanda erreicht. Ich möchte fair bleiben, da die Band objektiv tatsächlich was drauf hat, aber als Support für eine der bekanntesten deutschen Punkbands ist das ein totaler Ausfall. Mit „Bologna“, dem einzigen mir bekannten Song der Wiener wird dann auch gleich der Set eröffnet. Auch wenn es wohl einige Fans der Band gibt, ist ihr Auftritt hier und heute total fehl am Platze.

Wo andere Bands mit ihren aktuellsten Songs den Set eröffnen, setzen Die Toten Hosen auf ihre Klassiker. „Opelgang“, „Auswärtsspiel“ und „Niemals Einer Meinung“ bilden das Anfangs-Tripple bevor mit „Laune Der Natur“ der erste Song vom aktuellen Album gespielt wird. Auch gecovert wird heute sehr viel. Den Auftakt bildet das Hannes Wader-Stück „Heute Hier Morgen Dort“. Zu „Sascha … Ein Aufrechter Deutscher“ gibt es nicht nur ein paar deutliche Worte Richtung Chemnitz, sondern Unterstützung durch ein Streicherquartett, welches im Verlauf des Abends noch öfter zum Einsatz kommt und von Campino später als „Michael-Gorbatschow-Gedächtnis-Quartett“ benannt wird. Das Quartett untermalt das Stück dezent aber hörbar. Ein klassisches Backdrop nutzt übrigens keine der vier Bands. Stattdessen hängt eine riesige Videowand hinter den Musikern. Die ist jetzt auch nötig, denn die erste Strophe zu „Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist“ singt Campino komplett im Liegen, so dass man ihn nur über eben jene Leinwand sieht. Das Stück „Willkommen In Deutschland“ wird wieder für eine Botschaft Richtung Chemnitz genutzt und Campino macht darauf aufmerksam, dass sie und unter anderem Materia und Feine Sahne Fischfilet am Montag – vom Tag des Konzertes gesehen – ein Protestkonzert in Chemnitz spielen werden. Das Ganze wird von „Nazis raus“-Sprechchören skandiert. Zum eigentlich Song kommt dann auch wieder das Streicherquartett zurück und die Pyrotechnik zündet Bengalos, die man an ausgewählten Stellen im Infield positioniert hat. Zusammen mit den geschwenkten Hosen und Liverpool-Fahnen kommt hier tatsächlich etwas Stadionatmosphäre auf. Mit „Wünsch Dir Was“, „Hier Kommt Alex“ und „Freunde“ wird dann der erste Block beendet. Dass hier sehr viel Radiopublikum vor Ort ist, merkt man, denn die Zugaberufe sind doch sehr verhalten. Egal, mit „Halbstark“, einem The Yankees-Cover wird der zweite Block eröffnet, und wie viele Jahre musste man warten bis die Hosen einen Die Ärzte-Song spielen? Ich weiß es nicht, sagt ihr es mir. Fakt ist, dass sie es tun und mit „Schrei Nach Liebe“ auch thematisch voll auf die 12 treffen. Damit nicht genug, Cover die Dritte. Das „Michael-Gorbatschow-Gedächtnis-Quartett“ spielt nun Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine Kleine Nachtmusik“. Denn ob Punk oder nicht, Kultur muss sein. Natürlich ist das nur als Gag gemeint und sowohl das Quartett als auch die Band selber lenken sofort ein und spielen „Du Lebst Nur Einmal“. Mit „Wort Zum Sonntag“ wird dann auch der zweite Block beendet. Der dritte Block beginnt mit „Wie Viele Jahre (Hasta La Muerte) und enthält auch wieder ein Cover. „Should I Stay Or Should I Go“ von The Clash soll es sein. Die häufigen Cover in diesem Set fallen schon auf, allerdings stören sie nicht, da sie wunderbar intoniert sind. Mit einem Mix aus „Eisgekühlter Bommerlunder“ und „Bis Zum Bitteren Ende“ gibts dann auch was für die Trinker unter den Fans und mit „Schönen Gruß Und Auf Wiederseh`n “ wird der sage und schreibe dritte Block beendet. Kommt da noch was? Aber ja! Der letzte Block für diesen Abend, in dem uns auch wieder ein Cover präsentiert wird. „T.N.T.“ von AC/DC, ja das reimt sich, wird ins Auditorium gepfeffert. Campino erklärt uns vorher noch, dass der jetzige Gastsänger, ein ukrainischer Streicher des Quartettes, das hier auch wieder zum Einsatz kommt, der uneheliche Sohn von Bon Scott sei, der damals auf der Mystery Tour entstanden sein soll. Na, Sachen gibts. Endlich kommt dann auch der Song auf den alle Familienväter, Hausfrauen und Fußballfans gewartet haben. „Tage Wie Diese“. Hier singt dann auch tatsächlich jeder mit und Konfettikanonen feuern zerschreddertes Altpapier in den Mindener Nachthimmel. Mit „You`ll Never Walk Alone“ und „Verschwende Deine Zeit“ wird dann auch diese knapp dreistündige(!!!!!!) Show beschlossen. Beschweren kann man sich hier musikalisch nicht. Nur die Toilettensituation sollte noch mal überdacht werden. Große Festivals dienen da als gutes Beispiel.

Randnotiz: Für einen Becher Bier zahlt man hier 5 €. Klingt frech, allerdings sind 2 € Pfand mit eingerechnet und man bekommt einen halben Liter somit für 3 € in einem schön designten Becher mit Tourplakat als Aufdruck. Kann man machen. Wucher ist anders.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.