Nailed To Obscurity – Black Frost VÖ: 11.01.2019, Nuclear Blast, Melodic Death/Doom Metal

Black Frost

Nachdem Nailed To Obscurity bereits mit ihrem letzten Album “King Delusion” ein echtes Ausrufezeichen in Sachen Melodic Death/Doom Metal setzen konnten, melden sich die Ostfriesen nun mit “Black Frost” eindrucksvoll zurück. Für das nunmehr vierte Album haben sich Nailed To Obscurity dabei einen Deal mit Europas größtem Metal Label Nuclear Blast sichern können, was beachtlich ist. Anscheinend hat man auch in Donzdorf erkannt, welches Potential diese Band hat, sind sie doch mit ihrem abwechslungsreichen und hochwertigen Melodic Death Metal angesagter denn je.

Bis auf den Labelwechsel hat sich bei Nailed To Obscurity ansonsten allerdings nicht viel getan. Victor “V. Santura” Bullok (u. a. Dark Fortress, Triptykon) zeichnet auch auf “Black Frost” wieder für die Produktion verantwortlich, aufgenommen wurde wieder in den Woodshed Studios und auch die Band selbst konzentriert sich auf das, was sie am Besten kann. Mit einer gekonnten Mischung aus Härte, Melodie und Atmosphäre zieht sie den geneigten Hörer vollends in ihren Bann. Fans von Katatonia, Opeth und Insomnium werden ihre wahre Freude an “Black Frost” haben.

Nailed To Obscurity treten aber alles andere als auf der Stelle. Vielmehr ist die Band von Album zu Album stetig gewachsen und hat ihren Sound stets weiterentwickelt. So auch auf “Black Frost”. Während “King Delusion” seinen Fokus eher auf der Kombination von Melodie und Härte hatte und damit auch von harten Riffs sowie aggressiven Growls geprägt war, geht man auf “Black Frost” etwas anders zu Werke. Es wird viel mehr Wert auf Atmosphäre gelegt und die klassischen Gitarren-Leads werden zum Teil zurückgefahren.

Der Opener “Black Frost” funktioniert dabei als so etwas wie ein Bindeglied, da er mit seinen straighten Gitarren noch am ehesten an das Material des Vorgängers erinnert. Gleichzeitig kommt der Song aber auch düster und zum Ende einen ticken böser rüber. “Tears Of The Eyeless” zeigt dann eindrucksvoll, wie gut Frontmann Raimund Ennenga seinen Gesang verbessert hat. Vor allem, was den cleanen Gesang angeht, ist man beinahe geblendet von der Ausstrahlung der Vocals. Weiterhin zeigen Songs wie “Feardom” oder “Cipher” die Variabilität des Gesangs, denn egal, ob clean, gegrowlt oder beinahe gesprochen, Ennenga wickelt den Hörer mit seinem Gesang förmlich in die schwere Düsternis von “Black Frost” ein.

Auch die Gitarrenfraktion um Volker Dieken und Jan-Ole Lamberti leistet einmal mehr hervorragende Arbeit. Die beiden sind ja ohnehin für ihre gut komponierten Melodien und Riffs bekannt. Die Gitarren auf “Black Frost” sind aber ein ganzes Stück komplexer und vielschichtiger aufgebaut als auf dem Vorgängeralbum. Hinzu kommt, dass man Tempo herausgenommen hat, was insgesamt zu einer deutlich doomigeren Stimmung führt. Bestes Beispiel hierfür ist wohl “Cipher”. Doch auch “The Aberrant Host” zeigt sich in den Harmonien komplex, manchmal gar etwas undurchsichtig und ist nicht beim ersten Hören erschließbar.

Im letzten Song “Road To Perdition” findet das Album dann einen würdigen Abschluss. In knapp acht Minuten wird noch einmal alles, was “Black Frost” ausmacht, zusammengefasst und gekonnt zu Ende gebracht. Mit einer guten Balance zwischen Harmonie und Dissonanz liefern die Gitarren einen fetten Klangteppich, auf dem sich die Vocals noch einmal voll entfalten können. An dieser Stelle sei auch noch einmal eine Lanze für Schlagzeuger Jan Hillrichs gebrochen, der mit seinem gefühlvollen Drumming die richtigen Akzente zur richtigen Zeit setzt und damit die Vielschichtigkeit des Albums noch um eine weitere Ebene erweitert.

“Black Frost” ist also ein Album, auf das man sich einlassen muss. Es entfaltet sich in seiner Gänze nur, wenn man es am Stück hört. Einzelne Stücke herauszupicken wäre nicht ratsam, da sie nur in Verbindung miteinander funktionieren. Dann allerdings ganz wunderbar. Das Album ist düster, doomig und strotzt nur so vor Melancholie und erdrückender Schwere. Gleichzeitig ist es unheimlich vielschichtig, voller Atmosphäre und Gefühl, sodass es auch nach dem fünften oder zehnten Durchlauf noch neue Elemente hervorbringt. Es ist der passende Soundtrack für einen kalten Winterabend, den man mit einem Glas Rotwein vor dem Kamin verbringt.

Homepage: http://www.nailedtoobscurity.com/

Tracklist:

  1. Black Frost
  2. Tears Of The Eyeless
  3. The Aberrant Host
  4. Feardom
  5. Cipher
  6. Resonance
  7. Road To Perdition

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Bunt is das Dasein. Und Granatenstark. Volle Kanne Hoschi.

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