Gefürchtet von der Elm Street bis nach Crystal Lake Interview mit Rod Usher von The Other

The Other
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Halloween ist zwar schon einige Zeit vorbei, dennoch haben wir uns mit jemanden unterhalten, dessen Job es ist, anderen das Fürchten zu lehren. Die Sprache ist hier von Rod Usher, dem Sänger der bekanntesten Horrorpunkband Europas, The Other. Er hat uns einige interessante Dinge über sich, seine Band, die letzte Tour und das fünfzehnjährige Bandjubiläum erzählt.

HSF: Hallo Rod, schön dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Eure „Hell Nights Tour“ liegt direkt hinter euch. Was war das besondere dieser Tour?

Rod: Die Tour gibt es bereits seit 2006, aber erstmals waren wir Headliner auf den kompletten Terminen der ganzen Tour. Früher haben wir uns immer ähnlich bekannte Bands eingeladen, sie teilweise aus den USA geholt, und so die Clubs voll gehabt. Diesmal wollten wir nicht anderen die Touren in Europa finanzieren und selber draufzahlen, sondern haben zwei super Bands aus Österreich und Italien gefragt (Kitty In A Casket und Scarlet And The Spooky Spiders) und mit denen die Hütten voll gemacht. Das Konzept bleibt weiterhin das gleiche: Gute und befreundete Bands aus den Genres Horrorpunk, Psychobilly und Deathrock fahren um Halloween gemeinsam durch Deutschland und verbreiten gepflegten Grusel. Die Leute mögen es, wir auch!

HSF: Das Ende der Tour fand in Köln direkt zu Halloween statt. Habt ihr das für euch entschieden und dabei sogar mit einem Klischee gespielt?

Rod: Das hat bei uns Tradition und bei den Kölnern auch. Immerhin waren 800 Leute da, so viel wie noch nie. Seit 2002 spielen wir an Halloween in Köln (als Coverband schon seit 1999). Das wissen immer mehr Punker, Gothen und Metaller und stellen sich darauf ein. Wir könnten darüber nicht glücklicher sein. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir einen Anteil daran haben, dass Halloween in Köln zum zweitgrößten Party- und Verkleidungsfest geworden ist. Als wir anfingen, war davon noch nichts zu spüren, heute ist Halloween in jedem Club in Köln.

HSF: Nicht nur die Tour stand dieses Jahr für euch an, sondern auch die Veröffentlichung eures neuen Albums „Casket Case“. Welche Idee steht hinter dem Album?

Rod: Die Idee, die wir immer haben: Das beste Album überhaupt zu machen. Wir wollen uns immer übertreffen, immer wieder neue Wege gehen, noch geilere Hymnen schreiben. Und wir glauben, dass uns das wieder gelungen ist. Die Hörer lieben unsere Scheibe, und live kamen die neuen Tracks sensationell an. Sogar noch besser als erwartet.

HSF: Wie ist es euch gelungen, auf dem Album so viele, aber auch so abwechslungsreiche Songs zu bannen?

Rod: In dem wir uns nicht limitieren. Sicher gibt es die Fraktion der „früher war alles besser“–Leute. Aber auch die sehen, dass wir keine grundsätzlich andere Band geworden sind, sondern einfach nur variabler. Die Punk-Rock-Stücke gibt es ja weiterhin, nur, dass jetzt auch mal ein richtig doomiger Track oder ein Song mit Akustik-Gitarren dabei ist. Wichtig ist die Grundstimmung, die Atmosphäre… und die bleibt bestehen. Man höre sich nur „What It’s Like To Be A Monster“ an. Ganz ruhig aber verdammt gruselig.

HSF: „Casket Case“ ist auch ein besonderes Album für euch, denn es kam passend zum 15-jährigen Bandjubiläum – konntet ihr das gebührend feiern?

Rod: Genau an Halloween, denn auf den Tag vor 15 Jahren wurde die Band quasi ins Leben gerufen. Bei einem Gig als Misfits-Coverband streuten wir einen eigenen Song ins Live-Set ein, der klasse aufgenommen wurde. Und schon waren The Other geboren, und wir konzentrierten uns wenig später nur noch auf den eigenen Kram. 15 Jahre sind eine lange Zeit, aber da wir uns musikalisch immer weiter entwickeln und damit immer bekannter werden, macht es weiterhin großen Spaß – auch dank unseres neuen Labels Drakkar und den engagierten Menschen dort.

HSF: Nach so einer Zeitspanne ist die Zeit als Misfits-Coverband vorbei. Zieht ihr denn noch Vergleiche zu euren Vorbildern?

Rod: Wir nicht, andere schon. Gerade die Presse stürzt sich immer wieder drauf, speziell die Leute, die uns nicht mögen. Die sehen unsere Outfits, lesen irgendwo, dass wir 1999 bis 2002 mal eine Misfits-Coverband waren und machen sich nicht mal die Mühe, ein Album durchzuhören. Kaum kommt das erste „ohohoh“ heißt es „ach ja, das ist ja voll Misfits“. Gerade bei „Kritikern“, die sich null im Punk Rock oder Gothic auskennen, gibt es halt nur die Misfits als Referenz. Von The Damned, TSOL, 45 Grave, Lords Of The New Church, Der Fluch etc. haben die nie was gehört.

HSF: Als größte Vertreter des Horrorpunks in Europa seid ihr auch international unterwegs, wie 2016 in Amerika zum Beispiel. Geht es für euch öfter auf solche Reisen?

Rod: Wir waren zweimal in den USA, mehrmals in England, reisten nach Russland und haben die umliegenden Länder um Deutschland beackert. Das macht Spaß, denn privat würde man an manche Orte vielleicht nie kommen und nie so viele unterschiedliche Menschen kennen lernen. Man taucht ja dadurch viel intensiver in eine Region, Kultur und Szene ein. Ich weiß das sehr zu schätzen und würde gerne so lange weiter mit der Band durch die Welt reisen, wie es geht.

HSF: Wenn man sich eure Live-Performance anschaut, sieht man als Außenstehender erst einmal eure, ich sag mal, Verkleidung. Wie wichtig ist sie für eure Auftritte?

Rod: Essentiell. Durch unsere Bühnencharaktere sind wir andere Menschen, die sich anders darstellen können. Ich bin privat unter Fremden ungern im Mittelpunkt, als Rod Usher liebe ich die Bühne, die Blicke, die Lautstärke. Das Make-Up ist ein bisschen wie Alkohol, es enthemmt. Aber es gibt dir auch sehr großen kreativen Spielraum, was Videos, Comic, Artworks etc. angeht.

HSF: Eine Frage zu euren Texten: Wie kamt ihr auf die Idee, Gruselgeschichten bzw. Horrorgeschichten zu vertonen?

Rod: Oh, da waren wir sicher nicht die ersten, Horrorlyrics hatten schon so viele Künstler, von Screamin‘ Jay Hawkins und Bobby „Boris“ Pickett über Misfits, The Cramps, Alice Cooper bis hin zu Gwar, Ghost und so viele weitere. Sicherlich ist das jetzt kein Alleinstellungsmerkmal, sondern einfach der Tatsache geschuldet, dass wir Fans all dieser Künstler sind aber schon als Kinder Horrorfilm-Nerds waren. Sowas bleibt nie ohne Folgen.

HSF: Vielen Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut. Aber gibt es noch etwas, das du unseren Lesern sagen möchtest?

Rod: Falls ihr dort in der Ecke Osnabrück es nicht wisst: Wir lieben eure Region und spielen super gerne bei euch. Wir waren seit Beginn von The Other gefühlt schon in allen Clubs der Stadt auf der Bühne und schätzen es, dass ihr uns immer wieder sehen wollt. Ich persönlich habe sogar den Jahreswechsel 2016 auf 17 privat in Osna verbracht – mit Wandern, Essen und Absturz im Bastard Club – weil ich mich in der Stadt so zuhause fühle. Köln, Leipzig, Hamburg, Osnabrück, das sind die Städte, auf die ich mich auf Tour immer am meisten freue. Wenn wir also endlich mal wieder vor Ort sind, hoffe ich auf viele Menschen aus der Region, die bei unserem Konzert vorbeischauen.

Lest auch unser Albumreview zu „Casket Case“ von The Other

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