Gunslinger sind jetzt Agentpunch und … more Metal! Interview mit Agentpunch

Agentpunch-Interview

Osnabrücker Bands, die einfach „nur“ Heavy Metal spielen, gibt es nicht wie Sand am Meer. Agentpunch (ehemals Gunslinger), die fleißig an ihrem zweiten Album werkeln, sind allerdings so eine Band. Im April stehen sie bei der Heavy Stage Night 2 auf der Bühne und wollen ihren Gig natürlich auch mit neuem Material aufwerten. Ich lud die Jungs zu einem kleinen Plausch ein und erfuhr allerlei Dinge über diese hochinteressante Band.

HSF: Euer Video zum Song „Stranger Demon“ hat mich letztes Jahr ziemlich beeindruckt. Eine Osnabrücker Band, die mir bislang komplett unbekannt war, macht ein so cooles Video. Und dazu ist das ja noch ein richtig geiler Song den ihr da geschrieben habt. Wie ist das ganze entstanden?

Juri: Wir wollten da jetzt nicht viel Kohle reinstecken. Daher haben wir das Video selbst gedreht und geschnitten. Das Ganze ist in unserem Proberaum am Limberg und außerhalb davon entstanden.

Tommi: Danke für Dein Lob! Für unsere Möglichkeiten haben wir, glaub ich, das Optimale rausgeholt. Der Song marschiert auch gut nach vorne und die beweglichen Bilder passen dazu.

Juri: Der Song ist halt der Opener von der ersten Platte, hat nen geilen Refrain und gutes Tempo.

HSF: Agentpunch gibt es als Band ja jetzt seit 2016. Trotzdem habe ich bislang von Euch noch nicht viel gehört. Euer Bekanntheitsgrad scheint also ausbaufähig zu sein. Wie kommt das und wie nehmt ihr das wahr?

Roman: Gute Frage (lacht)! Wir haben die Band ja 2016 gegründet und 2017 kam unser Debütalbum „Investigation“ raus (nicht 2018, wie das Internet fälschlicherweise behauptet-Red.). Seitdem sind wir erst einmal live aufgetreten, waren da u. a. in Berlin, Essen und Herdorf, d.h. vor allem außerhalb von Osna unterwegs. Fürs Erste können wir auf jeden Fall zufrieden sein, denn das Album hat gute Kritiken bekommen – mitunter in der Rock Hard, auf metal.de und natürlich auch von der Heavy Stage Force.

Juri: Wir sind schon gut rumgekommen, aber vielleicht noch nicht so viel, wie man das eigentlich will. Das liegt natürlich auch daran, dass die Band schon ein Hobby-Ding für uns alle ist und wir da nicht so viel investieren können. Unser Sänger arbeitet z.B. Vollzeit in Karlsruhe, und auch der Rest von uns ist Vollzeit am Arbeiten. Ich selbst bin den ganzen Sommer immer berufsbedingt unterwegs und höchstens mal für zwei Wochen in Osnabrück. Da drückt man halt mal nen Gig rein, wenn es zeitlich passt.

Alex: Klar, der Bekanntheitsgrad ist ausbaufähig, aber wie Juri schon sagt: Es ist zunächst eine Frage der Zeit. Allein für Onlinepräsenz und Booking bräuchte man eigentlich schon jemanden, der nur das in Vollzeit macht… aber wer soll dann noch die Songs schreiben und proben? (lacht) Ein anderer Grund ist, dass wir auch einfach keinen Bock haben jeden Drecksdeal für einen Gig anzunehmen. Klar verstehe ich es, wenn Veranstalter nicht mit Riesensummen um sich werfen können. Auf der anderen Seite merkt man doch sehr schnell, ob man es mit jemandem zu tun hat, der Bock auf die Mucke hat, der selber Rock n‘ Roll oder Metal-Fan ist und mit dem Herzen an der Sache hängt oder ob man es mit jemandem zu tun hat, der einfach nur sein Risiko als Veranstalter auf die Bands abwälzen will.  Aber hey, letztere gibt’s auch nur, solange die Bands das mitmachen.

Agentpunch - BandpicHSF: Erzählt doch noch einmal wie es 2016 zur Bandgründung kam. Seid ihr alle Kumpels die einfach gesagt haben wir machen jetzt ein bisschen Mucke oder wie lief das ab?

Roman: Wir haben ja in der Konstellation vorher schon eine andere Band gehabt – Gunslinger. Daraus haben wir dann Agentpunch gegründet, weil wir einfach Bock hatten, ein neues Projekt zu starten. Das resultierte daraus, dass wir uns musikalisch nicht mehr ganz so mit Gunslinger identifiziert haben. Der Name hat uns dann auch nicht mehr so gefallen.

Tommi: Irgendwie war der alte Name auch immer mehr Arbeitsname. Wir waren nie richtig von dem Namen Gunslinger überzeugt. Innerhalb der Band verstehen wir uns sehr gut, aber wir sind davon, was wir als Gunslinger musikalisch gemacht haben, etwas müde geworden. Wir wollten insgesamt künstlerisch härter werden. Ein Bandname wie z. B. Agentpunch klingt schon deutlich kantiger und härter. „Investigation“, die erste AGP-Scheibe, ist „more Metal“ als die Kunst davor. Ich bin damals (2008) durch den Kontakt von meinem Kumpel Thomson zur Band gestoßen. Der hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Jungs einen neuen Drummer suchen. Ich hatte zwar bislang eher in Trios gespielt, von daher ist das jetzt eher ein Orchester (alle Lachen).

Juri: Roman und ich sind Brüder und wir machen schon Mucke zusammen seit ich ungefähr 12 bin. Damals haben wir aber noch in verschiedenen Bands gespielt und irgendwann ist bei Gunslinger dann der alte Bassist, Markus Tillmann, ausgestiegen und da bin ich dazu gestoßen.

HSF: Was sind eure musikalischen Vorbilder? Ich würde euch mal als eine Mischung aus Judas Priest, Saxon, Motörhead und ein bisschen skandinavischem Rotzrock wie Gluecifer beschreiben.

Tommi: Das ist schon ein Kompliment, mit diesen Bands zusammen genannt zu werden! Danke!

Juri: Bei mir und Roman kamen jetzt in den letzten Jahren auch noch Progressive-Einflüsse dazu. So Sachen wie Mastodon zum Bespiel.

Roman: Und Iron Maiden auf jeden Fall von Beginn an!

Juri: Ja Maiden sowieso!

HSF: Beschreibt doch nochmal selbst euren Stil.

Juri: Die Basis ist klar. Heavy Metal.

Tommi: Sorry, wenn ich dich da unterbreche, denn grundsätzlich bin ich gegen Schubladen. Der Zuhörer soll sich eine eigene Meinung bilden. Wir machen einfach das, was uns gerade inspiriert. Roman bringt z.B. ein Riff mit und wir spielen dazu dann drauflos und gucken was dabei herauskommt. Aber das wir uns jetzt speziell in eine bestimmte Richtung orientieren oder drücken lassen, ist nicht unser Ziel. Die Vielseitigkeit ist eher das, was uns neugierig macht.

Roman: Wenn etwas geil ist, machen wir das. Da legen wir uns kategorisch nicht auf oder gegen etwas fest. Aber klar, am Ende kann natürlich niemand aus seiner Haut (lacht).

HSF: Über welchen Zeitraum ist euer erstes Album „Investigation“ entstanden?

Tommi: Das Investigation-Album ist im Juni 2017 rausgekommen.

Juri: Wir haben gesagt wir gehen mal wieder ins Studio, weil wir wieder ein Haufen Material angesammelt hatten. Da waren ein paar Tracks dabei, die schon älter waren aber das meiste ist von 2016 bis 2017 entstanden.

Tommi: Da waren so ein, zwei Ideen, die passten damals nicht zur Gunslinger-Laune. Die passten eher zur neuen Agentpunch-Philosophie.

Roman: Letztlich hat es knapp ein Jahr gedauert, bis die Scheibe draußen war. Die Aufnahmen hatten wir bereits im Frühjahr/Sommer 2016 abgeschlossen.

AP - InvestigationHSF: Wer hat das Cover zu Investigation gezeichnet? Immerhin ist das nicht so ein Photoshop-Cover was ja (leider) immer noch sehr verbreitet ist. Gibt es schon ein Cover für die neue Scheibe?

Juri: David Budweg, ein alter Schulfreund von mir, hat das Cover gemalt. Der war Kunststudent hier an der Uni und wir haben ihn einfach zeichnen lassen. Das Cover hatte halt etwas Besonderes – wir fanden es geil. Es ist zwar sehr speziell, das mochte auch vielleicht nicht jeder Kritiker, aber das war uns egal. Für das neue Album ist das Cover noch in der Entwicklungsphase. Dazu kann man noch gar nichts sagen.

Tommi: Wir wollen bei dem Cover auch keine Klischees erfüllen, was man vielleicht beim Metal oft erwartet. Ich will da keine Drachen, Knochen, alte Schlösser, oder weiß der Kuckuck was haben. Das Cover einer Platte muss aber nicht sofort ein plastischer Indikator des Inhaltes sein.

HSF: Wer schreibt denn bei euch die Songs? Und wie wichtig sind die Texte für Euch? Gibt es da irgendeinen roten Faden ?

Juri: Also bei der ersten Platte hat musikalisch Roman die meisten Ideen mitgebracht – ein paar Iden haben ich und Tommi beigesteuert. Arrangiert haben wir die Songs dann meistens zusammen bei der Probe. Für die Texte ist größtenteils unser Sänger Alex verantwortlich. Bis auf ein oder zwei Songs hat Alex die auf der ersten Platte selbst geschrieben. Roman steuert da ab und an aber auch Teile bei.

Roman: Die Texte sollen vor allem, grundsätzlich nicht belanglos und flach sein – das ist das Wichtigste. Abgedroschene Klischees wollen wir da nicht bedienen.

Tommi: Die Themen unserer Texte sind zum Teil sozialkritisch, oder ein wenig politisch, aber nicht allzu ernst, denn wir sind keine Weltverbesserer. Wir versuchen einfach unsere Sichtweise und Erlebnisse so, wie wir die wahrnehmen, zum Ausdruck zu bringen.

HSF: Bald wird euer nächstes Album erscheinen. Könnt ihr darüber schon etwas verraten?

Tommi: Über die Platte können wir noch nicht viel verraten. Die kommt hoffentlich im April 2019 raus. Wir sind noch auf der Suche nach einem Plattenlabel. Und wir bleiben beim Metal, weil es das ist, was wir am besten können. Thrash-, Speed- oder theatralischen Hymnen-Metal werden wir nicht präsentieren. Ich denke aber, dass eine Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten Album erkennbar sein wird.

Alex: Ja die Mucke hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt. Aus meiner Sicht ist die Platte viel dynamischer und abwechslungsreicher als die letzte. Ich hab jetzt schon Bock das Zeug live zu spielen und es den Leuten um die Ohren zu klatschen (grinst). Die Texte sind auch hier tendenziell sozialkritisch und politisch, aber natürlich auch wieder mit einer ordentlichen Portion Ironie versehen. Da steckt durchaus viel Denkarbeit dahinter, und es ist auf jeden Fall nicht der übliche, verflachte und von Facebook anerzogene „ich empöre mich mal kurz, weil das grad alle machen“ Bullshit! … Das braucht keiner, dadurch ändert sich nix!

Juri: Das Master ist übrigens heute fertig geworden.

HSF: Habt ihr schon einen Titel für das neue Album. Könnt ihr den schon verraten?

Juri: Weiß nicht, wollen wir das schon verraten?

Tommi: Ich würde es nicht tun (alle Lachen).

Juri: Dann halten wir lieber noch unsere Fresse.

Tommi: Es gibt schon einen Arbeitstitel für das neue Album. Vielleicht kriegen wir aber noch eine bessere Idee und dann nehmen wir lieber die. Deswegen verraten wir noch nichts Relevantes. Zu 96% steht der Albumtitel fest.

HSF: Du kannst ja dazu sagen, dass es ein Arbeitstitel ist.

Tommi: Es ist ein Arbeitstitel, genau (lacht).

Heavy Stage Night 2HSF: Auch wenn es zur Heavy Stage Night 2 mit dem Release des neuen Albums nichts werden sollte, werdet ihr sicher ein paar neue Songs spielen oder?

Tommi: Es werden vermutlich vier Songs von der Investigation sein und der Rest von der neuen Platte. Dazu evtl. ein Cover-Song. Allerdings nicht das T.S.O.L.-Cover von der ersten Platte. Das spielen wir fast gar nicht. Ich mag den Song sehr gerne. Das war mir wichtig, den Song auf der Platte unterzubringen und die Jungs haben dem dann zugestimmt.

HSF: Wo treibt ihr euch denn in der Osnabrücker Rock- und Metal-Szene so rum? Auf was für Konzerte oder in welche Läden geht ihr? Wo findet man Euch?

Alex: Gute Frage … wo soll man sich denn rumtreiben? (lacht) Ich bin froh über jeden Metalhead in dieser Stadt und denke schon, dass wir auch – dank Leuten wie Euch -, eine geile Szene in Osnabrück haben. Aber es ist mittlerweile ne kleine Szene geworden. D.h. außer eventbezogener Formate gibt es leider nicht DEN Ort oder DIE Location, wo permanent 24/7 Metal und Rock gelebt wird. Aber auch das wird sich, so hoffe ich, wieder ändern, wenn man guckt, was außerhalb von Osnabrück so abgeht. Ist halt ne konservative Gegend hier, da braucht es n paar Arschtritte mehr, bis das gute Zeug auch hier ankommt (lacht). Ansonsten findest Du mich und Roman am Wochenende häufiger mal im Grand Hotel. Wie gesagt, ich lebe ja grad in Karlsruhe und wenn man sich mal n paar Wochen nicht sieht, häufen sich natürlich alle möglichen Themen von Musik bis Politik an … die dann mit Alkohol verarbeitet werden müssen (Lacht).

Juri: Eigentlich habe ich das Gefühl, das wir als Band eher außenstehend sind. Wir „treiben“ uns gar nicht so viel in der Szene rum. Für gute Konzerte geht es dann für uns wohl am ehesten in den Bastard Club. Das war auch unsere erste Wahl für das Release-Konzert zu Investigation.

Tommi: Im Hyde Park ab und zu, wenn da was abgeht. Früher gab es noch andere Läden, die sind leider nicht mehr da. Als Deterrent und Enola Gay noch aktiv waren, war ich aktiv mit Thomson und Volker Oberlies mit Horse Shit unterwegs. Dann mit Thomson & The Big Desaster mit Kai Lange, der bis heute bei Dirty Deeds den Bass spielt. Aber mittlerweile haben sich auch die Möglichkeiten dezimiert. Die Leute hören diese Musik nicht mehr so intensiv wie z.B. in den 90er Jahren. Mittlerweile trinken wir lieber zu Hause und reden über Musik, statt in irgendwelchen angesagten Pop-Kneipen rum zu hängen (lacht).

HSF: Was erwartet ihr von der Heavy Stage Night? Und was können wir erwarten?

Tommi: Dass der Ablauf und die Organisation gut ist! Denn das ist bei mehreren Bands immer wichtig, dass die Bands sich gegenseitig unterstützen und nicht 3 Stunden ihren Soundcheck machen und man anschließend das Set kürzen muss. Ihr könnt von uns auf jeden Fall 100% erwarten und das erwarten wir dann natürlich auch von Euch und vom Publikum.

HSF: Vielen Dank für das überaus nette Gespräch. Wir freuen uns riesig auf euren Auftritt und dass ihr den Zuschauern ne ordentliche Breitseite Heavy Metal Made in Osnabrück verpasst!

Agentpunch sind:

Alex – Vocals
Roman – Guitar
Juri – Bass
Tommi – Drums

Homepage: https://agentpunch-music.com/

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